Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-07 · 10 (7.3.1913) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3022035-3022046--21931-3047051
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sette 166 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 10 Findelkindern eingeführt, eine Einrichtung, die ihren Zweck auch tatsächlich erreicht und auch außerhalb» der Wiener Kultusgemeinde mit Erfolg Anwendung findet. Geradezu Hervorragendes hat Dr. Steiner hinsichtlich der Fürsorge für die verlassenen Kinder geleistet, die, abgesehen von der Unterbringung einer großen Anzahl jüdischer Pflegekinder in den Mährischen Judengemeinden, zur Gründung und zur Schaffung einer „H e i inst ä 1 t e für verlassene Kinder" geführt hat. Seit jeher beschäftigte er sich mit dem Plane der Errichtung eines jüdischen Kinderspitales, das er für so wichtig hielt, daß er es, bauend auf den nie versagenden Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen, sogar mit den ursprünglich vorhanden gewesenen unzulänglichen Mrtteln errichtet sehen wollte und noch einige Tage, bevor' ihn das tragische Unglück ereilte, stattete er mir einen Besuch ab, um mit mir alle Einzelheiten der Kinderspitalsfrage zu besprechen und seine besonderen Wünsche wegen Berücksichtigung der Cäuglingsfürsorge mir ans Herz zu legen. Seine letzte große Arbeit war ein eingehendes Elaborat über die Einführung der Berufsvormund schüft, das Vorschläge enthält, welche unseren Vorstand noch beschäftigen werden. c--?cn r.-vn Das waren die drei Grundzüge einer alle Gebiete unseres Gemeindelebens umfassenden fruchtbaren Tätigkeit, von der ich durch die wenigen Worte, mit welchen ich sein Wirken schilderte, ein nur unvollkommenes Bild Ihnen entrollen konnte. Wer Zeuge war der unermüdlichen Hingebung, des unverdrossenen Eifers, womit er sich den Arbeiten der Gemeinde widmete, ein glänzendes Beispiel treuester Pflichterfüllung bietend, der wird die Größe des Verlustes, den unsere Gemeinde erlitten, ermessen, den tiefen Schmerz, der uns erfüllt, begreifen können. Er wird mit uns allen, die mit dem Dahingeschiedenen in jahrzehntelanger Arbeit für das Wohl unserer Gemeinde rätig waren, ihm ein unvergängliches Andenken bewahren. "i'pQ n*?K „Das sind die Rechnungen", so schließe ich mit den ersten Worten des dieswöchentlichen Wochenabschnittes, das ist die große Abrechnung einer Tätigkeit, deren Umfang und Bedeutung zu würdigen meine Worte nicht hinreichen, die dem Verewigten nicht nur bei uns, seinen Zeit- und> Arbeitsgenossen, sondern auch bei kommenden Geschlechtern in unserer Gemeinde ein unvergängliches ewiges Angedenken sichert! Das Leichenbegängnis. Unter sehr reger Beteiligung fand das Leichenbegängnis am 4. d. M.» nachm, um 3 Uhr, vom Trauerhause aus, Günthergasse 2, statt. Im Trauersaale waren die Familienmitglieder des Verstorbenen versammelt. Unter den Leidtragenden waren zu sehen: Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Vizepräsident Dr. Gustav K o h n, die Vorstandsmitglieder Prokurist Richard Bettelheim, Professor Dr. S. E h r m a n n, Moriz E i ß l e r, Architekt Jakob Gärtner, Emanuel G r ü n w a l d, Ernst Hirsch, Doktor Jfidor Samuely, Dr. Heinrich Schreiber, Phil. u. Juri-Dr. Markus Spitzer, S. Steiner, Oberingenieur Stricker, Dr. Ehrlich, kais. Rat Jonas Weil und Max Z i r n e r, die Mitglieder des Bethausvorstandes Dr. Münz, Theodor K o h n, kais. Rat Leopold Sachs Edler von S a ch s e n h a l l und Wasservogel, die Vorsteher der Chewra-Kadischa 5. Goldmann und Jakob Kann, dann weiter Sekretär Dr. Emil Adler mit dem gesamten Beamtenkörper (Erster Sekretär kais. Rat Dr. Lieben blfindet sich fern von Wien auf Urlaub), der Vorsteher der Armenanstalt M. A. P o l l a k, sowie der. Sekretär derselben Isidor P o l l a k, die Rabbiner Dr. Max Bach, Dr. Max G r u n w a l d , Dr. Armin Abel es, Dr. TaL licht, Dr. Kaminka und Kramer, Oberkantor Morgenstern, I. Kantor Maurice Kaufmann, dann der Präses des israelitischen Tempelvereines im IX. Bezirk Gottlieb Bettelheim, in Vertretung des Asylvereines für Obdachlose in Wien Vizepräsident Ober- Baurat Karl Holzer, die Mitglieder des Vorstandes Bezirksvorsteher in Meidling Karl Donner, Ober-Finanzrat Dr. Josef P a w l i tz a, kaiserlicher Rat Wilhelm, Staatsbahnen-Jnspektor Josef Sieger und kaiserlicher Rat Spiegel, ferner Hofrat Dr. M a r e s ch, Hofrat Dr. Schlag, Vizedirektor der Universitäts-Bibliothek Regierungsrat Dr. Frankfurter, Dr. Holzmann, Professor Dr. Ritter von Weilen, Dozent Dr. Julius Z a p p e r t, Direktor des israelitischen Spitales Dr. Karl F l e i s ch m a n n, die Professoren Dr. S. Kraus, Inspektor M. K a n i tz, Dr. Heinrich P o l l a k, Dr. Kupfer, Dr. M. Rosenfeld, Oberlehrer Jakob K o h n, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Marzell H o f m a n n, Maler D. K o h n, Med. Dr. S t ö ck l, die Industriellen Julius Wolf und Max Paul-Schiff, Ingenieur Mox W a h l b e r g, als Vertreter der Israelitischen Allianz Wilhelm Pappenheim, die Präsidentin des Hietzinger Frauenwohltätigkeitsvereines Frau Krenberger und ihre Stellvertreterin Frau Z i r n e r, eine Anzahl Zöglinge des jüdischen Heimstättenvereines rc. Nachdem vom Oberkantor Don Fuchs, vom I. Kantor M a t y a s und dem Chorpersonale die Trauergesänge zum Vortrage gebracht worden waren, wurde der Sarg auf die israelitische Abteilung des Zentral-Friedhofes geführt. In der Zeremonienhalle hielt Präsident Dr. Alfred Stern einen tief empfundenen Nachruf. Es sprachen ferner Inspektor für den Religionsunterricht an Mittelschulen Dr. I. T a g l i ch t für die Religionslehrer an Mittelschulen, Inspektor Profi ssor Moriz K a n i tz für die Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen und Obergymnasiast L e r m e r für den im Sinne der Reformvorschläge des Verewigten gebildeten Schülerausschuß. Hierauf erfolgte die Beisetzung. Eine Ehrung Popper-Lynkeus im Ingenieur- und ArLiMenverem. In der letzten Wochenversammlung des Jngineur- und Archi'ektenvereines feierte der Präsident Architekt Oberbaurat Baurnann in einer schwungvollen Rede den 75. Geburtstag Josef Popper-Lynkeus'. Er sagte:,,Wir dürfen den heutigen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne eines Mannes zu gedenken, der zu den hervorragendsten Forschern und Erfindern gehört und der heute in aller Bescheidenheit seinen 75. Geburtstag feiert. Es ist dies Josef Popper. Was Popper für die Wissenschaft geleistet hat, wird seinen Namen auch allen kommenden Geschlechtern unvergeßlich machen. Gebührt doch ihm foie Priorität der elektrischen Kraftübertragung, die er schon sm Jahre 1862 entdeckt hat, mit der er jedoch viel später an die Öffentlichkeit getreten ist. Seine bedeutenden Entdeckungen auf dem Gebiete der .Luftkondensatoren, seine bahnbrechenden Schriften auf dem Gebiete der Flugtechnik sichern ihm einen hervorragenden. Platz in der Reihe der Heroen der technischen Wissenschaft. Welche Erkenntniffj; feine Werke über die ästhetische Bedeutung der technischen Fortschritte, sowie seine zahlreichen sozialpolitischen und philosophischen Bücher erschlossien haben, ist zu bekannt, als daß ich darauf erst ausdrücklich verweisen müßte. Wir dürfen als österreichische Techniker stolz darauf sein, daß Popper zu den unseligen zählt, und wünschen ihm vom Herzen, daß er den technischen Wissenschaften noch länge erhalten bleiben möge!" Die zahlreiche Versammlung brach in begeisterten Beifall aus. KuAusprWdont JUDr. Josef Schanzer. (Zu seinem 60. Geburtstage.) Aus Pilsen wird uns geschrieben: Einem jünglingsfrischen, arbeitsfrohen Jubilar gilt diesmal unser Gruß, Unser langjähriger Kultusvorsteher Herr JUDr. Josef Schanzer begeht heute seinen 60. Geburtstag. Auf der Sonnenhöhe des Lebens stehend, darf er mit stolzer Freude die Zeichen wärmster Verehrung entgegennehmen, die man ihm willig als Anerkennung wahren Verdienstes darreichen wird. Als Präludium mit Pollen Akkorden sollen diese bescheidenen Zeilen den Festtag einleiten, den der Kultusvorstand zu Ehren seines um das Ansehen der Gemeinde hochverdienten Präsidenten feiern wird. Der Jubilar, einem böhmischen Landstädtchen Stienovitz bei Pilsen entsprossen, wurzelt mit jeder Faser seines Herzens im festen Boden des Gesamtjudenlums,. dem er mit seinem vielseitigen Wissen und seinem praktischen Sinn unentwegt dient. Von seinem frommen und gelehrten Vater Markus Schanzer s. A. in das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.