Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 226 Dr. BLochs Wochenschrift. Nr. 13 finden die Begründungen für gerechtfertigt und werden im Wirkungskreise dieser Gemeinde entsprechend Vorgehen. Achtungsvoll Vorstand der israel. Kultusgemeinde in Smichow. Ludw. Weil m. p. Euer Wohlgeboren! In höflicher Beantwortung der im Namen der Kantoren Prags und der Vororte zugekommenen Zuschrift beehrt sich der gefertigte Vorstand mitzuteilen, daß in seinem Eemeindesprengel, sowohl in als außerhalb der Synagoge nur die eigenen Berufdkantoren fungieren und fremde Funktionäre überhaupt nicht zugelassen werden. Wir anerkennen vollkommen Ihre diesbezügliche Beschwerde, welche zwar aus vorangeführten Gründen auf unsere Gemeinde keinen Bezug hat, und sind gerne bereit, bezüglich der Trauungen in den Hotels, welche wir, nebstbei bemerkt, überhaupt nicht billigen, Ihrem geäußerten Wunsche gemäß bei unserem Herrn Rabbiner zu intervenieren; der Haupthebel wäre jedoch unseres Dafürhaltens in Prag selbst anzulegen, wenn eine gründliche Remedur geschaffen werden soll. Mit vorzüglicher Hochachtung Vorstand der israel. Kultusgemeinde Kgl. Weinberge. Der Vorsteher: Dr. S k a l l m. p. Am 12. März 1913. Prag, den 18. März 1913. Antwortlich Ihres Schreibens, welches Sie namens der Kantoren in Prag und Vororten im Feber l. I. an unseren Sekretär, Herrn Dr. Louis Geschmay, Advokaten in Prag, gerichtet haben, geben wir Ihnen nachstehendes bekannt: Ihre Zuschrift gelangte in der am 16. März l. I. abgehaltenen Sitzung des Verwaltungsrates zur Verlesung. Im Grunde der hierüber gepflogenen Beratung und des darnach einhellig gefaßten Beschlusses bringen wir Ihnen zur Kenntnis, daß sich der Verwaltungsrat nicht für kompetent erachtet, zu der von Ihnen angeregten Angelegenheit Stellung zu nehmen, noch weniger irgend welche Ingerenz wegen Behebung der von Ihnen hervorgehobenen und gerügten Uebelstände üben zu können. Wir müssen es aus dem eben erwähnten Grunde den Herren Kantoren Prags und der Vororte überlassen, die notwendigen Vorkehrungen bezw. die erforderlichen Schritte bei der Behörde zu veranlassen. Hochachtungsvoll Vom Vorstande des Vereines für geregelten Gottesdienst der Israeliten in Prag. Dr. Louis Geschmay m. p. Moritz A u st e r l i tz m. p. Sekretär. Nterarr. Sonntag den 16. März fand die fünfte Generalversammlung des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" unter Beteiligung eines zahlreichen und sehr distinguierten Publikums statt. Präsident Herr Dr. M. K o r e s begrüßte die Anwesenden, konstatierte die ordnungsgemäße Einberufung und Beschlußfähigkeit der Versammlung und gedachte in warmen Worten der durch den Tod dem Vereine entrissenen Gönner. Die geschäftsführende Vizepräsidentin Frau Dr. Rosa H e r s ch gab in ihrem Tätigkeitsberichte eine ausführliche Ueberficht über die geschäftliche Tätigkeit des Vereines. Den interessanten und gründlichen Ausführungen folgten die Anwesenden mit großem Interesse. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Tätigkeitsberichte folgte der Kassabericht des Vereinskassiers Herrn G. Katzen st ein und der Revisionsbericht des Herrn Heinrich G u t m a n n; es wurde die genaue und sorgfältige Behandlung der Kassa und Revision seitens der genannten Herren von der Versammlung mit großer Befriedigung wahrgenommen. Nicht minder Befriedigung rief der ärztl.che Bericht des Präsidenten und Chefarztes Herrn Dr. M. Koref hervor. Die günstigen Heilungserfolge und die stetig wachsende Nachfrage um Aufnahme in das Genesungsheim sprechen nicht minder beredt, als die statistischen Daten, daß das Genesungsheim als humanitäre Anstalt mit vollem Rechte seinen guten Ruf verdient. Zum Schluffe sprach Herr Dr. Schaff. Lemberg, dem Gesamtvorstande, insbesondere den Präsidenten Herrn Dr. Koref und der geschäftsführenden Vizepräsidentin Frau Dr. Hersch uamens der Versammlung den innigsten Dank für die Mühe und Arbeit im Dienste der Humanität aus, worauf der Vorstand als freien Antrag die Ernennung des verewigten Herrn San.- Rat Dr. R. Hausmann, Meran, und des Revisors Herrn H. G u t m a n n, Meran, in Anbetracht der hervorragenden Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern vorschlug. Die Versammlung nahm per aeelamationem die Wahl vor. — Das Genesungsheim hat bereits zum fünften Male seine Tätigkeit der O.'ffentlichkeit unterbreitet, seit 5 Jahren unter allgemeinem Interesse segensreich gewirkt. Das Wohlwollen und die Förderung aller gutgesinnten Menschen wird dieser Anstalt gewiß immer treu bleiben. Lin Pamphlet Polonyi's. Der Abgeordnete Geza Polonyi, dem ein hartes Geschick die Möglichkeit benommen hat, das Abgeordnetenhaus mit seinen stundenlangen EXpektorationen zu beschäftigen, ist unter die Pamphletisten gegangen. Er tat dies, um sein altes Steckenpferd, den Verfall des Katholizismus und das Vordringen des Judentums auf allen Gebieten, reiten zu können. Sein soeben erschienenes Opus betitelt sich „Az orszäggytilesi kepviselök välasztäsäröl szölö törveiiyjavas]atnak a felekezetekre yalo hatäsa“ (Die Wirkung des Gesetzentwurfes über die Wahl der Reichstagsabgeordneten auf die Konfessionen), in Wirklichkeit läßt er aber die übrigen Konfessionen so ziemlich links liegen, um fast ausschließlich gegen die Juden loszuziehen, die dem alten Schlaufuchs, trotzdem er sich immer gegen den Vorwurf der Judenfresserei verwahrt, schon längst ein Dorn ttu Auge sind. Er beginnt seine Tiraden damit, daß die Vorlage zum Schaden des Katholizismus das Judentum in auffallender Weife favorisiert, dessen Machteinfluß in bedenklicher Weise hebt und für das ganze Christentum eine kaum mehr abstellbare Gefahr bedeutet. Ein echt Polonyi'scher Bombast. In dieser Tonart und nüt dieser Tendenz geht es fort und fort, ckaeapo al tine durch sämtliche 68 Seiten der Broschüre. Polonyi wäre nicht Polonyi, würde er die Negierung nicht damit verdächtigen,, daß sie direkt den Zweck verfolge, die katholischen Gläubigen zugunsten der Juden des politischen Einflusses zu berauben. Der Intelligenz-, Steuer- und Vermögenszensus, sämtliche Methoden und Kombinationen sollen ausschließlich diesem Zwecke dienen. Die sogenannte Beweisführung ist scheinbar höchst einfach. Denn es ist, so sagt Polonyi, allgemein bekannt, daß Handel, Kreditwesen, Fabriksindustrie, Börse und Presse fast ausschließlich, unter den freien Beschäftigungen aber die Advokatur. Medizin, Veterinärwesen und Kunst in erschreckendem Verhältnisse durch Juden vertreten sind. Diese Beschäftigungen sind in den Städten konzentriert, und da die Stadtbevölkerung, wie Polonyi meint, in der Wahlrechtsvorlage in jeder Beziehung bevorzugt erscheint, ist die These klipp und klar bewiesen. Polonyi vergießt beinahe Tränen bei dieser Erkenntnis, denn, so ruft er aus, nicht die Analphabeten, sondern die hungernden mittelmäßig, halb- oder fachgebildeten Proletarier bilden das staatsgefährliche Element. Brief aus Trirst. Die feit Monaten fälligen und wiederholt angekündigten Kuktuswahlen find für den 6. April l. I. endgiltig angesetzt worden. Wie aus den den Wahlzetteln beigeschloffenen Verzeichnissen hervorgeht, können von den 826 Mitgliedern, die Kultussteuer entrichten, bloß 496 das Wahlrecht ausüben, da die übrigen, wenngleich feit Jahren hier ständig domizilierend, weniger als ein Jahr der Gemeinde als Besteuerte angehören und daher noch kein Wahlrecht besitzen. Hält man sich vor Augen, daß in Triest zirka 7000 Juden wohnen, so muß die Anzahl der Besteuerten als eine äußerst geringe bezeichnet werden. Eine weit ausgreifende Besteuerung erscheint umso eher möglich und geboten, als die meisten hiesigen Juden in günstigen Verhältnissen leben und die Gemeindefinan-