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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-02-28 · 9 (28.2.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 151 verhöhnt wird, bald sind es übermütige griechische Soldaten und Zivilpersonen, die ohne jeden Anlaß mit jüdischen Passanten Streit suchen, um sie schließlich zu mißhandeln. Die größte Entrüstung hat jedoch der jüngste Vorfall unter den Juden hervorgerufen, welcher beweist, wessen sich die Juden seitens der Griechen zu versehen Haben, wenn die strenge Zucht des Kriegszustandes von der Stadt weichen und Saloniki unter griechische Herrschaft gelangen sollte. Eine Bande roher Gesellen hat nämlich im jüdischen Friedhof mit unglaublicher Brutalität gehaust, indem sie Leichensteine beschmutzt und auf manche das Doppelkreuz eingraviert hat. Der Großrabbiner von Saloniki hat über diesen Vandalismus bei der griechischen Behörde Beschwerde geführt. Wohl hat diese über den Vorfall das Bedauern ausgedrückt und die Zusage gemacht, eine Wiederholung solcher Fälle hintanzuhalten, doch hat die Erfahrung gelehrt, wie wenig wert solche Zusagen sind. Präsident Wilson und Rabbi Wise. Der bekannte amerikanische Reformrabbiner Doktor- Stephen Mise hatte dieser Tage mit dem neugewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten. Woodrow Wilson, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verbindet, die auch bei der jüngsten Wahl zum Ausdrucke kam. eine mehrstündige politische Konferenz. Rabbi Wise verweigerte den ihn befragenden Journalisten die Auskunft über den Inhalt der Unterredung und meinte, er könne nur eines verraten, daß Präsident Wilson unter anderem neuerlich versicherte, daß, so lange er Präsident der Vereinigten Staaten sein wird, kein Vertrag zwischen Amerika und Rußland oder einem anderen Staate zustande kommen werde, der den jüdischen Bürgern Amerikas gegenüber Ausnahmsgesetze statuiert. Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom IS. Februar 1913 unter dem Borsitze des Prä« sidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 9 Uhr abends. Im Einlaufe befinden sich: Sympathiekundgebung für Vertreter Dr. Maximilian Steiner. Vom Herrn k. k. Statthalter von Niederösterreich nachfolgende Zuschrift: „Im Allerhöchsten Aufträge gebe ich für die aus Anlaß des Ablebens Seiner k. u. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Rainer telegraphisch zum Ausdruck gebrachte Beileidskundgebung den Allerhöchsten Dank bekannt." Vom Herrn Obersthofmeister weiland Sr. k. u. k. Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer, Grafen Rosenberg, nachfolgende Depesche: „Ihre kaiserliche Hoheit danken innigst und herzlichst für die liebevolle Teilnahme." Weiters eine Einladung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zur Gedenkfeier für weiland Sr. k. u. k. Hoheit, dem Herrn Erzherzog-Kurator Rainer. Dankschreiben des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern für die Teilnahme des Vorstandes anläßlich des Ablebens seines Bruders. Dankschreiben des Herrn Vertreters Dr. Maximilian Steiner für das ihm seitens der Vorstandsmitglieder anläßlich seines 80. Geburtstages gewidmete Ehrengeschenk. Dankschreiben des Vorstandsmitgliedes Mox Z i r n e r für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Ablebens seines Bruders, Herrn Hermann Ju ins Z i r n e r. Dankschreiben des Religionsschul Inspektors i. R., Herrn Dr. Leopold L a n g f e l d e r für die Gratulation des Vorstandes zu seinem 80. Geburtstage. Dankschreiben des Herrn Dr. Sigmund Stiaßny im eigenen, wie im Namen seiner Mutter für den Beschluß des Vorstandes auf Anbringung einer Vorivtafel im Vestibül der Zeremonienhalle auf dem Z-ntralfriedhofe zu Ehren des Erbbauers dieser Halle, Herrn Baurat Wilhelm S t i a ß n y s. A. Von der Gouverneurs-Witwe Frau Sidonie v. T a u s s i g die Widmung des Bildes des gewesenen Vertreters der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Theodor Ritter von T a u s s i g. für den Sitzungssaal der Kultusgemeinde. Dankschreiben des Vereines „Säuglingsfürsorge" für die vom Kultusvorstände bewilligte Subvention. Eme Resolution des „Vereines zur Hebung der Gewerbe" mit dem Ersuchen, bei der Vergebung der Architektenarbeiten, bezw. der Anfertigung von Plänen für das Kinderspital, von einer engeren Konkurrenz abzusehen, vielmehr alle jüdischen Architekten Wiens einzuladen. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn P äsidenten Dr. Alfred Stern zur Verteilung . K 500.— „ „ Dr. Max Freureich für Rechnung des Robert Friedländer-Legates für den Kinderspitalsfond per K 30.000.—, die erste Halbjahresrate .K 1500.— 5% Zinsen von K 30 000.— für Die . Zell vom 27. Jul! 1912 bis 27. Jänner 1913 .. - 750.— „ 2250.— Von Frau Sofie von Borken au, den Enös für die Wntervermielung ihres Tewpelsises, für Den Verein für Brustleidende auf dem Lande . . . „ 50.— Von Herrn Heinrich Lewe für Spitalszwick.' 6.28 Vor Eingang in die Tagesordnung erwähnt Herr Vertreter Dr. Leopold K o h n des Unfalles, den das hochverdiente Mitglied des Kultusvorstandes Herr Dr. Maximilian Steiner erlitten hat und beantragt, es möge der Vorstand aus diesem Anlaffe seiner Teilnahme Ausdruck geben und im Wege des Präsidiums Herrn Dr. Steiner die besten Wünsche des Vorstandes für seine vollständige, baldige Genesung übermitteln. Diesem Anträge wird einmütig zugestimmt. Ehrung des Ersten Sekretärs kais. Rat Dr. Theodor Lieben. Der Vorsitzende, Präsident Dr. Alfred Stern hält nachfolgende Ansprache: „Wir haben heute ein höchst seltenes Ereignis zu feiern, gilt es doch ein Dopp ljubiläum zu begehen. Unser Erster Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben wird demnächst feinen 70. Geburtstag feiern und hat bereits sein 40. Dienstjahr überschritten. Zwischen diesen beiden Zeitabschnitten befinden wir uns heute uad ich nehme gerne den Anlaß wahr, ihm unsere aufrichtigsten, herzlichsten, innigsten, allerwärmsten — ich bitte Sie, sich noch ein paar Epitheta zuzuvenken — Glückwünsche auszusprechen. Was Dr. Lieben dem Vorstände ist, können in vollem Maße nur diejenigen beurteilen, die schon so lange Zeit dem Vorstände angehören, wie es bei mir und meinem Nachbar zur Rechten, I. Viz Präsident Dr. Gustav K o h n, der Fall ist. Ich kann sagen, zur Zeit, als wir in den Vorstand gewählt wurden, gab es keine entsprechende Registratur, kein Arch'v — Doktor Lieben war die lebende Registratur, das lebende Archiv. Wir waren bei allen Angelegenheiten auf seine Informationen angewiesen, nur von ihm konnten wir ersah'en, was sich in der Vergangenheit zugetragen, in welcher Weise gewisse Angelegenheiten b> handelt und erledigt worden find. Seine Juso'Matronen waren unschätzbar, fast möchte ich sagen, wir hätten das Haus zusperren können, wenn Herr Dr. Lieben nicht bei uns gewesen wäre. Das war seine Bedeutung für die Vergangenheit, aber auch für die Jetztzeit ist er die Seele unserer Vecwaltung, unseres Beamtenkörpers und wenn wir heute, ich kann es ruhig sagen, einen so musterhaften Beamrenkölper haben, wie ihn kaum eine der autonomen Körperschaften besitzt, wenn wir eine solch große Anzahl braver, tüchtiger, integerer und aufopfernder Beamte haben, so danken wir dies dem Beispiele, das der Chef dieses Beamtenkörpers, Dr. L i e b e n. gegeben hat und gibt.

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