Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 12 (21.3.1913)
- Date
- 1913-03-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 208 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 12 des Prozesses ging hervor, daß vor einiger Zeit ein gewisser Parg bei der Staatsanwaltschaft die Anzeige erstattet hatte, dah der Jude Finkelstein sein, des Pargs Kind, zu rituellen Zwecken mißbraucht und ihm Blut abgezapft hätte. Auf Grund der Untersuchung sah der Staatsanwalt sich veranlaht, das Verfahren gegen 'Finkelstein einzustellen und von einer Anklage abzufehen. Auch die Privatklage Parg's ergab! die Schuldlosigkeit Finkelsteins. Nun erschien der Rechtsanwalt Pargs, Scartan, in Begleitung seines Konzipienten Constanlrnescu, eines Tages bei Finkelstein und forderte ihn auf, tapsend Francs zu erlegen, widrigenfalls er auf Grund neuer Daten den Ritualniordprozeh gegen ihn neuerlich aufnehmen lassen werde. Finkelstein sagte zu und bestellte die Erpresser für den nächsten Tag, zu welcher Zeit Geheimagenten zur Stelle waren, die den Advokaten samt seinem Konzipienten verhafteten. Die Schluhverhandlung nahm mehrere Tage in Anspruch und endete, wie erwähnt, mit der Verurteilung Scartans und seines Helfers. Cm allgemeiner Bund MWer Hilfsorganisationen. In der Sitzung des Board of Deputies in London vom 2. d. M. teilte der Vorsitzende, Mr. Alerander, mit, dah seit einiger Zeit Verhandlungen zwischen den Vertretern jüdischer Hilfsorganisationen in verschiedenen Ländern im Gange seien, die die Schaffung eines allgemeinen Bundes jüdischer Hilfsorganisationen zum Gegenstand haben. In dem neuen Bunde sollen folgende Organisationen vertreten sein: Die JewW Colonization Association, die Alliance Jsraelite, der Hilfsverein der deutschen Juden, das vereinigte Komitee der Anglo- Jewish Association und des Board of Deputies, die Israelitische Allianz in Wien, das American Jewifh Committee und das Hilfskomitee in Frankfurt. „Jewish Chronicle", das führende Organ der englischen Juden, kritisiert den Plan dieses neuen Bundes in entschiedener Weise. Er wies darauf hin, dah einige der bedeutendsten und einflußreichsten Organisationen, wie die B'nai B'rith und die zionistische Organisation, anscheinend von der projektierten Vereinigung ausgeschlossen bleiben sollen. Dieselben Gesellschaften. die den Bund bilden sollen, könnten im keiner Weise Anspruch auf eine Vertretung der jüdischen Gesamtheit erheben. Außerdem tadelt das Blatt die Geheimniskrämerei, mit der die vorbereitenden Schritte betrieben würden. Der Oberrabbiner von Saloniki an den Kaffer von Rußland. Wie uns von Saloniki geschrieben wird, hat der Oberrabbiner Jakob Meir an den Kaiser von Rußland anläßlich des dreihundertjahMgen Jubiläums der Romanow - Dynastie das nachfolgende Glückwunsch^-Telegramm gerichtet: „An Se. Majestät, den Zaren Nikolaus II., Zarskoje-Selo. Anläßlich des Jubiläums, welches Eure Majestät begehen, geruhen Sie, Meine ergebensten Glückwünsche, sowie den Wunsch für das Gedeihen Eurer Majestät, der kaiserlichen Familie und Ihres großen Reiches, die ich mir erlaube, an den Stufen des Thrones nirderzulegen, entgegennehmen zu wollen. Es sei mir gestattet, der Hoffnung Ausdruck zu geben, dah Eure Majestät an diesem glücklichen Tage geruhen werden, jene gesetzlichen Einschränkungen aufzuheben, welche auf den Juden, den getreuen Untertanen Eurer Majestät, lasten." lleberdies hat der Grohrahbiner in Begleitung zweier Vertreter der jüdischen Gemeinde dem Generalkonsul von Rußland eine Gratulationsvisite abgestattet. Vermischtes. Dienstfreie Tage für jüdische Soldaten. Die „Militärische Korrespondenz" meldet: Gemäß den Bestimmungen des Dienstreglements sind die jüdischen Soldaten im Jahre 1913 an den nachbenannten Feiertagen dienstfrei zu belassen: Pessach (Ostern) vom 21. April, 5 Uhr nachmittags, bis 23. April, 8 Uhr abends, und vom 27. April, 5 Uhr nachmittags, bis 29. April, 8 Uhr abends. Schewuoth' (Pfingsten) vom 10. Juni, 7 Uhr abends, bis 12. Juni, 9 Uhr abends. Rosch Haschono (religiöses Neujahr) vom 1. Oktober. 5 Uhr nachmittags, bis 4. Oktober, 8 Uhr abends. Jomkippur. (Versöhnungsfeiertag) vom 10. Oktober, 5 Uhr abends, bis 11. Oktober, 7 Uhr abends. Sukkoth (Laubhüttenfest) vom 15. Oktober, 5 Uhr nachmittags, bis 18. Oktober, 6 Uhr abends, und vom 22. Okto§ ber, 5 Uhr nachmittags, bis 26. Oktober, 6 Uhr abends. Den Soldaten jüdischer Konfession ist während der Pessachseiertage die Teilnahme an rituellen Mahlzeiten außerhalb der Kaserne in der Zeit vom 21. April, 9 Uhr früh, bis 29. April, 8 Uhr abends, gestattet. Indisches Museum, II., Ma'zgasse 16. Aus kleinen und unansehnlichen Anfängen heraus hat sich das „Jüdische Museum", dank der einmütigen und zielbewußten Arbeit seiner Gründer und Freunde, zu einer Institution entwickelt, tue nicht nur uns Juden zum Stolz gereichen kann, sondern auch für alle die, die vyn Liebe zu Kunst und Wissenschaft erfüllt sind, von höchstem Interesse ist. In geschmackvoller und künstlerischer Anordnung bietet sich dem Auge des Beschauers eine große Menge wertvoller Sammlungen, die ihnen das kulturelle und politische Leben des jüdischen Volkes im Laufe her Jahrhunderte deutlich vorführen. Der Künstler findet dort künstlerische Aneiserung, der Forscher fruchtbare Anregung und der Jude sein Volk. Wer die großen, lichten Räume des Museums besucht, der kann nicht verfehlen, seiner freudigen Genugtuung Ausdruck zu verleihen,- und die vielen, die sich dort zu den Besuchs st unden am Samstag und Sonntag von 11 — 1 Uhr einfinden, tun dies in reichlichem Ausmaße. Aber auch hervorragende Kenner auf dem Gebiete der Wissenschaft, wie z. B. Se. Erzellenz, Herr Feldmarschallleutnant v. Wojno witsch, der letzthin das Museum mit seinem Besuche auszeichnete, und der berühmte Berliner Anthropologe und Forscher, Herr Geheimer Regierungsrat Professor Dr. v. Lu schon, sprachen voller Lob und Anerkennung über den Reichtum der Sammlungen und über die stilvolle, Schönheit der Dispositionen. Es wäre nur zu wünschen, daß auch jene Persönlichkeiten, für die das Museum doch eine besondere Attraktion bilden sollte, insbesondere durch das „Wiener Zimmer", das so wertvolle historische Reminiszenzen an bedeutende leitende Kreise der Wiener Judenschaft früherer Zeit enthält, demnächst das Museum besuchen, um ihr maßgebliches Urteil abzugeben. B. Wien. (Goldene Hochzeit.) Vor kurzem feierte das Ehepaar Wolf Wilhelm und Belli Fantl die goldene Hochzeit. Die religiöse Feier fand im Tempel des israelitischen Versorgungshauses statt. Nach dem Gottesdienst hielt der Rabbiner von Währing Dr. Feuchtwang eine erhebende Ansprache an das Jubelpaar. Die Festgesellschaft, darunter zahlreiche Freunde und Bekannte Fantls, besonders aus Währing, woselbst der Jubilar eine Zeit hindurch Vorsteher der Gemeinde war, begab sich sodann in den Tagraum des dritten Stockes, woselbst eine Tafel, geschmückt mit Blumen, gedeckt war. Hier hielt der vom Bürger? mcifter designierte Vertreter der Stadt Wien, Obermagistratsrat Aspecger, eine. Beglückwünschungsansprache an das Jubelpaar und überreichte ' das übliche Ehrengeschenk. Versorgungshausverwalter Brösler verlas das Gratulationsschreiben des Kultusvorstandes. Die Präsidentin des Damenkomitees Frau Diamant und der Tempelvorsteher von Währing, Herr Emanuel Hoffmann, überreichten mit entsprechenden Anreden Ehrengeschenke. Wien. (I s r. T e m p e U und Schulverein, Wien, VI., Stumpergaffe 42.) Dienstag den 25. März 1913, um 107-, Uhr vormittags, findet im Vereinslokale, VI., Stumpergaffe 42, die XX. ordentliche Generalversammlung statt. Wien. Herr Dr. M. Winkler, Religiönspröfessor der israelitischen Kultusgemeinde in Budapest, hat sein Rabbiner-- examen am 16. März 1913 mit Auszeichnung bestanden.