Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 154 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 9 der darauf Angewiesen Wird, daß die vollständige Recht^- losigkeit und die politischen und nationalen Lebensbejdingungen in Rußland die Studenten, insbesondere die jüdischen, zwingen, ausländische Institute zu besuchen. Die Resolution schließt mit einem Appell, daß nicht Reaktion und AntisemitisMAs gegen die russischen Studenten in Deutschland aufgeboten werden. Schwere Lage der Juden in Gallipoli. Die Judengemeinde von Gallipoli wendet sich an das Eroßrabbinat der Türkei mit der dringenden Bitte um sofortige Hilfe, da die kleine Gemeinde, welche in der jetzigen kritischen Zeit kaum imstande ist, sich selbst zu erhalten und ihren Ortsarmen die nötigen Erhaltungsmittel zu bieten, ganz außer Stande sei, die vielen jüdischen 'Flüchtlinge, d'e nach dem Ausbruche des zweiten Balkankrieges aus den umliegenden Ortschaften aller Mittel beraubt nach Gallipoli geflüchtet sind, unterzubringen und zu verpflegen. Das Judenviertel von Gallipoli ist vollständig überflutet von jüdischen Familien, die vor den Bulgaren dahin geflüchtet sind. Das Großrabbinat hat die notwendigen Schritte unternommen, um den Juden von Gallipoli, so weit dies bei dem jetzigen Kriegszustände möglich ist, zu Hilfe zu kommen. Dir Juden m der Konstantmopler Bürgergarde. Wie aus Konstantinopel versichert wird, beteiligen sich die Juden an der Schaffung einer städtischen Bürgergarde mit großem Enthusiasmus. Man kann ruhig sagen, daß der größte Teil der wehrfähigen Juden in Konstantinopel, die nicht in der Front dienen, sich freiwillig zum Dienste in der städtischen Bürgergarde gemeldet hat. Die jüdischen Geschäftsleute und Unternehmer kommen den jungen Leuten auch dadurch entgegen, daß sie sich verpflichten, ihnen während der ganzen Dienstzeit einen Urlaub bei vollem Gehalt zu gewähren und sichern ihnen die Wiederaufnahme in den Eeschäftsdienst nach! Beendigung ihres freiwilligen Militärdienstes zu. DK Zahl der Juden in dm okkupierten Gebieten. Nach« einer amtlichen Statistik haben die Balkanverbündeten seit Beginn des Krieges bis jetzt ein Gebiet von 170.400 Quadratkilometer mit einer Bevölkerung von 5,195.878 Seelen okkupiert. Davon halten die Griechen ein Gebiet mit 1,846,000 Bewohnern besetzt. von denen 73.930 Juden sind. Das von den Bulgaren besetzte türkische Gebiet besitzt eine Bevölkerung von 1,506.154, von denen 12.100 Juden sind. Halt! Pascha. Die Konstantinopler Blätter verzeichnen mit besonderen Nachdruck die Mitteilung, daßHakki Pascha, der bekanntlich in Angelegenheit der Friedensverhandlungen nach London entsendet wurde, am Tage vor seiner Abreise beim Großrabbiner der Türkei Ha im Na hum eine Abschiedsvisite machte und mit dem' Eroßrabbiner lange konferierte. Auszeichnung des Großrabbiners von Algier. Der Großrabbiner von Algier M. Fried mann wurde zum Offizier des tunesischen Ordens N icham ernannt. Die russische Regierung und die Auswanderung der Judm. In letzterer Zeit geben die russischen Behörden an Juden, welche auszuwandern beabsichtigen und entsprechende Mittel Nachweisen, Passe aus, welche die Inhaber zur Auswanderung berechtigen, aber gleichzeitig eine Entlassung aus dem russischen Staatsverband bedeuten. Solche Pässe werden gegen die Verpflichtung ausgegeben, daß die Betreffenden sich nicht mehr als russische Untertanen betrachten und nicht nach Rußland zurückkomMen. Maßnahmen gegen den Boykott m Russisch-Polen. Wie uns aus Warschau berichtet wird, hat die polnische Voykottbewegung gegen die Juden solche Dimensionen angenommen, daß den Juden eine furchtbare wirtschaftliche Katastrophe droht, wenn ihnen nicht durch Eröffnung billigen Kredits Hilfe geboten wird. Zu diesem Zwecke haben die Maßgebenden jüdischen Kreise beschlossen, eine jüdische kooperative Kreditbank ins Leben zu rufen, die die Aufgabe haben wird, den vom Boykott Betroffenen über die Krise hinwegzuhelfen. Die Warschauer Juden rechnen damit, daß, falls die hiezu nötigen Kapitalien nicht in Warschau oder in Rußland überhaupt auszutreiben sein sollten, die Juden im Auslande sich bereit finden würden, dieses Hilfswerk zu fördern. Antisemitismus in einem amerikanischen Regiment. Unter den amerikanischen Offizieren macht sich in letzter Zeit wieder eine antisemitische Bewegung fühlbar, die darauf abzielt, die Aufnahme von Juden in das Offizierskorps zu verhindern. So wurde einem jüdischen Offizierstellvertreter des 74. Regiments der Nationalgarde, Samuel Littmänn, der Aufstieg zum Leutnant dadurch unmöglich gemacht, daß ihm der Kommandant ganz offen erklärte, die Offiziere wollen einen jüdischen Kollegen unter sich nicht dulden und falls Littmann, deM selbst der Kommandant die militärischen Qualifikationen eines Offiziers nicht absprechen konnte, dennoch zum Leutnant ernannt werden sollte, so würde das Offizierskorps des Regimentes ihm gegenüber eine solche gesellschaftliche Haltung einnehmen, die ihn dann zwingen würde, zu resignieren. Cs ist selbstverständlich, daß Littmänn unter solchen Umständen nicht nur auf eine Beförderung zum Leutnant verzichtete, sondern auch seinen Abschied vom RegiMente überhaupt nahm. Die Newyorker „Times", welche diesen bedauerlichen Vorfall registrieren, sprechen die Hoffnung aus, daß die Angelegenheit hiemit seitens der militärischen Oberbehörden nicht als erledigt betrachtet werden wird. Ein Verband jüdischer BÄdungsanstaltrn in Newyork. In der letzten Jahresversammlung des Hebrew technical Institut in Newyork, dessen Präsident der jüngst verstorbene Professor Morris Loeb war, wurde auf Vorschlag des bekannten Philantrophen Jacob H. Schiff, der auf das Defizit der Anstalt hinwies, beschlossen, sämtliche jüdischen Bildungsanstalten von Newyork in einem Verbände zu vereinigen, um auf diese Weise die wichtigeren und notwendigen jüdischen Lehranstalten leichter und sicherer fördern zu können. Die zur Durchführung dieses Beschlusses nötigen Schritte wurden bereits eingeleitet. Jüdische Landwirte für Australien. Die Londoner „Jewich Board of Guardians" hat, wie uns von dort geschrieben wird, eine sehr beachtenswerte Aktion in Angriff genommen. Um jungen Leuten die Ansiedlung in den britisch-australischen Kolonien zu ermöglichen und ihre Existenz daselbst zu erleichtern, hat die genannte Körperschaft beschlossen, für die der Schule entwachsene jüdische Jugend auf einer diesem Zwecke dienenden Musterfarm theoretischen und praktischen Unterricht in allen Fragen der Landwirtschaft zu erteilen. Sollte dieses Experiment gelingen, so wird dadurch eine für die Londoner.Judenschaft sehr wichtige und schwierige Frage der UebervöUerung des von eingewanderten Juden bewohnten East End eine gesunde Lösung finden.