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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-02-28 · 9 (28.2.1913) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sk. 9 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 147 Keriihrnte I«i»engemeindrn des osrnarlischrn Reiches. Von Rabbiner W. Reich in Baden bei Wien. (VI. Fortsetzung.) Im Laufe der Zeit hatten sich in Saloniki 36 Gemeindegruppen gebildet, deren Bezeichnungen zume'.st auf ihre Herkunft aus verschiedenen Ländern Hinweisen: so Haben diese um ihr Hab und Gut beraubten, um ihre Heimat betrogenen, in die rauhe, wilde, mittelalterliche Welt hinausgejagten Juden noch immer in der Beibehaltung der Namen ihrer früheren Landsmannschaften ihire angeborene Liebe zur heimatlichen Scholle gekennzeichnet, wie wenn sie noch immer hofften, es könnte der Ruf zur Rückkehr an sie ergehen. Die Gemeindegruppen, die sich bildeten, ihre Synagogen, die sie erbauten, wurden von ihnen in pietätvoller Weise mit den Namen jener Nationen bezeichnet, in deren Mitte sie früher wohnten: sie nannten sie aber nicht nur so. sondern — was noch bedeutungsvoller ist — sie behielten in denselben auch ihre Sprache bei. Jedoch im Laufe der Zeit muhte sich auch da eine Assimilation in der Weise vollziehen, daß die zahlreicheren und an Vermögen. Ansehen und Wissen hervorragenderen Eingewanderten den an Zahl geringeren und an sonstiger Bedeutung schwächeren Glaubensge-' nassen gegenüber ihre Sprache, Art und Weise zur allgemeinen Geltung brachten, und so kam es, daß sowohl in Saloniki, als in den politischen Gemeinden des Balkan überhaupt die spanische Sprache zur gemeinsamen Verständigung allgemein geworden ist, da die 'Emigranten aus Spanien in einer ungleich grösßeren Zahl leingewandert waren. Da ist es wohl am Platze, ehe wir auf die Geschichte der Iudiengemeinde in Saloniki näher eingehen, einige Vorbemerkungen über die sepbardischen Juden vorauszuschicken. Die beiden Hauptgruppen der Juden aller Länder bilden wohl bekanntermaßen die Sephardim und Aschkenas im. Die ersteren sind aus dem Orient, wie aus Spanien, Portugal. Frankreich und Italien, die letzteren aus Deutschland, Polen, Ungarn und Rußland. Die Besprechung der Kultur der Juden, wird auch gewöhnlich zwischen diesen beiden Hauptgruppen wohl unterscheiden. So hat es schon Don Jsak Abarbanel in seinem Komm'entar zum Buche der Könige getan, so viele andere nach ihin und nicht minder nichtjüdische Schriftsteller, wie z. V. Leroy-Beaulieu in seinem ausführliche Buche „Israel unter den Völkern". Es ist wohl eigentümlich, wie sich biblische Namen auf Bezeichnungen von Ländern übertragen, die in jener uralten Zeit geschichtlich noch nicht bekannt sein kann-' ten. Wir halben es bereits bei der Türkei gesehen, die mit dem biblischen NaiMen „Togarmah" bezeichnet wird. Nach Iosephus stammten von diesem 10 Familien, eigentlich Volks stamme, ab, von denen eine diejenige ist, von der die gegenwärtige Türkei oder das Reich Ismaels gebildet wurde. In gleicher Weise gilt allgemein für Frankreich der Name „Zarfath", erwähnt vom Propheten Obadia, obwohl es zu seiner Zeit noch kein Frankreichs in der Völkergeschichte gegeben hat. So ist es vor allem mit dem Namen Aschkenas, der in der Völkertafel von der Zeit nach der Sintflut angeführt erscheint. Es heißt da (I. >B. M. cap. X, V. 6): „Und die Söhne des G om er sind A sch k en as" ufw. Schon von diesem Gomer heißt!es im jerusal. und im babyl. Talmud, es fei dies „Germ am ja". und zwar in beiden Silben mit „m" ausgesprochen. Jedoch der große Gaon aus Wilna glossiert die Aussprache dahin, das zweite „m" sei mit „n" auszufprechen, so daß es dann „Germania" hieße. Ein Land Germanien hat es jedoch gewiß dazumal noch lange nicht gegeben. Ebenso verhält es sich mit Aschkenas, welches nach Mendelssohn in seinem Biur als Alemania nach der Ansicht Vf eler bezeichnet wird, wobei er hinzufügl, es sei immerhin als ein zu Europa gehöriger Landesteil anzusehen. David Gans in seinem Geschichtswerke Zemach David führt hiezu den Bericht des alten Schrift-, stellers Beryssos an: — der zur Zeit Aleranders des Großen gelebt haben soll oder gar noch zur Zeit der Chaldäer, wie manche behaupten — „der erste König der Alemannen wäre Aschkenas, der Sohn Gomers gewesen und sein Stamm unter ihnen unter den Namen der T o s k e n bekannt", im Laufe der Zeiten sei daraus die verballhornte Bezeichnung Teutsch entstanden. Historisch begründet oder nicht, ist es immerhin erklärlich, daß die Juden den Namen Aschkenas für Deutschland angenommen haben. „Sefarad" jedoch wird erst in einem viel späteren Teile der Bibel erwähnt, und zwar in Verbindung mit einem anderen Namen, der das gleiche 2n-< teresse diesbezüglich für uns hat, es ist der bereits angeführte Namen „Zarfath". Obadia in seiner schönen Prophezeiung (Cap. I, V. 20) sagt: „Und die in Gefangenschaft Geführten dieses Heeres der Kinder Israels werden das Land der Kanaaniter bis nach „Zarfath" und die in Gefangenschaft Geführten Jerusalems, die $u „Sefarad" sind, werden die Städte des Südens besitzen." Jonathan b. Usiel, in seiner aramäischen Ueberksetzung. bezeichnet Sefarad mit Aspamia, und ihm folgen alle späteren Bibelerklärer. Abraham ibn Es-ra führt den Vers folgendermaßen aus: „Zar^ fath" ist Fransa (also Frankreich), „Sefarad" ist Aspamia: „es ist dies eben eine Prophetie für djie Zukunft", fügt er hinzu, um damit zu erklären, wie es kommen könnte, daß ein Prophet im vorhinein Länder erwähnt, die zu seiner Zeit noch nicht bestanden. Was hat nun Aspamia mit Sefarad zu tun? Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Beiden, daß sie sich mit ihrer Bezeichnung für ein und dasselbe Land, nämlich Spanien, decken!? Rappaport in seinem E r ech millin führt nun hiezu folgendes aus. Die alten Griechen haben alle Länder des Occidents mit dem Namen Hespera bezeichnet und ihre Schutzgeister hießen Hesperides: in diesem Sinne ist unter Aspamia eigentlich Sefarad gemeint. Aus verschiedenen Talmudstellen ist zu ersehen, daß unter Aspamia. gleich Sefarad, ein vom Orient am weitesten entferntes Land verstanden war. Tatsächlich werden nach einer griechischen Sage die unsterblichen Jungfrauen, die an der äußersten westlichen Grenze der Erde die goldenen Aepfel des Paradieses hüten, als Hespe riden bezeichnet. So wurde es auch von den alten Völkern als das Ende der Erde angesehen, und die Säulen des Herkules, auf denen dieselbe ruht, werden an die Meerenge von Gibraltar, der äußersten südwestlichen Grenze von Spanien, versetzt. — Bei den römischen Dichtern heißt auch die pyrenäische Halbinsel Hesperia, das hebräische Sefard. Auch da gilt nun die alte Tradition mehr als der geschichtliche Beweis, und wurde seit jeher ohne jegliche historische Unterlage Spanien als Sefard von den Juden gekannt. Was jedoch die Verkehrssprache der spaniolischen Juden untereinander betrifft, nennen sie dieselbe weder

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