Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Jf.. 9 Dr. Bkvchs Wochenschrift. T<u-.!53 eine ersprießliche Tätigkeit. Auch in den Delegationen nahm er eine angesehene Stellung ein. Man erzählt sich, daß Franz Hellai in den von ihm geleiteten Betrieben getaufte Juden grundsätzlich nicht anzustellen pflegt. Oberbürgermeister Dr. Heltai beim Kaiser. Budapest, 22. 'Februar. (Privattelegramm des ..Neuen Wiener Journals".) Oberbürgermeister Franz Heltai wurde zum Mitglied des Magnatenhauses ernannt und erschien am 22. in Audienz bei Sr. Majestät dem Kaiser, die etwa eine halbe Stunde währte. Der Kaiser interejsierte sich eingehend für die Entwicklung der ungarischen Hauptstadt und gab der Hoffnung Ausdruck, daß er bald nach Budapest kommien werde. Heltai besuchte im Laufe des Nachmittags den Bürgermeister von Wien Dr. Weiskirchner und verschiedene Hofwürdenträger. Ferner machte er dem Baron Geza Fejervary seine Aufwartung, dem er aus Anlaß seines bevorstehenden achtzigsten Geburtstages seine Gratulation darbrachte. Budapest. (Rabbiner bei dem Kultusminister.) Eine Deputation des Landes-Rabbinervereines erschien am 7. d. M. bei dem Kultuss- und Unterrichtsminister Grafen Johann Zichy. Vizepräsident Dr. Eduard Neumann schilderte dem Minister die ungünstige materielle Lage der Rabbiner und bat ihn. die den Rabbinern zu gewährende Allerszulage eben so hoch zu bemessen, wie die Alterszulage der Seelsorger der übrigen Konfessionen. Der Minister erwiderte, er trage die Interessen aller Konfessionen in gleicher Weise am Herzen; sein Standpunkt sei. mit gleichem Maße zu messen und allen Konfessionen eine gleiche Behänd-- lung zuteil werden zu lassen. Wenn die Diener einer Konfession Entgegenkommen von seiten des Staates verdienen. so sind es diejenigen der israelitischen Konfession, die sich um die Festigung der ungarischen Staatsidee besondere Verdienste erworben haben. Dieses Bewußtsein werde ihm bei Erledigung der Wünsche der jüdischen Seelsorger vor Augen schweben. Die Deputation nahm die Antwort des Ministers mit lebhaften Eljenrufen auf. Eine jüdische Deputation beim Fürstprimas. Der neue Fürstprimas von Ungarn Johann Czernoch empfing dieser Tage in seiner Residenz in Gran eine Deputation der dortigen Judengemeinde, die gekommen war, den Kirchenfürsten zu seiner Ernennung zum 'Fürstprimas zu beglückwünschen. Der Führer der Deputation Oberrabbiner Armin Spiegl sprach mit Zustimmung des Fürstprimas den hebräischen Segensspruch und richtete dann namens der Iudenschaft an denselben die Bitte, seine große Macht über die Katholiken des Landes zugunsten des konfessionellen Friedens zu benützen. Der Fürstprimas dankte in herzlichen Worten für den Segen und die dargebrachten Wünsche und betonte, daß er in den Menschen hauptsächlich die Religiosität schätze und deshalb in seinem Kampfe gegen die heutige destruktive Richtung die Mithilfe aller, so auch der Mischen Konfession akzeptiere. Der Fürstprimas erkundigte sich dann eingehend über die Verhältnisse der Graner Judengemeinde und der ungarländischen Iudenschaft. Die Tragödie des Gefeierten. Aus Püpa in Ungarn wird berichtet : Der hiesige Privatier Jakob Allstädter gründete im Jahre 1866 mit zwölf Gesinnungsgenossen den Unterstützungsverein der israelitischen Gewerbetreibenden und leitete denselben als Präsident 18 Jahre hindurch. Anläßlich der dieser Tage abgehaltenen Generalversammlung wurde Altstädter in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenmitglieds gewählt. Nachdem der Präsident das neue Ehrenmitglied warm begrüßt hatte, erhob sich Allstädter zur Erwiderung und dankte für die ihm erwiesene Ehrung, ..die ihn um so glücklicher machte, als er der Einzige sei, der von den zwölf Gründern noch am Leben sei." Kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen, als er zu Boden stürzte und den Geist aufgab. Er war 76 Jahre alt geworden. Lemberg. Der Vorstand der Lemberger Kultusgemeinde hat, wie uns von dort geschrieben wird, zugunsten des hebräischen Gymnasiums in Jerusalem eine Subvention von tausend Kronen bewilligt. Trotzdem der Vorstand der Lemberger Judengemeinde bekanntlich durchaus nicht zionistisch ist. fand sich ein polneschjüdischer akademischer Verein in Lemberg, ^der ..Zjednoczenie" (Einigkeit), der in seiner letzten Sitzung gegen diese Spende des Lemberger Kultusvorstandes öffentlich Protest erhob. Dieser von den polnisch-jüdischen Studenten wie es heißt einstimmig beschlossene Protest, mit welchem die jungen Akademiker, wie es scheint, den Polen schmeicheln wollten, hat in allen Kreisen, auch in den polnischen, peinlich berührt. Prag. (Rabbinerverband in Böhmen.) Am 17. d. M. fand hier die Generalversammlung statt, zu der sich erfreulicher Weise eine stattliche Anzahl jüngerer Mitglieder aus der Provinz und die alten Träger wohlklingender Namen aus Prag eingefunden hatten. Der Präsident. Herr Professor Dr. Kurrein-Teplitz. begrüßte die Korona, verdolmetschte die patriotischen Gefühle der Versammlung, brachte ein begeistertes Hoch auf den geliebten Kaiser aus, in das die Anwesenden mit Jubel einstimmten. Dann erstattete er den inhaltsreichen Tätigkeitsbericht, zu dessen Beginn er dem verstorbenen Oberrabbiner Dr. Nathan Ehrenfeld einen tiefempfundenen Nachruf widmete, der von der Versammlung stehend angehört wurde. Nachdem auch noch der verblichenen Kollegen Blitz-Laun und Konigsberger-Weinberge in pietätvollen Worten gedacht und Herrn Dr. Arnold Rosenbacher für dessen fachwissenschaftliche freundliche Unterstützung der Dank der Generalver>- sammlung votiert worden war, hielt Herr Dr. Schwartz- Prag seinen anqekündiqten Vortrag über die Leviratsehe und die Taufe, der informativen Charakter und ein streng wissenschaftliches Gepräge hätte und zu anregender Diskussion führte. Auch der folgende Vortrag des Herrn Dr. Stern-Saaz erntete viel Dank und Anerkennung und hätte eine sehr lebhafte Aussprache der Herren über die Stellung des Rabbiners zur Taufseuche unserer Zeit zur Folge. Dann berichtete der KasseM wart über Einnahmen und Ausgaben im abgelaufenen Vereinsjahre, worauf dem Vorstände die Entlastung erteilt wurde. Ein weitausgreifender Antrag des Herrn Dr. Frankfurter in Lobositz wurde eine" ad hoc eingesetzten Kommission ad referendum* überwiesen. Um den schlecht dotierten Rabbinern vom Lande die Teilnahme an den wissenschaftlichen Darbietungen der alljährlich in Prag stattfindenden Generalversammlung zu ermöglichen, ohne ihr ärmliches Budget ernstlich zu bedrohen. wurden die finanziellen Reformpläne des Herrn Dr. Schwartz-Prag mit Freuden begrüßt. Endlich wurde die Wahl des Vorstandes vorgenommen, aus der hervorgingen: Kurrein-Teplitz. Stern-Saaz, Kisch-Prag, Schwartz-Prag, Biach-BrüX. Thieberger-Budweis. GoliUski-Pilsen. Di« russischen Studenten in Deutschland. Berlin. Der ..Lokalanzeiger" meldet aus Karlsruhe: Hier tagte eine Konferenz russischer Studenten, an welcher Delegierte sämtlicher deutschen Universitäten teilnahmen. Es wurde eine Resolution angenommen, in