Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022043--21878-3046995- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 7 Seite 116 Dr. Plochs Wochenschrift in innige Verbindung bringen; es ist die leuchtende Gestalt — Ioses Karo. Dieser War noch als Kind mit seinen Eltern aus Spanien vertrieben Worden und mit ihnen nach langer, gefahrvoller Wanderung Zuerst nach Nikopolis und später nach Adrianopel gekommen. Dort arbeitete er seinen großen Kommentar Zu den Arbaah-Turim aus. Welches Riesenwerk zu vollenden Zwanzig Jahre erstaunlichen Fleißes erforderte. Die Liebe zum heiligen Lande ließ ihn in seinen späteren Jahren nach Safet auswandern, wo er -den Religionskoder, bekannt unter dem Namen Schulchan-Aruch, verfaßte, welcher die Grundlage des ganzen rabbinischen Judentums bildet. In halachifchen Beziehungen sind seine Entscheidungen für die sephardischen Juden maßgebend, während für die aschkenasischen Juden sein Glossator R. Moses Jfferles, genannt „Rema", entscheidend ist. der aber doch auf sein Werk sich aufbaut. Josef Karo erreichte ein hohes Alter (geb. 1488, gest. 1575), so daß es ihm, gleich dem berühmten Redaktor des babyl. Talmud, Rab Aschi, möglichwar, diese gleich große Leistung zu einem ruhmreichen Ende zu bringen. Die Vorarbeiten zu seinem großen Werke sind auf seine Tätigkeit in Adrianopel zurückzuführen, so daß sein Name allein schon mit dieser Gemeinde verbunden, ihr einen Strahlenkranz des Ruhmes sichert und Adrianopel zu einer der berühmten Iudengemein^ den des osmanischen Reiches zählen läßt. (Fortsetzung folgt.) tsom Aabrmarkt des Lebens. Die Juden in Frankreich. In der Februarnummer der „Nineteenth Century" macht Eugene Tavernier einige interessante statistische Angaben über die Juden in Frankreich. Heber die Rolle der Juden in Frankreich geben folgende Daten Aufschluß: Armee: Während der letzten acht Jahre sind drei Juden zu Divisions- und fünf zu Brigadegeneralen er? nannt worden, 14 zu Obersten, 21 zu Oberstleutnants, 66 zu Majors, 107 zu Hauptleuten und Rittmeistern, 36 zu Militärärzten, 20 zu Jntendanturoffizieren. Flotte: Unter den eigentlichen Seeoffizieren sind die Juden zwar selten, allein es finden sich manche in. Werftstellungen und sonstigen Verwältungsämtern der Marine, insbesondere Ln den Pulverfabriken. Richter st and: Auf den verschiedenen Stufen werden hier 110 gezählt. Staats rat:. Auffällig ist bei dieser Körperschaft, dir die neben ihren Obliegenheiten als beratendes Organ der Zentralverwaltung die oberste Verwaltungsgerichtsbarkeit Wahrnimmt, daß bei einem' Bestand von 120 höheren Beamten nicht weniger als 20 Juden sind. Präfekturen: Es läßt sich über die Zahl der jüdischen Präfekten und Unterpräfekten nichts Genaues feststellen, dagegen find von den Oberbeamten nach den Angaben der jüdischen Blätter 25 ihres Glaubens. Ministerien: In den persönlichen Einfluß gewährenden Stellen in der näheren Umgebung der Minister, wie als Vorsteher der Privatkanzlei usw., werden 50 Juden erwähnt. Unterricht: Unter den Professoren der Universitäten und höheren Lehranstalten, deren Ernennung der Regierung zusteht, befinden sich 202 Juden. Zwei Juden bekleiden die hohe Stellung eines Generalinspektors des öffentlichen Unterrichts, vier sind Inspektoren, .für die. sämtlichen Elementarschulen je eines Departements. Berg Werks Verwaltung und Vermessung swefen: Unter den vom Staate ernannten Oberingenieuren befinden sich über 30 Juden. Auch in der Zentralverwaltung der Polizei bekleiden Juden wichtige Aemter. Außer zehn Gelehrten der Rasse, denen sich die Pforten des Instituts geöffnet haben, sitzen sechs Juden in der Kammer und vier im Senat. Während der letzten 60 Jahre sind 6 Juden Minister gewesen, nämlich CremieuX 1848 und 1870, Goudchaur 1848, unter dem zweiten Kaiserreich Achille Fould, die beiden Letztgenannten als Finanzminister, unter der dritten Republik Millaud (öffeitliche Arbeiten), Rayna (öffentliche Arbeiten, später Inneres) und Klotz, der als Finanzminister dem gegenwärtigen Kabinett angehört. Es wird auch nochauf die ganz bedeutende Zahl der Juden in der Presse hingewiesen. Hilfskomitee für die yemenitischen Juden. Berlin, 25. Januar 1913. In der Landschaft Yemen in Südarabien lebten noch vor kurzem etwa 50.000 Juden. Fortwährende Verfolgungen seitens der fanatischen Einwohner, die sich zudem in stetem Aufruhr gegen die türkische 'Regierung befinden, und die eiende wirtschaftliche Lage, die sich oft bis zu Hungersnöten steigert, haben diese jüdische Bevölkerung dezimiert. Gegenwärtig versucht es der Rest, sich durch die Auswanderung nach Palästina zu retten, dem nächsten Gebiet, wo Juden unter günstigeren Verhältnissen leben. Diese Einwanderung anspruchsloser, arbeitswilliger und intelligenter Leute bringt dem allgemeinen jüdischen Kolonisationswerk in Palästina, das zurzeit mehr als -10 landwirtschaftliche Ansiedlungen mit ca. 12.000 Einwohnern umfaßt. in den verschiedensten Hinsichten ganz außerordentlichen Nutzen, so daß die Rettung der yemenitischen Juden gleichzeitig auch dem großen Felde der jüdischen 'Palästina - bestrebuiigen in hohem Maße zugute kommt. Aus diesen Gründen hat der Verein „Esra“ für die Uebersiedelung der Verneinten und für ihren Unterhalt in der ersten Zeit sehr beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt. Für Arbeit und Brot ist meist in der Weise gesorgt, daß die Einwanderer als sehr geschätzte Hilfskräfte in den jüdischen Kolonien Beschäftigung finden. Was aber fehlt, sind Häuser nebst einem Stück Feld oder Gartenland. Mit einem Aufwand von 1001 Franken pro Familie hat der Jüdische Nationalfonds bereits mehr als hundert yemenitisclien Familien zu Land und Haus verhelfen, es gilt aber jetzt, die gleiche Unterstützung1 mehreren' täüsdnd yemenitischen Familien innerhalb der nächsten Jahre zuteil werden zu lassen, damit jener eigenartige jüdische Stamm vor der Ausrottung bewahrt und dem Judentum erhalten bleiben möge. Zu diesem Zwecke bittet das unterfertigte Komitee um freundliche Ueberweisung von Beiträgen, deren entsprechende Verwendung der Nationalfonds auf sich genommen hat. Spenden in Höhe von 1000 Franken (800 M) ermöglichen die Beschaffung einer Landparzelle mit einem Häuschen, das nach dem Wunsche des Stifters seinen eigenen oder einen anderen Namen zu dauernder Erinnerung tragen soll. Mit vorzüglicher Hochachtung Das Hilfskomitee für die yemenitischen Juden. Prof. Dr. W. Bacher (Budapest), Dozent Dr. E. Baneth. Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Barth, Regierungsbaunieister A. Baerwald, Frau Geheimrat Becker, Amtsgerichtsrat Blumenfeld (Insterburg), Jacob Blumenfeld (Leipzig), Sanitätsrat Dr. David Caspari, Direktor Moritz Dorn, Professor Dr. Dreyfuß (Straßburg), Justizrat Dzialoszynski, 8. Hepner, Gideon Heymann, Kirchenrat Dr. Kroner (Stuttgart), Kommerzienrat Louis Laskau (Grünberg i Sehl.),. Prof. Dr. Carl Lewin, Handelsrichter Willibald Löwenthal, Alois Marcus, Geh. Sanitätsrat Dr. Maretzky, Rabbiner Dr. Porges (Leipzig), Heinrich Rosenthal (Leipzig), Rechtsanwalt Dr. Arthur Ruppin (Jaffa), Prof. Dr. Silbergleit, Direktor d. Statist. Amts d. Stadt Berlin, Prof. Dr. Ludwig Stein, Prof. Dr. Otto Warburg, Rabb- Dr. 8. Weiße (Berlin), Rechtsanwalt Dr. Justus Wislocli. Nähere Auskünfte erteilt das „Hilfskomitee für die yemenitischen Juden“, Berlin-Wilmersdorf, Kaiserallee 158. Zahlstelle: Bankhaus Veit, Selberg u. Cie., Berlin W. 8, Französisches traße 49, Postscheck-Konto: Berlin 1396. NiMches SteAimg rum Judentume. In der „Morgenröte" schreibt Friedrich- Nietzsche über die Juden: „Man Hat sie verächtlich machen wollen dadurch, daß man sie zwei Jahrtausende lang verächtlich behandelte und ihnen den Zugang zu allen Ehren, zu allem Ehrbaren verwehrte, dafür sie um so tiefer in