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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 138 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 8 Die Staude auf dem Karmelitermarkt. Seit Jahren wurde auf dem Leopoldstädter Karmelitermarkt jüdischen Ständebefitzern die Aufstellung von Verkaufs- Hütten nicht gestattet. Den Bemühungen des Gemeinderates Ernst Neustadt! und des Bezirksrates Alex. Po l lak ist es gelungen, hier endlich Wandel zu schaffeu und nunmehr wurde zum ersten SDfco! einer jüdischen Petentin vom Stadtrat tue AufsteLnng «uer Verkaufshütte bewilligt. RÄWiöser Notstand im Prater. In Nr. 5 dieses Blattes veröffentlichte der Prater Bethaus-Berein „Tefilas Iefchurun" einen Aufruf an edelherzige Glaubensgenossen mit der Bitte, durch finanzielle Unterstützung den Fortbestand des Bethauses und der Talmud-Thora-Schule zu ermöglichen. Aus diesem Anlatz ist dem Verein eine Spende im Betrage von Kronen 25.— von Herrn Leopold Blau, Chef der 'Firma Blau & Co., zugekommen, wofür der Ausschutz Herrn Blau den herzlichsten Dank ausspricht. Möge dieses Beispiel edler religiöser Gesinnung weitere Nachahmung finden. Für den Vorstand: Heinrich Vondy, Obmann Wien, II., Ausstellungsstr. 25. Spenden sind zu senden an den Obmann, Herrn Hei«rech Bondy, II., AnssMungsstraße 25. Aumelduugen für das „Ferienheim" und für das „Seehospiz" finden vom 23. Februar ab an jedem Montag, Dienstag und Mittwoch von 4—6 Uhr nachmittags statt. Hiezu haben fich Vater, Mutter oder Vormund des anzumeldenden Kindes mit dem Kinde und möglichst unter Mitbringung eines Armutszeugnisses im Vereinsbureau, IX., Türkenstraße 17, einzufinden. Wien. Der Vorstand des israelitischen Bethausvereines „Emunas Awes", XIV., Storchengofse 21, gibt bekannt, daß Herr Abraham Schneeweiß recte Zwiok nach absolviertem Probevortrag einstimmig zum Oberkantor gewählt wurde; derselbe übernimmt die vakante Chasenstelle am 1. März 1913. Wien. Freitagabend-Vorträge im Bet-Hamidrasch „Talmud Thora", II., Malzgasse 16, auch Frauen zugänglich. Am 21. Februar Herr Prof. Moritz Autsch er!: „Ein neuer Kolumbus auf altjüdischem Wiener Boden und seine Entdeckungen". — Am 28. Februar Herr Rabbiner L. Goldstein: „Der Gaon Elia von Wilna". Beginn jedesmal um */i8 Uhr abends. Wien. (Auszeichnung.) Der k. k. n.-ö. Landesschulrat hat sich mit dem Erlasse vom 13. Dezember 1912, Z. 5622—II, bestimmt gesunden, dem mit Ende August 1912 in den Ruhestand versetzten Volksschullehrer 1. Klasse an der allgemeinen Volksschule für Knaben, XXI., Leopoldsplatz 9, Adolf E h r e u f c st, in Würdigung seiner oieljährigen. ersprießlichen Tätigkeit im öffentlichen Schuldienste, die Anerkennung auszusprechen. Auch der Ortsschulrat des XXI. Bezirkes hat den pflichtgetreuen bewährten Pädagogen ein Belobungsdekret zu kommen lassen. Wien. Am 16. d. M. ist Sigmund Meininger, Inhaber eines Pelzwarengeschäftes in Wien, Gründer und Obmann des Humanitären Vereines der Kolomeaer und Obmann-Stellvertreter des Vereines der jüdischen Kleingewerbetreibenden, zu Grabe -getragen worden. Zum Begräbnis erschienen die beiden Vereine in corpore mit ihren Vorständen sowie zahlreiche Bekannte des Verstorbenen, die jüdische Bühne war durch Direktor Siegler und mehrere jüdische Schauspieler vertreten. Sigmund Weininger, der sich nach schweren Kämpfen um die Eristenz eine geachtete Stellung als Geschäftsmann erworben hat, hatte immer eine offene Hand für Notleidende, denen er mit Rat und Tat beizustehen pflegte. Rabbiner Dr. Grunwals würdigte den Charakter und das Wirken des Verstorbenen in warmen Worten. Am offenen Grabe sprachen namens des Vereines der Kolomeaer Herr Doktor Zipfer und namens des Vereines der jüdischen Kleingewerbetreibenden Herr Goldfarb, welche in ergreifenden Worten die Verdienste des Verstorbenen um das jüdische Vereinswesen in Wien schilderten. „Zukunft" (Verein zur Förderung schulentwachsener verlassener Kinder). Donnerstag, den 6. d .9)1., fand im Eafö Prückl die diesjährige Generalversammlung des Vereines zur Bekleidung armer alter Männer und Frauen sämtlicher Bezirke statt. In Vertretung der abwesenden Präsidentin übernahm der Beirat Herr Dr. Hermann Drucker den Vorsitz. Er begrüßte die erschienenen Mitglieder und Gäste, insbesondere das Ehrenmitglied des Vereines, Herrn Anton Stern, sowie den Offizial der isr. Kultusgemeinde Herrn M. Ungar. Nach Erledigung der ersten vier Punkte der Tagesordnung berichtete Herr Dr. Drucker, daß verschiedene Umstände die Vereinsleitung bestimmt haben, der diesjährigen Generalversammlung den Antrag aus Aenderung der Vereinsstatuten zu unterbreiten, und zwar soll in Hinkunft die Tendenz des Vereines dahin gehen, solche jüdische verlassene Kinder, die bis zu ihrem erreichten 14. Lebensjahre seitens der Wiener isr. Kultusgemeinde verpflegt werden, nach ihrer Schulmündigkeit bis zur erreichten Erwerbsfähigkeit nach Maßgabe der vorhandenen Vereinsmittel zu unterstützen und insbesondere deren physische und moralische Entwicklung zu beaufsichtigen. Der Titel des Vereines soll auf „Zukunft", Verein zur Förderung schulentwachsener, verlassener Kinder, abgeündert werden. Der Antrag der Vereinsleitung wurde einstimmig angenommen. Wien. (Verein zur Unterstützung jüd. Kleingewerbetreibender, II., Malzgasse 1.) In der Samstag, den 15. ds., stattgehabten Ausschußsitzung hielt der Vorsitzende Saul Klausner dem am 14. ds. verstorbenen 2. Obmann-Stellvertreter Herrn Selig Weininger folgenden Nachruf: Ein tragisches Ereignis hat uns heute hier zusammengeführt. Herr Selig Weininger, unser verdienstvoller 2. Obmann-Stellvertreter, ist uns leider durch den Tod entrissen worden. Der Dahingeschiedene, der unserem Vereine jahrelang ein treues Mitglied war, hat sich unsere höchste Achtung und Wertschätzung erworben. Das Vertrauen, das wir dem Manne, der nicht nach Ehrenstellen strebte, entgegenbrachten, hat seinen schönsten Ausdruck in seiner vor Jahresfrist erfolgten Wahl zum 2. Obmann-Stellvertreter gefunden. Was er dem Vereine in dieser Eigenschaft geleistet, mit welch' seltener Hingabe und Uneigennühigkeit er sich den Aufgaben des Vereines gewidmet hat, wissen Sie. Sie haben es während der ganzen Dauer seiner Tätigkeit genügend zu beobachten Gelegenheit gehabt. Wir haben daher allen Grund, den leider so frühzeitig erfolgten Heimgang dieses ausgezeichneten Mannes tief zu beklagen. Sein Andenken sei gesegnet. Die Versammlung, welche diese Trauerkundgebung stehend -mgehört hat, beschließt die Einverleibung derselben in das Protokoll der Sitzung und gleichzeitig die Veranstaltung eines Hesped für den Verewigten, welches Sonntag, den 23. ds., um Uhr nachm., im Vereinsbeihause, II., Malzgasse 1 a, unter freundlicher Mitwirkung der Herren Rabbiner M. L. Goldstein und Oberkantor Mayer Schorr abgehalten wird. Linz. (Geselligkeitsverein „Gleichhei t".) Sonntag den 9 d. M., veranstaltete dieser Verein im Gasthof „zur Austria" einen Künstlerabend, der dem noch jungen Vereine alle Ehre inachte und den für denselben gewählten Titel vollkommen rechtfertigte. Nach einem einleitenden Klaviervortrage erschien Herr Otto Reinhard Popper am Vorlosetisch, um seine Wiener Kaufmannskomödie „Das Warenhausfräulein", welche in Berlin viele Aufführungen erlebte und auch heuer am Stadltheater in Steyr einen schönen Erfolg erzielte, zu rezitieren. Der Autor las das »stück in zwei Abteilungen, und zwar 1., 2. und 3. Akt und zum Schlüsse den 4. und 5. Akt. Nach dem Gehörten ist das Stück gewiß eine fleißige, anerkennenswerte Arbeit, welche auf der Bühne die Wirkung nicht verfehlen dürfte, obwohl ihr natürlich noch große technische Mängel anhaften; doch eignet sich die Komödie nicht zur Rezitation im Rahmen eines Vereinsabends, lleberdies ist der Autor leider kein guter Interpret seines sonst gewiß volle Achtung verdienenden Merkes. Herr Popper fand trotzdeni bei den Anwesenden große Anerkennung, welche sich in starkem Beifall äußerte. Hierauf folgte ein Violinvortrag des Herrn Franz Friedl. Dieser ist ein Geiger von ganz vorzüglichen »Qualitäten und spielte die Ballade und Polonaise von Vieurtemps und die „Othello"-Phantasie von Ernst mit großem künstlerischen Erfolge. Die Klavierbegleitung besorgte in diskreter Weife Herr Kallik. Sodann betrat die Opernsängerin unserer Bühne, Fräulein Anny Bernhardt, mit Beifall begrüßt, das Podium und entzückte die. Zuhörer durch ihre vorzüglichen Eesangsvorträge. Sie sang die Kavatine des Pagen aus der Oper „Die Hugenotten" und den „Frühlingsstimmen"-Walzer von Johann Strauß und rechtfertigte auch im Konzertsaal ihre große Beliebtheit an unserer Bühne. Sie wurde mit stürmischem Beifall bedankt, so daß sie noch als Zugabe das Lied von Mayr-Hellmund „Du fragst mich täglich" singen mußte. Vom Vereine wurde ihr eine schöne Blumenspende überreicht. Den gleichen Beifall fand der Bassist unserer Opernbühne, Herr Hermann Schorr, welcher mit seiner prächtigen Stimme die Arie aus der Donizettischen Oper „Der Renegat" und die Essersche Ballade „Der tote Soldat" mit größtem Erfolge zu Gehör brachte. Er riß das Publikum zu frenetischem Beifall hin und sang noch als Zugabe die Schumannsche Ballade „Die bei-

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