Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3022035-3022047--21946-3047067
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Sette 180 Dr. Vtochs Wochenschrift. Nr. 11 wahrscheinlich machen, als die völlige Beziehungslofigkeit: man denke: Johannes Avenarius zieht selbst von Eger nach Plauen im Vogtland, also an der Schwelle Thüringens: von seinen fünf Söhnen wird der eine Pfarrer kn Ostrau bei Zeitz, der andere Musiker in Zeitz, der dritte Gastwirt in Jena, also nicht mehr weit von Eisenach: über die beiden anderen Söhne, ihren Wohnort und ihre Nachkommen ist nichts überliefert. Da das Auftreten der Eisenacher Avenarius' mit dem Verschwinden der Plauenschen zeitlich zusammen) ällt, sodasz der Sohn eines der Plauenschen Brüder dem Alter nach der Vater des Matthäus von Eisenach! sein könnte, ist der Zusammenhang dieser beiden Geschlechter, für den schon der Genealoge I. St. Dietmann 1763 eingetreten ist, kaum ernstlich von der Hand zu weifen. — Was übrigens das Blut der Stammütter der Familie Avenarius anlangt, so finden sich unter den Vorfahren einer namens H e r tz o g, der eine geb. Natan zur Frau hat (Av. Ehr. 214), ein Aurbach, ein Kühn und der aus der Genealogie Richard Wagners bekannte Schauspieler Geyer. Die Av. Ehr. glaubt, das Ariertu m der Familie Geyer durch die Nachricht erwiesen zu haben, daß schon der 1720 verstorbene Benjamin Geyer getauft war! Ueberblickt man die Abstammung von Ferd. Avenarius, so fühlt man sich gedrängt, ihm die Erlernung der jiddischen und der hebräischen Sprache zu raten, damit er, wenn einstmals seine erwähnten Vorschläge durchdringen, die Schriftstellerei nicht aufzugeben bracht. —y. Z« de« „Jüdische« Sprichwörter«" des De. A. Kandsdergrr. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie haben in der Nummer 8 Ihres geschätzten Blattes eine Erklärung des Herrn Dr. Artur Landsberger: „In eigener Cache" veröffentlicht, in der er sich gegen eine über sein Buch „Jüdische Sprichwörter" im Februarheft von „Ost und West" erschienene Kritik zu verteidigen sucht und gegen die Redaktion von „Ost und West" die ungeheuerlichsten Beschuldigungen erhebt, ohne auch nur einen Scheinbeweis für seine Behauptungen anzuführen. In der Ueberzeugung, daß Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, bona fide der Meinung sind, einem unverschuldet Angegriffenen zu seinem Rechte verholfen zu haben, erlaube ich mir hiermit. Ihnen folgende Erwiderung zur gefl. Veröffentlichung in Ihrem gesch. Blatte zuzusenden. Ich werde alle meine Gegenbehauptungen mit strikten Beweisen belegen. 1. Herr Dr. Landsberger behauptet: „Eine Erwiderung. um die „Ost und West" Herrn Dr. Landsberger anging, wurde verstümmelt." Diese Behauptung ist unwahr. Ich habe die Erwiderung des Herrn Dr. Landsberger wörtlich abgedruckt, ihm sogar vor Drucklegung einen Bürstenabzug zukommen lasten. Das Manuskript der Erwiderung mit der m. p. Unterschrift des Herrn Dr. Landsberger liegt in unserer Redaktion zur gefl. Einsichtnahme auf. 2. In dieser Erwiderung gibt Herr Dr. Landsberger die von Herrn Segel gegen ihn erhobene Beschuldigung des Plagiats unzweideutig zu, indem er sagt: „Daß „Ost und West" — was ich bedauere - nicht erwähnt war, mag seinen Grund darin haben, dah mein bereits genannter Mitarbeiter, Hermann Blumenthal, die „Ost und West" entnommenen (sie Sprüche auch bei der später erschienenen Sammlung von Bernstein gefunden hat." 3. Dieses unumwundene Geständnis des Herrn Dr. Landsberger mag als Milderungsgrund angesehen werden. Wir haben daher in der „Anmerkung der Redaktion" bl oh hervorgehoben, was Herr Landsberger mit Bedacht oder aus Unkenntnis verschweigt, daß „diese Sammlung nicht von Bernstein allein, sondern von Bernstein und Seg el .herrührt, eben demselben Segel, der in „Ost und West" eine Reihe von Arbeiten über das jüdische Sprichwort bereits vor 10 Jahren veröffentlicht hat." 4. Herr Dr. Landsberger behauptet: „In dieser Erwiderung (scil. „Anmerkung der Redaktion") werden einige Sprichwörter in unserer und in Segels Fassung einander gegenübergestellt'. . . . daraufhinerhob man dreist den Vorwurf des Plagiats." Mit dieser Behauptung will Herr Dr. Landsberger den Anschein erwecken, als ob wir einige beliebige Sprichwörter aus seiner Sammlung herausgegriffen und daraufhin unsere Beschuldigung erhoben hätten. Die Sachte verhält sich vielmehr so: Herr Dr. Landsberger hat im „Zeitgeist", dem Beiblatte zum „Berliner Tageblatt", vom 14. Oktober v. I. unter dem Titel: „Volkssprüche" eine Auslese seiner „Jüdischen Sprichwörter" veröffentlicht. Diese von Herrn Dr. Landsberger selbst, also gewiß ohne böse Absicht ausgewählten Sprichwörter haben wir nun zu einer Gegenüberstellung mit den von Herrn Segel in „Ost und West" publizierten jüdischen Sprichwörtern verwendet, um so jeden Verdacht auszuschlietzen, als ob unsere gegen Dr. Landsberger erhobenen Vorwürfe lediglich auf ein willkürliches Herausgreifen einzelner Sprüche aus dem Buche beruhen. Hier die Gegenüberstellung: Landsberger: (^Zeitgeist") Drei Hoffnungen hat der Arme: entweder wird er so reich sein wie sein Nachbar; oder sein Nachbar wird so arm werden wie er; oder — sie werden beide Hungers sterben. Vom Glück zum Unglück ist ein Schritt — vom Unglück zum Glück — eine ganze Strecke. Zum Traualtar (!) läßt man sie führen; zur Scheidung läuft man selbst. Wenn der Arme ein Huhn ißt, ist er krank oder das Hu h n. Eine Mutter muß eine große Schürze haben, um die Fehler ihrer Kinder verdecken zu können. Wenn ein Geizhals leichtsinnig wird, ißt er zur Suppe Torte. Segel: Der Arme hat drei Hoffnungen: . entweder er wird einmal so reich wie sein Nachbar, oder sein Nachbar wird einmal so arm wie er, oder aber sie sterben beide als arme Teufel. (Ost u. West, Jahrgang 1903, Seite 480:) Vom Glück zum Unglück ist ein Schritt — voin Unglück zum Glück — ein weiter Weg. (Ost u. West. Jahrg. 1904, S. 387.) Zur Chuppa (Trauungsbaldachin) muß man sie führen; zur Scheidung laufen sie selber. (Ost u. West, Jahrgang 1903, Seite 171.) Ißt ern Armer ein Huhn — so ist er krank oder das Huhn. (Ost und West, Jahrgang 1903, Seite 479.) Die Mutter braucht eine breite Schürze, um des Vaters Missetaten und der Kinder Laster 31t verhüllen. (Ost u. West, Jahrg. 1903, Seite 174.) Wird ein Knauser freigebig, so kocht er Grütze und Graupen. (Ost u. West, Jahrgang 1903, Seite 476.) 5. Herr Dr. Landsberger verschweigt mit Bedacht, daß wir an Hand dieser von ihm selbst getroffenen Auswahl, sowie auf Grund seines ganzen Buches, einen zweiten, literarisch kaum weniger schwerwiegenden Vorwurf gegen ihn erhoben haben. Hätte nämlich Herr Dr. Landsberger alle Sprichwörter unverändert „Ost und West", der Sammlung von Bernstein-Segel und den anderen einschlägigen Werken entnommen, ohne die Quellen zu nennen, so würde zwar jeder anständige Mensch seine Handlungsweise ebenso wie jetzt beurteilen, dem Buche aber wäre dies entschieden zugute gekommen. Der Leser hätte dann wenigstens eine zuverlässige Auswahl jüdischer Sprichwörter vor sich. Herr Dr. Landsberger aber wollte zuweilen originell sein und hat dabei eine sehr glückliche Hand bewiesen: sein Auch strotzt von Entstellungen und Sinnwidrigkeiten. Wie sagt doch ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.