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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dr. Bloch’s m Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. Wien, 21. Februar 1913 i LrscveLnt jeden Frettsg. i Brief-Adresse: Wien» ll/l, Praterstraße 9 Tetegcamm-Adrefse: Groch'S Wochenschrift. Wien. O (j— - - —=00? Sfjuganreio für Dtßmeitfj: Q ^aldjallrig 8 Kronen: Einzelexemplare 5V Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig '20 Kronen. Anzeigen: Die mal gespal» O tene Pelilzeiie -ib Heller. O nO --O.) flr. 810.976. Redaktion und Administration. V t t n ll/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 5. ft. Pokksparftaflrnanil Inhalt: Leitartikel: Das gerechte Rumänien. — Berühmte Judengemeinden des osmanischen Reiches. — lieber den eben verstorbenen , Wiener Dichter Viktor Stern. — In eigener Sache. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Rumänien. Verschwinden einer großen Judenstiftung? Die Jrifnhten des Emigralionskongresses. Cnttrarina Wejgel. Das Waschen der Hände. Ter Jude auf dem Theater. Der neue QberrabbiN'r von London. Abschaffung des „roten Zettels" in Palästina. Die Auflage der jüdischen Blätter von Newyork. Vom Newyorker Theatermagnaten Markus Löw. — Korrespondenzen: Israelitischer Synagogen-Verein „Beth Israel". Die Umwälzung in der Türkei und die Juden. Die Ausdehnung der Jerusalemer Geldkrisis. Eine Auswanderungsbcwegung der Juden von Saloniki nach Spanien. Eine Konferenz des Gcoßrabbiners aus der Hohen Pforte. Die jüdischen Schulkinder von Saloniki. Die tüiklchen Juden in Frankreich. Berlin. Halberstadt. Judenmorde in Tanger. Präsident Taft über die Juden. — Ver-mticktes. - Feuilleton: Aus guter alter Zeit.— Literatur. Brieika'ten. — Notiz. — Inserate. Die Redaktion u. Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ befindet sich von nun an Wien, II|i5 Praterstrasse Nr. 9 Telephon 14.847. Das gerechte Rumänien. Wenn Bulgarien in den nächsten Tagen die Festung Silistria, die Stadt Baltschik und den dazugehörigen Gebietsteil nicht freiwillig herausgibt, wollten die Rumänen einrücken, „um ihre Stammesbrüder aus der Sklaverei zu befreien". So war es wenigstens aus den diplomatischen Orakeln und aus den Stimmen der rumänischen Presse herauszuhören, die ihre Begeisterung aus dem Dispositionsfonds schöpft. Die Mächte des Dreibundes haben sich denn auch bemüht, in der bulgarischen Hauptstadt Sofia im Sinne der rumänischen Ansprüche zu intervenieren. Was wohl die Gesandten an Argumenten anfuhren können? Sie werden sagen, daß der ganze gegenwärtige Balkankrieg wegen der nationalen Befreiung von der Fremdherrschaft geführt werde. Daß es daher nicht angehe, das Gebiet der rumänischenKutzo walachen um Silistria hierum weiter unter bulgarischer Herrschaft zu stellen. Die von Oesterreich unterstützte Forderung Rumäniens wird also, wie man sieht, wegen der mit Rocht beliebten „heiligen Güter" gestellt werden. Es ist zwar nicht ganz einzusehen, warum die Kutzowalachen befreit werden müssen und ob sie überhaupt befreit werden könnten, wenn nicht Bulgarien zufällig in einen Krieg im Süden verwickelt wäre. Die bulgarische Verwaltung ist ganz ordentlich, ist nur wegen der fortwährenden Rüstungen in Schulden geraten, und der unbestreitbare große Patriotismus aller Bulgaren zeigt, daß die Regierung ihre Schuldigkeit erfüllt. Vielleicht aber ist die rumänische Regierung noch idealer, noch gerechter, noch geeigneter, ein Ziel unlöschbarer Sehnsucht zu sein? An der rumänischen Armee kann man das am besten erkennen. In dieser Befreierarmee, welche unter dem Donner der Geschütze wallende Fahnen der nationalen Ehre in 'Feindesland tragen wird, befindet sich ein großer Prozentsatz jüdischer Soldaten. Diese Krieger sollen jetzt mit Todesverachtung gegen Festungen und Schützengräben vorgehen, gegen Granatenfeuec und Kartätschen anstürmen, um ihre schmachtenden kutzowalachischen Brüder ins rumänische Land .zu bringen. Aber diese Kämpfer um die heiligen Güter können in ihrer Armee nicht einmal die verdiente Beförderung erhalten, sie und ihre Familien sind die unschuldigen Sträflinge des Heeres und des ganzen sogenannten Vaterlandes. Sie haben nicht einmal die bürgerliche Ehre, sie dürfen keinen Besitz haben, kein Handwerk ausüben, sie sind die Opfer jeder Mißernte und jeder verschwenderischen und verbrecherischen Regierung. Sie, die Juden, sind von Rumänien und von ganz Europa verraten worden. Feierlich hat Rumänien vor dem Kongreß der Staaten ihre Gleichberechtigung vor dem Gesetz des Staates und vor den Gebräuchen des Erwerbs versprochen. Das gerade Gegenteil hat Rumänien getan. Hat die Juden zu Sklaven und Enterbten heruntergodrückt und reiht sie doch in seiner Armee ein, wo Ehre und Recht, Liebe zum Volke und Vaterlande alles sein sollen. Nun sollen diese jüdischen Soldaten ihr Leben opfern, damit auch die Juden in Silistria und Baltschik zu rechtlosen Heloten gemacht werden. Wahrlich, Europa gibt seinen Bürgern schreckliche Beispiele der Moral, die Diplomatie vernichtet geradezu das Rechtsbewußtsein. Man hat die Türkei in Sicherheit gewiegt, indem man die Balkanstaaten schwer bedrohte und ihnen die Früchte eventueller Siege Wegzunehmen versprach. Jetzt wieder, wenige Wochen später, wendet man sich energisch gegen die von Hunger und Geldmangel niedergeworfene Türkei und droht ihr mit dem Verluste Kleinasiens, wenn sie nicht vollends nachgibt. Diese billige Methode, dieser verruchte Gegensatz zu einer Methode der Billigkeit, wird jetzt auch gegen Bulgarien angewendet, das sich schwer rühren kann und für das momentan stärkere Rumänien. Kein Kulturstaat

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