Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 11 (14.3.1913)
- Date
- 1913-03-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 11 Dr. Vkochs Wochenschrift. Seite 181 gutes altes jüdisches Sprichwort: „As Gott will a Am- Hoorez strofen, schickt er ihm a Loschen-Kodesch-Wort in Maul arein". zu deutsich : „Will Gott einen Ignoranten strafen, läßt er ihn ein hebräisches Wort sagen." Herrn Dr. Landsberger hat er nun eine ganze Menge hebräischer Worte sagen lassen — mit dem entsprechenden Erfolge. Auch den Beweis für diese unsere Behauptung hat uns Herr Dr. Landsberger durch seine Auslese im „Zeitgeist" leicht gemacht. Wir haben daher, um nicht weitschweifig zu werden, diese als Beleg verwendet. Hier ein Pröbchen: (Sin Narr fragt einen Weifen: „Seit wann ist Gott?" Der spricht: „Das läßt sich nicht beweisen. Sag mir, wann war er nicht?" (Landsberger) Herr Landsberger wird ja keinem jüdischen Leser, der diesen Namen verdient, einreden können, daß dieses Adagium jüdischen Ursprungs wäre. Dieses Geistesprodukt Landsbergers ist eine Verballhornung folgender Verse aus Mar Weinbergs „Ewige Wahrheit", der gereimten Wiedergabe einer Stelle aus Ibn Lhisdajs „Ben-Ha-Melech weha-Nasir": Man fragte einen Weisen, „Wo wohnt die Gottheit, sage?" „Im Herzen aller, denen Sich anfdrängt deine Frage." Und als man fragt: „Seit wann ist Gott?" — Er spricht: „Sag' du mir Frennd, wann war er nicht?" So lautet die Uebertragung bei demselben Weinberg, in dessen Sammlung Herr Landsberger, aber wohl nur er allein, „nicht den leisesten Hauch talmudischen Geistes verspürt", die er als „Schändung heiligen Besitztums bezeichnet", „gegen die alle Glaubensgenossen Protest erheben" sollten. 6. Herr Dr. Landsberger meint ferner: - Die „Sprichwörter, an Hand deren man uns des Plagiats zu überführen suchte, sind nicht aus „Ost und West", sondern aus einer im Iargon erschienenen Sammlung, die wir ordnungsgemäß als Quelle nannten, entnommen." Um diese Behauptung zu belegen, zitiert Herr Landsberger nicht die von ihm in der Vorrede seines Buches erwähnte, im Jahre 1899 von dem rühmlichst bekannten jüdischen Schriftsteller M. Spekta in Warschau herausgegebene Vorarbeit von Bernstein, sondern (und zwar mit genauer Angabe der Seitenzahl) die 1903 von Bernstein und Segel herausgegebene Sammlung, in die Herr Segel all das in „Ost und West" publizierte Material einoerleibt hat. THefe Quelle aber, die tatsächlich die reichhaltigste Sammlung jüdischer Sprichwörter darstellt. hat Herr Dr. Landsberger in seinem Buche mit keinem Worte erwähnt. 7. Herr Dr. Landsberger geht endlich zur Offeasive über, wobei er sich ebenfalls blamiert. Er, der erwiesen vollkommene Laie auf diesem Gebiete, belehrt Herrn Segel, daß man „Borscht mit Lekech" nicht mit „Grütze und Graupen" übersetzen dürfe, verschweigt aber, was für ihn aus „seinen Quellen" feststehen müßte, daß es sich hier um eine Variante handelt, die gleichfalls von Segel zuerst veröffentlicht worden ist. 8. Herr Dr. Landsberger sucht die Leser über den „wahren Grund" für die „von Herrn Segel geführte — und w i e geführte — Kampagne" aufzuklären. Herr Segel, der seit Iahren jüdische Sprichwörter sammelt, könne es nicht verwinden, daß ihm Herr Dr. Landsberger zuvorgekommen sei. Herr Dr. Landsberger befindet sich auch hier auf dem Holzwege. Von einer Konkurrenz kann hier nicht die Rede sein. Was Herr Dr. Landsberger auf diesem Gebiete zu leisten vermag, vermag Herr Segel überhaupt auf keinem Gebiete zu leisten. Sie stehen: liors eoncours. Herr Dr. Landsberger! Was uns veranlaßt hat, gegen Herrn Dr. Landsberger aufzutreten. ist etwas ganz anderes : In dem Vorworte zu seinen „Iüdischen Sprichwörtern" teilt uns Herr Dr. Landsberger mit: „Die jüdischen Volkslieder, die an Natürlichkeit und Innigkeit, wie an Unmittelbarkeit des Empfindens ihresgleichen suchen, denke ich demnächst herauszugeben." Kein Wunder! In den „Sprüchen der Väter" heißt es: „Aweira gorereth aweira" eine Sünde zieht die andere nach sich. Es bestand also die Gefahr, daß Herr Dr. Landsberger feine Drohung in die Tat umfetzen könnte. Dies, nebst dem Grundsätze, daß jede literarische Untat angenagelt werden muß, hat uns veranlaßt, unsere Leser über die Leistungsfähigkeit des Herrn Dr. Landsberger auf jüdischem literarischen Gebiete aufzuklären. 9. Zum Schlüsse noch eine Kleinigkeit: Die Erklärung „In eigener Sache" hat Herr Hermann Blumenthal mitunterzeichnet. Wir wissen nicht, ob Herr Blumenthal tatsächlich das Buch mitverschuldet hat oder nur aus Ritterlichkeit seinem arg bedrängten Genossen beigesprungen ist. Im Buche des Herrn Dr. Landsberger selbst ist Herr Blumenthal bloß sozusagen als „stiller Teilhaber" angedeutet. Herr Landsberger spricht durchwegs von seiner Arbeit („Reiche Ausbeute war für meine Arbeit die Handschrift des Moritz Blaß usw."), er dankt zwar „dem Schriftsteller Herrn Hermann Blumenthal, der ihm mit Liebe und Umsicht beim Sammeln, Uebersetzen, und Zusammenstellen geholfen hat", sagt aber ferner: „Obgleich es auch mir (! > nicht immer gelungen ist, für jedes spezifisch jüdische Wort die Uebersetzung zu finden" usw. Ich habe es da her geflissentlich vermieden, Herrn Blumenthal in die Debatte mithineinzuziehen. In der Erklärung des Herrn Dr. Landsberger in der „Oesterreichischen Wochenschrift" aber heißt es: „Es zeigte sich nämlich, daß die gleichen Sprüche, obgleich sie das eine Mal von Blumenthal (!), -das andere Mal — d. h. viele Iah re früher — von Segel übersetzt wurden, einander ähnelten usw." Es dürfte also wohl schwer halten, herauszubekommen, wer der eigentliche Urheber ist. Herr Dr. Landsberger oder Herr Blumenthal oder beide viribus nnitis. Diese Herren werden daher gestatten, daß wir sie an die bekannte talmudische Parabel erinnern: Ein Blinder und ein Hinkender wollten sich Früchte m einem fremden Garten naschen. Was taten Sie? Der Blinde lud den Hinkenden auf seinen Rücken und so gelang es ihnen, ihr Ziel zu erreichen.... Möge sich nun jeder von den beiden Urhebern der „Iüdischen Sprichwörter von Dr. A. Landsberger" seinen Anteil holen. Indem ich Ihnen, sehr geehrter Herr Redakteur, für die Veröffentlichung dieser Erklärung bestens danke, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Leo Winz, Herausgeber und Chefredakteur der. Zeitschrift „Ost und West". Berlin. 4. März 1913. vom Zabrmarkl des Lebens. Zur Jahrhundertfeier in Deutschland. Aus Berlin wird berichtet: Im Abgeordnetenhause gab es bei der Beratung über die Iahrhundertfeier folgenden interessanten Zwischenfall: Cassel: Meine Herren! Abg. Hoffmann hat sich veranlaßt gesehen, als ich vorhin die Rednertribüne verließ, mir zuzurufen: „Ohne Napoleon säßen Sie noch heute im Ghetto". (Abg. Hoffmann: Sehr richtig!)