Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 222 Dr. Blochs Wochenschrift. Euer Hockwohlgeboren! In seiner Sitzung vom 23. d. M. liat der hiesige Kultusgemeinde-.Ausschuß den einstimmigen Beschluß gefaßt. Euer Hochwohlgeboren für Ihre ausgezeichnete Bede anläßlich der Verhandlungen über das Gesetz zur Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der Israeliten im hohen Abgeordnetenhause seinen wärmsten und ergebensten Dank auszudrücken, wovon der hochachtungsvoll gefertigte Kultusgemeinde-Vorstand die höfliche Mitteilung zu machen sich beehrt. Hochachtungsvoll Vorstand der Israel. Kiultusgemeinde Trebitscli, 24. Febr. 1890. Der Präses: Max Subak; „Venn das Volk in glücklichen Tagen dahinlebt, dann ist sich jeder der Klügste wie der Beste; zerrüttet »die Kot die gewöhnlichen AVege des Lebens, reißt das Gebäude nieder: Ach, da sieht man sich um, wer wohl der verständige Manu sei, und er redet nicht mehr die herrlichen Worte vergebens.“ Diese Worte unseres Altmeisters Goethe können wir aus vollster Heberzeugung auf Ew. Ehrwürden anwenden. Die lichtvolle Zeit der Aufklärung, der Glaubensfreiheit und der Gleichberechtigung aller Kulte, sie wird durch Finsterlinge zu verdunkeln gesucht, welche die Herbeiführung mittelalterlicher Zustände, Glaubenshaß und Rassenkampf auf ihre Fahne schrieben. Gegen dieses wütende Beginnen sind Ew. Ehrwürden als mannhafter Kämpe, gerüstet mit der Lebermacht Ihres Wissens, Ihrer Geistesschärfe, Ihrer überzeugenden Redegewandtheit in die Schranken getreten und zur Ehre des Judentums, zum Ruhme der Wissenschaft von der gebildeten Welt als Sieger anerkannt worden. Die Judenschaft nennt Ew. Ehrwürden mit Stolz ihren Vorkämpfer, den Verteidiger der Reinheit und Wahrheit unserer Religion gegenüber jenen von Bosheit und Ignoranz erhobenen Verdächtigungen und falschen Anklagen, zollt Ihnen ihre unbegrenzte Verehrung und tiefste Dankbarkeit, in welcher auch zeichnet die Repräsentanz der Israel. Kultusgemeinde in Randnitz: Gottlieb Brody, Kultusvorsteher; Gabriel Schiff, Tempelvorsteher; Ad. Pli. Braun, Med. Dr. Eisler, J. 8. Lewi, K. Löbl, B. Bondy, Karl Popper, Ignaz Pollak.“ Solcher Art ajoar dos Urteil der Alten in Prag und in Böhmen über die „Oesterreichische Wochenschrift" und deren Wirken. Nunmehr aber wird mir aus Prag ohne jeden Anlaß nachstehende Insulte zugesendet: „Es ist kein Wunder, wenn kultivierte Menschen, wenn anständige Nichtjuden von der Kampfesart der „Israeliten" einen Ekel bekommen." Offenbar soll das auch eine Art Satisfaktion sein dafür, daß ich das Prager und das böhmische Judentum von der Schande Rohlings befreit habe. Ich überliefere diese Heldentat der öffentlichen Beurteilung. Wien, 25. März 1913. _ Dr. Bloch. §*mhimU Zubeugemeirrden des osnrauischen Meiches. Von Rabbiner W. Reich in Baden bei Wien. (X. Fortsetzung.) III. Konstantinopel Das alte Byzanz wurde von den Megarern 660 v. d. g. Zeitr. als Kolonie begründet- Durch K o nstantin d. Gr. wurde es im Jahre 330 n. d. g. Z. siebenfach vergrößert und durch ihn zur Hauptstadt des römischen Reiches erhoben. Dorthin verlegte er seine Residenz, gab ihr seinen Namen und mit ihm (306- 337) beginnt das byzantinische Kaisertum. Die Türken aber bezeichnen Konstantinopel mit dem Namen Skambul, auch I st am b ul. sie nennen es auch mit poetischem Schwünge „Der-i-seadet“, d. h. „Morte der Glückseligkeit". Die Berechtigung zu dieser Bezeichnung erkennen wir in dem Ausspruch eines berühmten Reisenden, der hiervon sagte: „Ich verstand erst Venedig in Konstantinopel. Dieses ist das gewaltige Original, jenes eine kleine, wenn auch künstlerische Nachahmung,- ein Stück orientalischer Architektur in die La- Nr. 13 gunen des adriatischen Meeres getragen." — Aber wer könnte es wagen, diese Stadt zu schildern, wenn nicht ein Dichtermund? — Keine Stadt der Welt wurde so oft geschildert und besungen, als Konstantinopel, von den ältesten bis zu den neuesten Zeiten. Nur ihr einziges Wahrzeichen, die H a g i a - S o f i a, erbaut auf einem der sieben Hügel der Stadt, bildete schon eine Weltstand arte! — Zuerst als Kathedrale der orientalischen Welt des Christentums erbaut, bei deren Anblick der sie errichtende Kaiser Iustiniap im Jahre 548, das Jahr ihrer 'Fertigstellung, triumphierend ausgerufen haben soll: „Salomo, ich habe dich besiegt!" So kostbar und zauberhaft war sie ausgestattet! — Dann, tausend Jahre später, als Mohammed II. im Jahre 1453 Konstantinopel erobert und die mit der Plünderung der Kirche beschäftigten, siegestrunkenen Ianitscharen hinaustreibt, auf die Kanzel steigt und mit gewaltiger Stimme sie für den Islam in Besitz nimint. — Und nun, ein halbes Jahrtausend später, da sie wieder nicht weit von ihrer Rückumwandlung steht! Wer kennt die Wandlungen der Geschichte, wer kann ihr Räderwerk durchschauen, wer die dynamischen Kräfte ermessen, die sie beherrschen!? Aber auch die geographische Lage prägt der Stadt Konstantinopel das unsterbliche Siegel eines Weltwunders auf. Lassen wir das Wort einem jüdischen Dichter, der auf dem deutschen Parnaß sich das Bürgerrecht erworben, L. A. 'Frankl, in seinem Buche: Nach Jerusalem. „Zwei Weltteile, Asien und Europa, bilden seine Gestade und diese sind von den Höhen herab und vom Wasser empor nicht mit einzelnen Palästen, Türmen, Minareten, Mauern, Zypressen, Kuppeln und Gärten besät, es sind volkreiche Städte, deren Häuser bunte, phantastisch gebaute Paläste sind, die bald auf den . sonnigen Bergen, bald zurücktretend in ihren Tälern sichtbar sind und Auge und Phantasie zugleich erregen und verwirren. Es find nicht einzelne goldene Kuppeln, tausend von ihnen leuchten empor und mehr denn tausend Minarete, wie Riesensilberpappeln im Mondschein, streben in den Himmel. Neben ihnen, zwischen den Domen und Palästen, stehen ihre schwarzen Genossen, die Zypressen, hoch und ernst, und beide mahnen an schwarze und weiße Menschengestalten, denen man hier, mit Fuße der beiden Weltteile, häufig begegnet. Bald fließen blaue Buchten zwischen die Berge hinein, unt wieder einen unerwartet neuen Anblick zu gewähren. Eine unaussprechliche phantastische Schönheit ist überall ausgebreitet und bezwingt den Blick und erfüllt die Seele - der Bosporus aber selbst ist mit einer doppelten Reihe von Schiffen eingesäumt, 3—4000 mit allen Flaggen der Welt, bilden das nie gesehene Spalier von Mastenwäldern, von unbesiegbaren Armaden. Alle Winde der Erde haben sie, in diese flutende Brücke zu zwei Meeren, hieher getragen, um der geborenen Herrscherin zweier Weltteile zu huldigen, der Metropole des römischen und tatarischen Kaiserreich«es, der by? ^anti irischen und der osmanischen Welt!" —. Bis hfeher spricht der Dichter, der seine Begeisterung in schöne, farbenreiche Worte kleidet. Plötzlich jedoch wird er in dieser gehobenen Stimmung von dem himmelanstrebenden Geist des Sehers erfaßt, der den Schleier von der Zukunft wegreißt und von der schwindelnden Höhe der Phantasie seinen Blick auf die ganze Menschheit richtet. „Wenn einmal alle Völker der Erde zum großen Friedenskongresse sich versammeln, ihre Lichtmenschen mit den prophetischen Geistern, die Gesetzgeber, Weisen und Tichtergenien, weiße Fahnen tragend und schwingend, voranziehen werden: hier wäre der einzige große Raum für die Millionen, um sich nach ihren Religionen, Völker-