Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 186 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 8 Die türkischen Juden m Frankreich!. Die französische Regierung geht jetzt bezüglich der Durchführung des Gesetzes von der Trennung zwischen Staat und Kirche sehr radikal vor. Sie anerkennt die rituelle Ehe und die rituelle Ehescheidung selbst dann nicht, wenn sie Mischen Ehegatten geschlossen, bezw. gelöst wurde in ihrem Heimatlande, wo es nach den dortigen Landesgesetzen überhaupt nur rituelle Eheschließungen und Ehetrennungen gibt. Zuerst erfloß eine solche Entscheidung bezüglich der russischen Juden und Nun folgte ihr eine Entscheidung Hinsichtlich der türkischen Juden, die um so weniger berechtigt ist, als in der Türkei das Großrabbinat der ottomanrfchen Juden bekanntlich eine Staatseinrichtung ist. Trotzdem die Vertreter der Türkei in Frankreich den Versuche machten, hinsichtlich der türkischen Juden eine Ausnahme durchzusetzen, ist dies nicht gelungen, und die französischen Gerichte entschieden in einem konkreten Falle auf strikte Anerkennung des Gesetzes von der Trennung zwischen Staat und Kirche auch seitens der in Frankreich wohnenden Ausländer, ohne Unterschied der Konfession. Stadtrat Gabriel Hirsche Halber st ad t. Am 6. d. M. ist hier Herr Stadtrat Gabriel Hirsch infolge eines Herzschlages plötzlich verschieden. Der Entschlafene war Mitinhaber der weltbekannten Firma Aron Hirsch und Sohn, der jetzt zum zweiten Male innerhalb kurzer Frist den Tod eines ihrer Senioren beklagt. Um den Heimgang dieses mit den herrlichsten Errungenschaften des Geistes und Herzens begnadet gewesenen Mannes trauern weite Kreise der Halberstädter Bevölkerung, insbesondere aber unsere Glaubensgenossen, zu deren vornehmsten Vertretern er zählte und gleich dem ihm im Tode vorangegangenen Kommerzienrat Benjamin Hirsch für das Gedeihen der Gemeinde segensreich wirkte und an allen Bestrebungen zur Hebung des Judentums den regsten Anteil nahm. We»On. Der Jüdische Frauenbund, der die organisierte jüdische Frauenbewegung Deutschlands repräsentiert, hielt am 26.-27. Januar in Be.lin seine Vorstandssitzung ab, die sich vornehmlich mit der Festsetzung des Programms für die vom 18.—20. März in Leipzig stattfindende Delegierten- und Mitgliederversammlung beschäftigte. Folgende Referate wurden in Aussicht genommen: Frl. Bertha Pappenheim-Frankfurt a. M.: „Aus unseirm Programm": Frau Anna Reumann- Leipzig: „Die jüdischen Wchlfahrtseinrichtungen Leipzigs" : Frl. Sidonie Werner-Hamburg: „Zur Schächtfrage": Frau Isabella Heim-Nürnberg: „Zur Bahnhofshilfe"; Frau Henny Levy-Frankfurt a. M.: „Zur Wohnungspflege": Berichte über das Heim des I. Fr. B. in Neu-Isenburg, über das herauszugebende Frauestbuch usw. An den. beiden Abenden findet am ersten ein großer öffentlicher Vortrag von Frau Paula Ollendorff-Breslau statt über „Jüdische soziale Hilfsarbeit" und am zweiten ein „Jugendabend", an dem Frl. Pappenheim, Frl. Werner, Frau Krämer und Frl. Reümüller sprechen werden. Die Herausgabe eines Flugblattes wurde beschlossen, um die ungerechtfertigten und unwissenschaftlichen Angriffe eines Münchener Frauenstimmrechtsvereins gegen das Schlachten zurückzuweisen, da auch von dort dtzis Erscheinen einer Broschüre angch kündigt wird, die das Schwächten als tierquälerisch schildern und allen jüdischen Frauen zugehen soll. Bei dieser Gelegenheit wurde konstatiert, daß der deutsche Verband für 'Frauenstimmrecht diesen Angriffen, die einzig und allein von München ausgehen, vollkommen fern steht. Bei den Berichten der verschiedenen Kommissionen wird von der Jugendkommission betont, daß auf den Anschluß der jüdischen Jugendvereine an den Bund deutscher 'Frauenvereine der größte Wert gelegt wird. Berlin. Vom Jüdischen Frauenbund wird mitgeteilt: Rach dem Erscheinen des Buches der ehemaligen Polizeiassistentin Schwester Henriette Arendt „Kleine weiße Sklaven,, sind wir von verschiedenster, auch von christlicher Seite aus die darin erwähnten 'Fälle jüdischer Kinder hingewiesen worden, für die angeblich! von keiner jüdischen Institution Hilfe zu erlangen gewesen wäre. Ebenfalls wurden wir darauf aufmerksam' gemacht, daß Henriette Arendt die Bilder der jüdischen Kinder als Postkarte hat vervielfältigen lassen, die sie zur Erlangung von Geldmitteln in jüdischen Kreisen verbreitete. Wir haben uns nun bemüht, authentisches Material über die jüdischen Fälle zu er,- halten, doch ist uns dies bisher nicht geglückt. Wir möchten nur bemerken, daß gerade die Angaben über die jüdischen Kinder mit größter Vorsicht auszunehmen sind, da Henriette Arendt selber getaufte Jüdin ist. Judenmorde in Tanger. Dem Pariser „Temps" wird aus Tanger telegraphiert: In letzter Zeit wiederholen sich die Ueberfälle auf reichere Juden in Tanger, die gewöhnlich mit der Beraubung und Ermordung der Familienhäupter enden. Großes Aufsehen erregte die vor einigen Tagen erfolgte Ermordung des marokkanischen Juden Lazar Garson, der zwischen Tetuan und Tanger einen ausgedehnten Post- und Fuhrdienst besaß. Er war gerade im Begriffe an der Spitze einer großen Karawane, die aus Juden und Muselmännern bestand, nach Tetuan zu reisen, als er in der Nähe von 'Foudak-Ain-Djedida mit samt seiner Karawane von einer Anzahl bewaffsneter Araber überfallen wurde. Garson wurde meuch- - lings niedergeschossen und ausgeraubt, während die übrigen von der Karawane in die Flucht getrieben wunden. Das israelitische Konsistorium von Tanger entsandte eine Expedition, welche unter dem Schutze, einer Abteilung von Soldaten des Maghzen, den Leichnam des ermordeten Garson nach Tanger zur Bestattung brachte. Präsident Taft über die Juden. „Die B'nai B'rith News", das Orgän des Unabhängigen Ordens „Bnei Vriß" in Amerika, bringen in ihrer letzten Nummer folgende Notiz : Das EXekutiv-Komitee des Ordens „Bnei Briß" hat im Frühjahr 1912 einstiminig beschlossen, die neu gestiftete, alljährlich zu verteilende Toleranz-Medaille, die demjenigen zufallen solle, der — ob Christ oder Jude — im abgelaufenen Jahre am werktätigsten für die Sache des Judentums eingetreten sei,, dem Präsf-, deuten Wjlliam H. Taft zu Überreichen. Die Ausführung dieses Beschlusses sollte erst nach, den amerikanischen Präsidentschaftswäh.kämpfen erfolgen, umdie genannte Auszeichnung nicht einer politischen Mißdeutung auszusetzen. Demgemäß fand die feierliche Ueberreichung der Medaille erst am 5. Januar 1913 in Washington statt. Auf die Ansprache des Ordenspräsidenten Kraus aus Chicago hielt Präsident Taft folgende Rede: Geehrter Herr Kraus! Meine Herren vom Erekutip-Komitee „Bnei Britz"! Ich fühle Mich außeyordentlich geehrt und bin tief gerührt über diesen schönen Beweis der Anerkennung, die Sie meinem Wirken ge-, zollt haben. Während meiner Amtszeit als Präsident habe ich dem amerikanischen Volke und der weiten Welt den Beweis liefern wollen, daß wenigstens in unserem Vaterlande jeder Mann, jede Frau und jedes Kind vor dem Gesetze gleich sind und Anspruch, darauf haben, jene Rechte zu genießen, die wir als unveräußerlich bezeichnen; daß in unserem Välerlande jene Rechte nicht