Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022043--21887-3047004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 7 Dr. Vlochs Wochenschrift. Sette 125 Triebkraft, die in der Regel der Sporn aller Handlungen ist — der Liebe. In dem Alter, wo allgemein das Leben der Knaben und Mädchen auseinandergeht, sich absondert und seine eigenen Kreise rieht, schlossen sich Simele und Sara einander an. Sie war eine Waise und diente bei einer Familie in demselben Hause, wo Lazar Abeles wohnte. Sie hatte einen getauften Onkel und litt unsäglich unter diesem ..Schandfleck" der Familie. Die schicksalsverwandten Nachbarskinder fühlten sich gegenseitig angezogm. Er erzählte ihr von seinen Wünschen und Sara gestand ihm, daß auch sie die Taufe für das einzige Ziel ihres Lebens halte und daß sie nicht mehr weit von diesem Ziele stehe, da ihr getaufter Onkel die nötigen Schritte hiezu zeigen werde: wenn Simele mitgdhe, so wäre sie jeden Augenblick bereit. So redeten sich diese Kinder wochenlang in den Gedanken der Taufe hinein, besstärk'en sich gegenseitig in der Verachtung des Judentums und übten sich in Kreuz machen und im Vaterunserbetea, was Sara von einem christlichen Dienstmädchen schon erlernt hatte, mit dem sie öfter in der „Knechten", am Ufer hinter der Iudenstadt, zusammenkam. und äußerten sich gegenseitig ihren sehnlichsten Wunsch-, eine Kirche zu besuchen und dort einer Messe beizuwohnen. An einem Sonntage endlich erfüllten sie dieses Verlangen. Sie schlichen sich abgesondert auf Umwegen zur Teinkirche, verbargen sich daselbst in einem Winkel und berauschten Auge und Ohr an der Pracht dieser Räume und im Gesänge und der Musik, die von unsichtbarer Höhe herab ertönten und das Haus mit ihren Klangwellen erfüllten. Mit dem feisten Entschlüsse, es bald ernst mit der Taufe zu machen, verließen sie die Kirche und kehrten wieder getrennt von einander, durch verschiedene Straßen in das Ghetto zurück. Aber noch an demselben Nachmittage wurde es Lazar Abeles hinterbracht, daß Simele gesehen wurde, wie er in die Kirche ging. In Lazar. der die Vergangenheit schon ganz vergessen, und Simele als sein Kind betrachtete, regte sich, bei dieser Nachricht wieder die Pein des Herzens und der Seele, die früher jahrelang an ihm nagte. „Ihr Kind! Er trägt meinen Namen! Und Christ werden wollen! Nein, der Fluch der bösen Tat darf diese Folgen nicht haben. Er muß Jude bleiben!" Mit diesen Gedanken suchte er Simele auf, hielt dem Knaben anfangs in ruhiger Weise den Kirchenbesuch vor, erwartend, daß dieser es leugnen werde und er ihn dann mit einigen Ermahnungen seinem Gewissen überlassen könne: als Simele .jedoch trotzig seine Tat eingestand und kein Hehl aus seinem Wunsche. Christ zu werden, machte, geriet Lazar in Wut und er ging zur körperlichen Züchtigung des Knaben über, daß auf dessen Schreien und Weinen die Hausleute zusammenliefen, denen Lazar, sich die Haare raufend, in kurzen, abgerissenen Sätzen erzählte, was der Knabe getan und was er vorhabe. In der auf diese Züchitigung folgenden Nacht konnte Simele nicht schlafen. Der grimmigste Haß gegen seine bisherige Umgebung ballte sich in seinem Gemüte zusammen, und fürchterliche Rachepläne gegen das Judentum wogten durch sein Gehirn. Was die Juden litten, sollte nichts sein gegen das Leid, das er ihnen erst antun wolle. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Gedanken und Erinnerungen des Sultans Abdul Hamid werden im Februar-Heft von „Nord und Süd" (Herausgeber und Chefredakteur: Professor Dr. Ludwig Stein, Berlin U Liitzowufer 5 a, Verlag: Schlesische Buchdruckerei und Verlagsanstalt von 8. Schottlaender, Breslau — Preis pro Quartal 6 Mark) nach Aufzeichnungen von Persönlichkeiten, die dem Sultan einst nahestanden, durch Ali Vahbi Bey veröffentlicht. Der erste Teil der Memoiren betrifft die äußere Politik und ist besonders im gegenwärtigen Moment außerordentlich bedeutsam. Geradezu überraschend wirkt es, mit wi“ klarem, fast prophetischem Blick Abdul Hamid die politischen Verhältnisse und Bestrebungen d.*r europäischen Staaten durchschaut hat, wie treffend oft mit wenigen Worten er eie zu charakterisieren weiß, und auf der anderen Seite wieder, wie tief durchdrungen er doch von den orieutulisehmohammedanischen Anschauungen ist, aus deren Fesseln er sich trotz all seines aufgeklärten Verstandes nicht frei machen kann. Das ganze Verhängnis der Türkei erscheint hier wie mit einem Blitzlichtstrahl erhellt. Der Fortsetzung dieser Publikation darf man mit höchster Spannung entgegensehen. Als eine willkommene Ergänzung kann Max Roloffs Artikel: „Der Panislamismus" betrachtet werden. Roloff erläutert das Wesen und die Ziele des Panislamismus, namentlich die Stellung und Bedeutung des Oberhauptes der islamitischen Welt, des Ismän oder Kalifen. Beachtung verdienen auch Wilhelm Georgs „Erinnerungen an Kiderlen- Waechter", ferner ein Vortrag des ungarischen Professors Dr. J. v. Ferenczy: „Krieg dem Kriege" und ein Aufsatz von Dr. Franz Ledermann: „Der Krieg als Kultur- und Wirtschaftsereignis". Das Heft bringt wieder eine Dichtung des Königs Nikolaus von Montenegro, betitelt: „Sonnenuntergang in Montenegro", eine poetische Erinnerung an den iSÜO zu Cattaro ermordeten Fürsten Danilo, den Vorgänger fies Königs Nikolaus. Le Tradueteur, The Translator, II Traduttore. drei Halbmoua's-chriften zum Studium der französischen, englischen, italienischen und deutschen Sprache. Diese Lehrschriften, deren erstere soeben den 2t. Jahrgang antrirt, machen sich zur Aufgabe, das Studium der fremden Sprachen, wenn Vorkenntnisse schon vorhanden sind, auf interessante und unterhaltende Weise weiterzuiühren. Die dem l'rtext nebenangestellte genaue Lebersetzung führt dem Leser in beiden Sprachen den richtig gewählten Ausdruck vor, wodurch der Wortschatz vermehrt und die Genauigkeit in der Wiedergabe des Sinnes erlernt werden kann. Jede Nummer enthält neben einer durch laufenden größeren Erzählung mannigfaltigen Lese- und Leh'-stoff, Gespräche, kaufmännische Briefe, Lebersetzungsaufgaben, lehrreiche Besprechungen über französische Autorer und ihre Werke, sowie eine besondere Rubrik für Brief-, Postkarten- und Zeitungsaustausch. AVer sieh mit Sprachstudium befaßt, dem seien diese überall gut eiugeliihrten und bekannten Zeitschriften auf das Wärmste empfohlen. Probenummern für Französisch, Englisch oder Italienisch kostenlos durch den Verlag des Tradueteur in La Lhaux-de- Fonds (Schweiz). Monatsschrift i'iir Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Z. Frankel. Organ der •Gesellschaft, zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, ilerausgegeben von Dr. M. Braun. 5t>. Jahrgang. Heft 1112. Neue Folge, 20. Jahrgang. November-Dezember 1912. Inhaltsverzeichnis: Alphonse Levy: Jean Jaques Rousseau und das Judentum. — Louis Ginzberg: Eine unbekannte jüdische Sekte (Forts.). — R. Leszynsky: Isaak Haie vis Zitate (Schluß). — St ös sei: Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebetes und der Ersatzgebete (Schluß). — Eugen Mittwoch: Eine hebräische Grabinschrift aus dem Orient vom Jahre 1217. — David J e 1 I i n: Ein neues Fragment des Sefer „Ben Misehle“ Samuel ha- Nagids. — Ignaz Schipper: Beiträge zur Geschichte der partiellen Judentage in Polen um die Wende des XVIL und .WILL Jahrhunderts bis zur Auflösung des jüdischen Parlamentarismus (Schluß). — V. A p t o w i t z e r: Besprechungen. — M. Braun: Bibliographische Lebersicht über die im Jahre 1911 erschienenen Schriften. — Koebe rusche Verlagsbuchhandlung ( Barasch u. Riesenfeld), Breslau, Schmiede - brücke 17/18. Kriefkaste«. D. A. Der berühmte englische Felsmarschall Lord Roberts hat einen Schtoiegersohn mit dem Namen Lew in, der allerdings trotz dieses Namens ein Major in der englischen Armee ist. O. W. in M. Soziale Gegensätze und Kämpfe wie die zwischen Patriziern und Plebejern hat es im jüdischen Volke überhaupt niemals gegeben. Steuer. Eine Entscheidung ist gerichtlich noch nicht erflossen, allein die Angelegenheit scheint uns denn doch zu klar zugunsten des Renitenten. R R- L. in M. Das Buch „ft u 11 u r ft u b t e n“ besitz » wir nicht und vor Jänner 1893 wohl noch nicht im Buchhandel. Darum konnte es damals kaum verwendet wnden. Gegenwärtig steht es uns auch nicht zur Beifügung. Gruß.