Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 97 schützte. Doch man könne nicht ein ganzes Volk für die Worte eines einzelnen Mannes verantwortlich machen. Professor Dr. Populfejeff, der Rechtsberater der bulgarischen Friedensdelegation, setzte Dr. Melamed die rechtlich sichere Position der Juden in den annek-t tierten Provinzen auseinander. Darauf sprach General Paprikow über die hervorragenden Leistungen der Juden im Kriege. Dr. Melamed suchte nun die griechischen Delegierten auf. Venizeilos, der Chef des Kabinetts, empfing ihn sehr liebenswürdig. Der König der Hellenen sei ein großer Freund der Juden und oft Gast des jüdischen Notabeln Cohen in Athen. Den Juden ginge es unter Griechenland gut, und das griechische Volk sei durchaus nicht antisemitisch usw. usw. Auch in Saloniki habe Griechenland sofort die jüdischen Interessen gewahrt. Professor Dr. von Streit- Wien und Herr S k a - ludies, ehemaliger Minister des Aeußern, unterstützten Venizelos Worte. — — Wir finden die Aeußerungen der bulgarischen und griechischen Herren unter den gegebenen Umständen sehr verdienstlich und es sollte uns sehr freuen, wenn sie in Zukunft durch die Tatsachen bestätigt werden, — bisher war es nicht immer der Fall. Da ne ff machte im Hause Melamed einen Gegenbesuch. Dir Juden in der Aviatik. Aus Paris wird berichtet: Der pensionierte Generalinspektor für Minenwesen Worms de Romilly wurde für das Jahr 1913 jutn Präsidenten der permanenten Staatskommission für Luftschiffahrt ernannt. Ueberdies wurden in die Kommission unter anderem auch die Juden Vizedirektor im Ministerium des Innern Grumbach und der bekannte Aviatiker Henri Deutsch de la Meurthe et See, der schon so viele Opfer für die Aviatik gebracht hat, ernannt. Eine Auszeichnung Ernesto Nathan's. Der Bürgermeister von Rom Ernesto Nathan wurde anläßlich seiner Wiederwahl von der französischen Regierung zum Grand affiner der Ehrenlegion ernannt. Zur Eröffnung des Panamakanals. Anläßlich der Eröffnung des Panamakanals, die im Jahre 1913 stattfinden soll, wird in amerikanischen Blättern darauf hingewiesen, daß der Panamakanal seine Entstehung hauptsächlich dem überzeugenden, gründlichen und fachmännischen Gutachten des jüdischen Gelehrten und Forschungsreisenden Dr. Angelo Heilprin zu danken habe. Die Stimmung im Senat war seinerzeit eher für eine Führung des Kanals via Nicaragua, aber das Gutachten Dr. Heilprin's, der schon damals im hohen Ansehen stand, veranlaßte den Senat, sich schließlich doch für die Panaima-Route zu entschließen. Dr. Angelo Heilprin ist ein jüngerer Sohn des Michael Heilprin, der in der Geschichte Amerikas gleichfalls eine hervorragende Rolle spielt. Zur Geographie des Auszugs aus Egypten. Man schreibt uns: Nachdem Naville im Jahre 1883 eine Ruinengruppe, die den Namen Teil el-Masthuta führt, erforscht hatte und es zutage trat, daß hier, in dem Wadi et-Tumibat zwischen Nil und Rotem Meer, eine egyptische Stadt mit dem Namen Pe-Mum (Pithom) lag und daß der umgebende Distrikt Thuku oder Thukut hieß, was wohl etymologisch mit dem hebräischen Sukkoth des Alten Testaments übereinstimmt, war es klar geworden, daß die Route Ramses, Sukkyth-Pithom Ha-hiroth, Migdol, Baaj-zephon den Schreibern der Jtinerarien von Erodus und Numeri wohl bekannt war. Zur direkten archäologischen und geographischen Evidenz ist nun auch für die Gewißheit, daß die Erzähler des Auszuges der Israeliten aus Egypten einen durchaus möglichen Weg geschildert haben, eine literarische Sicherung gekommen. Ein von dem Straßburger Egyptologen Spiegelberg zuerst veröffentlichter und von Daressy mehrfach kommentierter Papyrus in demotischer Schrift (No. 31169 im Museum zu Kairo) enthält eine geographische Liste von Delta-Ortschaften, in der mit Sicherheit ,/Ha-hiroth", „Migdol" und „Baal-zephon" in derselben Reihenfolge zu lesen sind, wie wir sie im Pentateuch finden. Damit ist natürlich in keiner Weise bewiesen, daß die Kinder Israels überhaupt aus Egypten ausgezogen sind und diesen Weg gemacht haben. Jedenfalls ist es ganz unwissenschaftlich und irreführend, einen Auszug aus gelehrten Mitteilungen über diesen Papyrus, die Joseph Ossort in dem Oktoberheft des »Palestine Exploration Fund« veröffentlicht, als „Eine Urkunde über den Durchzug durchs Rote Meer" zu verbreiten, wie es eine amerikanische populäre Monatsschrift tat. Es geht, wie gesagt, aus dem erst im dritten Jahrhundert v. Ehr. niedergeschriebenen Papyrus nichts weiter für die Kritik des Alten Testaments hervor, als daß die Geschichtsschreiber der Jtinerarien wohl unterrichtet in der Geographie Unteregyptens waren. — Interessant ist noch, daß der Name des einen Platzes „Pihahiroth", der gewöhnlich mit „Mündung der Höhlen" übersetzt worden ist, noch in einer modernen egyptischen Bezeichnung wiederkehrt. Pihahiroth — Pi-ha-kiroth, das die semitisierte Form eines egyptischen Namens ist, wird von Daresty gelesen als der „See von Kharta", und die Gebirge im Norden des Timsah-Sees heißen heute noch auf der Karte der egyptischen Kommission „Gebel-el-Kheir", worin eine Deformation des alten „Khert" oder „Khirut" zu sehen ist. Die Ueberschreitung des Roten Meeres durch die Israeliten müßte in der Nähe der Sanddünen am Timsah-See stattgefunden haben. Eine Photographie in dem im Vorjahre von Flinders Petrie (Egvpt and Israel») veröffentlichten Buch zeigt den heutigen Zustand dieser Strecke am Timsah-See, der vor 3000 Jahren sicherlich mit dem Roten Meer, beziehungsweise dem Golf von Suez, zusammenhing und sein nördlichstes Ende bildete, ferner die Photographien der Wasser von Elim im Wady Gharandel, aus der Erodus-Route, wo heute noch ausgezeichnetes Wasser fließt und Palmbäume stehen. M. Der einzige Jude im Orte Bürgermeister. Aus Budapest wird uns geschrieben: In der rumänischen Gemeinde Almafa fand vor einigen Tagen die Wahl der Ortsvorstehung statt, bei welcher der Jude Eeza Fischl wieder und zwar zum drittenmale zum Ortsvorsteher gewählt wurde. Diese Wahl ist deshalb von besonderem Interesse, weil Fischl in dieser 2500 Einwohner zählenden, ausschließlich rumänischen Gemeinde der einzige Jude ist. Almafa liegt in der ehemaligen Militärgrenze, wo es in den achtziger Jahren nur acht jüdischen Familien gestattet war, sich ansässig zu machen. Ein Zwischenfall in einem Jerusalemer Postamte. Das Jerusalemer Tageblatt „Hamoria" bringt die folgende beachtenswerte Mitteilung: Im italienischen Postamte ist ein jüdischer Oberbeamter beschäftigt, der, ohne hiezu genötigt zu sein, auch am Sabbat Dienst macht. Dieser Umstand veranlaßte nun das französische Postamt, das mehrere Juden beschäftigt, an diese die Forderung zu stellen, gleichfalls auch am Sabbat und den jüdischen Feiertagen den Dienst zu versehen. Die Postleitung berief sich hierbei auf das Verhalten des jüdischen Postbeamten in der italienischen Post, aus welchem hervorgehe, daß diese Art Arbeit am Sabbat gestattet sei. Da die jüdischen Beamten des französischen Postamtes sich weigerten, den Sabbat zu entweihen, entstand ein Konflikt, der wahrscheinlich mit der Entlassung der jüdischen Angestellten geendet haben würde, wenn das Rabbinat nicht interveniert und ein amtliches Gutachten darüber abgegeben hätte, daß der Postdienst Juden am Sabbat nicht gestattet fei. Ein jüdischer Herzog oon Raros. Eines der Streitobjekte, die den Friedensschluß zwischen der Türkei und den verbündeten Balkanstaaten verhinderten, bilden die Aegäischen Inseln, nach denen die Griechen ihre Hände ausstrecken. Im Hinblick darauf, daß gerade die jüdischen Einwohner der von den griechischen Truppen besetzten Ortschaften (so Saloniki) viel zu leiden haben, wird der Hinweis interessieren, daß diese Inseln einmal von einem jüdischen Herzog beherrscht wurden. Im Jahre 1552 waren Josö Mignez, Donna Eracia Mendesi und