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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 178 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. I I . warnt haben. Jede Assimilation an einen bestimmten Volksstamm endet, laut wiederholter Erfahrung, mit der Feindseligkeit dieses Volksstammes. Deswegen sollten die Juden in Böhmen sich auch, den Tschechen nicht bedingungslos in die Arme werfen. Sie können deutschfreundlich oder tschechenfreundlich sein, aber niemals einen Schritt über ihren Jntereffenkreis hinausgehen. So tut es auch jede andere nationale Minorität und so ist es auch den Juden nützlich. Je stärker aber ihre eigenen Organisationen sind, desto bMer für sie. Dann sind die Zeiten der Gnade und der Beleidigung für immer vorüber. Wer die Juden wird haben wollen, wird nicht mehr einfach winken, er wird etwas für sie tun nrüssen, und das ist ein recht gutes Ergebnis der Judenfeindschaft. Gerühmte Indcngrmeinden de» o sin «Nischen Reiches. Von Rabbiner W. Reich in Baden bei Wien. (VIII. Fortsetzung.) Don Je hu da Benvenisti war in Toledo geboren, war bei den Trotzen des Reiches heimisch, nahm im traurigen Erilsjähre den Wanderstab und wählte sich Saloniki zum Aufenthalte, um hier fernab von den Aufregungen der Grotzstadt nach den grotzen Anstrengungen der Wanderschaft der Ruhe zu pflegen. Gleichzeitig mit ihm lebte daselbst Don Samuel Ben^ v e n i st i, dem es gleichfalls gelungen war, sichsein großes Vermögen aus der spanischen Räuberhöhle ins Eril mitzunehmen, und beide zeichneten sich durch ihren hohen edlen Sinn, durch ihre 'Freigebigkeit und ihre Liebe zur Thora aus. Einer der Grotzen in Jsreal war Rabbi Josef Fassi, in Toledo im Jahre 1462 geboren. Schon in seiner Jugend durch sein Wissen im Talmud und den Dezisoren bekannt, war er in Spanien an der Seite des D. Jfak Abarbanel seinen Studien bei dem berühmten R. Jsak Abuhab abgelegen. Als er nun im Jahre 1492 auswandern Mutzte, ließ er sich in S a - loniki nieder und Jsak Abarbanel, der zu derselben Zeit nach Italien geflüchtet war, schickte ihm seinen Sohn Samuel, der. bereits 20 Jahre alt und schon reich an Wissen war, damit er unter dessen Leitung sich weiter ausbilde, was wohl als das sichtbarste Zeichen des Vertrauens und die höchste Anerkennung seiner Grütze angesehen werden kann. Aus unbekannten Gründen hatte er nach mehr als 20jährigem Aufenthalte Saloniki verlassen und sich ein Lehrhaus in Adrianopel gegründet, aus welchem hervorragende Meister der Lehre — wie R. Mose b. Joses T ra n i, der bereits in Saloniki selbst geboren war, und R. Aron Trani — hervorgingen und wo er auch in hohem Alter das Zeitliche segnete. Auch sein Name wird verschiedentlich von Josef Karo in den Kommentaren erwähnt. Ms eine der hervorragendsten Gestalten in Saloniki tritt uns David Messer Leon entgegen, der uns das bewegte Leben in diesem Gelehrtenkreise durch sein Auftreten veranschaulicht. Er war ein scharfsinniger Talmudist aus Mantua, geboren ftrt Jahre 1472 als Sohn des Arztes R. Je hü da, und Enkel des R. Jechiel Messer Leon. Infolge des in der jüdischen Geschichte bekannten Streites seines Vaters Jehuda mit dem berühmten aber fanatischen Oberrabbiner Josef Kolon wurden beide Streitende vom Herzog von Mantua des Landes verwiesen und hatte sich J ehuda Messer Leon in Neapel niedergelassen. Schon im jugendlichen Alter von 18 Jahren erhielt sein Sohn David die Ordination zum Rabbi von verschiedenen grotzen Gelehrten aus Deutschland und 'Frankreichs wonach er nach Padua in das Lehrhaus des berühmten R. Juda Minz eintrat und auch von ihm approbiert wurde. Als er so geistig «hoch ausgestaltet war, schied er aus dem Lehrhause und kam nach Saloniki. Er trat jedoch als grotzer Eiferer auf und! kam mit den sefardischen Gelehrten in Streit und zwar hauptsächlichwegen des bei den deutschen, französischen und italienischen Gelehrten eingeführten Aktes der Sem ich a, das ist die Ordination oder Approbation zur Rabbinerwürde. Dieser Kampf wogte lange hin und her und warf seine stürmischen Wellen in gewaltiger Brandung bis in die Gelehrtenkreise des heiligen Landes hinüber. Um ein richtiges Bild über das Wesen der Sern ich«, wie sie entstanden und infolge der ZeituMstände sich geändert hat, zu bekommen, wollen wir hier auf eine Darstellung Güdemanns Hinweisen, in seinem' Buche .^Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden in Deutschland", die wegen der Klarheit ihrer Konzeption Wörtliche angeführt zu werden würdig ist. (S. 32.) „Es ist bekannt, datz die Lehrer der Mischna. des Talmud und der spanisch-arabischen Periode sich aus allen Gesellschaftsklassen rekrutierten. Großgrundbesitzer und Taglöhner, Minister und Leute von kümmerlicher Lebensstellung, Aerzte, Astronomen, Handelsleute und Handwerker wetteifern in dem grotzen Sprechsaal der rabbinischen Literatur miteinander und, sind gleich, stimmbevechtigt. Es gab in diesem ältesten und freiesten Parlament, in welches der Talmud einen 'Einblick verstattet, keinen Unterschied der Geburt und des Standes, kein Herrenhaus und kein Haus des Gemeinen. Nur Mes war hier entscheidend und unterscheidend : die-Wissenschaft. Sie allein verlieh Einflutz, Macht und Ansehen." „Indessen hatte die Pietät der Schüler gegen ihre Lehrer, welche die höchste Ausbildung erfuhr und aufs Sorgsamste gepflegt wurde, die Sitte herb eigeführt, daß der Schüler, bevor er selbständig als Lehrer auftrat, die Erlaubnis hiezu von seinem Meister erbat. Diese wurde in der älteren Zeit durch eine förmliche Ordination, nämlich durch die „S e m ich a" oder Handauslegung erteilt." „Das Vorbild für diese Prozedur hat schon Moses gegeben, sie hat aber schon in den ersten Jahrhunderten der gewöhnlichen Zeitrechnung aufgehört. Die förmliche Ordination für das religiöse Lehramt hat nur die Kirche als eine Entlehnung aus dem Judentum' beibehalten, dagegen ist sie aus dem Judentum selbst geschwunden, wenngleich auch hier die Mündigkeitserklärung und Bevollmächtigung des Schülers durch den Lehrer, jedoch ohne ohne alle 'Förmlichkeit, wie durch- Verleihüng eines Titels, und ohne alle 'Feierlichkeit, wie die Handauflegung, als ein unumgängliches Erfordernis der Pietät immer beibehalten wurden." „Dieses hier kurz zusammengefatzte Verhältnis mutzte mit der zunehmenden Verschlechterung der Lage der Juden manche Aenderung erfahren. Zunächst war bei den Verfolgungen, Beschränkungen und Beraubungen die Unentgeltlichkeit der Lehrtätigkeit schwer aufrecht zu erhalten." — „So sahen sich denn die letzteren (die Gelehrten) zunächst unter dem Zwange der Not veranlaßt, Bezahlung anzunehmen, bald aber ward aus der Not eine Untugend, und man fing an, es darauf abzusehen, und aus der Lehre eine Geldquelle zu machen." „Diese Wendung brachte naturgemäß eine völlige Umwälzung auf dem' Gebiete des Lehvwesens hervor. Cs bildete sich ein Lehramt heraus, das von der Gemeinde verliehen wurde, der mit diesem Amte Belehnte wurde ein Beamter und hieß als solches Rabbiner (Rab) schlechthin, indem Man darunter den von der Gemeinde als ausschließlich,es religiöses Oberhaupt anerkannten Gelehrten verstand."

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