Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 12 (21.3.1913)
- Date
- 1913-03-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Plochs Wochenschrift Seite L05 ist. geht aus der Tatsache hervor, daß am 7. März der hiesige Geistliche Typrowicz bei den Christen Unterschriften für eine Eingabe sammelte, in welcher die Vertreibung der jüdischen Lehrerin gefordert und der Wunsch ausgesprochen wird, datz in Dukla überhaupt leine jüdische Lehrkraft Anstellung finde. Bemerkenswert ist bl oh noch, daß in Dukla 80 Prozent der Bewohner Juden sind, und 70 Prozent der Schulbeiträge von Juden geleistet werden. Der Advokat Dr. Smulowicz, der sich der verfolgten Lehrerin annahm, erhielt vor einigen Tagen einen Drohbrief, in welchem ihm für den Fall, datz er die Verteidigung der Lehrerin nicht zurück^gt, der Tod und den übrigen Juden Boykott, Mord und Plünderung angedroht wurde. 2. Der antisemitische Staatsanwalt. ' Aus Sambor wird geschrieben: Vor dem hiesigen Gerichte waren mehrere Juden, die die Opfer der wirtschaftlichen Krise des letzten Winters wurden, wegen 5ktim angeklagt. Bei der Hauptverhandlung leistete sich der Staatsanwalt Vilinski solch unqualifizierbare Ausfälle, nicht nur gegen die beschuldigten Juden, sondern gegen das gesamte Judentum, datz das Auditorium seinem Unwillen lauten Ausdruck gab und die jüdische Bevölkerung der Stadt sich seitdem in Aufregung befindet. Der Staatsanwalt erdreistete sich, zu behaupten, datz alle Juden von Schwindel und Betrug leben und datz die Angeklagten als klassisches Beispiel für diese Behauptung dienen. Die Verteidiger der Angeklagten habien wohl diese antisemitischen Anwürfe energisch zurückgewiesen, doch bleibt es immerhin eine traurige Tatsache, datz ein Staatsanwalt, dessen erste Pflicht Objektivität sein müsse, es wagen darf, das Judentum öffentlich mit Pauschalverdächtigungen zu beleidigen. Das ist durchaus nicht der Weg. die ohnehin verhetzten Gemüter in Galizien von Staats wegen zu beruhigen. Zum Ableben Dr. Moriz Baumfelds. Wien, den 8. März 1913. Löbliche Redaktion! Ihrem geschätzten Blatte entnehme ich die Nachricht, daß Doktor Moritz B a u m f e l d in New-Iork verschieden ist. Sie werden mich, sowie viele Andere, zu großem Dank verpslichten, wenn Sie nachfolgende Zeilen veröffentlichen. Wie so vielen Fremden ging es mir die erste Zeit im Goldlande herzlich schlecht. Durch einen mir bekannten Schauspieler, der damals unter Baumfeld's Direktion im Irving Place-Theater engagiert war, wurde ich Lepterem vorgestellt. Ich bat ihn, mir zur Erlangung einer Stellung behilflich zu sein. Herr Baumfeld war mir niit Rat und Tat behilflich. Ihm hatte ich es zu danken, baß kleine Arbeiten (Feuilletone) von mir in den deutschen Zeitungen angenommen und veröffentlicht wurden, lind so wie ich haben viele dort lebende Lesterreicher diesem überaus liebenswürdigen, auch dem Aermsteu gegenüber stets freundlichen Herrn viel ja Alles zu verdanken. , In seiner Eigenschaft als Präsident der Lesterreichischen Gesellschaft hat er Unauslöschliches vollbracht. Wenn die Lesterreicher ein eigenes Heim haben, wo, wenn man Schiffbruch erlitten, auch ganz umsonst einige Tage Aufnahme findet, ist es in erster Linie Dr. Baumfeld zu verdanken. Bor einigen Jahren verbot der gegenwärtige, überaus gestrenge Einwanderungskommissär Mr. Williams dem Vertreter der Gesellschaft, Einwanderer von Ellis Island zu übernehmen. Darauf legten sämtliche Vorstandsmitglieder ihre Aemter nieder, nur auf vielseitiges Bitten trat Herr Baumfeld an die Spitze der Oesterreichischen Gesellschaft. Als Herr Williams dies erfuhr, machte er seinen Entschluß rückgängig, denn der Name Baumfeld hafte dafür, daß solche Schlampereien nicht mehr Vorkommen könnten. So war es auch. Tage, ja Nächte widmete er dem Heim. Es dürfte hier Wenigen bekannt sein, daß die Regierung dem dortigen Heim eine jährliche Subvention zukommen läßt, ein Werk des leider so früh Verstorbenen. Freudestrahlend erzählte er den Reportern, als er vor wenigen Jahren von einer Europareise zurückkam, daß er vom guten alten Kaiser in Audienz empfangen wurde und für seine armen Landsleute etwas erreichte. Als ich vor einem Jahre Netv-Pork verließ, machte ich Herrn Baumfeld meinen Abschiedsbesuch. Er empfing mich freundlichst in ferner Wohnung am Times- Square. „Grüßen Sie mir mein schönes Wien", meinte er. Ich sprach meinen herzlichsten Dank 'aus für die erwiesenen Gefälligkeiten und versprach, sein so menschliches Wirken der Oeffentlichkeit bekanntzugeben. „Sagen Sie nur, daß wir alle unser Möglichstes tun, um unseren Landsleuten zu helfen, das genügt." Nun liegt dieser brave Manu in der kalten Erde. Ich halle es für meine Pflicht, mein Versprechen zu erfüllen. Viele Wiener sagten in New-Pork, Dr. Baumfeld hat ein goldenes Wiener Herz, ich füge hinzu: er hatte ein echtes jüdisches Herz. Ehre seinem Andenken. Willy Reiniger. Louis Feist gestorben. Aus Frankfurt wird das Ableben des Präsidenten der Agudah. Louis Feist, gemeldet. Von einem angesehenen Wiener Gesinnungsgenossen des Verstorbenen .erhalten wir die folgende Würdigung des Lebensganges des Verblichenen: * Die altehrwürdige Frankfurter Gemeinde und mit ihr die ganze Judenheil beklagt den Verlust eines unserer Edelsten. Kommerzienrat Louis Feist s. A. vt nach einjährigem Leiden im Alter von 55 Jahren den Seinen entrissen worden. Was dieser Mann für Frankfurt und für das ganze Judentum war und leistete, läßt sich in Worten kaum schildern. In hervorragender Stellung als Seniorchef des Welthauses Beer, South, imer u. Cie., hak er durch geniale, von einem Riefengedächtiüs unterstützte Konzeption, die Bedeutung seines Hauses vervielfacht. Als getreuer Schüler S. R. Hirfch's liefe er sein ganzes Leben und Streben von der Thauroh leiten. Jede Minute, die er dem Geschäfte abkargen konnte, war Akten der Wohltätigkeit oder der Förderung und Erhaltung jüdischer Institutionen gewidmet. Wie er harmonisch strengste Religiosität, strammste Orthodorie mit höchster Kultur vereinigte, wie st' .' persönliche Liebenswürdigkeit ihn, den Mann mit dem ausgeprägtesten ästhetischen Gefühle nicht hinderte, immer und überall seine streng religiöse Führung zu betonen. ohne damit zu protzen, das machte seine Erscheinung zu einem wandelnden Kiddusch haschem. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen. stieg fein Wohltätigkeitsbudget im quadratischen Verhältnisse zu seinem Einkommen je reicher er wurde, desto mehr Befriedigung des religiösen Pflichtgefühles und des Herzensbedürfnisses gewährte ihm das großzügige Geben Eristenzen aufrichten war ihm der höchste Seelengenutz. Seiner Gemeinde war ec mit Leib und Seele zugetan und brachte derselben die grötzten Opfer an Zeit und Geld: stets war er darauf bedacht, datz feine Tätigkeit möglichst wenig bekannt werde. Sein weiches Herz und fein weiter Blick 'Netzen ihn auch erkennen, datz die Idee der Agudas Jifroel, der Vereinigung aller strengreligiösen Juden zu gemeinsamer Arbeit, für die Zukunft des Judentums von unberechenbarem Werte, ja von zwingender Notwendigkeit sei. Dies erkennen und sich mit Feuereifer in den Dienst dieser Sache stellen, war für ihn eins. Schwer leidend verfolgte er die Organisalionsarbeiten der Agudah unausgesetzt, stets mit Rat und Tat und überreichlichen Mitteln anspornend. Zahllose Vereine danken ihm grotze Förderung und werden die Lücke tief empfinden. Was aber feine Gemeinde, was besonders die Orthodorie und speziell die Agudah in ihm verloren, das lätzt sich noch gar nicht übersehen. Hoffen wir. datz die aufrichtige Trauer um ihn jeden von uns veranlassen wird, einen kleinen Teil Feist's zu ersetzen und datz das Zusammenwirken aller etwas von seinen Leistungen ergeben wird. Ein schwacher Trost ist es. datz er es verstanden und es ihm geglückt ist, seine Kinder ganz und voll in seinem Geiste zu erziehen und diese mit der Zeit dem Judentum einigen Ersatz bieten werden». W. P.