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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-02-07 · 6 (7.2.1913) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 95 „Geheiligt werde Dein Name“ — Jithkaddasch sch’meh rabba (im Kaddisch-Gebet). „Zu uns komme Dein Reich“ Wejamlich malchuteh (das.) oder im Mussaph-Gebet der hohen Feiertage: Galleh k’bod malchutecha alenu. „Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden“ — laasoth rezon’cha blebab schalem (im Festgebet um Einigung der Menschheit; vergl. Talmud, Traktat Berachotli 29 b, wo berichtet wird, daß Rabbi Elieser zu beten pflegte: Dein Wille geschehe im Himmel, und Herzensfrieden werde denen, die Dich auf Erden ehrfürchten. — (Vgl. auch Ps. 135, 6.)' „Unser täglich Brot gib uns heut“ vergl. Hatripheni lechem chucki (Prov. 30, 8). „Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigem“ S’lach lonu abinu pp. (im Achtzehn- Gebet; unmittelbar auf dieses folgt: Mein Gott, bewahre meine Zunge vor Bösem, meine Lippen vor trügerischen Reden, und denen, die mich schmähen*, laß meine Seele schweigen. (Vgl. Berachoth 17 a.) „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Uebel“ i) Weal t’bienu . . . iide nissajon pp. (aus dem Morgengebet, vergl. Berachoth 60 h, bezw. 16 b vgl. auch Ps. 121, 7 „Der Herr bewahre Dich vor jedem Uebel“). „Denn Dein ist das Reich pp.“ — Ki ha-malchut schel’cha hi pp. (aus dem täglichen Schlußgebet Alenu, Nach dem Jerusalem. Talmud bildeten den Schluß aller öffentlichen Gebete die Worte: Baruch schem k’bod malcliuto leolam waed — Gepriesen sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches für und für). Kronawetter übernahm die Bücher, zeigte sie dem Abgeordneten Abt Treuinsels und dem Vizepräsidenten Dr. Kathröin, welche nicht wenig über die Darstellung .erstaunt waren. Namentlich der gründliche Ercurs Taylor's machte einen frappierenden Eindruck. Ihre Absicht, auf die Aeußerungen Krona wett er's nochmals zurückzukommen, liehen selbst die klerikalen Heißsporne fallen, sie redeten nicht mehr darüber, und Hosrat Beer, welcher als Berichterstatter ihnen antworten sollte und die erwähnten Schriften deswegen an sich genommen, hatte keinen weiteren Anlah, die „Vaterunser-Frage" zu besprechen. Ferdinand Kronawetter war einer jener Männer, welche ein Leben voller Arbeit und Energie der Volksaufklärung gewidmet haben, deren sich die Nachgeborenen mit Verehrung und Dankbarkeit stets erinnern sollen. Berühmte Iudrngemeinden de« osmanischen Ruches. Von Rabbiner W. Reich in Baden bei Wien. (III. Fortsetzung.) Es ist bekannt, diaß Adrianopel seinen Namen dem römischen Kaiser Hadrian verdankt, der diese Stadt neu begründete. Es ist derselbe römische Herrscher, unter dessen Regierung der große Aufstand der Juden unier Bar-Kochba — das letzte Aufflackern des jüdischen Nationalgefühles — ausgebrochen und niedergeschlagen worden war und nach dessen Namen die äußerst strengen Edikte in der jüdischen Geschichte bekannt sind, die dazu bestimmt waren, alles jüdische Selbstgefühl und jede religiöse Regung mit der Wurzel auszureißen. In der von ihm «eu gegründeten Stadt sollte — eine Ironie der Geschichte — das Judentum 1200 Jahre nachher neu aufleben und sich unbehindert ausbreiten. Adrianopel wurde von Hadrian an Stelle des alten Uskadama aufgebaut.und wurde von den späteren byzantinischen Schriftstellern — um ihr den Schein alt- 0 Nach Oharies Taylor hat der zweite dieses Latzes offenbar ursprünglich nicht gelautet: jnn JO oder jn ^2ö sondern jnn TSt'Ö ’üb'atfYl entsprechend Berachoth 16 b. Nur so ist eine sinngemäße Uebereinstimmung und ein Parallelismus zwischen beiden Teilen des Satzes hergestellt. griechischen Ursprunges zu wahren — Orestias genannt. Bis zu der Zeit ihrer Einnahme durch Murad I. hatte sie so manche politische Wandlung erlebt. Im 4. Jahrhundert waren die Goten unter Kaiser Valens in dieselbe eingezogen. Im Jahre 1189 zogen die deutschen Kreuzfahrer ein. In den Zwischenzeiten wechselte die Herrschaft in derselben: zuerst waren es die Römer, die sie neu erbaut hatten; dann die Griechen, eigentlich Byzantiner; dann erscheinen die Bulgaren auf dem Plan, die sie ihnen entrissen; dann wieder die Byzantiner. die sie zurückerobert hatten. Unter diesen verschiedenen Besitzern machten die feit den römischen Zeiten dort wohnhaften Juden alle Erschütterungen des politischen Lebens mit. Die schwersten Verfolgungen hatten sie unter der byzantinischen Herrschaft zu ertragen. Sie waren von der Regierung verfolgt, gedrückt von schweren, unerschwinglichen Steuern und von dem Volke verächtlich behandelt, so daß der Einzug der Türken für sie eine Erlösung war. Es muß jedoch betont werden, daß es auch unter bulgarischer Herrschaft für sie einen kurz andauernden Lichtstrahl gab, und zwar unter der Regierung der bulgarischen Zaren Joannes Alerander und seines Nachfolgers Joannes Schischman, das feine besondere Ursache hatte, wovon noch zur Stelle die Rede sein soll. Im Jahre 1361 zogen die Osmanen nach siegreichen Kämpfen von Gallipoli aus in Adrianopel ein; Murad I. erkannte sofort die Bedeutung der Einnahme dieser Stadt für die Ausbreitung der Herrschaft über die ganze europäische Seite, war hierüber von solch großer Freude erfüllt, daß er sofort allen asiatischen Gouverneuren die freudige Mitteilung der Eroberung Adrianopels zu wissen machte, mit ihrer gleichzeitigen Proklamierung zur Hauptstadt des ganzen Reiches. Sie erhielt den türkischen Namen Enderneh, unter welcher Bezeichnung sie von nun an auch unter den Juden bekannt war. j Die Spuren der ältesten jüdischen Gemeinde von den griechischen Zeiten her befinden sich noch gegenwärtig in der Synagoge, die den Namen „Gregos" führt. Geschichtlich nachgewiesen ist es, daß die Juden schon zur Zeit des Beginnes der christlichen Zeitrechnung dorthin eingewandert waren; indem sie nämlich von den Ufern des Schwarzen Meeres, wo sich schon zahlreiche Juden von früher her befanden, sich gen Norden über den Bosporus auf einzelne Städte der Balkanhalbinsel verbreiteten. In Adrianopel bewohnten die Juden ein besonderes Viertel, wie es ja überhaupt bis in die gegenwärtige Zeit im ganzen Orient üblich ist, daß die Stadtviertel sich nach den Nationalitäten und Konfessionen abteilen. Es hat nicht den intoleranten Sinn des späteren Ghettos, sondern den der Zweckmäßigkeit. In Adrianopel befand sich das Judenviertel in dem Dreieck, welches sich zwischen den drei Flüssen Tundscha, Maritza und der Arda bildet. Die Lage war eine geschützte, isolierte, >o daß sich die dort wohnhaften Juden ungehindert entwickeln konnten; sie hatte aber auch einen schweren Uebelstand fm Gefolge. Sehr oft, wenn das Frühjahr kam. entstanden gefährliche Überschwemmungen, die den jüdischen Anrainern großen Schaden zufügten, und sie, die Juden selbst, nannten daher in sehr eigentümlicher Weise — ihr eigenes Viertel „tameh". welches mit den hebräischen Lettern aus den drei Buchstaben „t". „m" und „alif" gebildet wird, welche auf die Anfangsbuchstaben der drei angeführten Flüsse Hinweisen sollten und womit nicht der Sinn der Unreinheit, sondern der Begriff für die unglückseligen, wirtschaftlichen Folgen angedeutet wurde, die in ihrem Viertel hieraus entstanden. Murad blieb nicht untätig in der neugewonnenen, wichtigen Stadt. Er drängte weiter vorwärts nach Nor-

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