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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-21 · 12 (21.3.1913) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Bkochs Wochenschrift Seite 207 Gleichberechtigung aller Konfessionen nicht berücksichtigt, nicht bas Recht habe, auf Grund dieses Vertrages eine Berücksichtigung bei seinein Verlangen nach Ausdehnung seines Territoriums zu beanspruchen. Rumänien habe aus diesem Grunde den Wunsch ausgesprochen, daß die Dermitllüngsaktion der Mächte nicht in London, sondern in Petersburg durchgefuhrt werde. Denn es hofft, daß bei den Verhandlungen in Petersburg Rußland, das natürlich in der Judenfrage einen anderen Standpunkt einnimmt als England, die gewichtigste Stimme haben werde. 1 i ■! Mr. Henri Green aus seiner Agitationstour. Wie wir berichteten, begab sich der Redakteur der ..Evening Mail“ von Newyork und Direktor des Na- Citizens Committee und des American Timnio-ration und Distribution League, Mr. Henri Green, mit dem bekannten amerikanischen Philanthropen Nathan Strauß nach Amerika, um dann auf dem Rückwege die Hauptstädte Europas zu besuchen, und daselbst zu Gunsten der Gleichberechtigung der rumänischen Juden die Aktion einzuleiten. Mr. Henri Green, der ein bekannter Förderer der Galveston-Aktion der Jto ist, war auch der Initiator jener großen Bewegung in Amerika, welche schließlich zum Abbruche der Handelsvertragsbeziehungen mit Rußland führten, weil in dem alten Vertrage Rußland den amerikanischen Juden nicht dieselben Rechte zubilligen wollte, wie den übrigen amerikanischen Bürgern. Mr. Green, der auf seinem Rückwege von Palästina in Konstantinopel nicht Halt machte, äußerte sich einem jüdischen Journalisten gegenüber über seine Reise wie folgt: „Die Reise hat diesmal einen sehr wichtigen und hohen Iw eck. Wir amerikanischen Juden glauben nämlich , daß der Moment gekommen sei, um dem europäischen Tribunal die Frage der Verletzung des Berliner Vertrages durch Rumänien in bezug auf die Juden vorzulegen. Wir haben die ersten Schritte bereits getan, und alles aufgeboten, um die Parlamentarier aller europäischen Staaten für die Sache zu interessieren. Von dieser Seite können wir auch schon manchen Erfolg aufweisen. So sind uns aus Italien bereits 400 sehr ausmünternde und zustimmende Antworten zugekommen. Ich habe die Hoffnung, daß unser 'Bemühen nicht ganz erfolglos bleiben wird. Wir haben auch bei der Londoner Botschafter- Reunion geeignete Schritte unternommen. Die Hauptsache ist, daß die Oeffentlichkeit jekt ununterbrochen über den wahren Stand und die wirkliche Lage der Juden in Rumänien aufgeklärt werde. Mein Weg führt zunächst nach« Bukarest, von dort geht es nach Wien, eventuell auch Budapest, dann nach Berlin und Paris, und schließlich nach London. In Paris treffe ich mit den Herren Oskar Strauß, gewesenen Handelsminister de" Vereinigten Staaten, und seinem Bruder Nathan Strauß zusammen, wo wir die Aktion zu Gunsten der rumänischen Juden gemeinsam betreiben werden." ,'M. v. Green hat sich inzwischen einen Tag in Wien aufgehalten, hier die Redaktionen besucht und ist über Berlin nach Paris weitergefahren. Die Schaffung einer Mischen Emigrationsbank. Von einem Vorstandsmitgliede der Petersburger jüdischen Emigrationsgesellschaft kommt uns folgender Bericht zu: Nackdem auf Antrag Jakob H. Schiffs in Newyork der in Aussicht genommene jüdische Emigrationskongreß bis auf weiteres verschoben wurde, hat die Petersburger jüdische Emigrationsgesellschaft die weitere Vorbereitungsarbeit, insbesondere aber die Schaffung einer jüdischen Emigrationsbank, auf sich genommen. Zu diesem Behufs hat vor kurzem in Petersburg über Einladung der genannten Gesellschaft eine Konferenz der Vertreter der jüdischen kooperativen Kredit-Genossenschaften Rußlands stattgefunden. an welcher 40 Delegierte aus den größten Städten des Reiches teilgenommen haben und nach eingehender Beratung folgende Resolution gefaßt wurde: „Die Konferenz der Vertreter brr kooperativen Kreditgenossenschaften der Städte Moskau, Charkow, Riga, Odessa, Poltava, Rischni-Nowgorod, Minsk, rc. rc. hat den Bericht der Verwaltung der Gesell. schaft zur Regulierung der jüdischen Emigration über die Versuche zur Abhaltung eines jüdischen Emigrationskongresses und über die bisherigen Ergebnisse der Arbeiten wegen Schaffung eines Finanzinstitutes zur Regelung der Emigration zustimmend zur Kenntnis genommen." Die Versammlung drückt den einmütigen Wunsch aus, daß in Angelegenheit der längst geplanten Emigrationsbank eine separate Finanzkonferenz einberufen werde. Auf Grund dieser Resolution hat die Petersburger Emigrationsgesellschaft ein finanzielles Memsorandum ausgearbeitet und verschiedenen Sachverständigen zur Begutachtung vorgelegt. Ferner hat die Verwaltung der Gesellschaft die großen jüdischen Städte Rußlands, wie Warschau. Lodz. Riga, Minsk. Kiew, Odessa und Charkow durch ihre Mitglieder besuchen lassen, um an Ort und Stelle sich darüber Gewißheit zu verschaffen, auf welche positive Unterstützung seitens der jüdischen Gemeinden bei Gründung einer solchen Emigrationsbank gerechnet werden könne. Die in diesen Städten gepflogenen Unterhandlungen haben schöne Erfolge gezeitigt, da in den meisten Städten sichere namhafte Beträge für den Fall der Gründung einer solchen Bank bindend gezeichnet wurden. So hat z. B. die Mische Gemeinde in Lodz 100.000 Rubel gezeichnet, Charkow 50.00 Rubel ufw. Da die jüdischen kooperativen Kreditgenossenschaften, deren es in Rußland dreihundert mit einer Gesamtmilgliederzahl von 150.000 gibt, diesem Projekte lebhaftes Interesse entgegenbringen, so ist es sicher, daß in Rußland für diesen Zweck eine bedeutsame Summe aufgebracht werden wird. Die Juden in Rußland hegen jedoch die Hoffnung, daß auch die Juden des Auslandes in Anbetracht der äußerst wichtigen sozialen Frage der Angelegenheit gleichfalls tatkräftiges Interesse entgegenbringen werden. Versammlung Mischer Hochschüler in Rumänien. Aus Jassy wird uns berichtet: Eine Gruppe jüdischer Studenten der Universität Jassy hat die Initiative zur Bildung einer öffentlichen Edukatiünsaktion ergriffen, um die jüdischen Volksmassen einer engeren Annäherung an die rumänische Oeffentlichkeit zuzuführen. Zu dies.m Zwecke hatte eine Versammlung stattgefunden. in welcher mehrere Studenten sich dahin äußerten, daß der jüdischen Bevölkerung ans Herz gelegt werden müsse, keine Opfer für das Land, das jetzt so ernste Momente durchlebt, zu scheuen und sich mit Rumänien zu assoziieren. Diese Bewegung, welche auch in anderen rumänischen Städten unter den jüdischen Studenten platzgegriffen hat, stößt bei einem Teile der jüdischen Studentenschaft auf offene Opposition oder zumindest auf Passivität, da die letzteren der Meinung sind, daß eine Assimilation selbst theoretisch die Möglichkeit, sich als Bürger des Landes betätigen zu können, zur Voraussetzung haben müsse. Ein mißglückter antisemitischer Erpressrmgsversuch. In Bukarest wurde dieser Tage ein sensationeller Prozeß zu Ende geführt, am Schlüsse dessen der Advokat - Nikuleschu Scartan und sein Konzipient Constantinescu wegen Verleumdung und Erpressung, begangen an dem jüdischen Kaufmanns Finkelstein, zu je zwei Monaten schweren Kerkers verurteilt wurden. Aus der Vorgeschichte

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