Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 12 (21.3.1913)
- Date
- 1913-03-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022048--21967-3047089- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Seite 200 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 12 erließ ihnen die Steuer für drei Jahre und sprach sie frei von Geschenken, und sie gingen auseinander in Brief den. Der König aber gebot, daß man den Markus den Bösewicht hänge auf den Galgen, weil er gedacht hatte, den Iehudim Böses zuzufügen und man warf seinen Leichnam auf hen Anger und seine Gebeine wurden im Feuer verbrannt. So mögen vernichtet werden alle deine 'Feinde, o Ewiger! Deshalb haben beschlossen und auf sich genommen alle Iehudim, die in Saragosanos sich befinden, für sich und ihre Nachkommen, zu bestimmen den 17. Tag des Monats Schewat in jedem Jahre, für sich und ihre Kinder und ihre Ksindeskinder bis in Ewiigf keit zur Freude und Fröhlichkeit, zu einem Festtage, zum wechselseitigen Beschenken einer den andern, und zu Liebesgaben für die Armen. Den Iehudim ward Licht, Freude und Fröhlichkeit; der Markus, der Bösewicht, gedachte die Juden zu vernichten, es kam aber seine böse Absicht zurück auf sein Haupt und man hängte ihn auf den Galgen, so mögen vernichtet werden alle deine Feinde, o Ewiger, denn ihr Erbarmer führt sie; Er wird an uns erfüllen den Bibelvers: „Wenn du bis an das Ende des Himmels verstoßen wärest, so wird der Ewige, dein Gott, dich von dorther sammeln und einholen, in das Land zurückbringen, das deine Vorsfahren besessen haben"; ebenso heißt es: „Der Herr erlöst Jakob und befreit es aus der Hand der Mach!- tigen"; ferner: „Dann freut sich die Jungfrau beim Reigentänze, Jünglinge und Greise insgesamt; ich! verrwandle ihre Trauer in Wonne, tröste sie und erfreue sie nach ihrem gehabten Kummer"; schließlich heißt es: „Oede Waffe, gegen dich geschmiedet, soll kein Glück haben!" Verwünscht sei Markus, gesegnet sei Efraim, verwünscht alle Frevler, gesegnet ganz Israel und auch, des Elijahu. des Propheten, fei zu Gutem gedacht! -(Fortsetzung folgt.) Stola imd TaUith,. Von Dr. Armin Abeles-Wien. Auf Seite 81 seiner vor kurzem erschienenen Schrift „Jüdisches im Christentum"*) stellt ^Herr Dr. Venetianer die Behauptung auf. daß die ^>tola des katholischen Priesters eine Nachahmung oder, um mich! eines von ihm mit Vorliebe gebrauchten Ausdruckes zu bedienen, die Christianisierung des Tallith in seiner zusammengelegten Gestalt sei. „Es war palästinensische Sitte," sagt der Verfasser, „daß, wer bloß einen Tal'- lith hatte, ihn nur am Sabbat herunterwallen ließ, sonst aber die ganze Woche hindurch zusammengerollt! trug. <Sadbat 113 a, Pesikta rabbah cap. 23 p. 115,6.) Die Apostel haben gewiß nur einen Tallith gehabt. Der Ursprung des Amikts und der Stola ist also in dem herunterwallenden und zusammengelegten Tallith zu suchen." Hier liegt ein Mißverständnis vor, dessien Beseitigung umso gebotener erscheint, als es sich um eine vorzugsweise für Laien bestimmte „Volksschrift" handelt. Nach der Auffassung Venetianers wäre anzufnehmen, daß der aufgerollte und zusammengelegte Tallith. wie er im jetzigen jüdischen Kultus gebraucht wird, bereits in der talmudischen Zeit zur Anwendung gelangt sei. Davon ist jedoch weder an den beiden angef führten Stellen, noch auch im talmudischen Schrifttum' überhaupt die Rede, und sie kann es auch nicht sein. Denn wenn über die genaue, bis ins Einzelne gehende Beschaffenheit des alten, palästinensischen Tallith unter den Archäologen auch keine vollkommene Ilebereinstimmung der Ansichten herrscht,-) über allem Zweifel steht die Tatsache, daß der Tallith, wie er im Talmud be- *) I. Kauffmann, Frankfurt am Main, 1913. 2) Vgl. Krauß, Talm. Archäologie I, Abt. III, Apm. 545. schrieben und behandelt wird, in Form, Charakter und Bestimmung wichentlich verschieden ist von dem, was heute darunter verstanden und von der Art, wie er im heutigen Kultus gebraucht wird. Mag er an das tfxaxiov der alten Griechen, das Hheik der heutigen Araber, evinnern?) oder gar eine gewisse Aehnlichkeit mit der römischen Toga aufweisen/) der km Talmud und Mi'- drasch unzähligemal erwähnte „Tallith" bezeichnet jedenfalls einen.im Grundschnitt viereckigen, bis zu den Fußspitzen herabwallenden, von Arm und Reich gleich,evweise getragenen Ueberwurf im besonderen, oder auch den Gattungsnamen für" alle Kleider überhajupt?) Die dem Orientalen eigentümliche Scheu vor der Nacktheit, die bei dem Juden bis zur höchsten Pedanterie sich steigerte. hatte nicht nur eine ungewöhnliche Vielheit und.' Mannigfaltigkeit an Kleidungsstücken zur Folge, sondern sie war auch bei Bestimmung von Form, Zuschnitt und Charakter derselben maß- und ausschlaggebend gewesen. Je länger und breiter ein „Tallith" oder das „Chaluk" war, je mehr man sich darin einhüllen konnte, je besser, desto mehr entsprach man Sitte, Anstand und! Religion?) Denn das ist eben das .Bezeichnende in der Sittengeschichte der talmudischen Zeit, daß Sitte und Religion sich derart ineinander schlingen, daß man die Grenzen, wo sie sich trennen, nicht leicht abstecken und niemals genau angeben kann, wo die Sitte aufhört und das religiöse Moment beginnt?) So wurde die im Morgenlande allgemein übliche Verhüllung des Körpers und Bedeckung des Hauptes mit der Ehrfurcht vor Gott in Zusammenhang und im Tallith zur sinnfälligen Anschauung gebracht, dessen eigentliche Bestimmung sonach nicht sowohl in der Bekleidung, als vielmehr in der durch die Verhüllung des Körpers und Hauptes ausgedrückten Ehrerbietung Gottes gelegen war?) Der schlichte Handwerker und Feldarbeiter — und das waren im alten Palästina auch die Lehrer und Gellehrten zumeist gewesen — war durch den herabwallenkden, breiten Mantel in seiner Hand- und Feldarbeit sehr behindert, und er half sich, in der Weise, daß er — wie es die Frauen mit den Röcken und Schleppen tun — den „Tallith" zufamMenraffte oder auffaltete!,. d. i. in künstliche Falten zusammenlegte und diese durch Fäden oder auf andere Weise befestigte, wodurch der Tallith eine rührenartige Form (?2na) oder die Gestalt von ..babylonischen SackchjM" (?xn'bzz '«rs) annahm,") s) L. Löw in Ben Chananjah II 102. 4) Krauß a. a. O. b) Vgl. Baba Bathra 57 b auch Krauß, a. a. O. S. 165. °) Vgl. b. Baba Bathra 575, besonders Raschi z. St., weiters b.. Sota 22 b. K'DHö 2>nä. Weshalb Krauß a. a. O, I. Abt. III 543 in der von Aruch gegebenen Erklärung dieser Stelle die Worte „rvbtö pDIVv" durch „reichlichen Tallith" übersetzt und was darunter gemeint ist, ist mir nicht klar geworden. Im biblischen Hebräisch bedeutet pDV wohl „Reichtum", „Uebersluß", im talmudischen Idiom aber heißt immer, von oben nach unten, und von unten nach oben sich verbreiternd z. B. pan&ö brYD b. Sabbat 5a, ferner V8"i V1LV b. Chullrn 20a. Demnach „VD'vo mbta" ein nach nuten sich verbreiternder Tallith. 7) Vgl. Zunz ges. Schriften I 216. Charakteristisch hiefür ist, der Ausdruck: mit seiner Doppelbedeutung: „Religiös" und „Sittlich". 8) Vgl. Sabbat 156 b. Kid. 31 a. Im Talmud wird des öfteren Gott selbst als sein Haupt verhüllend dargestellt, b. R. H. 176. Mekh. zu Exodus 15. z. vgl. auch Krauß a. a. O. I. Abt. III 19. °) Vgl. b. Sabbat 147a und Krauß a. a. O. III. 545. Ich muß. bei aller Achtung nnd Wertschätzung Prof. Krauß auch hier widersprechen, wenn er sagt: „Jene künstlichen Falten wurden nicht wegen der Technik des Tragens gemacht, sondern aus ästhetischen Gründen, besonders am Sabbath." Aus dem Diskussionsgang von b. Sabbat 147a und 113a geht aber unzweideutig hervor, daß jene Faltung des Tallith ausschließlich als Behelf für das leichtere Vorwärtskommen bei der Werktagsarbeit dienen sollte, wogegen am Sabbat jegliche Aenderung des Tallith verboten war, ausgenommen, wenn es galt (rrwnn1?) durch eine gefälligere Form den festlichen Charakter des Sabbat zur Geltung zu bringen. Siehe besonders Raschi an beiden Stellen.