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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-21 · 12 (21.3.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SeKe^LOZ Dr. Btochs Wochenschrift. Nr. 12 denmut und seltener Hingebung für ihr Vaterland gekämpft haben. Wir bitten daher, unseren Aufruf an alle jüdischen Kinder in Ihrem Journal zu veröffentlichen, damit jedes von ihnen nach Möglichkeit für die Waiseninstitute spenden möge, bk jetzt in Bulgarien zugunstzm der Kinder der im Balkankcjoge gefallenen Soldaten allmählich errichtet werden. Wir schicken jedem der spendenden Kinder unsere Photographie, zum Andenken an seine herzensgute Tat." Ein Bürger dreßer Jahrhunderte. Aus Bukarest wird uns geschrieben: In Dorohoi ist letzten Montag ein armer alter Jude, Schmil Cohn Casapu, aus dem Leben geschieden. Dieser bescheidene alte Mann durfte für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, daß er in drei Jahrhunderten gelebt hat. Er wurde nämlich, wie urkundlich, feststeht, im Jahre 1798, also im 18. Jahrhundert geboren, lebte bei ungestörter Ge sundheit das ganze 19. Jahrhundert durch, und hätte vielleicht noch viele Jahre des 20. Jahrhunderts seine Lebensbahn fortgesetzt, wenn ihn nicht eine tückische Lungenentzündung im Alter von 115 Jahren dahingeraffr hätte. Dieser moderne Methusalem war seines Zeichens Fleischhauer und hat bis vor zwei Jahren sein Geschäft ausgeübt. Er war nie in seinem Leben krank, war bis zu seiner letzten Erkrankung frisch und munter, las ohne Brille und auch sein Gehör Hatte in keiner Weise gelitten. Seinem Sarge folgte eine ganze Schar von Söhnen, Töchtern, Enkeln, Urenkeln und Ururenkeln. Aktuell ist hierbei die Bemerkung, daß dieser Jude, de. Bürger dreier Jahrhunderte war, in Rumänien geboren wurde, daselbst sein 115 Jahre langes Leben verbrachte, weder selbst noch seine Nachkommen, die gleichfalls in Rumänien geboren und erzogen wurden, rumänische Bürger werden konnten. Das rumänische Schandgesetz hat sowohl den alten als auch alle seine Nachkommen für Fremde ohne Heimat deklariert. Eme antike Topffcherbe als Quittung tmu Archerrfteuer. Für die Papyrussammlung der Berliner königlichen Museen wurde vor wenigen Wochen in Aegypten eine Anzahl altertümlicher beschriebener Topfscherben erworben. Wie Dr. Plaumann in den amtlichen Berichten aus den königlichen Kunstsammlungen mitteilt, handelt es sich, bei diesen Neuerwerbungen um eine sehr wertvolle Sammlung von Steuerquittungen aus der. Zeit der ptolomäischen und römischen Herrscher. Dir von Plaumann veröffentlichte Steuerquittung stellt unter dem 28. Juni des Jahres 98 unserer Zeitrechnung fest, daß ein Jude namens Dosariom, Sohn des Jesus, die Judensteuer mit neun Drachmen zwei Obölen richtig bezahlt hohe. Dofaripm bezahlte eine Drachme jährlich, als Normalsteuer der ägyptischen Juden. Acht Drachmen zwei Obolen beträgt die Steuer, die jeder Angehörige des jüdischen Volkes an den Tempel >in Jerusalem zahlen mutzte. Diese Steuer bedeute so lange ein Privilegium, als die Juden noch ejn selbständiges Volk waren, und damit einen Beitrag für'den Mittelpunkt ihrer religiösen Gemeinschaft für den Hort und Stolz der Nation geliefert wurde. Nach dem Sturze Jerusalems wurde diese hohe jüdische Volkssteuer von einem römischen Beamten einge hoben und das Geld nicht mehr an den Tempel von Jerusalem, sondern an den Jupiter Capitolinus in Rom abgeführt. < GM «s KkaMchten der Juden? Diese Frage behandelte Professor Dr. Lewin-Eharloktenburg kürzlich im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Breslau vor einer überaus großen Zuhörerschar. Prosesior Lewin kam nach seinen interessanten, von großem Zahlenmaterial belegten Ausführungen zu dem Resultat, daß die Disposition zu gewissen Krankheiten keine Rasseneigentümlichkeit sei. Auch die angeborene Immunität gegen'Seuchen begründe sich nicht in der Rasse, sondern im östlichen Europa vielmehr auf die Befolgung der Religionsgesetze, koscheres Essen, Waschungen und den mangelnden Alkoholgenuß, im Westen dagegen aus die bessere soziale Lage. In einer jüdischen Familie werde ein Kranker besonders sorgfältig gepflegt. Alle Krankheitserscheinungen, wie auch ihre Verhütung, beruhen nach Ansicht des. Redners auf den Milieueigentümlichkeilen. Die Kindersterblichkeit fei bei den Juden weit geringer, als bei den Christen. Auch eine prozentual erheblich kleinere Anzahl der verheerenden Magen- und Darmkrankheiten bei Kindern fei bei den Juden festgesteUl worden. Die meisten jüdischen Kinder werden von den Müttern gestickt. Daß die Juden in der Vergangenheit wenig auf Infektionskrankheiten reagierten, lag an der strengen Isolierung in Krankheitsfällen und der^ hohen hygienischen Fürsorge. Obwohl der Körperbau der Juden aus eine weite Verbreitung der Tuberkulose hinzuweisen scheint, lehren die Zahlen, daß die Schwindsucht viel weniger unter ihnen verbreitet ist, als unter den Christen. Man kann das dadurch erklären, daß sich -die Juden durch jahrhundertelanges Wohnen in Städten gegen die Schädigungen der Stadt geschützt haben. Als jüdhche Krankheit bezeichnet man die Neroenlelden und' die Diabetik. Fast dreimal soviel zuckerkranke Juden wie Christen gibt es in den Privatkliniken. Dagegen zählt in den Polikliniken ein zuckerkranker Jude zu den Seltenheiten. Das beweist, daß die Zuckerkrankheit eine Krankheit der oberen Zehntausend ist. >Die oberen Schichten stellen ihr zehnmal soviel Opfer wie die unteren. Daß die Juden dabei so stark vertreten sind, liegt an ihrem Beruf. Sie /stellen ein großes Kontingent der Gelehrten, Künstler,. Börsenmänner und Großkausl.'ute. Tiese^Berufe neigen stark zur Zuckerkrankheit. Wenn man eine objektive Statistik schaffen will, müßte man erst unter gleichen Lebensbedingungen Vergleiche anstellen. Die Epilepsie fei bei den ■ Juden geringer. Zu Konstitutiv nskranlh eiten der Nerven neige der Jude sehr; die Erklärung dafür liege, wie bei der Zuckerkrankheit, an den Milieuerscheinungen: im Osten an der traurigen Lage, im Westen an der Stadt und dem Beruf. Syphilis und Rückenmarkserkrankungen fehlen bei den östlichen Juden. Eine erschrecklich große Anzahl aller Geisteskrankheiten werde von den Juden gestellt. Auch Idioten gebe es bei den im Westen lebenden Juden .mehr als bei den Christen. Rewyork macht eine Ausnahme; hier kommen nur 10 Prozent -Juden auf die Geisteskranken, während nach der Bevölkerungszahl 15 Prozent erreicht werden müßten. Der Selbstmord ist im Olsten äußerst selten, im Westen ziemlich häufig. '„Etwas mehr Muskeljudentum und etwas weniger Geistesjudentum", so schloß Professor Lewin seine Hinweise, wie man durch rationelle Jugenderziehung die Schäden der Kultur im Westen beseitigen und eine Höherzüchtung des kommenden Geschlechtes herbeiführen könne. Eine Geschproreuenbank mit acht Kohamten. Der Londoner ..Daily News and Leader“ bringt die interessante Mitteilung, datz beim Landesgericht von Whitechapel vorigen Freitag nicht weniger als 20 Männer aufgerufen wurden, um als Geschworene zu fungieren, die den Namen Cohen trugen. Von diesen 20 Kohaniten wurden dann acht ausgelost und in die Geschworenenbank berufen. Eine Urkunde Mer den DmchiMS! der Israeliten durchs Rote Meer. Der jüngste Bericht des „Palestine Erploration Fund" bringt die durch einen bekannten Aegyptologen ersolgte Uebertragung eines vor kurzem entdeckten altägyptischen Papyrus, der neue Streiflichter auf den Auszug der Juden wirft. Wie das „American Magazine" dem oben erwähnten Berichte entnimmt, ist der Papyrus ein geographisches Lerikon der Hauptortschaflen des östlichen Nildeltas, von wv aus die Juden ihren Weg in das gelobte Land antraten. Der Papyrus erwähnt die im „Exodus" aufgezählten Ortschaften in nahezu derselben Reihenfolge. Bekanntlich nahmen die Israeliten ihren Weg von dem Lande Gosen aus, von dem feststeht, datz es ein Landstrich im östlichen Nildelta w-ar, den die Aegypter „Gesem" mannten. .Genau genommen, begannen sie ihre Wanderung von der Stadt Raemses aus, und, wie es im „Exodus" heißt, inachten sie ihren ersten Halt in Suchoth. Der Papyrus wirft' diesen Ort mit Pithom zusammen, das ebenfalls in der Bibel erwähnt wird. Der ägyptische Name ist „Pe- Atum-Zuktu", aus dem mit Leichtigkeit her Doppel-

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