Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 10 (7.3.1913)
- Date
- 1913-03-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 168 Dr. Wachs Wochenschrift. Nr. 10 zu schenken, als nach dem Tode Entsprechendes zu verfügen. Da ich davon durchdrungen bin, daß meine Kinder der gleichen Anschauung huldigen, so werden dieselben bei Antritt des ihnen vererbten Vermögens wohl das richtige Verständnis für diese meine Lebensmarimen mitbringen." Der letztwilligen Verfügung des Verstorbenen zufolge, wurden heute folgende Spenden verteilt: für die Armen der Hauptstadt 3000, für die Chewra-Kadischa 2000, für die Pester israelitische Kultusgemeinde 3000, für die Armen von Ragysurany 1000, für die Armen von Hatvan 2000 und für die Armen von Sarvar 1000 Kronen. Das Ende eines klerikalen Hetzblattes. Prag, 26. Feber 1913. Wir hatten wiederholt Gelegenheit, den in Böhmen leider so selten gewordenen, mannhaften Ernst zu würdigen, mit welchem die „Na 8 e - Hlasa" (das Wochenblatt des Redakteur Jos. MiZkovsk^inBöhmischBrod), den Klerikalismus und seine geschäftsmäßigen Judenhetzen bekämpft. Nun mußte in Prag das klerikale Tagblatt „XX. Vök" („Das XX. Jahrhundert") eingestellt werden, nachdem es seinem freigiebigen Herausgeber binnen kurzer Zeit die nette Summe von 73.000 Kronen gekostet hatte. Der „XX. Vek" war eines der ärgsten antisemitischen Hetzblätter, welches durch seine bodenlose Gemeinheit gegen jeden fortschrittlichen Gedanken zur unglaublichsten Verrohung des öffentlichen Lebens beitrug und dessen infame Angriffe von der fortschrittlichen tschechischen Presse aller Parteirichtungen nicht genug gebrandmarkt werden konnten. Die Qualitäten dieser Sorte von klerikalem Preßantisemitismus und seiner Hintermänner und Geldgeber beleuchtet daher in sehr treffender und dankenswerter Weise nachfolgender klassischer Nekrolog, den Red. Jos. Miskovsky in seinem „Nase Hlasa" dem eingegangenen Schandblatte widmet: „73.000 Kronen hat also der russische Fabrikant B r a b e c im tschechisch-kkri'alen Tagblatte „XX. Vök" buchstäblich ertränkt. Tschechisch war das klerikale Hetzblatt freilich nur insofern, als es in böhmischer Sprache erschien und tschechisch geschrieben war. Mit Gottes Hilfe hatte es zu erscheinen angefangen und mit Gottes Hilfe ist es vorige Woche als Tagblatt verendet. So lange es atmete, atmete es nur giftigsten Haß gegen das Tschechentum, welches nur irgend ein Lebenszeichen von anftechtem Rückgrate gab. Seine Leser waren leicht kenntlich. Sie waren von jenem Typus, der bis in die kleinen Landstädtchen hinaus seinen ekelhaften Kot gegen unser reines Sokolwesen hinaustrug. Die würdigen Zöglinge der klerikalen Kloaken. Die Einstellung des Tagblattes wäre eine glänzende Satisfaktion für unsere Sokol-Organisation, wenn ihre Existenz vom Sein oder Nichtsein ähnlicher Schund- und Winkelblätter abhinge. Und nicht einmal die 73.000 Kronen des Herrn B r a b e c tun einem ehrlichen Menschen leid. Ihre Schenkung hätte nicht einmal unseren nationalen Schutzvereinen nennenswerten Vorteil gebracht. Aber dort, wo diese 73.000 Kronen mit Gottes Hilfe ertränkt wurden, dort, wo eine Krähe der anderen nicht die Augen aushackt, dort waren diese. 73.000 Kronen sicher auf ihrem Platze. Ueberhaupt ist dieser Herr B r a b e c ein merkwürdiger Charakter. Vor Jahren gab er konfiszierte und nichtkonfiszierte, judenfeindliche Broschüren heraus, er war das typische Gespenst in den Prager Verlagshandlungen, bis er in der „Cyrill und Methodius"'Buck>handlung und in der Cyrill- und Methodius- Buchdruckerei*) Wurzel faßte. Dann übertrug er seinen judenfeindlichen, mitgefälschtenTalmud-Uebersetzungen gefütterten Geist in die Spalten des von ihm finanzierten „XX. Vök", welcher heute als Tagblatt verendet ist. Die lachlustigen Prager haben ihre humoristische Lektüre verloren, unsere Klerikalen am Lande verlieren ihren heiligen Geist und so kann der gute tschechische Zeitungsschreiber mit *) Alle klerikalen, antisemitischen Vreßerzeugniffe in Prag erscheinen in der „Cyrill- und Methodius"-Offizin. Gottes Hilfe und leichten Herzens seinen lustigen Nekrolog schreiben: „Die Erde sei Dir leicht!" Wie man sieht, gibt es zum Glück im tschechischen Journalismus noch immer solche kerngesunde Kraftnaturen, wie Red. Jos. Miskovsky, denen selbst die jahrzehntelange Bekämpfung der klerikalen Brunnenvergiftung, diese aufreibendste Verschüttung der antisemitisch-n Kloaken ihren sonnigen Humor nicht vergällen konnte. Und solche Schadenfreude ist wahrhaftig die reinste Freude. Graf Julius Andraffy und der Pogromapostel. Während die jüngst erfolgte Wahl des Inden Franz Hellai zum Oberbürgermeister der Stadt Budapest und seine Ernennung zum Mitgliede des ungarischen natenhauses den erfreulichen Beweis für die liberale Politik der ungarischen Regierung geliefert haben, so zeigt sich auf der anderen Seite, daß die gegenwärt'gr politische Krise in Ungarn auch für die Juden sehr bedenkliche Zeichen zeitigt. Selbst Graf Jul.us Andraffy, dessen größter Stolz angeblich sein Liberalismus ist. verschmäht es nicht in seinem oppositionellen Hasse, gegen die derzeitige Regierung zu Mitteln zu greifen,, welche die Etablierung des blutrünstigsten Antisemitismus in Ungarn bedeuten, wenn sie in größerem Maße Nachahmung finden sollten. Bei der vorige Woche in Jpolysag stattgefundenen Ersatzwahl für den Reichstag hat Graf Julius Andraffy persönlich für den Gegenkandidaten des neuernannten Kultusministers, für einen gewissen Edmund Veniczky, agitiert, der bis heute keine anderen Verdienste um seine Mitbürger aufzuwrisen hat, als daß er in dem einzigen antisemitischen Tagblatte in Budapest Artikel veröffentlicht hat, in welchen er die Christen in Ungarn aufforderte, auf jeden Baum wenigstens einen Juden zu hängen und in jedem Graben wenigstens eineJüdin zu - verscharren. Für diesen Menschen setzte sich der edle Graf persönlich und durch Empfehlungsschreiben ein, und es war nur begreiflich, daß! nicht nur die Juden, sondern auch die Christen, die noch auf politische Reinlichkeit Wert legen, alles aufboten, um den Schützling des Grafen Julius Andraffy zu Falle zu bringen, was auch gelungen ist. Ehre wichtige Begünstigung für die Galveston- EmigmntM. Die jüdische Emigrationsgesellschaft in Rußland (Jto) gibt bekannt, daß diejenigen russischen Emigranten, welche via Galveston in die südwestlichen Staaten Amerikas zu ihren bereits mit Hilfe der Jto dahin ausgewanderten nächsten Verwandten fahren wollen, auf den amerikanischen Eisenbahnen Fahrtbegünstigungen um die Hälfte des Fahrpreises genießen. Diejenigen Jto- Emigranten, die nicht nach einem vorher bestiminten Ziele fahren und in Galveston von dem dortigen Jto-Komitee übernommen werden, genießen auf den Bahnen von Galveston in das Innere das Staates vollständig freie Fahrt. Ein Verband füp jüdische Arbeilerfürsorge in Paris. Aus Paris wird uns geschrieben: Unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten des Zentralkonsistoriums Emile Levylier und in Anwesenheit von 60 notabeln Juden wurde nach einem Referate Emile Levens ein Verband für jüdische Arbeiterfürsorge ins Leben gerufen. Der Zweck dieses Verbandes ist die Hintanhaltung der Wohnung süberfüllung der jüdischen Arbeiter und zu diesem Behufe die Errichtung jüdischer Arbeiterhäuser, welche den Gesetzen der Hygiene nach jeher Richtung hin entsprechen. Ferner die Erziehung der jüdischen Arbeiter-, kinder in französischem Geiste, die Anleitung der jüdi-