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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dr. Mochs Wochenschrift Sette 323 Nr. 13 schiften, Sprachen und Trachten zu lagern und der großen heiligen Handlung mit Andacht und Weihe zu lauschen. Wenn lausend 'Flotten, die im Bosporus Anker würfen, ihre Nationen ausgeschifft hätten, würden sie sich hüben und drüben, auf den sonnigen Bergen zweier Weltteile, mit Posaunenton begrüßen. Dann zöge tief zu ihren Füßen, ein wunderbares, goldenes Schiff mit einer riesigen weißen Flagge, auf der „Friede und Liebe" glanzvoll geschrieben, zu lesen wäre. Jeder Buch^ stabe ein Stern und alle zusammen eine leuchtende Sonne. Auf dem Verdecke stünden die Gedankenfürsten aller Völker in weißen, wallenden Gewändern, funkelnden Kronen auf dem Haupte und mit leuchtenden Augen. — Die Völker der Erde müssen die Augen schließen vor dem flutenden Glanze, und es ertönen Donnerlaute, wie vom Berge herab in der Wüste, als der Herr sich auf ihn niederließ und mit diamantenem Finger die Worte in steinerne Tafeln grub." Die prophetische Vision des Dichters am Bosporus ist nun tatsächlich ein halbes Jahrhundert nachher — im Haag — in Erfüllung gegangen. Aber dieser Friedenstempel der Nationen scheint nur für eine bestimmte Reihe von Völkern aufgerichtet worden zu sein. Für solche des Islam ist er noch verschlossen. Seit dem einen Jahrzehnt, seitdem er mit der weißen Friedensflagge weht, wird den verschiedenen mohammedanischen Reichen ein Stück nach dem anderen aus den zuckenden Leibern gerissen. Unter dem Triumphgeschrei der fortschreitenden Zivilisation, werden die Wehrufe unschuldiger Tausende erstickt und mit allen Grausamkeiten des Mittelalters fließt das Blut in Strömen - bis hinunter an das goldene Horn am Bosporus! Und für die Juden ist überhaupt noch kein einziges Sonnenstäubchen aus diesem nordischen Friedenspalaste sichtbar geworden: seit einer Generation dauert die große jüdische Völkerwanderung aus dem erbarmungslosen nordischen Reiche an, hinaus in die neue Welt, wo der Jude bisher 'eine neue Heimat findet und sich mit seiner alten, ungebrochenen Energie ausleben kann. Und das kleine Rumänien, welches allen Judenhassern Vorbild und Muster ist, und das sich nun an den Berliner Kongreß erinnert, welcher für das Gleichgewicht am Balkan Sorge trug, ob es jetzt von den mühsam flickenden Diplomaten an die Pflicht der Gleichberechtigung für die Juden, die noch immer gleißnerisch als Fremdle im Lande behandelt werden, erinnert werden wird? — Dort in London, wo einst Gladstone mit dem Schreckensschrei der „Atrocities" den Türken den ersten Gnadenstoß versetzte, dort wäre auch wohl der Platz, nun an die Grausamkeiten der tyrannischen Gesetze gegen die Juden zu erinnern. Im finstersten Mittelaller, als der Jude nirgends ein Heim hatte und nach einer Zufluchtsstätte auslugte, erschien eben aus dem durch die Osmanen eroberten Konstantinopel der Ruf des Sultans, sich dort niederzulassen. Ein Jude der Türkei schildert ihn folgendermaßen: „Es war im 1. Jahre des Sultans Mohammed (seiner Regierung zu Konstantinopel), Königs der Türkei, als sich vollendet hatte das Wort Gottes durch Jirmijahu wie folgt: So spricht der Herr, der die Sonne gemacht hat, zur Erleuchtung des Tages und die Gesetze des Mondes und der Sterne zur Erleuchtung der Nacht, der das Meer beschwichtigt, wenn seine Wellen toben, der Herr der Heerscharen ist sein Name. Wenn diese Gesetze aufhören vor mir, spricht der Herr, soll auch die Nachkommenschaft Israels aufhören, ein Volk vor mir zu sein allezeit! — So spricht der Herr: Wenn der Himmel oben gemessen wird und die Grundfesten der Erde unten erforscht werden, so will ich auch die ganze Nachkommenschaft Israels verwerfen für alles, was sie verübt, spricht der Herr! — In eben diesfer Zeit hat der Ewige den Geist des Königs, des Sultan Mohammed, Königs der Türkei, erweckt und er ließ den Ruf in seinem ganzen Reiche ergehen, durch eine Schrift, wie folgt: So spricht Mohammed, der König der Türkei: Königreiche der Erde hat mir der Ewige, der Gott des Himmels gegeben, und er hat mir aufgetragen, zu gedenken seines Volkes, die Nachkommen Abrahams, seines Dieners, die Söhne Jakobs, seiner Auserwählten, ihnen Leben zu geben im Lande, und ihnen eine große Rettung zu sein: wer von Euch von seinem Volke ist, dem ssei sein Gott mit ihm! Er ziehe nach Konstantinopel. den Ort des Thrones meines Reiches, im Besten des Landes. Es wohne ein Jeglicher unter seinem Weinstocke und seinem Feigenbäume: mit dem Silber, dem Golde, dem Vermögen und dem Vieh ziehe er ein in das Land, treibe da sein Gewerbe und besetze sich daselbst!" „Da versammelten sich die Jehudim aus allen Städten der Türkei zu Tausenden und Zehntausenden, aus der Nähe und aus der Ferne, und jeder kam aus seinem Orte, so daß die Gemeinde in Konstantinopel sehr groß wurde. Und der König gab ihnen ausgezeichnete Grundstücke und Häuser, voll von allem Guten, und die Jehudim wohnten in der Stadt nach ihren Familien und ihren Stammhäusern, sie wurden zahlreich und sie waren überall im Lande. Und von dieser Zeit an und ferner, an allen Orten, wo sich Juden befanden und die der König eroberte, ließ er sie von denselben nach Konstantinopel kommen, dem Orte seiner Residenz, und erhob sie allezeit. Es geschah dies, weil die Jehudim Gott fürchteten, deshalb ließ er sie Häuser errichten, voll von allem Guten. Und an dem Orte, an welschem seit den frühesten Zeiten, zur Zeit des Königs der Griechen, in ganz Konstantinopel höchstens zwei bis drei jüdische Gemeinden waren, hatten sich nun die Jehudim zahlreich angesammelt und sind zu einer solch großen Gemeinde geworden." In dieser vom Herzen kommenden Darstellung, die so voll von dankbarer Anerkennung ist, zeigt sich der gewaltige Umschwung, der mit der Herrschaft der Osmanen zur Rettung der in ganz Europa bedrängten Juden eingetreten war, und jedes hinzugefügte Wort würde nur die Bedeutung dieses geschichtlichen Ereignisses abschwächen. Es erging auch ein Gesetz, das den Juden eine Steuer auferlegte, zum Zwecke ihrer religiösen Verwaltung. Von derselben sollten in allen jüdischen Gemeinden der Türkei die Bothe-Dinim mit ihren Vorsitzenden erhalten werden, an deren Spitze der Rab-Harabban i m, genannt Chacham-Baschi —, der Oberrabbiner, über alle anderen, mit besonderen Rechten ausgestattet, stehen sollte. Er bekam Sitz und Stimme im Diwan, an der Seite des Mufti und der Patriarchen der christlichen Konfessionen. (Fortsetzung folgt.) Vom Zabrmarlrt des Lebens. Antijüdischer Boykott der Griechen. Das türkische Großrabbinat hat von der jüdischen Gemeinde in Tchechme ein Schreiben erhalten, in welchem sie darüber Beschwerde führt, daß die Griechen der genannten Stadt anläßlich des Verschwindens eines sechsjährigen Christenmädchens zunächst die Bevölkerung mit dem Ritualmordmärchen gegen die Juden verhetzten und einen antijüdMen Boykott organisierten, den sie auch dann nicht entstellten, als das verschwundene Mädchen im Griechenviertel im Hause eines Griechen aufgesunden wurde. Der Großrabbiner begab sich gleich zum Patriarchen, der seine Intervention zusagte.

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