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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 183 sich, den Schutt zu entfernen, und sie wieder aus ihrem Grabe erstehen zu lassen. Da entbrannte aber ein Streit zwischen den beiden Gemeinden. Jede beanspruchte die Synagoge für sich, und lange üewcgte sich der Streit hin und her, bis es endlich zu einem Prozeh kam. Und da die Karaeer in Rußland bei der Negierung eine gewisse Bevorzugung genießen, bekamen sie die Synagoge zugesprochen. Jahre vergingen. Da wurden wieder Ausgraburgen in der Nähe der Synagoge unternommen, und sieh' da. nicht weit von der Synagoge wurde eine „Mikwe" im Boden entdeckt. Auch diese letztere habe ich selbst gesehen.- es ist ein kunstvoll aus einem runden Stein gehauener Brunnen von etwa 20 bis 25 Meter Tiefe. Nach dieser merkwürdigen Entdeckung strengten die ,.Krimanjaken" aufs neue einen Prozeh mit den Karaeern an und bewiesen, dah die Synagoge ihnen zugehören müsse, da die Karaeer keine ..Mikwe" haben. Diesem Beweis konnte sich auch die Regierung nicht mehr verschließen, sie stieß das früher ergangene Urteil um und sprach jetzt die Synagoge den „Krimanjaken" zu. Arbeilereteud in Cavalla. Salonikier Blätter inelden aus Cavalla, dah die dortigen jüdischen Arbeiter, welche den größten Teil der dortigen jüdischen Bevölkerung ausmachen und hauptsächlich in den Tabakfabriken beschäftigt sind, dem größten Elend preisgegeben sind, da sie bereits seit acht Monaten ohne Arbeit und daher auch ohne jede Einnahme stehen. Der Khedive von Aegypten hat angesichts der großen Notlage zu Beginn des Krieges eine zeitlang auf eigene kosten Brot und andere Lebensmittel unter die jüdischen Tabakarbeiter verteilen lassen. Nun wurde auch diese Hilfeleistung eingestellt, so daß unter den Juden dieser Stadt buchstäblich Hungersnot wütet. Schriftsteller Hermann Bernstein Generalkommissär für Cinwandernngswesen in Amerika. Die allgemeine englische Presse von Amerika verbreitet unwiderlegt die Mitteilung, daß der bekannte jüdische Publizist, Schriftsteller Hermann Bernstein, gleich nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Wilson zum Generalkommiss?r für das Einwanderungswesen der Vereinigten Staaten ernannt werden soll. Hermann Bernstein stammt aus Rußland und gehört heute zu den gelesensten englischen Publizisten Amerikas. Sein Name wurde durch seine politischen Beiträge in der „Newyork Times" und in letzter Zeit in der „Newyork Sun" auch außerhalb Amerikas bekannt. Bernstein hat für die „Newyork Times" während des letzten Jahres Interviews mit den führenden Politikern Rußlands, unter anderem mit dem Grafen Witte und Kokowzew, gehabt, und ebenso eine ganze Anzahl russischer Werke ins Englische übersetzt. Während der letzten Wahlkampagne hatte Wilson die Aufsicht über das sogenannte jüdische Publizitätsbureau Hermann Bernstein anvertraut. Der Metropolit m der Synagoge. ' iechische Metropolit von Strumtza hatte, gleich ■ Griechen diesen Platz besetzt hatten, in edung mit dem Oberrabbiner von Saloras Versprechen gegeben, sich der Juden von : anzunehmen, wie wenn sie seine eigenen Fieder wären. Als nun vor ungefähr zwei Sabbath die Juden in Strumtza zum Gottesdienste in oer Synagoge versammelt waren, erschien der Metropolit in der Synagoge und erbat sich die Erlaubnis, an die dort versammelten Juden eine Ansprache zu richten. Die nicht wenig überraschten Betenden gaben natürlich die Erlaubnis und der Metropolit hielt an die in ihren Betgewändern Versammelten eine aufmunternde Rede, an deren Schlüsse er an die Gemeinde die Frage richtete, ob sie irgend welche Wünsche oder Grund zu Klagen und Beschwerden hätten. Die Juden antworteten. daß sie. nachdem die Ordnung wieder hergestellt seh im großen und ganzen sich zufrieden geben wollen, doch drücke sie bloß eine Sorge, und zwar diejenige, daß sie infolge der großen Schäden, die sie durch den Krieg erlitten, nicht in der Lage seien, ihre Schule, die schon seit Monaten geschlossen ist. wieder zu eröffnen. daß sie außerstande seien, das Gehalt für einen Lehrer aufzubringen. Der Metropolit versprach, für diese Kosten sorgen und sich an den Grand-Rabbin von Saloniki um Empfehlung eines geeigneten Lehrers wenden zu wollen. Der Besuch des Metropoliten in der Synagoge und fein Verhalten daselbst hat aus die durch den Krieg herabgekommenen und eingeschüchterten Juden von Strumtza begreiflicherweise einen mächtigen Eindruck gemacht. Das ist begreiflich. In Kiew und auch in anderen russischen Städten hat sich ein hauptsächlich aus Nichtjuden bestehender Verband zur Verbreitung zutreffender Informationen über die Juden gegründet. Laut den den Behörden zur Genehmigung unterbreiteten Statuten hätte diese Gesellschaft den Zweck gehabt, den falschen Anschauungen, und Gerüchten über Juden und Judentum durch aufklärende Schriften und Vorträge über das wahre Wesen des Judentums entgegenzutreten. Es ist nur zu begreiflich, daß die russische Regierung eine solche ehrliche Aufklärungsarbeit als eine Störung ihrer judenfeindlichen verhetzenden Politik ansieht und daher die Statuten der Gesellschaft zurückwies und die Gründung dos Verbandes verbot. Auszeichnungen in Frankreich,. Der Pariser Professor der Medizin und Mitglied der Akademie für Medizin, Dr. Georges Fernand Widal. wurde auf Vorschlag des,Ministers des Innern zuin Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Der Dolmetsch des französischen Konsulates in Casablanca, Pachia Za gury, wurde in Anerkennung seines heldenmütigen Verhaltens anläßlich der großen Aufstände in Casablanca zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt. Berichterstattung des Professors Slousch über seine Studienreise. Professor Rahum Slousch. der im vorigen Jahre im Aufträge der Sociötö des Etudes Coloniales und maritimes eine Studienreise nach Marokko unternahm, hat vorige Woche dieser Gesellschaft in eiinr unter dem Vorsitze des Vizeadmirals Besson stattgefundenen außerordentlichen Sitzung einen eingehenden Bericht über seine Mission erstattet. Der äußerst interessante und lehrreiche Bericht wurde unter Ausdrücken besonderen Lobes für Professor Slousch mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Professor Slousch hielt übrigens außerdem auch in der freien Universität der Wissenschaften vor überfülltem Auditorium eine Serie von Vorlesungen über die nordafrikanischen und marokkanischen Juden. Juden im Justirdienste der französischen Kolonien. Wie wir dem französischen Amtsblatte entnehmen, wurde der bisherige Strafrichter in Binh-Long (Indo- China), I. Weill, zum Präsidenten des Gerichtshofes in Papeete. ferner der 'Friedensrichter in Barra. A. Grntzburger. zum Procuror der Republik in Travinh und schließlich der Strafrichter in Saint Denis. Morris Weil, zum bevollmächtigten Friedensrichter in Nam-Dimb ernannt.

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