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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 130 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 8 dürfte die Ansprüche Rumäniens unterstützen. Dieser Staat hat niemanden zu befreien. Wenn er befreien will, dann soll er vorerst die Meitze Sklaverei in seinem Innern aufheben, die Iuden von ihrem unerträglichen Los in einem Kerker befreien. Dieser Staat hat keine europäische Mission Zu führen. Er hat die Mission gehabt, seine Juden zu emanzipieren und hat seine Auftraggeber, trotz feierlichen Versprechens, verhöhnt. Eine schöne Befreiung! Die Kutzowalachen werden das ungeheure Glück haben. Untertanen Rumäniens zu werden und lausende von Juden, welche bisher frei und gut unter bulgarischer Herrschaft gelebt haben, werden in eine rumänische Sklaverei kommen. Dafür setzt sich, der Dreibund ein und das befürwortet der Dreibund. Eine fragwürdige nationale Befreiung und eine sichere soziale Knechtung. Aber die öffentliche Meinung ist heute auch ein wichtiger und einflußreicher Faktor. Vielleicht finden sich doch noch gerechte und einsichtige Männer, welche für das gerechte Bulgarien gegen das urgrrechte Rumänien eintreten und diesem die Antwort aus die Judenfrage geben. Jedenfalls sollten alle unsere Organisationen und Körperschaften alles aufbieten, um das Gelwissen der Oeffentlichkeit wachzurütteln. Die rumänischen Sklavenhalter, die der Gnade Europas die Existenz ihres Staates verdanken und die Kultur Europas mit Füßen treten, spielen als „gerechte Befreier" eine verlogene Rolle in erlogener Maske. Berühmte Iudengemeindrri des osmanischer» Reiches. Von Rabbiner W. Reich in Baden bei Wien. (V. Fortsetzung.) II. Saloniki. Wie von einem düstern Witwenschleier verhüllt erscheint der Welt die bisher so glückliche Stadt Saloniki. Ihr langjähriger Herr und Beschützer ist ihr für immer entrissen. Denn unter der Botmäßigkeit der Regenten aus dem Hause Osman lebte sie ein glückliches Leben. Diese Epoche ist nun für sie dahin! Es beginnt wieder für sie die herbe Zeit der Prüfungen, wie zu der Zeit, ehr sie ,dem türkischen Reiche ange^- gliedert worden ist. Das Schicksal dieser Judengemeinde in Saloniki ist mit dem der Stadt selbst, wie in keiner anderen der Welt, so innig verbunden, denn sie ist die Judenstadt par excellence und nur ein schwacher Schimmer von Hoffnung leuchtet ihr, daß es ihr von nun an wenigstens nicht schlechter ergehen werde. Es droht dieser Stadt, daß sie der Zankapfel zweier rivalisierender Balkanstaaten der Zukunft werde. Der Traum, den die Bevölkerung im Stillen hatte, einst der Ausgangspunkt für die Handelswege des großen Habsburgerreiches rauft dem Orient und dem großen Mittelmeerbecken zu werden, genährt durch die allen Juden innewohnende Hinneigung zu diesem polyglotten Reiche, seitdem das milde und wohlwollende Szepter des allgeliebten und allverehrten Herrschers, des Kaisers Franz Joseph I., über diese Monarchie waltet, dieser schöne Traum ist auf unabsehbare Zeiten zunichte geworden. Wer wird nun der Herr von Saloniki? Dieses Problem wird erst gelöst werden können, wenn die Verlassenschaft des osmanischen Reiches am Balkan unter den einzelnen lachenden Erben zur endgültigen Liqui-- dation untereinander kommt, und dann erst dürfte es keine endgültige Lösung sein, sondern ein Hin- und Hergezerrtwerden zwischen den gewiß auf einander eifersüchtigen kleinen Königreichen der unglücklichen Halbinsel. Wie aus fantastischer weiter Ferne leuchtet jein schwacher Lichtstrahl der Hoffnung, es könnte durch das Machtwort des europäischen Konzertes der Großmächte, um künftigen Zwistlgketten einen festen Riegel vorzuschieben, die I nt ern at io nalisierung dieser ausgesprochen jüdischen Stadt und für dieselbe ein entsprechendes Hinterland geschaffen werden. Das wäre einmal ein Erempel des Gerech lig keitsgefuhles, das einer großen Judengemeinschaft zugute käme! — Sind wir Juden jedoch mit solchen geschichtlichen Fakten objektiver Beurteilung unserer jüdisch-nationalen Bedürfnisse je verwöhnt geworden!? — Aus diese Frage kann nur mit einem großen, vielsagenden Gedankenstriche geantwortet werden. Diese Stadt Saloniki, die nun berufen scheint, in Bälde den Mittelpunkt der 'Verhandlungen der geheimnisvollen diplomatischen Welt zu bilden, ist sowohl durch ihre geographische Lage, als durch ihre geschichtliche Vergangenheit von hervorragendster Bedeutung. Sie ist die Hauptstadt von Thessalien, welches im Altertum als das reichste und fruchtbarste Gebiet Griechenlands galt. Diese Landschaft hat, nach, ihrem Charakter als Durchgangsstation für die von Norden nach Süden gerichteten Völkerwanderungen, die Bevölkerung vielfach gewechselt. Am äußersten Ausläufer dieser Provinz, an dem paradiesisch schön gelegenen Meerbusen, machten sie Halt; so entstand als erste Kolonie in diesem Golfe, an dessen Küste sich auch, wärme Thermalquellen befinden, das alte Thermä. Im 4. Jahrhundert, unter der mazedonischen Herrschaft des Königs Kassander, wurde die Stadt von chm erweitert und verschönert und erhielt — zu Ehren seiner Gemahlin Thessalonike — den Namen Thessalonich. Nach mannigfachem Wechsel unter verschiedenen Eroberern im Jahre 1430 unter osmanische Herrschaft gekommen, wurde sie von den Türken Selanik genannt und erhielt die uns 'Europäern gangbare Bezeichnung Saloniki. Vom Meere aus gewährt die terrassenförmig aufgebaute Stadt einen malerischen Anblick) sie hat die Gestalt eines Dreieckes, dessen eine Seite der mit Quais geschmückte Strand bildet) an diesen fügt sch der Länge nach eine herrliche Villenstadt. Von Hier steigt sie den Berg hinan, auf dessen Gipfel sich die Akropolis befindet, die eigentlich eine aus der venetianischen Regierungszeit stammende Zitadelle ist. Saloniki, das gegenwärtig 120.000 Einwohner zählt, hat unter diesen 70.000 Juden, also mehr als die Hälfte) während die kleinere Hälfte ihrer Bewohner sich aus einem Sammelsurium' von Griechen, Türken, Bulgaren, Serben und Wallachen zusammensetzt) von diesen find wohl die erstern in der Mehrzahl, aber immerhin den Juden gegenüber in schwacher Minderzahl. Sie ist also unleugbar nach ihrer kompakten Masse, allen andern daselbst wohnenden Nationalitäten gegenüber eine Judenstadl. Dies zeigt sich auch, in der Anzahl ihrer Synagogen. Währenddem es nur 16 Kirchen gibt, befinden sich in Saloniki 40 Synagogen. Was erzählt uns nun die Geschichte von den ältesten jüdischen Einwohnern dieser Stadt? Vor allem, daß sie schon zur Zeit, da das Christentum entstanden ist, dort eine Gemeinde bildeten und daher zu den ältesten Einwohnern derselben gehören. Zwei Briefe des Apostels Paulus sind von Korinth aus an sie gerichtet. Sie hatten dort von uralten Zeiten her zwei Bethäuser unter dem Namen „Ez-hachajim" und „Ez-hadaath". Die Judengemeinde war es, die im Laufe der Zeiten aus allen Enden des Occidents vertriebene Juden bei

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