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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-02-07 · 6 (7.2.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 96 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 6 den, entriß den Bulgaren Philippopel, Sagora, Küstendjil, Sofia, wo überall bereits alte jüdische Gemeinden sich befanden. Zu dieser Zeit herrschte in Bulgarien der bereits erwähnte Zar Joannes Schischman. Dieser wurde gleichzeitig von den Ungarn im Norden und von den Türken im Süden bekriegt. Von beiden Seiten eingeengt, schloß dieser Bulgarenfürst Frieden mit dem Sultan Murad, verpflichtete sich ihm zu einem jährlichen Tribut und gab ihm seine Schwester Tamar zur Frau. Sie war die Tochter des Joannes Alexander und der Zarin Theodora, die eine Jüdin war. Hiedurch hatten sich die Juden Bulgariens zu ihrer Regierungszeit, wie in der nachfolgenden des Joannes Schischman, großer Vorrechte und einer besonders günstigen Stellung im Lande zu erfreuen. -! Theodora fühlte sich noch als Jüdin auch auf dem Throne. Sie zeigte es auch bei der Geburt ihrer Tochter, der--sie den hebräischen Namen Tamar beilegte, zur Erinnerung an ihre eigene Mutter, die gleichfalls Tamar hieß. Die Bulgaren nannten sie jedoch mit dem christlichen Namen Maia. Unter diesem Namen lebte sie noch lange fort in den Vollsliedern der Bulgaren, denn sie war sowohl durch ihre blondere Schönheit ausgezeichnet, als auch durch ihre Herzensgute allen Menschen gegenüber. Noch ein anderes Denkmal verewigt diese vom jüdischen Volle abstammende Herrscherin. Es ist ihr Bild, das den zur Zeit I. Alexanders übersetzten Evangelien mit der Jahreszahl 1356, vorangestellt ist. Es wurde bei den Mönchen zu St. Paul auf dem heiligen Berge Athos aufbewahrt und befindet sich gegenwärtig in der Bibliothek des Lord Zouche in London. Trotzdem Joannes Schischman dem ^ultan seine Schwester zur Frau gegeben hatte, zog es ihn doch, immer wieder zu den anderen christlichen Herrschern. Er verband sich mit den nahen Wallachen und Serben gegen die Türken. Aber das Bündnis nützte ihür nichts: er wurde wieder Sachlagen, als Murad gegen das Balkangrbirge zog. Durch die verwandtschaftlichen Bande, die ihn mit Murad vereinigten, gelang es ihm, sich auszusöhnen und von ihm Verzeihung zu erlangen, so daß er alle verlorenen Städte wieder zurückerhielt. Nicht lange nachher zeigte sich abermals seine Falschheit in einem neuerlichen Abfalle, den er nach der berühmten Schlacht auf dem Amselfelde versuchte. Ein Serbe hatte aus Rache auf Murad I. ein gelungenes Attentat ausgeführt: Murad fiel durch diese Mörderhand und sein Sohn Bajazet I. folgte jihm jaus den Thron (1389). Unter diesem neuen Sultan empörte sich I. Schischman, es sollte jedoch das letztemal sein. Er wurde besiegt und soll auf der Flucht ums Leben gekommen sein. Nach anderen Angaben wäre er in Philippopel bis an sein Lebensende gefangen gehalten worden. Sein Sohn Alexander, der den Islam angenommen hatte, wurde von Bajazet in Gnaden aufgenommen, jedoch nach der Stadt Samson in Anatolien versetzt. Auf dem Weiteren fast unbehinderten Eroberungszuge Bajazet I. durch die Ballanländer kamen viele jüdische Gemeinden unter sein über die Juden gütig waltendes Szepter. DiHe günstige Lage war den um diese Zeit aus Ungarn vertriebenen jüdischen Emigranten zugute gekommen. Im Jahre 1376 hatte nämlich König Ludwig I. alle Juden aus seinem Lande vertrieben, die dann den Ufern der Donau entlang sich in die Ballanländer flüchteten. Sie kamen auch nach Bulgarien, durch den guten Ruf der Zarin Theodora angezogen, und erfreuten sich daselbst einer guten Aufnahme. Die ungarischen Gemeinden waren unter dem Namen „Kahal Budun" bekannt: nach der Hauptstadt Ungarns namens Buda. Josef Karo erwähnt dieselbe öfters in seinen Werken bezüglich ihrer besonderen religiösen Bräuche. Ungarische jüdische Gemeinden fanden sich in Adrianopel, aber auch in Nikopolos, Sofia, Plewna und Belgrad. Mit der Zeit assimilierten sich auch diese mit den von früherer Zeit her in diesen Städten vorhandenen rumaniotischen Gemeinden, bis sich ihre Spuren unter den anderen fast gänzlich verloren. In Adrianopel findet sich jedoch noch gegenwärtig ein Kahal „Budun"/ein historischer Ueberrest aus der ungarischen Emigrantenzeit. (Fortsetzung folgt.) Vom Aabrmarkt des Lebens. Die Minister der Ballanstaaten über die Juden der BaltanländLr. Die „Jewifh Ehronicle" hatte durch Dr. Melamed ein Interview mit den Balkandelegierten Dr. Dan eff und Venizelos. Dr. Daneff, der Führer der bulgarischen Friedensdelegierten, sagte folgendes: „Sie sehen doch sicher die Tatsache ein, daß die 40.000 bulgarischen Juden die Rechte und die Freiheiten des Durchschnitts-Bulg aren genießen. Ich muß 'hinzufügen, daß die bulgarischen Juden treue Bürger ihres Landes sind und die Freiheiten und die Rechte, die sie genießen, voll verdienen. Sie nehmen an der Politik ihres Landes mit demselben Eifer und Ernst wie die besten des bulgarischen Volkes teil. Wir brauchen die Juden, weil sie unser nationales Geschäft betreiben. Sie sind keine Schwindler, sondern Kaufleute im besten Sinne des Wortes. Wir brauchen sie nicht nur, wir können sie vielmehr gar nicht entbehren. Ganz besonders jetzt brauchen wir sie, wo sie den wirtschaftlichen Wert unserer neuen Territorien zu vergrößern berufen sind. Wir sind das einzige Balkanvolk, das den Juden gegenüber Gerechtigkeit beobachtet hat, und man darf uns daher glauben, wenn wir sagen, daß wir in der Zukunft keinen Wechsel in unserer Politik hinsichtlich, der Juden eintreten lassen werden. Was die Juden anbetrifft, so ist unser Gewissen rein, und wir hoffen, daß es auch in der Zukunft nie besudelt werden wird. Bezüglich der Juden in den neuen bulgarischen Provinzen versichere ich Sie feierlichst, daß sie mit derselben Gerechtigkeit, wie ihre Brüder im bisherigen Bulgarien behandelt werden. Alle Macht in der Welt kann uns nicht veranlassen, anders zu handeln: auch nicht Rußland, dem wir vieles schulden. Wenn Sie wissen wollen, ob unsere jüdischen Mitbürger mit ihrem Schicksal zufrieden sind, so fragen Sie meinen persönlichen Freund Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis in Sofia. Es gibt in Bulgarien jüdische Richter, aktive jüdische Offiziere, jüdische Beamte und jüdische Parlamentsmitglieder, welch' letztere verschiedenen Parteien angehören. Tr. Daneff wandte sich nunmehr gegen unter jüdischem Einfluß (?) stehende Zeitungen ä la ..Neue Freie Presse", die.gegen die Ballanstaaten Stellung nehmen. Diese Stellung sei um so erstaunlicher, da dochdie von Rumänien beanspruchten Territorien von vielen jüdischen Gutsbesitzern bewohnt sind, die vollständige bürgerliche Gleichberechtigung als Bulgaren genießen, aber unter rumänischer Herrschaft verlieren würden. Auch gegen Mar No rd au wandte sich Daneff, der Bulgarien zu sehr unterschätzte und einen anderen Staat, der gegen die Juden nicht so freundlich gesinnt ist, über-

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