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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-07 · 10 (7.3.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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!>tr. 10 Dr. Btochs Wochenschrfft Seite 167 Wissensgebiet des indischen Schrifttums eingeführt, empfing er schon frühzeitig mannigfache geistige Anregung für seinen künftigen Beruf; er sollte Rabbiner werden. Nach Absolvierung des Gymnasiums besuchte er die Ieschrwa zu Leipnik, woselbst sein Onkel, der berühmte Rabbi Moses Bloch, später Rektor des Rabbinerseminars in Budapest, den Rabbinatssitz :nne hatte. Hierauf ging er nach Breslau. Der damalige Rektor des Seminars. Dr. Z. 'Frankl s. A.. war von der Fülle der talmudischen Kenntnisse des „kleinen Schanzer" derart überrascht, datz er ihn sofort in die Oberabteilung einreihte und des öfteren seine intellektuellen Gaben als hervorragende bezeichnete. Sei es nun. datz er die Strömungen und Regungen der Zeit mit wachem Geiste belauschte oder durch andere Umstände auf eine ihm mehr zusagende Laufbahn geleitet wurde, Schanzer wurde Rechtsanwalt und lieh sich in Pilsen nieder. Hier vermählte er sich mit der Tochter des Fabrikanten Adolf Popper, der zu den opferfreudigsten Gründern der Pilsner Gemeinde gehörte. Als Rechtsanwalt in Stadt und Land gerne aufgesucht, ist er auch bei den k. k. Behörden hochgeachtet und geschätzt, nicht etwa seiner scharfsinnigen juristischen. Dialektik oder seiner oratorischen Kraftentfaltung wegen, sondern durch die sieghafte Zuverlässigkeit seiner von starkem Rechtsempfinden getragenen Gesinnung, durch die männliche Würde ausstrahlende Kraft seiner geschlossenen, in sich gefestigten Persönlichkeit. Das 'Vielreden ist nicht seine Art, und fast könnte man auf ihn anwenden das Dichterwort: „Das Schweigen ist der Gott der Glücklichen." Doch das glatte Wort und die pofenhafte Geberde sind ihm völlig fremd und wer in ihm den feingeistigseinwollenden Satiriker und den Leutseligkeit triefenden Allerweltsfreund suchen wollte, käme schlecht auf seine Rechnung. Unser Jubilar ist ein stahlharter Charakter von geistiger Eigenart, eine tiefernste Natur, getragen von überragender Vornehmheit und abgeklärter Weltanschauung: ein Mann, der sich stets in strenger Selbstzucht über den Dunstkreis egoistischer Bestrebungen hochhält und dessen Unnahbarkeit eine ungestüme Ablehnung jeder niedrigen, unehrenhaften Gesinnung bedeutet. Zudem besitzt er ein ausgezeichnetes organisatorisches Talent und die Tapferkeit der eigenen Meinung, die nicht erst dadurch, an Klang und Gewicht gewinnt, weil sie mit anderen geteilt wird. In selbstloser Hingabe versieht er seit fast 17 Jahren das Amt des Kultus Vorstehers in der Gemeinde und nimmt im Kollegium eine exceptio nelle Stellung ein. Seine umfassenden juridischen Kenntnisse werden von den theologischen gestützt, und. wenngleich er persönlich der liberalen Richtung angehört, bringt er Verständnis und Wohlwollen jeder gerechten Forderung entgegen, die in Ueberzeugungstreue wurzelt. Er leitet alle Vorstands- und Sektionssitzungen und versteht es meisterhaft, die gesamten Fäden der Gemeindeinteressen in seiner starken Hand zu vereinigen. Seiner Tätigkeit verdankt die Gemeinde das Ansehen nach nutzen, die Zentralisierung der Armenpflege, die Treffliches leistet, den Beamtenpensionsfond und, wofür ihm ganz^ besonderer Tank gebührt, die Aufrechterhaltung des Friedens in der Gemeinde. Doch nicht blotz innerhalb unserer engeren Glaubensgemeinschaft entwickelt er eine segensreiche Tätigkeit, sondern in allen Aktionen der österreichischen Judenheit wird der gefeierte Name Dr. Schanzer an erster Stelle genannt werden, so es gilt, für die Ehre und die Einheit des Judentums mit Entschiedenhen und sachlicher Würde einzutreten. Möge sich der Jubilar noch einer langen Reihe von Jahren einer ungetrübten Gesundheit erfreuen, in seiner Schaffensfreudigkeit nicht erlahmen und sich an ihm erfüllen das schöne Wort des Sabbatpfalmes Zadik hatomor jifroch k'eres l-alwonaun jis£ek. Der Gerechte blühe wie die Palme, wie die Zeder in Libanon sprietze er empor. Pilsen im Adar I. 5673. 3. W. L. (Wie wir in letzter Stunde erfahren, hat sich Dr. Schanzer entschlossen, seinen Geburtstag autzerhalb Pilsen zu verbringen, um allen ihm zugedachten Ehrungen aus dem Wege zu gehen.) Baron Alexander Hatoany-Deutfch. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die Leichenfeier für den so jäh aus dem Leben geschiedenen Baron Alexander Hatvany-Deutsch gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung, wie sie gleich spontan,, gleich herzlich empfunden seit vielen Jahren nicht zu verzeichnen gewesen war. An der letzten Ehrung des Mannes, der sich auf so vielen Gebieten des öffentlichen Lebens mit dem Einsätze einer grotzartigen Energie, einer wahrhaft großzügigen Persönlichkeit betätigt hatte, nahmen alle Kreise teil, die aus unmittelbarer Nähe oder aus der Ferne das Walten dieses seltenen Geistes verfolgt hatten. Die Körperschaften, denen Baron Alexander Hatvany-Deutsch angehört hatte, waren bei der Leichenfeier in glanzvoller Weise vertreten, und da auch Abordnungen jener humanitären Vereinigungen erschienen, die von dem nun Verewigten Proben seltener Hochherzigkeit empfangen hatten, ist es nur begreiflich, datz aller verfügbarer Raum im Trauerhause lange vor der angesetzten Stunde zum Erdrücken gefüllt war. Der Verlauf der Trauerfeier zeichnetse sich durch schlichte Würde aus. Aber der Eindruck, mit dem die Teilnehmer das Haus in der Nüdorgasfe, später den Friedhof rerlietzen. zeigte zur Genüge, datz man sich des Verlustes bjewutzt war. den der Tod des Barons Alexander Hatvany-Deutsch für die große Öffentlichkeit ebenso wie für den gleichfalls nicht kleinen Kreis bedeutet, der den Heimgegangenen mit allen Zeichen inniger Verehrung und Wertschätzung umgab. Die Bahre umstanden die nächsten Angehörigen: die Witwe, der Sohn Ludwig und die Tochter Iren, ferner der Schwiegersohn Dr. Albert Hirsch, die Schwester Frau Geyza von Moscovitz. die Tante Witwe Frau Adolf Koppely, ferner die Schwäger und Schwägerinnen des Verblichenen: Baron Josef Hatvany-Deutsch und Frau, Baron Karl Hatvany und Frau, Baron Bela Hatvany-Deutsch und Frau, Baron Moritz Leopold Herzog und Frau, Geyza von Moscovitz, Dr. Emil Amberg und Frau und Samuel Amberg. Sämtliche Unternehmungen des Verewigten waren bei der Trauerfeier vertreten. Außerdem waren viele Unternehmungen und Körperschaften vertreten, deren Begründer oder Direktionsmitglied der Verblichene gewesen. Ferner erschienen Vertretungen zahlreicher Kultusgemeinden und Vereine, sowie eine unabsehbare Menge von Persönlichkeiten der allerersten Gesellschaftskreise Ungarns. Bei der Trauerzeremonie sprach Oberrabbiner Dr. Simon Hevesi ein kurzes Gebet, dann trug Oberkantor Prof. Lazarus mit dem Chor einen Trauergesang vor. Es sprachen dann noch: Prokurist Arthur W i l h e i m, Dr. Roland v. H e g e d ü s, Vizepräsident des Landesbundes ungarischer Industriellen Graf Andor Zichy u. m. a. - Das Testament enthält nur Verfügungen über die Legate. Bezüglich der Aufteilung der Verlassenschaft hat Baron Alexander Hatvany-Deutsch blotz schriftliche Notizen hinterlassen. In diesen Aufzeichnungen heitzt es unter anderem: „Für direkt wohltätige Investitionen fühle ich mich nicht bestimmt, Summen anzusetzen, nachdem ich es für richtiger halte, datz man den Bedürftigen bei Lebzeiten jene Summen zuwendet, die ein fühlendes Herz im Einklänge mit den vorhandenen Mitteln zu bieten vermag, und weil ich es für genußreich halte, im Leben

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