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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 220 Dr. Mvchs Wochenschrift. Nr. 13 worden sind. Ich bete jeden Tag zum lieben Gott, daß meine Unschuld ans Tageslicht kommt. Lieber Bruder, mache Dich nochmals aufmerksam, meinen Brief Herrn Dr. Bloch nach Wien zu schicken für die Wochenschrift. Er wird die Güte haben, sich auch Deiner anzunehmen. K. k. Strafanstalt Stein a. d. Donau. Leopold H i 1 s n e r. K. k. Strafanstalt Stein a. d. D., 7. März 1913. Lieber Bruder! Ich kränke mich viel darüber, daß alle Menschen mich verlassen. Ich habe leider keine Hoffnung und keinen Annehmer nicht mehr. Herr Dr. Bloch in Wien soll mich auch schon gänzlich verlassen haben. Sei so gut, lieber Bruder, und schreibe an Herrn Dr. Bloch, er soll mich nicht umkommen lassen. Es ist eine große Sünde, einen Juden unschuldigerweise ohne Hilfe untergehen zu lassen. Er soll sich meiner erbarmen und meine Bitte annehmen. Mein Schreiben soll er in der „Wochenschrift“ abdrucken, auf daß jeder weiß, in welcher traurigen Lage ich mich befinde. Mit vielen Grüßen verbleibe Dein unglücklicher Bruder Leopold H i 1 s n e r. Die Iudrnhrit Kähmens und die „Oesterrrichische Wochenschrift". (Ein Aapttel von den Alten und den „Jungen".) Zurückgekehrt am 21. März von einer mehrwöchentlichen Ferienreilse, erwartete meiner zu Hause eine kleine recht pikante Ueberraschung, einem echten Purimscherz ähnlich. Die Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift" hatte eine ihr zugemittelte buch-. händlerische Ankündigung rm Inseratenteile des Blattes zum Abdruck befördert, ohne zu ahnen, daß es sich um ein antisemitisches Pamphlet handelt. Die biederen Antisemiten aller Länder lieben es, ihre Schundware unter falscher Flagge auf den Markt zu bringen, und hie und da geschieht es, daß ein in literarischen Dingen unversiertes Administrativ org an einem solchen Trick zum Opfer fällt. Das offizielle Blatt der Prager Zionisten ergriff nun die günstige Gelegenheit, mich, während ich nichtsahnend in Italien weilte, vor den Juden Prags und Böhmens gehörig — zu demaskieren. Unter dem Schlagwort „Bloch und Rohling" wird gemeldet: „Dr. Bloch's „Oesterreichische Wochenschrift" empfiehlt antisemitische Literatur." Wörtlich wird hinzugefügt: „Mochs Wochenschrift besorgt also, wie man sieht, die Geschäfte der Ritualmordpropaganda. Jeder Kommentar ist überflüssig." „Ein technisches Versehen kann natürlich nicht als Entschuldigung angenommen werden." Am Schlüsse vergessen die „entrüsteten" Redakteure auch das Geschäft nicht. Die Entrüstung klingt in das Finale aus: „Hoffentlich ziehen die Juden Böhmens, die bisher noch Abonnenten der Wochenschrift roaren, ihre Konsequenzen. Wir fordern zum Boykott aller Organe auf, die für das Antisemitenwerk „Der Talmud" Propaganda treibe n." Also Dr. Bloch's, „Oesterreichische Wochenschrift" „treibt Propaganda" für ein Antisemitenwerk, besorgt „die Geschäfte der Ritualmordpropaganda", ..ein technisches Versehen wird als Entschuldigung nicht angenommen" — d. h. Pardon wird nicht gegeben — und die Abonnenten der „Oesterreichischen Wochenschrift" — notabene nur in Böhmen — müssen demgemäß daraus „die Konsequenzen" ziehen. Eines blieb mir jedoch rätselhaft. Warum sollen bloß „die Juden Böhmens" aus dem Versehen „Konsequenzen ziehen", warum nicht auch die Juden außerhalb Böhmens? Sind etwa die Juden in Wien und Niederösterreich, die Juden in Mähren, Schlesien und Galizien nicht gleichberechtigte Brüder und haben sie nicht denselben Anspruch, verwarnt und geschützt zu werden vor der verderblichen Lektüre eines Blattes, welches für Antifemitenwerke „Propaganda treibt"? Hört beim Verstummen innenmenschlicher Profitregungen auch die jgemeinbürgschaftliche Solidarität aus, laut zu sein? Aus dem Halbdunkel des seltsamen Versuches einer Verrufserklärung der „Oesterreichifchen Wochenschrift", weil sie „die Geschäfte der Ritualmorpropaganda besorgt", lugt verstohlen eine Spekulation, böhmische Imponderabilien auszulösen. Ohne die Gedankengänge, welche sich hier eröffnen, weiter zu verfolgen und auch ohne Besorgnis, daß irgend ein vernünftiger Leser aus derlei plumpe Geschäftsknifse reinfällt, erinnerte ich mich, daß ich eigentlich in Prag kein Fremder bin, vielmehr in gewissem Sinne selber als Prager gelten darf. Ich bin nämlich im Besitze eines künstlich ausgestatteten Diploms als „Ehrenmitglied" der weit berühmten, allehrwürdigen Prager C h e w r a-K a d i sch a aus dem Jahre 1891, darf mich somit als Angehörigen der Prager Iudenschaft ansehen. Aus meiner alten Briefmappe will ich auch einige vergilbte Papiere hervorholen, als Dokumente dafür, daß ich in Böhmen und speziell in Prag billigerweise ein glimpflicheres Verfahren mit der Ehre meines Namens erwarten durfte. Trag, 27. September 1893. Euer Ehrwürden I Die israelitische Kultusgemeinde-Repräsentanz in Prag hat in ihrer Sitzung vom 24. d. M. auf Antrag des Schriftstellers H rrn 8. Hohn einstimmig b schlossen, Euer l hrwürden für Ihre hervorragende, mühevolle und erfolgreiche Tätigkeit bei Aufdeckung der schändlichen, bei Verhandlung des Prozesses Meyer-Deckert in ihrer ganzen Häßlichkeit zutage getretenen Intrigue den wärmsten Dank namens der ganzen Gemeinde auszusprechen. Ihnen, hochgeehrter Herr, gebührt das Hauptverdienst daran, daß sich ein auf Vernichtung des Gesamtjudentums abzielender verleumderischer Angriff in die Entlarvung der lichtscheuen strafwürdigen Machinationen unserer Gegner zu einem glänzenden Siege der Wahrheit umgestaltet hat. Genehmigen Euer Ehrwürden die Versicherung der vorzüglichen Hochachtung, mit der ich die Ehre habe, mich zu zeichnen für die israelitische Kultusgemeinde-Repräsentanz Euer Ehrwürden ergebenster Dr. Arnold Rosenbacher. Prag, den 3. November 1891. Sehr geehrter Herr Doktor I In unserer am 1. d. M. abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung wurde Euer Wohlgeboren für Ihr ausgezeichnetes Wirken im Interesse des Judentums, verbunden mit voller Hingebung und energischester Wahrung unserer Interessen an maßgebendster Stelle im Reichsrate der verbindlichste und wärmste Dank seitens unseres Vereines votiert, was wir hiermit Euer Wohlgeboren höflichst mit dem Wunsche zur Kenntnis bringen, daß es Ihnen als wackeren Vorkämpfer für unsere bedrängte Konfession, sowie uns allen von der Vorsehung gegönnt sein möge, in freudigeren und ruhigeren Tagen in voller Eintracht unsere Interessen auch fernerhin wahren zu können. Genehmigen Sie den Ausdruck unserer vorzüglichen Hochachtung, mit der wir verbleiben Euer Wohlgeboren ergebener Ausschuß des Zentralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten: (Folgen die Unterschriften.) Telegram m. Prag, 21. Oktober. Für die ebenso energische wie geistvolle Abwehr der neuesten Angriffe unserer unverbesserlichen Feinde sendet Ihnen namens der ganzen Gemeinde wärmsten Dank und vollste Anerkennung Das Präsidium der Kultusgemeinde-Repräsentanz.

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