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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-21 · 12 (21.3.1913) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seia 210 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 12 Pozsovy. Das Konzert des Preßburger „Schir-Chodosch"-Ver-- bands hat am 9. d. in den Sälen des „Hotel Könia von Ungarn" stattgefunden und nahm dank der Mitwirkung der Herren Michael Stricks, Mitglied der k. k. Hofoper aus Wien, Kantor L. Kischner, deren gesangliche Leistungen, accompagniert von Herr Weinberger und der Pianistin Frau Kischner, mit begeistertem Beifall ausgenommen worden waren, einen außerordentlich glänzenden Verlauf. Exakt und trefflich klangen die Chöre der Herren von Schir-Chodosch-Verbande unter der Leitung des Herrn Kantor I. Kyewsky und haben diese Darbietungen wohlverdienten Applaus gefunden. Endlich hat Prof. Ed. Rasche, mit s'iner feinpointierten humoristischen Vorlesung sowohl, als auch seiner gelungenen Schußrede nachhaltigen Eindruck erzielt. Postelberg, Sonntag, den 16. d. M., fand in der hiesigen israelitischen Synagoge eine Seelenandacht für die verstorbenen Mitglieder dieser altehrwürdigen Gemeinde statt. Boskowitz. (Diamantene Hochzeit.) :Am 8. d. feierte der pensionierte Unterkonto! Herr Sußmann Kurzweil mit seiner Sattin Rosalia das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar, der im Alter von 85 Jahren steht, erfreut sich noch hoher geistiger Frische, seine um acht Jahre jüngere Frau ist noch von seltener Rüstigkeit und fertigt noch schöne Kunstarbeiten an. Das greise Ehepaar genießt in der Bevölkerung unTcrer Stadt allgemeine Wertschätzung und Beliebtheit. Sarajewo. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat dem Vizepräsidenten der Handels- und Gewerbekammer für Bosnien und Herzegowina und Präsidenten der srphardischen Kultusgemeinde, sowie dem Präsidenten der Advokalenkammer und Präsidenten der Aschkenasischen Kultusgemeinde, Dr. Moritz Rothkopf, den Orden der Eisernen Krone III. Klasse verliehen. Tabor. (Todesfall.) Vorige Woche verschied der hiesige Advokat Herr Dr. Friedrich Guttmann, Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde, Obmann-Stellvertreter der Landesjudengenossenschaft für Böhmen, Mitglied der Taborer Stadtvertretung, des Bezirksschulrates, Ausschußmitglied der Sparkassa der Stadt Tabor, Mitglied zahlreicher humanitärer und Kunstvereine, im Alter von '60 Jahren. Er genoß in dem Kreise seiner Berufskollegen großes Ansehen und erfreute sich auch in allen Bevölkerungsschichten allgemeiner Wertschätzung. Das Leichenbegängnis fand unter überaus großer Teilnahme aller Kreise statt. Daruvar. Löbliche Redaktion! Traditionsgemäß hielt am 7. Weadar die hiesige Chewra-Kadischa ihre diesjährige General-Versammlung ab. Der.Präses Herr Mox Pfeiffer begrüßte die zahlreich erschienenen Chewramitglieder mit einer längeren begeisternden Ansprache, die mit großem Beifall ausgenommen wurde. Nach Erstattung des Berichtes des Vereinskassiers Herrn Emanuel L ö w i n g e r und der beiden Revisoren, der Herren I. Groß und A. P f e i f f e r, wurde auf Antrag des Rabbiners Dr. M. Frankfurter der Vereinsvorstehung- Dank votiert und einstimmig das Absolutorium erteilt. Bei der nun folgenden Wahl wurde Herr Mox P e i f f e r zum Präses und die Herren Albert Pfeiffer, Emanuel L ö w i n g e r, Adolf L ö w y, Josef Groß, Samuel R e ch n i tz e r, Adolf S o r g e r, Isidor Röder und Max Haas zu Ausschuß- Mitgliedern wieder, resp. neugewahlt. Das Wahlresultat wurde mit großer Befriedigung ausgenommen. Nagy-Käroly. (R a b b i n e r w a h l.) In der am 9. d. M. abgehaltenen Generalversammlung wählte die Nagy- Kürolyer israelitische Status MO-Gemeinde den Schwiegersohn ihres vor Kurzem verstorbenen Oberrabbiners Franz Fürth s. A. Sr. Ehrwürden Herrn Lazar S ch ö n f e l d, derzeit Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Vinkovci, einstimmig zu ihrem Oberrabbiner. Der neue Oberrabbiner, der der streng konservativen Richtung angehört und großes hebräisches mit profanem Wissen gepaart in sich vereinigt, tritt seine Stelle erst im kommenden Herbste an. Durch diese Berufung hat die Gemeinde Nagy- Karoly ihren dahingeschiedenen Seelenhirten über das Grab hinaus geehrt, in Herrn Rabbiner S ch ö n f e l d aber auch den würdigen Nachfolger ihres verstorbenen Gaons gefunden. Ilauioäia. Nagybecskerek/(Gedächtnisfeier.) Am 7. Adar veranstaltete die Nagybecskereker Chewra-Kadischa eine solenne Gedächtnisfeier für die im abgelaufenen Verwaltungsjahre dahingeschiedenen Rabbiner Emanuel Elsaß-Lipto Rosenberg, Moritz D i a m a n t—Trencsen, Franz Fürt h—Nagy-Karoly, Joses Singe r—Rzinaszombat und Eduard R o s e n b e r g— O' Kanizsa. Oberrabbiner Dr. Moritz Klein würdigte in 1 V, ständiger Rede das segensreiche Wirken der Genannten in Gemeinde und Schule. Die Nachkommen des Rabbi Akiba, Eger. Berlin. Im Monate März sind es 150 Jahre, seit der große Gelehrte Rabbi Akiba, Eger, das Licht der Welt erblickte. Aus diesem Anlasse werden sich sämtliche Nachkommen des Gelehrten versammeln, um ein engeres Band nuter der weitverzweigten Familie zu schaffen. Feuilleton. Wach;ehl« Jahren. Eine Purimgeschichte. Von Anna Mandel-Friedmaun. „Und was wurde dann aus der schönen Esther, Mütterchen?^' „Die Esther blieb Königin, kleine Grüblerin, und ihr Volk preist sie noch heute als Retterin in der Not." „War sie sehr schön? So schön wie Du?" „Ach geh' nur, Du kleine Schmeichelkatze. Sie war viel, viel schöner als ich. Bist Du nun zufrieden?" — Frau Dr. Kronheim beugt sich zu ihrem kleinen Töchterchen herab, welches auf einem niedrigen Schemel vor ihr sitzt. Das hübsche Kindergesicht ist stark gerötet, die braunen, lebhaften Augen glänzten. Sie hat die kleinen Hände auf Frau Ellas Knien gefaltet und blickt bewundernd zu ihrer schönen Mutter auf. „Nein, ich bin nicht zufrieden," ruft sie dann. „So schön wie mein Mütterchen ist keine Esther und keine Königin. — Aber," setzt sie nachdenklich hinzu, „sehen möchte ich sie wohl einmal, und den bösen Haman auch. Wie der wohl aussehen mag?" Frau Ella streicht ihr die wirren Locken aus der Stirn. „Laß Dich ein wenig sauber machen, niein Kleines. Und sage Madlina, sie möge den Tisch decken, die silbernen Leuchter und die Barches darauf setzen, auch etwas Obst und Konfekt in die Glasschale legen. Vielleicht wird Dein Wunsch erfüllt, Sulamith, — und unter den Masken befinden sich auch Esther und Haman." ■! „Masken, — Mütterchen? — Was ist denn das?" „Das wirst Du heut' sehen, Sulamith. Du darfst auch bei Tische mitessen, — bist ja bald ein Schulmädchen!" „Ach, geliebtes Mutterle!" Sulamith umarmte Frau Ella stürmisch und küßte sie. „Da darf ich wohl auch länger ausbleiben als sonst?" „Darfst Du auch. Aber nun geh', und laß mich noch ein Stündchen allein. Hilf Madlina ein wenig und versuche, Dich nützlich zu machen. Deine versprochene Geschichte hast Du ja schon, — adieu Liebling!" Noch einen heißen Kuß aus Mütterchens schlanke, feine Hand, dann springt Sulamith trällernd davon. Frau Ella sieht ihr leise lächelnd nach. Mit der rechten Hand streicht sie die weichen Falten des dunkelroten Reformkleides zurecht, das die Formen ihres biegsamen Körpers ahnen läßt und sich wundervoll von dem niatten Grün des Sessels abhebt, in welchem sie liegt. Die rote Flamme im Kamin wirft grelle Lichter auf ihr mattweißes, cdelgeformtes Antlitz, das unter der Last der hohen, blauschwarzen Doppelkrone sich fast senkt. Wie sehr lieble sie solch ein Dämmerstündchen am Kamin. Gewöhnlich erzählte sie ihrer lleinen Sulamith Geschichten aus der Bibel in leichter, für das Kind verständlicher Form, UM sie von Jugend an in der Religion und durch dieselbe zu bilden. Heute hat sie ihr die Purimgeschichte erzählt und Sulamith war von der lieblichen Esther begeistert, während sie den bösen Haman am liebsten erwürgt hätte! O, sie hatte Temperament, die Kleine! Esther und Haman! — Frau Ella stützt den Kops jn die Hand. Welche Bilder steigen da plötzlich vor ihr aus, — Bilder üus der Mädchenzeit, — farbenleuchtend, hell und strahlend? Erregt durchmißt sie das große, trauliche Wohnzimmer. Ob heute Masken kommen werden? Auch diese Sitte nimmt von Jahr zu Jahr ab. Und sie wünscht doch so sehr, ihrer Kleinen eine rechte Purimfreude zu machen, den durch die Erzählung gewonnenen Eindruck zu verliefen. Endlich weiß sie Rat! — Ja. So geht's! — Ein Freudenschein fliegt über ihr Antlitz. — Weshalb soll, eine Mutter für ihr Kind nicht selbst noch einmal jung werden? — Schnell hakt sie von ihrem Schlüsselbunde einen kleinen Schlüssel ab, und geht durch die nächsten Zimmer in ein lleines, dunkles Gemach, in welchem sie weniger gebrauchte Gegenstände zu verwahren

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