Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 12 (21.3.1913)
- Date
- 1913-03-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022048--21980-3047102- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 12 Dr. Vkochs Wochenschrift. Getr< 213 reicht, strömt dem Leser entgegen und fordert seine ganze innerliche Anteilnahme an den Schicksalen jener Ansiedler heraus, deren wirklich einziges Recht m der Rechtlosigkeit bestand. Gleichwohl haben sie mehr als einmal in die großen geschichtlichen Vorgänge ihrer Zeit einzugreifen vermocht. Der zweite von Doktor Max Grunwald bearbeitete Abschnitt von 1625 bis 1740 behandelt im wesentlichen die Schicksale der beiden Wiener Familien Oppenheimer und Wertheimer. Allein durch ihre Beziehungen zu den politischen und mit diesen im engsten Zusammenhänge stehenden finanziellen Wirrnissen jener Zeiten wandeln sich diese Familiengeschichten zu integrierenden Bestandteilen der damaligen allgemeinen staatlichen und insbesondere der finanziellen Vorgänge, die zum Teil für die Weltlage von einschneidender Bedeutung wurden. Die an abenteuerlichen Zwischenfällen überreiche, tragische Lebensgeschichte Samuel Oppenheimers liest sich wie ein spannend geschriebener historischer Roman. Zuweilen mag man dabei auch an Riehls kulturgeschichtliche Novellen denken. (Verlegt sind diese pompösen Großfoliohefte bei Gilhofer und Ranschburg in Wien.) J. K. Kaiserin Friedrich im Lichte der Wahrheit. — Auf die „sensationellen“ Enthüllungen über die Kaiserin Friedrich, die das im Verlage von Felix Lehmann erschienene Buch „Gustav Freytags Briefe an seine Gattin“ enthält, bringt das Märzheft von „Nord und Siid*4 (Herausgeber und Chefredakteur: Professor Dr. Ludwig Stein, Berlin W., Lützowufer 5 a. — Verlag: Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt v. 8. Schottlaender, A.-G., Breslau. — Preis pro Quartal 6 Mk.) eine scharfe, aber durchaus verdiente und gerechtfertigte Entgegnung. Sie stammt aus der Feder von Prof. G. A. Leinhaas, der jahrelang in ehrenamtlicher Stellung Bibliothekar der Kaiserin Friedrich im Schloß Friedrichshof gewesen war und dem sie das größte Vertrauen entgegenbrachte. — In demselben „Nord und Süd“-Hefte steuert auch Chefredakteur Wilhelm Georg persönliche Erinnerungen über „die Welfen“ bei zur Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit Herzog Ernst August zu Braunschweig-Lüneburg. — Die hochbedeutsame Publikation „Gedanken und Erinnerungen“ des Sultans Abdul Hamid II. wird weiter fortgeführt, und zwar ist der hier veröffentlichte Abschnitt „Religion und Geistesleben“ noch mehr als der erste Teil geeignet, in die Seele und die Empfindungen Abdul Hamids als Herrscher wie als Muhammedaner interessante Einblicke zu gewähren. — Eine gerade jetzt wertvolle Bereicherung unserer Kenntnisse über muliammedanisch-türkische Verhältnisse bedeutet nicht minder der Aufsatz Max Roloffs über „Die türkischen Sultane als Kalifen“. — In der Fortsetzung seines Berichts über „Die deutsch-englische Verständigungskonferenz“ (30. Oktober bis 1. November 1912 in London) geht -Prof. Dr. Ernst .Sieper auf 'die Verhandlungen ein, die sich mit der besseren gegenseitigen Kenntnis der beiden Völker als Grundlage der Verständigung und mit den gemeinsam zu lösenden Kulturaufgaben befaßten. — Dem scheidenden italienischen Botschafter in Berlin „Alberto Pansa“, dessen Bildnis dem Hefte beigegeben ist, widmet Dr. C. Miihling seinen Artikel. — Der Gesetzentwurf zum Zwecke einer gründlichen „Wahlreform in Ungarn“ wird von. Prof. Dr. Sigmund Sonnenfeld in einer der Wichtigkeit, der Sache entsprechenden Weise kommentiert. — Der großen Ereignisse, deren Jahrhundertfeier wir nunmehr begehen, gedenkt Dr. Otto Weddingen, indem er den tiefgehenden Einfluß schildert, den „die Befreiungskriege auf die deutsche Literatur“ ausgeübt haben. — Einen anderen Gedenktag, den hundertsten Geburtstag „Friedrich Hebbels“, feiert der Beitrag von Bernhard Münz, der sich hauptsächlich mit den philosophischen Anschauungen des Dichters und deren Einwirkung auf seine dramatischen Werke beschäftigt. — Als Richard Wagners „Erlösung“ bezeichnet Emil Ludwig dessen Begegnung und Verkehr mit Mathilde Wesendonk — ein Ereignis in Wagners Seelenleben, das in seinem „Tristan und Isolde“ zum Ausdrucke gelangte. — Von Geheimrat A. Riedler wird unter dem Titel: „Umwandlung der Energie“ die Frage der motorischen Betriebe übersichtlich dargestellt. Es handelt sich vornehmlich um motorische Wärmewirtschaft. — Eine Dichtung „Die Besiegung des Krieges“ von Axel Lübbe trägt der friedenfördernden Tendenz der Zeitschrift Rechnung. Die Novellette „Das Haus des Hasses“ von Gräfin L. Urkull und der Roman „Alfred von Ingelheims Lebensdrama“ von Hans Land werden fortgesetzt. Professor SLoufch Redakteur Mer neuen wissenschaftlichen Zeitung. Einem uns von der Pariser Gesellschaft Hetzraea zugesandten Comtnuniqus entnehmen wir, daß vom 1. April d. I. angefangen, im Verlage der genannten Gesellschaft unter dem Titel Revue Hebraique eine neue Vierteljahrsschrift erscheinen wird, deren Redaktion dem bekannten Hebraisten und Historiker, Professor Dr. Nahum Slousch anvertraut wurde. Diese neue Zeitschrift stellt es sich zur Aufgabe, die französischen Juden mit der Geschichte und Literatur der Juden von den ältesten Zeiten bis auf den heutigen Tag bekannt zu machen, die literarischen Erscheinungen auf diesem Gebiete, in welcher Sprache der Welt immer, wissenschaftlich zu beleuchten und Material für die jüdische Folklore in Frankreich zu sammeln und zu verarbeiten rc. Jede Nummer dieser in französischer Sprache gehaltenen wissenschaftlichen Zeitschrift wird durchschnittlich 80- 100 Seiten fassen. Die Redaktion hat es sich Vorbehalten, einzelne Artikel auch in englischer Sprache zu publizieren. Das Abonnement wurde mit 12 Francs für Paris und 13 Francs für die Provinz und die Länder der Union postale bemessen. KriefKaste». M. D. Br. ad. 1. Die Rultusgemeinde kann Rr. 6lD— für die Schechita nur dann verlangen, wenn in ihrem Statute eine solche Tare ausdrücklich enthalten ist; andernfalls nicht, und können Sie gegen die Erekution der Bezirkshauptmannschaft Einwendungen erheben und an die Statthalterei rekurrieren, ad 2. Zur Haltung eines eigenen Ihrer strengeren religiösen Ileberzeugung entsprechenden Schächters für Ihre orthodoxe Restauration sind Sie nach 8 25 des Gesetzes vom 21. März 1890 R.-G.-Bl. Nr. 57 berechtigt. Hiezu bedarf es nicht der Bewilligung der Rultusgemeinde oder irgend einer anderen Behörde. Eine Zahlung könnte hiefür die Rultusgemeinde nur dann verlangen, wenn ihr Statut eine solche Tare ausdrücklich enthält, ad. 3. Der Schächter darf keine höheren Gebühren verlangen, als sie im Statut der Rultusgemeinde bestimmt find. ad. 4. Die Frage, ob der bei Ihnen bedienstete Schächter berechtigt ist, auch für orthodore Sommergäste, die eigene Rüche führen, zu schächten, ist juristisch zweifelhaft. Diesfalls empfiehlt sich eine gütliche Vereinbarung mit dem Rultusvorstande. „Schwarzgelb". Die Adresse lautet: Moritz Frühling, 1., Fleischmarkt 19, Postfach. R. F. in P. Das hebräische Drama „Bar Giora" hat den bekannten Hebraisten David Z e l l i n zum Autor und ist eine Bearbeitung des Schiller'schen Tellmotivs. Das Drama wurde kürzlich in Jerusalem aufgesührt und soll großen Beifall gefunden haben. Z. D. in L. Ottomar Beta hat schon wiederholt, auch in seinen vielen Schriften, die Gesetzgebung Moses als das Ideal einer sittlichen und gerechten Gesetzgebung bezeichnet. Dieser Lieblingsgedanke kehrt bei ihm immer wieder. So hat er jüngst in einem Vortrag im Hammer-Bunde über „Bodenrecht und Christentum", worin er Recht und Religion als eine Einheit bezeichnete, in der die Grundbedingung einer gesunden, völkischen, wirtschaftlichen und politischen Machtentwicklung liege, nach dem Bericht der „Pol.-anthr. Reo." (S. 610) u. a. gesagt: „Auch der Christus des Evangeliums Matthäi beruft sich auf das Gesetz des Sinai, und ein Christentum auf dieser Grundlage würde der Menschheit zum Heile gereichen. Leider wäre es der liberalisierenden, aber dogmatisch unduldsamen Paulinischen Richtung gelungen, das Grundgesetz als das der „Rnechtfchaft" in Verruf zu bringen und damit dem auflöfenden individualistischen Recht der Verfallzeit Roms zum Siege zu verhelfen." Ausländer. Die Gebühr für die Naturalisation fremder Staatsbürger in England ist infolge einer langjährigen Agitation von jüdischer Seite, die auch von den Liberalen unterstützt wurde, nunmehr von fünf Pfund aus drei Pfund ermäßigt worden. Auch bezüglich des Bildungsnachweises sind mehrfache Erleichterungen geschaffen worden, Misrach. Der auch von uns gemeldete Misrach-Streit zwischen Rabbiner und Gemeinde in Johannisburg ist inzwischen beigelegt worden. Einer alten Tradition zufolge ist in Südafrika die Richtung gegen Jerusalem die südliche Weltgegend. Nun wurde auch wissenschaftlich nachgewiesen, daß diese Auffassung richtig ist und es behält demnach die alte Tradition recht. Für jüdische Aerzte und Advokaten. Aus Freiwaldau wird uns geschrieben: Durch das Ableben des Adfookaten Dr. Fifchl wäre hier für einen tüchtigen, jungen Advokaten ein gutes Tätigkeitsfeld geschaffen. Die Ranzlei Dr. Fischls war in gutem Gange. In Gräfenberg wäre Platz für einen jüdischen Arzt, da Dr. Neumann, der einige Jahre daselbst eine gutgehende Praris hatte, nach Raltenleutgeben berufen wurde und außer den Sanatorien bloß ein Arzt in Gräfenberg ansässig ist. Auskunft über beide bei der israeltifchen Rultusgemeinde in Freiwaldau.