Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 11 (14.3.1913)
- Date
- 1913-03-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 190 Dr. Blvchs Wochenschrift. Nr. 11 seines Wirkungskreises hinaus sich erstreckendes Renommee, und erfreut sich ob seiner edlen Charakter- und Herzenseigenschaften, seines konzilianten Wesens und seiner im Stillen wirkenden Wohltätigkeit allgemeiner Hochachtung und Verehrung. Das Festarranaement gestaltete sich zu einer imposanten Sgmpaliekundgebung für das greise Jubelpaar. Eine zahlreiche Kinder- und Enkelschar strömte aus der Ferne herbei, um den Ehrentag ihrer Eltern reip. Großeltern in würdiger Weise zu feiern. Nach einem in der festlich beleuchteten Snnagoge abgehaltenen Gottesdienste, an welchem das Gros der Kultusgemeinde mit der Repräsentanz an der Sp'tzs teilnahm, und wobei der Herr Rabbinatsverweser M. Meist eine der Feier angemessene Ansprache an das Jubelpaar hstlt, wurde ein Bankett veranstaltet, bei welchem die gehaltenen Ansprachen und Toaste, sowie die in großer Anzahl eingelangten Glückwunschtelegramme von der grasten Beliebtheit und Wertschätz', na„ deren sich das Jubelpaar in allen Kreisen erfreut, beredten Ausdruck gaben. Herrmann Fuchs. Literatnrabend in Galgoe^. Es war eine .wahre Erquickung, dem Vortrage des Diner Dbcrrabbincrs Dr. Arnold K i s s zu lauschen, den er auf Verlangen des hiesigen ista:I't''ch:n Mä^ch?.nve"e'ne-' am 23. Februar vor einem distinguierten, a'l: Konfessionen und Schichten unseres Ortes umfassenden Publikum hielt. Welche Hochflut von Gefühlen entlockte er unseren Herzen. Bunte Märchen, dunkle Leidenschaften, stille Märtyrerhistorien, Festgeiänge, Weisheitsiprüche, sie quo'len aus seinem Munde in der schönsten Harmonie, so glaubenskräftig und glaubensglühend, begeistert und begeisternd. Aus dem Dröhnen der Belaqerunosaeschütze auf dem Balkan, aus dem Jammergeschrei der r;u Krüppeln aeschlagenen Soldaten, führt er uns in eine alte Welt, nach verschwundenen Jahrhunderten zurück. In eine Welt von Licht und Finsternis. Auch seine Gestalten sind bald lichtumflos'en, bald von den Qualen eines stillen Martyriums umgeben. Und alle sind sie von dem wahren, echten Glauben an den großen und mächtigen Gott Israels durchgeistigt. Aus der Tiefe der w">- dernen Dirnenliteratur hebt er uns in eine Helle, klare Romantik altehrwürdiger Moral. Traumhaft erscheinende Helden führt er im Geiste unseren Augen vorbei, die in ihrer heroischen Entsagung und Duldung sanfte, milde, süßlich elegisch: Stimmungen erregen. Sie wandeln in Rosengärten und Blnmenhainen, um zu erfahren, dast ihnen und ihren Nachkommen nur deren Hecken und Dornen als Lebensanteil beschieden wurden, dast auf ihren langen Wanderungen ihre Fersen wund gestochen, ihre Häupter blutig umkränzt werden. Von dannen ziehen sie auf die Höhen Libanons, wo ihnen trauernde Eedern zuwinken und als sie zu den Erz- und Bleiqruben gelangen, vernehmen sie ein unterirdisches Aechzen, und Stöhnen, das Rasseln jener Ketten, mit denen ihre Kinder in Fesseln geschlagen einst auf den aus den Eedern des Libanons aufgestapelten Scheiterhaufen gejagt werden. Dieser Leidensgang in den Kämpfen um ihre Ideale stärkt uud stählt sie in ihrem Glauben und ihrer Gotteslehre. Rur leiblich, mit ihren Schmerzen und Qualen gehören sie der irdischen Welt an, im Geiste schwingen sic sich, wie jene weiße Taube aus dem Midrasch in eine andere, mackeilose, höhere Welt, zu den gütigen und a'lmächtigen Gott Israels empor. Dies ist der Kern des Vortrages, dem in der Introduktion ein ergreifendes Bild über Lebenshoffnungen die entzückende Legende vom Knaben und Schmetterling vorausgegangen war. Der zweite Glanzpunkt des Abends war die Rezitation des, den Galgoczern ganz besonders lieb gewordenen Eymnasialprosessors und Dichters, Dr. Josef P a t t a i. Er hat uns einige seiner Uebersetzungrn aus den modernen hebräischen Dichtungen vorgclesen. Auch diese wirkten durch ihren fast melancholischen Ton traurig und elegisch. Bewunderungswert ist die Rhythmik und auserlesene Sprache, mit der er die melodischen Gutturalen des hebräischen Idioms uns zugänglich machte. Zu erwähnen ist ferner die deklamatorische Leistung der agilen Präädentin des Mädchrnvereines Frau Markus S ch w a r c z. Weiters haben Frau Professor M. B a l l a durch ihr Zimbalspicl, Fräulein Vilma B u st i n durch ihre Klavierproduktion, Fräulein Vali H e r c z und Fräulein Reich Zweig durch ihre Rezitationen ganz Besonderes geleistet. Nicht unerwähnt bleibe die Conference des Direktors Marmilian W a j d a, mit der er den Literaturabend eröffnete und Zweck und Intention des israelitischen Literaturvereines „Imit" den Anwesenden auseinandersetzte. Nach Schluß der Vorträge wurde Thee serviert, dann folgte ein bis zum Morgen andauernder Tanz, mit dem die Jugend das gewählte Motto des Vortragenden Rabbiners Dr. Kiss, „Lasctgio ogni speranza voi qii'entrate“. g'eich nach dem diese Worte verklungen waren, widerlegte. Nein, so lange wir solche begeisterte Männer, wie unsere Gäste sind, und ein für Ideale sich erwärmendes Publikum haben, wollen wir die Hoffnung auf die Zukunft nicht aufgeben. Galgörz, den 27. Feber 1913. Jar. Dr. Isidor Rosenfeld. Indischer Frauenbund. Am 18., l9. und 20. März 1913 findet in Leipzig die 4. Delegierten- und Mitglieder-Versammlung statt. T a g e sord n n u g: I. Tag. Dienstag, 18. März, vormittags 11 Uhr: Leitung und Eröffnung der Tagung, Begrüßung der Delegierten und Abgesandten der Leipziger Organe der jüdischen Wohlfahrtspflege, Frau Henriette M a y - Berlin. — Ansprachen. — Jahresbericht des Vorstandes seit 1911. — Kassenbericht, Frau Dr. M. Frankl-Berlin. — Referat „Ans unserem Programm", Fräulein Bertha P a p p e n h c i m - Frankfurt a. M. — Nachmittags 372 Uhr: Prüfung b:r Delegationen. — Referat: „Die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen Leipzigs, Frau Anna Neumann-Leipzig. — „Zur Schächtfrage", Fräulein Sidouie Werner-Hamburg. — Diskussion. — Abends 872 Uhr: Vorsitz: Frau Dr. Frankl-Berlin Großer öffentlicher Vortrag. — Frau Justizrat Paula O I l e n d v r f f - Breslau : „Jüdische soziale Hilfsarbeit." — Diskussion. II. Tag. 19. März, vormittags 97, Uhr: Vorsitz: Fräulein Bertha P a p p e n h e i m - Frankfurt a. M. — Bvrstandswahlen. — Geschäftliches. — Anregungen: a) Zur Bahnhofshilfe, Frau Jsabclla H c i in - Nürnberg. — 17 Zur Wohmliigspflege, Frau Henily Levp- Frankfurt a. M. Bericht: a) lieber Council of .lewish Women, Mrs. B l u m a u e r - Portland tOrigon) U. St. b) lieber Ncu-Jsenburg, Frau Stephanie F v r ch h e i m e r - Frankfurt a. Ai. c) lieber das Frauenbuch. — Nachmittags 37» Uhr: Beratung der gedruckt vorliegenden Anträge. - Referat: lieber Arbeitsnachweis und StellenvermitUnng, Frau Helene M e y e r - Stargard. — Diskussion. - Gemeinsames 'Abendessen (Einladung des Leipziger Ortsausschusses.) III. Tag. 20. März, vormittags: Sitzung der Kommission für Stellenvermittlung. — Sitzung der Jugendkvmmission. (Zeit und Ort wird durch Anschlag bekanntgegeben.) — Auf Wunsch Besichtigungen der Leipziger Wohlfahrtseinrichtnngen. — Nachmittags 4 Uhr: Geschlossene Vvrstandssitzung. — Abends 87» Uhr: „Jugendabend". Vorsitz: Fra» Henriette Map-Berlin. — Ansprachen: Fräulein Sidouie Werner-Hamburg, Frau Clementine Krämer München, Fräulein Hetch N e u m ü l l e r-Frankfurt a. M. u. A. — Diskiissivn. — Schlußwort: Fräulein Bertha P a p p e n h e i m-Frankfurt a. M. Feuilleton. Randglossen fnw Kallraiilrriege. VII. Februar 1913. „Es sieht der Vogel aus Erden seine Beute schon von hundert Meilen und noch mehr; aber ist seine Zeit gekonimen, sieht er die Schlinge nicht vor seinen Füßen." * Altindisch. Obigen Spruch haben die Moslims in seiner ganzen Grauenhaftigke.it am eigenen Leibe erfahren. Er sollte aber auch von den Balkanbündlern als Warnung empfunden werden, besonders im Zusammenhänge mit dem Bibelverse: ,,Es rühme sich nicht, wer die Rüstung anlegt, wie der die Rüstung ablegt." I. Könige, 20. 11. Israels König Achab ließ es dem Ben Hadad, König von Aram, entbieten. Das zitierte herrliche Kriegskapitel verdient jetzt von aller Welt gelesen und beherzigt zu werden, schon wegen der buhenden Persiflierung des Ben Hadad, dem Urtypus vom Miles gloriosus, Fanfaron. Chauvin, dessen überschWängliche Ruhmredigkeit und Prahlhänselei in feiges Winseln um Gnade umschlug. , i An den „Neid der Götter" glaubt man nicht mehr, wohl aber an den Zorn der höheren Waltung, den Hosifahrt, Uebermut, Großsprecherei, Siegesrausch' und Maßlosigkeit erregen. Die Bulgaren fühlen sich geschmeichelt, wenn man sie die Iapaner des Balkans neitnt. Warum suchen sie nicht die hochherzige, vornehme, weise Mäßigung der Japaner beim Friedensschlüsse in Plymouth nachzuahmen: Ihre Selbstüberwindung, den größten Sieg dieses Kulturvolkes der gelben Rasse, durch den es sich die Früchte ihrer beispiellosen Triumphe