Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022042--21861-3046977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 10 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 6 8tatistischcs. Im Jahre 1912 sind im Geburtsbuclie der israel. Kultusgemeinde Wien 2272 im Gemeindegebiete der Stadt Wien erfolgte Geburten israel. Kinder eingetragen. Es beträgt somit die Zahl jener Geburtsfälle, rücksichtlich welcher seitens des Verbandes Unterstützungen bewilligt worden sind (unter Annahme von 412 Wöchnerinnen), rund 19 Prozent sämtlicher Geburten im Jahre 1912. Bemerkung. Von den in der Gebär-Anstalt und im Wöelmerinneuheim ,,Luzina“ im Jahre 1912 entbundenen israelitischen Wöchnerinnen wurden 138 Wöchnerinnen mit dem Betrage von K 2695.— von der israelitischen Kultusgemeinde unterstützt. Der Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen ist eine Vereinigung der Wiener isr. Frauen- Wohltätigkeitsvereine zu gemeinsamer, planmäßig geregelter Pflege armer jüdischer Wöchnerinnen in einer den Anforderungen der Hygiene entsprechenden Weise. Hilfsbedürftige Wöchnerinnen erhalten Geldunterstützungen, Wäschei, Utensilien, Beistellung der Hebamme, erforderlichenfalls auch ärztliche Hilfe und Wartung durch eine Pflegeperson. Jüdische Frauen und Mütter! Gedenket Eurer armen Glaubensschwestern zur Zeit ihrer schweren Stunde! Helfet den Armen in dem Momente, da sie hilflos in bedrängter Lage fremden Beistandes bedürfen! Geldspenden und für die Wöchnerinnenpflege geeignete Naturalien — außer Verwendung gesetzte Bett-, Leib¬ und Kindwäsche in hygienisch unbedenklichem gebrauchsfähigen Zustande — werden erbeten an den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen, Wien, I., Seitenstettengasse Nr. 2. Diese Gaben wollen mit Namensnennung oder anonym gewidmet werden. Naturalien werden über Wunsch auch abgeholt. 10. orttttttL Generalversammlung des Tempelvereines des 13. Bezirkes der Stadt Wien. Am 30. Januar versammelten sich zahlreiche Mitglieder des Vereines und der gesamte Vereinsvorstand mit Ausnahme des durch den Tod seines Bruders schwer betroffenen Kultusrates Mar Zirner in einem Saale des Hotels „Zum Weihen Engel" in Hietzing behufs Abhaltung der jährlichen statutengemähen Generalversammlung. Der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. S. Krenb erg er. begrühte als Gäste den hochwürdigen Herrn Rabbiner Dr. Mar Grunwald, den Vertreter des Kultusvorstandes, Dr. Heinrich Schreiber, den Vertreter der Bezirkskommission vom 12. bis 15. Bezirk, Herrn Obmann Samuel Mohr, den Vertreter des Tempelvereines im 4. und 5. Bezirk, Herrn Franz Frankl, endlich Frau Franziska Birmann für den Hietzinger Frauenverein. Entschuldigt war der Herr Sekretär des Wiener Kultusoorftandes Dr. Emil Adler. Der Vorsitzende widmete zuerst Worte der Trauer dem Hinscheiden des Erzherzogs Rainer, eine Kundgebung treuer, dynastischer Gesinnung und Dankes. Dann gedachte er der Mitglieder, welche der Tod heuer dem Vereine entrissen, der Herren Baad, Barkan, Gentilli, Abeles und Weinstein. Das Andenken des gewesenen Vorstandsmitgliedes Barkan soll durch Eintragung in das Ehrenbuch des Vereines besonders geehrt werden. Der mündlich vorgetragene Rechenschaftsbericht besagt, dah der Verein 140 Mitglieder zähle, dah Heuer in der Person des Herrn Dr. Grunwald dauernd ein Prediger dem Vereine gewonnen wurde, dah aber die Hauptsorge der Tempelbau bildet, in dem aus der Konkurrenz Herr Architekt Hugo Gorge als erster Preisträger hervorging, und seit Februar 1912 das Baukomitee, dem auch die Architekten, Kultusrat Jakob G a r t n e s und der zu unserer Freude der Versammlung beiwohnende Friedrich Schön angehörten, die Arbeiten so weit führte, dah gerade jetzt die definitive Genehmigung des Baues durch die Behörden erfolgte und somit der Bauausführung kein Hindernis im Wege stünde, wenn das nötige Geld schon vorhanden wäre. Die kriegerischen Ereignisse der Gegenwart und die grohe Geschäftskrise des heurigen Winters erschweren die Geldbeschaffung, doch wird der Vorstand mit Hilfe des Kultusvorstandes alles ausbieten, um noch heuer und bald den Bau in Angriff zu nehmen. Den Kassenbericht erstattete im Namen der Revisoren Herr Hof- und Gerichtsädvokat Dr. Isidor S p i e l m a n n jun. und beantragt, Dank und Anerkennung dem Kassenverwalter Herrn S. Hoffmann auszusprechen. Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Ludwig Pisk würdigte die Verdienste des Gesamtvorstandes und beantragte Dank und Anerkennung für diesen. Mehrere Herren lobten vor allem die Tätigkeit des Obmannes, des Direktors Dr. Krenberger, dem vor allen die Zusammenfassung der Hietzinger Judenschaft und das Erreichen des Baues zu verdanken seien. Herr Rabbiner Dr. Grunwald hob in seiner Begrühung diese rege jüdische Arbeit des Bezirkes hervor, wünschte aber noch regen Besuch des Gottesdienstes. Die folgende, sehr lebhaft, aber auch höchst anregend geführte Debatte wurde von den Herren Dr. Schrei b> e r, Dr. Pisk, Frankl, Bernfeld, Mohr, Komet, Klein, Schön und dem Vorsitzenden geführt und knüpfte an die Frage an, ob und wie der Kultusvorstand den Bau der Hietzinger Synagoge unterstützen werde. Hiebei wurde vor allem der Klage Ausdruck gegeben, dah jetzt bei dieser Körperschaft die Wohltätigkeit die Pflege des Kultus über-, treffe, und es wurde betont, dah jene vor allem Aufgabe der Vereine fei, dieser aber den Vereinen abzunehmen und von der Gemeinde zu pflegen wäre. Es entspreche dies auch allen Erwägungen der Wissenschaft und Praris. Im übrigen müsse der steuerkräftige Bezirk auf ausgiebige materielle Unterstützung des Baues dringen. Mihfallen erregte es, dah im Vorjahre ohne eigentliche, bewuhte Befragung des Vereines die Oster« ausspeisung der Pfleglinge am „Steinhos" einem dem Vereine nicht genehmen Unternehmer übergeben wurde. Nur die Rücksicht auf den Frieden in der Gemeinde hielt den Vorstand ab, durch seine Verbindungen den ganzen Plan und die Ausspeisung zu ändern. Dagegen wurde voller Energie verlangt, dah der Bezirk mit 3300 jüdischen Seelen endliche eine koschere Fleischbank erhalte. Zur Statutenänderung, durch welche eine Vermehrung des Vorstandes möglich wäre, wird in 4 Wochen eine außerordentliche Generalversammlung einberufen werden. In der Neuwahl wurden alle früheren Funktionäre wieder- und Fabrikant Adolf Engel neugewählt. Mit Dankesworten an die Erschienenen schloß der Obmann die Versammlung. Das Krakauer Handelskammerpräsidium. Vorige Woche fand in Krakau die Konstituierung der Handelskammer statt. Zum Präsidenten wurde an Stelle des verstorbenen Moritz Dattner der bisherige Vizepräsident Fedorowitsch und zum Vizepräsidenten Herr Thadeus Epstein gewählt. Diese Wahl hat im allgemeinen einen sehr schlechten Eindruck gemacht, da die Juden in der Krakauer Handelskammer eine 80prozentige Majorität besitzen und daher wohl ein Recht haben, dah der Präsident aus ihren Reihen gewählt werde. Dies ist umso wichtiger, als in Polen und auch in Galizien ein wirtschaftlicher Boykott gegen die Juden platzgreift, und es daher nicht ohne Bedeutung ist, wer der Präsident der Handelskammern von Lemberg oder Krakau ist. Wie es kam, dah der Präsident der Krakauer Handelskammer diesmal nicht ein Jude geworden ist, bleibt unverständlich. Drahtlose Geldanweisung an die Adrianopler Juden. Aus Konstantinopel kommt uns die interessante Meldung zu, dah der Grohrabbiner der Türkei aus Adrianopel ein drahtloses Telegramm erhielt, welches der dortige Festungskommandant auf Veranlassung des