Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 155 Das Fiasko des Pastors Russell. Man erinnert sich noch des unliebsamen Aufsehens, das der amerikanische Pastor Russell vor ungefähr zwei Jahren mit seinen sozialistischen Vorträgen aus einer europäischen Tour gemacht hat. Bei seinem Vortrage in Wien kam cs zu großen Skandalszenen, bei denen die Polizei intervenieren mußte. Dieser ungebetene zionistische Apostel hat nun in seiner Heimat ein schweres Fiasko erlitten. Die angesehene Zeitung „Brooklyn in Eagel" hat dem ehrenwerten Pastor in einer ganzen Artikelserie den Vorwurf! des Schwindels und der Ausnützung der Leichtgläubigkeit fanatischer Juden, durch welche er sich bereichert habe, gemacht. Pastor Russell klagte das genannte Blatt auf Ehrenbeleidigung und einen Schadenersatz von 100.000 Dollar. Der Vertreter des Blattes gab in der Verteidigung zu, daß das Blatt dem , geschäftskundigen Pastor einen schweren materiellen Schaden zugesügt habe, doch sei ja gerade das der Zweck der Artikel gewesen, da die Schriftleitung es als ihre nwrausche Pflicht angesehen habe, dem Pastor Russell, der sich zum zionistischen Anwalt aufgeworfen habe, das Handwerk zu legen und nachzuweisen, daß seine ganze Zionsfreundlichkeit für ihn nichts anderes als ein Geschäft war, und zwar mit Rücksicht auf den Fanatismus vieler Juden, ein einträgliches Geschäft war. Nach eingehendem Bewcisverfahren sprach das Gericht das Blatt von sämtlichen Anklagen frei. Pastor Russell, der in Europa so viele jüdische Freunde besitzt, ist also auch in seiner Heimat gerichtet. Johannesburg. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Bezug auf den in Nr. 53 der „Oesterreichischen Wochenschrift" gemeldeten M i sr a ch st r e i t in Johannesburg ist es keineswegs richtig, das; es darüber überhaupt Streit gegeben oder daß gar ein Schisma drohte Es ist wohl wahr, daß einige Gemeinden ihre neuen Synagogen nach Osten gerichtet bauen wollten, aber der Eutscheidung des Oberrabbiners, Professor Dr. Landau, gemäß, den Bau gegen 9t rden ausführten; so das neue Beth-ha-Midrasch in Johannesburg, die neue Synagoge in Port-Elizabeth (Kap-Kolonie) und mehrere andere. Es ist absolut unwahr, daß gegen diese Entscheidung des Chefrabbiners auch nur der g e r i u g st e Widerspruch erhoben wurde. Die neue große Synagoge in Johannesburg, deren Grundsteinlegung demnächst stattfinden dürfte, hätte nach den ursprünglichen Plänen der Architekten eine günstigere Front, wenn die Bundeslade nach Osten gerichtet wäre. Da aber Herr Dr. I. L. Landau auch hier die nördliche Richtung allein als religionsgesetzlich zulässig erklärte, wurden die Pläne sofort in dieser Weise ausgearbeitet. Die Meldung von einem Streit dürfte durch falsche Wiedergabe eines englischen Berichtes entstanden sein. Vor einigen Wochen hat Chef-Rabbi Dr. Landau in der Park- Station-Synagoge seinem ehemaligen Lehrer, dem Hofrat Professor Dr. D. H. v. Müller, einen ehrenden Nachruf gehalten, der auf alle Anwesenden einen tiefen, nachhaltigen Eindruck machte. Vermischtes. Wien. Donnerstag den 6. März 1913, ',.>8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9. eine Vorlesung des Herrn Theodor Weih, Mitglied des Deutschen Volkstheaters über „Jüdische Poesien" statt. Eintritt frei. Wien. Der Präsident des „Vereines zur Hebung der Gewerbe", Herr Kuliusvorstand S. Brod, mußte fich am 25. Februar d. I. im Sanatorium „Hera" einer Operation, die Dozent Dr. Max Jerusalem unter Assstenz des Hausarztes Dr. A d o l f S t e i n e r vornahm, unterziehen, deren Verlauf ein günstiger war. Wien. Samstag den 1. März l. I. um 7 Uhr abends findet in dem Sitzungssaals d"r Israelitischen Kultusgemeinde. I., Seitenstettengasse 4, die ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer statt. Wien. Wie uns mitgeteilt wird, wurde der Präses des Josefstädter Tempels Herr H.rmann Beck zum Ehrenbürger üon. Humpoletz ernannt. Wien. Der hohe k. k. Landesschulrat hat fich bestimmt gefunden, dem Kommunallehrer Herrn David Hecht für sein vieljähriges, hingebungsvolles und ersprießliches Wirken im Lehramte die Anerkennung auszusprechen. Wien. (NeuerSachverständiger.) Der En gros- Geschästsinhaber Herr Moritz Grünbaum. Wien, II., Lichtenauergasse 6, wurde über Vorschlag der Handelskammer vom Handelsgerichte zum beeideten Sachverständigen und Schätzmeister für Zuckerbäckerbedarfs-Aitikel und verwandte Branchen ernannt. Wien. (Israel. Synagogen-Verein„Beth Israel.) Sonntag den 23. Februar l. I. fand die konstituierende Vorstandssitzäng dieses Vereines, nach der Generalversammlung statt und wurden in derselben per acclamationem gewählt: Herr Ignatz Zolles als Obmann, Herr Alexander Landau als Obmann-Stellvertreter, Herr Dawid Kvlieb als Schriftführer, Herr S. Schinde! als Schriftführer-Stellvertreter und Herr Emil Pomeranz als Kassier. Wien. Herrn Oberlehrer Josef Fried! wurde vom Landesschulrate für sein langjähriges verdienstvolles Wirken die belobende Anerkennung ausgesprochen. Wien. (Frauen - Wohltätigkeits-Verein „P r o v i d e n t i a".) General-Versammlung am 3. März 1913, 4 Uhr nachmittags, II., Darwingasse Nr. 5. Der Verein begeht das Jubiläum seines 40jährigen Bestandes und gleichzeitig der 40jährigen Tätigkeit der Schriftführerin Frau Anna Brandt. Frau Anna Brandt hat durch 40 Jahre ununterbrochen dem Verein ihre Zeit in uneigennützigster Weise gewidmet, Tag und Nacht für den Verein gearbeitet, zahllosen Armen und Notleidenden Unterstützung und Hilfe gebracht. Speziell bei der KobtenvStellung, die alljährlich größere Dimensionen annimmt, leistet Frau Brandt außerordentliches. Wir hoffen, daß Frau Brandt noch lange Jahre zum Wvhle des Vereines, zur Freude ihrer sie hochschätzenden Kolleginnen tätig sein könnte. Wien. (Trauung.) Dienstag, den 4. Mär;, findet im Stadttempel (Z remoniensaale), I., Seitenstettengaffe 4, die Trauung des Fräulein Ella Schwarz. Tochter des Herrn Nathan Sch w a r z. Beamter der israelitischen Kultusgemeinde, mit Herrn Dr. Eugen Z e i s e l, k. k. Realschullehrer statt. Wien. Soeben erhalten wir die Nachricht aus Bielitz vom Hlnscheiden des ehrwürdigen Rabbiners Dr. Sigmund Groß. Eine Würdigung seines Lebens und Wirkens behalten wir uns vor. Verein der Sabbath-Freunde (Schomre Schabbos) Herr Dr. Esra Munk aus Berlin, Rabbiner der von dem weltberühmten Dr. Israel Hildesheimer s. A. ins Leben gerufenen orthodoxen Gemeinde „Adaß Israel" wird Dienstag den 4. März 1913, ' „8 Uhr abends, im großen Saale des Hotels „Central", Wien, II., Taborstraßc 8. über das Thema: „Der neuzeitliche Jude und altväterliche Sabbath" einen Vortrag halten. Es gibt sich in allen Kreisen ein reg-s Jntereffe für diesen Vortrag kund, da Herrn Rabbiner Dr. Munk der Ruf eines glänzenden Redners vorangeht. Wien. Herr Adolf Weiler Wien, I., Ka'palast 47, feierte am 23. d. M. das Jubiläum seines 25jährigen Geschäftsbestandes, aus welchem Anlasse ihm vielfache Ehrungen zuteil wurden. Die Firma, deren Inhaber das Unternehmen durch besonderen Fleiß und anerkannte Geschäftstüchtigkeit auf die jetzige Stufe gebracht hat, zählt heute zu den angesehensten Häusern der Kleiderbranche. Wien. Die Generalversammlung des Vereines ,Tiferes b a ch u r i m", der sich die Unterstützung von Talmudschülern zur Aufgabe gestellt hat, fand am 9. d. M. im Festsaate der „Talmud- Thora" unter ungewöhnlich großer Beteiligung statt. Herr Piukas als Obmann eröfftrete die Festsitzung, bei der daun Herr Rabbiner Benjamin Seidl aus Galantha einen sehr interessanten Vortrag über das Talmudstudium hielt. .Nach Vornahme der Wahlen fand ein Festabend im Restaurant Pinkas statt, der in jeder Richtung als besonders gelungen bezeichnet werden darf. Es sprachen hiebei die Herren Rabbiner Seidel. Schenk. Flesch. Goldstern. Benedikt. Professor Autscherl, W. Pappenheim, Schreiber. Felsenburg Lunzer und Rosner. Nach den geistvollen Thoraworten, die bis nach Mitternacht