Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 10 (7.3.1913)
- Date
- 1913-03-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 10 Dr. Blachs Wochenschrift. Sctce 163 Wie R. I s a k Alfassi aus dem Talmud die reine Halacha zusammenstellte, so tat er es mit der Agada, wie er es selbst in der Einleitung zu seinem Werte ausführt. Wohl sei ihm bereits ein sephardischer Gelehrter mit einer solchen Arbeit zuvorgekommen den Namen desselben führt er nicht an — dennoch habe er das Gleiche unternommen, da er auch die berühmtesten Kommentare zu derselben in seine Arbeit .ausgenommen habe, wodurch sie einen ungleich größeren Wert erhalte. Tatsächlich hat sich auch sein Buch als ein sehr beliebtes durch alle Generationen hindurch sehr verbreitet, während das seines Vorläufers selbst der Bibliographie unbekannt geblieben ist. Er selbst konnte nur den Teil über die zwei ersten Sedarim herausgeben, der im Jahre 1516 in Saloniki erschienen istdies war auch sein Todesjahr. Die vier andern Sedarim wurden von seinem gelehrten Sohne Levi vervollständigt, der sich dann im Jahre 1525 nach Jerusalem begeben hatte und dort in der viel Staub aufwirbelnden Ordinations- (S e m i ch a) Angelegenheit, — von der noch die Rede sein wird, — eine große Rolle als Oberhaupt des Rabbinats-Kollegiums in Jerusalem spielen sollte. Unter welchen Schwierigkeiten ein Gelehrter jener Zeit zu arbeiten hatte, schildert uns R. Jakob b. CH. in eben dieser Einleitung. Er habe nicht einmal alleMi.chna- und Talmudtraktate mit den hiezu nötigen Kommentaren in Besitz gehabt, und ,es wäre ihm fast unmöglich gewesen, sich diese Bücher zu verschaffen, wenn er nicht den größten Teil derselben im Hause des Don Juda, Sohn des Dvn Abr. Benvenisti vorgefunden hätte; ebenso einen noch fehlenden Teil von Büchern im Hause eines andern Benvenisti, von denen be.den er jedes Buch, das er brauchte, entliehen bekam und denen er hiefür seinen Dank ausdrückte. Er unterläßt es auch nicht zu bekennen, welche große Kosten ihm durch die Herausgabe seines Werkes auferlegt waren, denn er lebte in sehr bescheidenen Verhältniisen. Daß er auch auf halachischem Gebiete eine anerkannte Größe war, zeigt uns Josef Karo, der ihn an mehreren Stellen seiner Kommentare, sowohl zu Maimonides, wie zu den Turim anführt. Als besonders interessant unter diesen Anführungen erscheint jene zu Tur O. CH. 154, wo es heißt, daß Häuser und Höfe, in denen sich die Gläubigen vorübergehend zum Gebete versammeln, nicht als heilige Stätten anzusehen seien, und Josef Karo den R. Jakob b. Ch. als Gewährsmann dafür zitiert, daß diese Art von Gebetversammlungen besonders in der Türkei allgemein sind, wo sich Beträume in den untern Geschossen der Häuser befinden — da sie durch das laute auf die Straße hinaus^ dringende Gebet Gefahren ausgesetzt wären — und über diese Beträume sich in mehreren Stöcken Wohnräume befinden; auch sind es zumeist nur auf Zeit gemietete Betstätten; es soll jedoch von den Bewohnern der oberen Gelasse eine besondere pietätvolle Reinlichkeit (Nekioth) gefordert werden. Seine Lebensgeschichte war eine bewegte. Er wurde als Sohn des Salomo Chabib in Zamora, Katalonien, im Jahre 1460 geboren und als dann die Schreckenszeit in Spanien ausbrach, zog er mit seinem' Sohne Lewi nach^ Portugal, der ihm im Jahre 1484 geboren worden i,t. Aber auch von dort mußte er sich gleich sovielen anderen Leidensgenosten wieder flüchten, und da König Manuel von Portugal den pharaonischen Befehl .erlassen hatte, die kleinen jüdischen Kinder ihren Eltern gewaltsäm zu entreißen und sie der Taufe zuzuführen, war es dem Vater wie durch ein Wunder gelungen, mit samt seinem Kinde die Flucht zu ergreifen, nach der Türkei zu kommen und sich in Saloniki niederzulassen. Da erhielt er ein kleines rabbinisches Amt, und wohnte in einem der Gemeinde gehörigen Häuschen unentgeltlich bis zu seinem Tode. In seinen kümmerlichen Lebensverhältnissen scheint ihm der von ihm erwähnte Don IehudaBenvenisti zur Seite gestanden zu sein. Diesem war es gelungen, zur Zeit seiner Flucht aus Spanien ein großes Vermögen mitzuretten, und es war ihm dadurch möglich, kostbare Bücher und Manuskripte anzukaufen. Seine Bibliothek gehört auch zu den aus frühester Zeit bekannten Büchersammlungen in der Türkei. (Fortsetzung folgt.) ( iDom Jahrmarkt des Lebens. Die ungarische Regierung für das jüdische Lehrerseminar. Der ungarische Unterrichtsminister hat beschlosten, di: einzige israelitische Lehrerpräparandie Ungarns von dem Rabbinerseminar unabhängig zu machen und in einem modernen Gebäude unterzubringen. Bis die Verhältnisse die Durchführung dieses Planes gestatten, hat der Minister, um die unbemittelten Zöglinge der Anstalt nach Möglichkeit von ihren Lebenssorgen zu befreien, angeordnet, daß ein Internat errichtet werde, in dem von September angefangen dreißig Zcg inge unentgeltlich. weitere dreißig gegen halbe oder voll: Gebühren vollständige Verpflegung erhalten: die ärmeren Zcg linge werden schon in diesem Studienjahre mit Kost versehen. Die Kosten betragen 29.100 Kronen pro Jahr,, wovon die Konfestion 4500 Kronen aufzubringen hat, während der Rest aus der staatlichen Subvention des israelitischen Landesschulfonds und der israelitischen konfessionellen Staatsunterstützung zu Händen des Präsidenten des Di:ektionsrates der Lehrerpräparandie. Baron Josef Hatvany-Deutsch, ausbezahlt wird. Die Hälfte der mit oder ohne Begünstigungen aufg nommenen Zöglinge hat stets den orthoddren Gemeinden anzugehören. Ein Jude Präsident des italienischen Staatsratrs. Aus Rom wird berichtet, daß Senator Malvano, ein Jude, zum Präsidenten des Staatsrates ernannt wurde. Malvano wurde im Jahre 1841 geboren und trat 1862 in diplomatische Dienste. 1887 wurde er als bevollmächtigter Minister mit außerordentlichen diplomatischen Mistionen betraut. Zwei Jahre später wurde er zum Mitglieds des Staatsrates ernannt und bald darauf zum Generalsekretär des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten. In dieser seiner Eigenschaft diente er in verschiedenen Kabinetten und wurde, wenn auch nicht formell, so doch äe facto als der Minister für Auswärtiges angesehen. Die meisten Handelsverträge Italiens mit anderen Staaten sind sein Werk. Signor Malvano widmete sich hiebei auch wistenschaftlichen Arbeiten und wurde wiederholt zum Vizepräsidenten der italienischen geographischen Gesellschaft gewählt. Wladimir Korolenko abermais gegen den Ritualmordwahn. Tie antisemitische Presse Rußlands treibt, wie man weiß, seit zwei Jahren mit dem Ritualmordwahn den gefährlichsten Unfug. Kein Tag vergeht, ohne daß die blutgierigen Hetzblätter diese Materie von neuem aussichlachteten und nach „Rache" riefen. Den Fall Justschinski benutzen sie nur als Ausgangspunkt, um in Anknüpfung daran die ärgsten historischen Fälschungen zu begehen und ein Meer von Gift zu verbreiten. Namentlich ein angeblicher Ritualmord, der an einem Knaben Ernest Parg in Rumänien im^Mai 1911 begangen sei, bietet ihnen einen ständigen ^toff zu ihren Vier--» hetzungen. Soeben hat nun der bekannte Dichter Wl. Korolenko auf Grund von ihm gesammelter authenti-