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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Vkochs Wochenschrift. Seite 135 Dir Auflage der jüdischen Blatter von Newyork. Die Mitarbeiter, Reporter und Redakteure der vier großen jüdischen Zeitungen von Newyork sind behufs Erreichung besserer Arbeits- und Honorarbedingungen bekanntlich in den Streik getreten. Aus diesem Anlasse wird bekannt, welch kolossale Auflagen diese jüdischen Tagesblätter haben. Die größte Auslage von 150.000 Exemplaren pro Nummer hat der ,,Vorwärts". An nächster Stelle steht die „Wahrheit" mit 100.000 Exemplaren, dann das „Jewish Morning Journal" mit 05.000 und die „Jewish Daily News" mit 70.000 Exemplaren. Vom Newyorker Thratermagnaten Markts Low. Die „Newyork Times" erzählt die folgende interessante Geschichte : Vor 40 Jahren stand an der Ecke der Avenue B. und der fünften Straße ein Haus, in welchem die höchste Miete 16 Dollar pro Monat betrug. Hier wurde einer der Newyorker Theatermagnaten von heute, Markus Löw, geboren, der vor dem Haufe als Junge von 15 Jahren einen Zeitungsstand hatte, aus dessen Erträgnissen er seine arme Familie unterstützte. Heute hat Markus Löw an derselben Stelle ein Millionen-Dollartheater errichtet, auf welchem er, wie er sagt, stolzer ist, als auf all die übrigen 17 Theater, die er in Groß-Newyork besitzt. Markus Löw entstammt einer eingewanderten jüdischen Familie. Korrespondenzen. Israelitischer Synagogen-Berein „Beth Israel". Sonntag den 16. Februar d. I. fand im Vereins- Sitzungssaale die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt. Der Obmannstellvertreter Herr Ignatz Zolles eröffnete dieselbe und begrüßte in einer längeren Ansprache die zahlreich erschienenen Bereinsmitglieder, sowie den Delegierten der israelitischen Kultusgemeinde Kultusvorsteher Herrn Adolf Schramek. Hierauf brachte der Vorsitzende den Rechenschaftsbericht zur Verlesung und hielt einen warmen Nachruf dem Andenken der verstorbenen Mitglieder Herren S. D e i ch e s, S. Heit und Dr. Salo R a p p a p o r t, den die Versammlung stehend anhörte. Nach Erstattung des Revifionsberichtes durch den Rechnungsrevisor Herrn Max K a r p wurde dem Vorstande das Absolutorium erteilt. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen erscheinen gewählt: als Vereinsvorsteher die Herren Hermann Bartseld, M. H e i b l u m, Emil Pomeranz, S. Schindel, Ferdinand Sperber; als Bethausvorsteher die Herren I. M. Bels, David K o l i e b; als Kassarevisoren die Herren Heinrich H i r s ch f e l d, Max K a r p. I. H. W a l t u ch und als Schiedsrichter die Herren Wilh. T h e g, Norbert Rappaport, M. Schneid. In Erledigung des Punktes 4 der Tagesordnung wurde der Obmaan Herr Max R o s e n f e l d in Würdigung seiner langjährigen ersprießlichen Tätigkeit und außerordentlichen Verdienste um den Verein von der Generalversammlung einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. Die Umwälzung in der Türkei und die Juden. Aus Konstantinopel wird uns geschrieben: Wird das jungtürtische Regime, das jetzt von der Macht Besitz ergriffen hat, sich auf die Dauer behaupten können, so werden die Juden der Türkei mit dem Umsturz und dem Verschwinden des Kabinetts Kiamil nicht unzufrieden zu sein brauchen. Es kann heute ruhig gesagt werden, daß das Kabinett Kiamil Pascha in der Türkei eine judenfeindliche Richtung inauguriert hat, die durch die der Regierung nahestehende Presse in der Bevölkerung systematisch propagiert wurde. Die im „Jkdam" und „Alemdar" vor einigen Monaten erschienenen antisemitischen Artikel wurden erwiesenermaßen von den Mitgliedern des Kabinetts inspiriert. Der „Alemdar", der sich besonders durch antisemitische Exzesse hervortat, gehört dem nunmehr abgesetzten.Minister des Innern, während der „Jkdam" das Sprachrohr des gewesenen Eroßwesirs Kiamil Pascha war. Als sicherstes Zeichen der jüdenfeindlichen Gesinnung des Kabinetts Kiamil mag wohl die Tatsache gelten, daß unter seinem Regime kein Jude auf einen irgendwie nennenswerten Posten ernannt wurde, hingegen hohe Beamte, die im Verdachte der Judenfreundlichkeit standen, wie z. B. der gewesene Gouverneur von Jerusalem, ihres Amtes enthoben und durch bekannte Antisemiten ersetzt wurden. Dir Ausdehnung der Jerusalemer Grldkrisis. Die Geldkrise, die in Jerusalem bekanntlich so schwere wirtschaftliche Folgen gezeitigt hat, hat sich nun, wie die in Jerusalem erscheinende „Hamoria" meldet, auch auf die Kolonien ausgedehnt. Auch hier hat die plötzliche Entwertung der Metalligues sich sehr unangenehm fühlbar gemacht. Eine Austvanderungsdewegung der Juden von Saloniki nach Spamrn. Die Lockrufe der spanischen Regierung scheinen doch nicht ganz vergebens gewesen zu sein. Unter den Juden in Saloniki macht sich eine ernste Bewegung bemerkbar, deren Zweck es ist, eine Auswanderung dortiger Juden nach Spanien in die Wege zu leiten. Interessant ist, daß diese Auswanderungsbewegung von Konstantmopel aus, wo man bisher für die Werbungen Spaniens kein sehr geneigtes Ohr hatte, gefördert wird. Bezeichnend ist, daß auch das Konstantinopler zionistische Organ „Aurore" den Salonikier Juden in einem Leitartikel gleichfalls empfiehlt, nach Spanien auszuwandern, und zwar so rasch als möglich, jedenfalls aber bevor Salo^ nikr endgiltig in den Besitz einer nicht ottomanchchen Macht gelangt. Eine Konferenz des Großrabbiners auf der Hohen Pforte. _ Der Großrabbiner der Türkei, Chaim Rahum, hatte, wie aus Konstantinopel berichtet wird, in den letzten Tagen wiederholt längere Unterredungen mit dem Minister des Innern und dem Minister für auswärtige Angelegenheiten der Hohen Pforte. In diesen Konferenzen handelt es sich zunächst um die schreckliche Lage der Juden in Deinen. die sich, trotz der Wiederholten Versicherungen der früheren Regierungen, hier Wandel zu schaffen, noch immer nicht gebessert hat. Unter anderem wurden in diesen Beratungen auch Fragen, welche die Juden in einzelnen von den Balkan-Verbündeten okkupierten Gebieten betreffen, eingehend besprochen. Dir jüdischen Schulkinder von Saloniki. Eine nette Geschichte erzählt der Konstantinopler „Tasviri Efkiar", welche ihm von seinem Salonikier Korrespondenten mitgeteilt worden sein soll. In einer der größten jüdischen Schulen von Saloniki erschien kürzlich ein aus Frankreich entsandter Schulinspekcor, der die Prüfung der Kinder vorzunehmen hatte. Am Schlüsse der Prüfung richtete der Inspektor in einer der obersten Klassen an die Schüler die folgenden Worte: Dieienigen, welche möchten, daß Saloniki griechisch oder bulgarisch werde, nachdem diese Stadt nun einmal dem einen der beiden Staaten zufallen wird, mögen die Hand erheben. Keiner der Schüler hob die Hand. Verlegen setzte nun der Inspektor fort: Und wer von Euch möchte, daß Saloniki eine selbständige Freistadt werde? Drei oder vier Schüler erhoben ihre Hände zum Zeichen der Zustimmung. Unwillkürlich frug der Inspektor zum Schlüsse: Wer von Euch möchte, daß Saloniki wieder ottomanisch werde? Kaum war die Frage ausgesprochen, als die ganze Klasse wie ein Mann sich erhob und die Schüler beide Hände ausstreckten und riefen: Wir alle! Der Schulinspektor, der von diesem dankbaren Patriotismus der Schüler gerührt war. erzählte sein Erlebnis selbst dem Redakteur des oberwähnten Blattes. als er zur Inspektion der dortigen jüdischen Schulen nach Konstantinopel gekommen war.

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