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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-21 · 12 (21.3.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Blochs Wochenschrift. L.üe 201 ohne aber, daß dadurch die Verhüllung des Körpers¬ und Hauptes auch nur im mindesten aufgehört hat, eonäidlo sine qua non zu sein. Diester Vorgang, für dessen Bezeichnung im Talmud und Midrasch die Verba an ,pbs .sp häp gebräuchlich, über dessen eigentliches Wesen jedoch bereits Raschi und die Tossafisten sich nicht ganz im klaren sind/") war nur an Werktagen gestattet. Am Sabbat hingegen war die Anbringung derartiger Fältchen nicht gestattet: ja. es war nicht emmal erlaubt, mit einem auf solche Weise aufgefalteten Tallith am Sabbat auf die Straße zu gehen, Weil er in solcher Form den Charakter eines Kleidungsstückes eingebüßt hätte. Nun wird an mehreren Stellen des Talmud und Midrasch es als eine aus dem Schriftwort abgeleitete Pflicht hingestellt, die Heiligkeit hes Sabbat! unter anderem auch durch Auswechslung der Werktagskleider auszudrücken. Den Neichen, vie über eine reich« liche Auswahl ihrer Garderobe verfügten, war die Erfüllung dieser religiösen Anstandspflicht ein Leichtes gewesen. Nicht so aber der großen, aus Handwerkern und Feldarbeitern bestehenden Masse des Volkes, die in der Regel nur ein einziges, als Ueberwurf dienendes Kleidungsstück besaßen. Um diesen die Erfüllung der erwähnten Sabbatpflicht zu ermöglichen, wurde von der Verpflichtung eines förmlichen Kleiderwechsels abgesehen und ihnen gestattet, einen solchen bloß zu markieren, und zwar in der Weise, daß der aufgefaltete Ileberwurf bereits am Vorabend des Sabbat ge-' glättet und dadurch in den ursprünglichen Zustand seiner Länge gebracht worden war, welcher Vorgang durch den Terminus technicus bvhv bezeichnet wird.") Die geschilderten Vorgänge gelangen außer an vielen anderen, auch an den beiden von Dr. Venetianer angeführten Stellen. Sabbat. 113 a, Pesikta rabbyti cap. 23, zur methodischen Behandlung, wobei zu beachten ist, daß an beiden Stellen nicht das Wort „Tallith", sondern „Atnf", „Gulltha" Und „Kelim" gebraucht wird. Aus 2. B. M. Kap. 20, 11 wird in der Pesikta abgeleitet, daß die Heiligung des Sabbat nach göttlichem Beispiel bereits am Vorabend damit zu beginnen habe, daß die Kleider^) gewechselt werden. Wem es an solchen mangelt, der (bvbv*) soll die gefalteten und zerknüllten Kleidungsstücke bereits am Vorabend des Sabbat glätten, um wenigstens dadurch den sabbatlichen Charakter seines Habitus zu dokumentieren. — Dies wird dann durch ein tatsächliches Vorkommnis aus dem Leben zweier Gesetzeslehrer dargetan. Das nämliche Thema, nur in einem anderen halachischen Zusammenhang, wird b. Sabbat 113 a erörtert, woraus aber noch klarer als in der Pesikta ersichtlich! ist, daß es sich nicht bloß um den Tallith, sondern um alle üblichen Kleider überhaupt handelt.^) Auf Grund dieser zwei Stellen zu behaupten „und was die Stola anbelangt, so ist sie entschieden nichts anderes als ein.zusammengerollter Tallith"/^) scheint mir sonach ebenso gewagt, wie die Konstruierung einer Aehnlichkeit von Stola und dein tal-. mudischen Tallith. Die elftere ist ein 8 Zentimeter schmaler, über Hals und Schultern gelegter Stoffstreifen, während der letztere am Sabbat die Gestalt „eines umgestülpten Mörsers" und an Werktagen die einer in Säckchen und Fältchen gelegten Röhre hatte/-') wovon freilich nicht nur uns, sondern auch den Erklärern des Talmud die klare Vorstellung fehlt. Will man für 10) Bgl. a. a. O. Raschi und Tossafoth. ") Vgl. b. Sabat 147 a wo auf Aruch verwiesen und gesagt wird: pr6 132J7' aba? b'SBO bvb'vti prpa ia) In der Pesikta sowohl wir in b. Sabbat ist nicht vom Tallith, sondern von allen Kleidern überhaupt die Rede. ,3) p-03SvvD J4) „Jüdisches inr Christentum", S. 81. Krauß a. a. O. 1. Abt. IH. 545. die Stola des katholischen Priesters eine Analogie aus den Volkstrachten denn nur um solche, nicht aber um synagogale Kultstücke kann es sich hier handeln -- der talmudischen Zeit haben, so gibt es ein Kleidungsstück. das nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten dafür weit mehr geeignet erscheint, nämlich das "mc oder p-no aouoapcov. In den talmudischen Quellen wird dieses im Gegensatz zu „Tallith", „Atuf" und „Gulltah"*") als ein am Arm oder am Hals und über den Schultern stets zusammengelegt getragenes Stück Zeug oder Tuch geschildert, das nicht nur von Wanderern und Läufern, sondern auch von Lehrern und Gelehrten verwendet wurde. Erwägt man, daß beide. Stola und^c aus einem - ursprünglich rein praktischen Zwecken, der Reinigung der Gefäße oder dem Abtrocknen des Schweißes dienenden Tuch sich entwickelt haben, so wird man die Annahme nicht leicht abweisen können, daß hier eine Aehnlichkeit nicht bloß in der Form, sondern im Wesen selbst vorliegt.") Noch klarer und augenfälliger ist diese bei dem als Ergänzung der Stola dienenden sogenannten Manipel, das von Venetianer in seiner Schrift übergangen wird. „Ein streifenförmiges, am linken Vorderarm getragenes Ornatstück der Meßkleidung" wird das Manipel^) wohl ursprünglich ein Etiketten- oder Schweißluch gewesen sein - ganz so. wie das vorhin erwähnte, am Arm getragene wohl ursprünglich als ein den Läufern, Wanderern oder Lehrern bei ihren Märschen und Wanderungen dienendes Schweißtuch anzusehen ist. Ist diese Aufstellung richtig, dann hätten' wir die interessante Erscheinung vor uns, daß das noch heute gebräuchliche Meßgewand des katholischen Priesters der talmudischen Volkstracht entnommen ist. Der Amikt dem „Tallith", „Atuf" oder „Gulltah", die Stola und das Manipel den beiden Arten des Sudar. Der zusammengelegte, stolaförmige Tallith, wie wir ihn jetzt tragen, ist erst zu einer Zeit entstanden, in welcher der Tallith aus einem Volkskleid zu einem synagogalen Kultstück geworden, d. i. als der Schwerpunkt des jüdischen Lebens vom Orient nach Europa gerückt war. In den spätmittelalterlichen Responsen wird der stolaförmig zusammengelegte Tallith als eine im Kultus unzulässige und streng zu vermeidende Sitte der n>2-n" Reisenden und Wanderer hingestellt.'') Es mag fein, daß sie in der Eile der Geschäfte oder aus Scheu vor den Andersgläubigen, mit denen sie auf der Reise zusammentrafen, zu diesem Auskunftsmittel gegriffen haben. Vielleicht hat auch der Anblick der Stola, die sie auf ihren Wanderungen häufiger als ihre daheim sitzenden Glaubensbrüder gewahrten, unbewußt dabei mitgewirkt. lsom Aabrmarkl des Lebens. Eine Bitte der bulgarische» Prinzessinnen an die jüdischen Kinder. Der Redakteur der hebräischen Zeitung „Hap'erachim". Löwner, erhielt das folgende, von den Töchtern des Königs von Bulgarien, den Prinzessinnen Eudokia und Nadeschda, Unterzeichnete Schreiben: „Die im Balkankriege Verwundeten und Gefallenen haben eine nicht geringe Anzahl jüdischer Waisenkinder zurückgelässen, deren Eltern, bulgarische Juden, mit Hel- 1B) Bgl.HamburgerR. E. II.Art. Kleidung. Krauß I. Abt. III. 531. ") Vgl. Buchbergers Kirchliches Handlexikon, Wien 1012, Art: Stola, I. Braun: Tie liturgische Gewandung 1007 562/320. 18) Bgl. Buchberger a. a. £. Art: Manivel. Braun, a. a. £. 515/61. 19) Benvenisti nbrün Abschn. ri'L'L Benjamin Selnik nKWö Reps. 48, auch von Gumbinner in seinem Commt. zu Lr Ch. gebracht.

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