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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 228 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 13 einen Selbstmord. Die Frau und sechs Kinder sind ohne Ernährer zurückgeblieben. Das niederträchtige grausame russische Wohnrecht hat um eine Tragödie mehr aufzuweisen. Die spanische Nationalhymne bei einer jüdischen Veranstaltung. Es ist wohl seit 420 Jahren das erste Mal der Fall, daß bei einem jüdischen Feste die spanische Nationalhymne gesungen und gespielt wird. Dieser bezeichnende Vorfall ereignete sich vor einigen Tagen in Konstantinopel, wo die dortige B'nai B'rith-Loge einen Festabend veranstaltete und zu demselben auch die Mitglieder der spanischen Kolonie mit dem Gesandten an der Spitze eingeladen hatte. Der Abend gestaltete sich zu einem Vergnügungsfeste zwischen Spaniolen und Spaniern, das durch die gemeinsame Absingung der spanischen Nationalhymne ihren Höhepunkt erreichte. Die Gemeinderatswahleu in Großlondon. Bei den jüngst vorgenommenen Wahlen in den London County Council wurden auch 9 Juden gewählt. Fünf gehören der liberalen und 4 der konservativen Partei an. Der bekannte Politiker, Mitglied des itoistischen Zentralrates Karl Stettauer wurde mit liberalem Programm im East End gewählt, trotzdem die Konservativen gegen ihn einen heftigen Kampf führten, da sie Gewicht darauf legten, daß das East End künftighin von einem Nichtjuden vertreten sei. Gleichfalls mit liberalem Programm wurde Miß Netty Adler, die Tochter des verstorbenen Chirfrabbi in Hackney gewählt. Unter den gewählten Konservativen befindet sich auch Sebag Mont efio re, ein Neffe dis unvergeßlichen Moses Montefiore. Londca, 2. Mürz. In einer Zeit, da man in vielen Ländern Europas auf Mittel sinnt, den ausländischen Juden möglichst das Leben zu erschweren, darf mit Genugtuung verzeichnet werden, daß die englische Negierung, trotz allen Strömungen, eifrig bemüht ist, die Eingewanderten zu nützlichen Bürgern zu machen. So hat jüngsthin auf vielfache Vorstellungen von jüdischer und liberaler Seite das „Home Office" verfügt, daß die bisherige Gebühr für die Naturalisation fremder Staatsangehöriger von 5 Pfund auf 3 Pfund ermäßigt werden soll. Auch sind bezüglich des Vildungsnach weises erhebliche Erleichterungen geschaffen worden. Die Verordnung hat in jüdischen Kreisen lebhafte Befriedigung hervorgerufen. Luigi Luzzatti finanzieller Berater der chinesischen Regierung. Aus Rom wird uns geschrieben: Der gewesene italienische Ministerpräsioent Luigi Luzzatti wurde von der chinesischen Regierung zum offiziellen finanziellen Berater ernannt. Luzzatti wird außer in rein finanzielle auch in landwirtschaftlichen Angelegenheiten Gutachten abzugeben haben. Luzzatti gibt deshalb seine Residenz in Rom nicht auff sondern nvrd die Leitung einer diplomatischen Hochschule übernehmen, welche die chinesische Regierung behufs Erziehung und Heranbildung von höheren Negierungsbeamten in Rom gründen wird. Verband Mischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Der Verband jüdischer 'Frauen für Kulturarbeit in Palästina, dessen fünfter Jahresbericht eben erschienen ist. kann mit Befriedigung auf seine Tätigkeit im vergangenen Jahre zurücksehen. Die Institutionen, die von ihm ms Leben gerufen wurden, haben sich weiter gut entwickelt und weisen viele Fortschritte auf. In Jaffa werden zurzeit in der Schule 57 Mädchen beschäftigt gegen 40 im Vorjahre. Das Atelier in Jerusalem ist von 50 auf 150 Mädchen vergrößert. Das Atelier in Liberias beschäftigt in diesem Jahre 80 Mädchen gegen 30 im Vorjahre. Die feinsten Arbeiten kommen von dort. Neuerdings wird dort auch Nähunterricht erteilt. In Safet ist im Laufe dieses Jahres eine Nähschule für 75 Mädchen eröffnet. Da unter der Bevölkerung in Safet große Not herrscht, kann man annehmen, daß die Schule von großem Segen für die Stadt werden wird. Die Zahl der Heimarbeiterinnen, die bis jetzt aus den Schulen hervorgegangen ist, beläuft sich, vorläufig auf 26, da wegen der schlechten häuslichen VerhältnM das Arbeiten zu Hause noch nicht überall möglich ist. Im ganzen beschäftigt die vom Verein eingeführte Spitzenindustrie und Näharbeit jetzt 388 Mädchen. Dazu kommen 16 Lehrerinnen, teils für Spitzen und Nähen, teils für Hebräisch und Turnen. Mit dem Dienstpersonal sind es rund 410 Personen, denen durch den Verband eine Erwerbsquelle geschaffen worden ist. Auch der Verdienst der Mädchen hat sich! gesteigert. Wenn eine mittlere Arbeiterin 25—30 Frcs. monatlich verdient, so gibt es auch schon Mädchen, die bei feinerer Arbeit und Stücklohn imstande sind, bis zu 50 Frcs. zu verdienen. In den Schulen wird auf Ordnung und Sauberkeit gesehen. Die Räume sind hell und freundlich. Auch wird für ärztliche Untersuchung der Augen gesorgt, was speziell in Jerusalem, wo die ägyptische Augenkrankheit an der Tagesordnung ist, von besonderer Wichtigkeit ist. Die Nachfrage nach den Spitzen ist im Wachsen, so daß die Spitzen gut verkauft werden. Die Proteftantenmission unter den Fallnschen. Wie wichtig und dringend die große jüdische Kulturarbeit ist, welche der unermüdliche Dr. Jakob F a i t l o w i t s ch zu Gunsten des jüdischen Fallaschastammes in Abeffynien an ihr Oberhaupt in Deutschland gerichtet hat und in der letzten Nummer gedruckt ist. Die Mission in Abeffynien beschwert sich darüber, daß ihre früher so erfolgreiche Bekehrungsarbeit durch die Tätigkeit des Dr. Faitlowitsch plötzlich einen Abbruch erlitten hat. Die Fallascha-Männer und Frauen weisen jeden Annäherungsversuch der Missionäre energisch zurück, besonders die Frauen wachen darüber, daß ihre Männer von den Seelenfängern nicht betört werden. Bezeichnend für den großen Einfluß, den Dr. Faitlowitsch unter den Fallaschas besitzt, ist die Klage der Missionäre, daß die Fallascha- Männer ihnen kurz erklären: Uns laßt ungeschoren. Wenn Jakob Faitlowitsch zurückkehren wird, könnt ihr mit ihm diskutieren. Er wird euch schon überzeugen, dann wird sich auch Herausstellen, auf welcher Seite die Wahrheit ist. Aber dann werden auch alle Fallaschas, die ihr schon früher getauft, habet, wieder zum alten Glauben zurückkehren. Unter solchen Umständen, schließt der interessante Missionsbericht, blieb uns nichts anderes übrig, als von dannen zu ziehen. _ Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengasie 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des jel. Ignaz Ehrenthcul: M. A. Löwy 5.— Kr. Anläßlich des Ablebens des sei. Dr. Cäsar Zellermayer: M. Zellermayer Kronen 25.—, Armin Bergl 25.—. Zusammen: Kronen 50.—. Anläßlich des Ablebens des jel. Moriz Huppert: I. k. Eijenbahnmimst.-Rchgs.-Departement I 12.—, k. k. Eisenbahnminist.-Rchgs.-Departement II 35—, Dr. Josts Braun 10.—. Zulammen 57.— Kr. Anläßlich des Ablebens des jel. Michael Engel: Lina Jellinek 6.—, Theresie Epstein 6.—, Dustav Jellinek 10.—, Dr. Emil Frankl 10.—. Zusammen 32.— Kr. Wien (Ernennung.) Der Minister für Kultus und Unterricht hat, wie das Verordnungsblatt vom 15. d. M. meldete. Sr. Ehrw. Herrn Dr. Arnold Frankfurter, Prediger des Döblinger Tempelvereines, eine wirkliche Lehrstelle für israelitische Religion an der Staats-Realschule im I. W cn-'r Gemeindebezirke verliehen.

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