Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 11 (14.3.1913)
- Date
- 1913-03-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 184 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 11 Hcorrespondenzen. Eine Verleumdung -er „Selbstwehr". 2n Nr. 9 der „Oesterreichischen Wochenschrift" hat durch einen unliebsamen Verstoß ein Inserat Aufnahme gefunden, durch welch,es ein antisemitisches Machwerk „Der Talmud" von Alfons Szentesy empfohlen erscheint. Jeder, der dieses Buch kennt und dem andererseits die vielen und großen Kämpfe bekannt sind, welche die „Oesterreichische Wochenschrift" und ihr Herausgeber Dr. Bloch gegen jede tendenziöse Verfälschung talmudischer Quellen seit mehr als einem Mmschenalter geführt hat und auch heute noch führt, wird beim Anblick des Inserates sofort erkannt haben, daß hier ein Versehen vorliegen müsse, an dem Dr. Bloch keine Schuld hat. Jeder, der die Verhältnisse kennt und sich von Böswilligkeit frei weiß. Anders die Prager „Selbstwehr", die nach diesem Verstoß schnappt, wie nach einem Knochen, der zufällig zu Boden fällt, und unter dem Titel „Dr. Bloch's Oesterreichische Wochenschrift empfiehlt antisemitische Propaganda", sich zu der Verleumdung versteigt: „Bloch's Wochenschrift besorgt also, wie man sieht die Geschäfte der Ritualmordpropaaanda." Gegenüber dieser Anrempelung, aus deren jedem Worte die mala tiäes hervorgrinst, sei zur Steuer der Wahrheit folgendes festgestellt: 1. Das ominöse Inserat ist in der Nummer vom 28. 'Februar erschienen. Dr. Bloch ist schon früher auf längere Zeit verreist, ohne die betreffende Nummer vorher gesehen zu haben. 2. Das Inserat wurde von der Verlagsbuchhandlung brieflich an die Administration der Wochenschrift gesendet, deren Beamte es, da sie den Inhalt des angekündigten Buches nicht kannten, durch den Titel „Der Talmud" irregeleitet, aufnahmen, ohne es vorher dem Herausgeber vorzulegen. 3. Der Schriftleiter, der den übrigens noch immer von Wien abwesenden Herrn Dr. Bloch vertritt, hat an dem Tage, da er das Inserat im Blatte gewahr wurde, unverzüglich der Administration den Verstoß vorgehalten und die Verfügung getroffen, daß sie eine eventuelle Wiederholung des Inserates sowie die Bezahlung der einmaligen Insertion — sage und schreibe fünf Kronen und vierzig HÄler — zurückweise. Das ist der Sachverhalt. Man sieht also, daß die Behauptung der „Selbstwehr", daß die Wochenschrift „die Geschäfte der Ritualmordpropaganda besorge", eine kindische Lüge ist. Die Situation entbehrt auch nicht der Komik. Kanonikus Rohling war Professor an der Prager Universität, Jahrzehnte hindurch hat er gegen das Judentum die ärgsten Verleumdungen in die Welt ausgestreut, vor Prager Gerichten hat er den Ritualmord beeidet, kein Prager Jude fand ein Wort der Abwehr, hatte den Mut, den Verleumder nach Gebühr zu züchtigen. Nur Dr. Bloch und die „Oesterreichische Wochenschrift" haben ihn vor Gericht demaskiert und stumm gemacht. Nunmehr wird ihm der Dank aus Prag damit quittiert, daß er als Genosse Rohlings verleumdet wird. Was nun den Appell an die Leser der Wochenschrift in Böhmen, unser Blatt zu boykottieren, anlangt, so verlassen wir uns beruhigt darauf, daß die Juden in Böhmen trotz der wechselvollen Wühlarbeit der „Selbstwehr" ihr Reinlichkeitsgefühl noch nicht eingebüßt haben und ihre bisherige ablehnende Haltung gegen die lächerliche „Selbstwehr" nicht ändern werden. „Oesterreichische Wochenschrift." Verein „Kinderheim". Der in seltenem Maße segensreich wirkende „Verein Kinderheim zur Gründung und Erhaltung von Heimstädten für verkrüppelte, rekonvaleszente und schwache, Kinder jüdischer Konfession" hielt am 27. Februar unter dem Vorsitze seines verdienstvollen Präsidenten, Herrn/ kais. Rat Dr. S. Krüger, seine diesjährige Generalversammlung ab. Das rege Interesse weiter Kreise für die humanitäre Tätigkeit des Vereines manifestierte sich auch diesmal durch die Anwesenheit von Delegierten gleichstrebender Organisationen. Es waren erschienen: für das Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenheim die Vizepräsidentin Frau Cäcilie Frankl mit den Vorstandsdamen Frau Lina Weiß und Frau Charlotte Kisch, für den Hietzinger 'Frauen-Wohltätigkeitsverein Frau Franziska'B irm ann, für den Verein „Nächstenliebe" dessen Obmann Dr. Leopold Weiß. Der Verein „Kinderheim" hat im abgelaufenen Vereinsjahre einen erfreulichen Rekord erzielt. Mit der Zahl von 115 Pfleglingen hat die Anstalt in Laa die Hoch st Ziffer, ihrer bisherigen Leistungen innerhalb eines Jahres erreicht. Die volle Bedeutung dieser Steigerung erhellt erst aus einer vergleichenden Betrachtung mit dem Vorjahre, in welchem das Kinderheim 79 kranke Kinder beherbergte. Obwohl die Räume und Einrichtungen der Anstalt keinerlei Erweiterung erfuhren, ja infolge des regnerischen Sommers der Aufenthalt der Kinder im Freien vielfach beschränkt war: obwohl ferner die zunehmende Verteuerung aller Lebensmittel auch eine nicht unbedeutende Erhöhung der auf jeden Kopf und Tag entfallenden Haushaltungskosten verursachte, und obwohl endlich die Eingänge an Mitgliederbelträgen und die Spenden an Geld und Naturalien bedauerlicherweise eine Verminderung erfuhren, ist es dennoch durch die äußerste Anspannung aller verfügbaren Mittel gelungen, die Wohltaten des Heimes noch 36 Kindern über die im Vorjahre erreichte jZahl hinaus zugänglich zu machen und sie durch rationelle Ernährung, reine Luft und systematische ärztliche Behandlung der Gesundung zuzuführen. Wenn sonach der Verein mit stolzer Genugtuung auf diese Mehrleistung blicken darf, so ist dieselbe doch andererseits geeignet, auch, ernste Besorgnisse für die Zukunft zu erwerben. Denn in dem unabweislichen Zwange, alljährlich mehr und immer mehr krüppelhafte und kranke Kinder im Laaer Kinderheim unterzubringen, offenbart sich ja ein immer drängenderes, von Iahr zu Jahr wachsendes Bedürfnis. Aus der großen Zahl der um Aufnahme Bittenden können doch nur die Rücksichtswürdigen ausgewählt und auch diesen zumeist nur ein zeitlich begrenzter und oft viel zu kurz bemessener Aufenthalt gewährt werden. Es ergeht daher immer wieder an alle Menschenfreunde, an alle Eltern, deren Kinder sich des unschätzbaren Gutes' der Gesundheit erfreuen, die dringende Bitte, dem Verein „Kinderheim" beizulreten und mit beizutragen, das unsägliche Elend jener Kinder zu lindern, die unter dem! doppelten Fluch der Armut und der Bresthaftigkeit seufzen. — Der Vorsitzende Herr kais. Rat Dr.Krüger eröffnete die Versammlung mit herzlicher Begrüßung de? erschienenen Gäste und Mitglieder und hielt sodann dem dahingeschiedenen Anstaltsarzte Dr. Friedrich Baruch einen tiefgefühlten Nachruf. Die Versammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. — In Ergänzung des Rechenschaftsberichtes führte der Vorsitzende weiter aus, daß die erzielten Heilresultate auch im letzten Jahre als glänzende bezeichnet werden können, wozu außer den günstigen hygienischen Verhältnissen vor allem der unvergleichliche Medikamentenschatz der Anstalt, bestehend aus guter Luft, gesundem Wasser und trefflicher Pflege beiaetragen hat. Für den Appetit der Pfleglinge ist es bezeichnend, daß dieselben 600 Kilogramm Fleisch