Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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■ '• Säte 94 ": : ' Vlochs - ^ÄlMMchkift. '•"'':" '. S'N -6 und die Ursache widerlicher Hetzen gegen den Mann, der allen Versuchern der Untreue hartnäckigen Widerstand leistete. Im „Märgarethener Wählerverein" November,1888 bemerkte ein Herr Maier, er habe gehört, 51 ronawetter solle Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde werden; wenn dies wahr (!) sei, so müsse Krona wetter zum Iudentume übergetreten sein: und auf Antrag eines Herrn Schwarz wurde dem Dr. Kronawetter „wegen seines Abfalles von den Ch ri sten" (!) die Mißbilligung ausgesprochen. So war wörtlich zu lesen im klerikalen „Vaterland". In einer Wählerversammlung beim „Grünen Tor" in der Lerchenfelderstratze 1887 wurde Dr. K r o n awetter von antisemitischen Parteimännern darüber interpelliert, warum er die Petition gegen die Einwanderung russischer Juden nicht unterstützt habe. Er antwortete mit folgenden Worten: „Ich Avar auf diese Interpellation allerdings nicht gefaßt. icli Avar nicht gefaßt, daß inan mir es zum Vonvurf machen Avird, daß ich mit den Reaktionären, mit den Antisemiten, nicht Hand in Hand gehe, ich habe die antisemitische Petition nicht unterstützt und werde .sie nie unterstützen, weil sie gegen meine Prinzipien, gegen das Programm der Demokraten, verstößt." „Ich finde es ungerecht und unwürdig eines Politikers, denjenigen, welchen die gleichen Pflichten obliegen, die gleichen Rechte mit den übrigen Staatsbürgern zu versagen, und es ist vollständig unrichtig, daß eine bestimmte Rasse von Menschen, wie es die Antisemiten behaupten, seien es nun Juden. Chinesen, Arier oder wie sie sonst heißen mögen, von Xatur aus schlecht oder gut ist.“ „Es ist inhuman und unbillig, die rechtliche Stellung eines Menschen von der Rassenverschiedenheit abhängig zu machen." „Ich werde nie mit diesen Leuten gehen, welche aus blindem Rassenhaß die Prinzipien der Menschlichkeit und auch der Anständigkeit vergessen.“ „Was die Petition au belangt, so war dieselbe verfehlt, nur von Rassenhaß eingegeben, zu dessen Werkzeug ich mich nie machen werde. Allerdings, wenn man darum petitioniert hätte, daß man den russischen Untertanen das Recht der Reziprozität zuteil lassen werden solle, so wäre das gerecht, aber nur die Juden und immer die Juden verfolgen, ist ohne Raison. Wenn aber der Herr Interpellant behauptet, daß alle Juden reich sind, so kann' ich ihm versichern, daß es blutarme Juden gibt, das habe ich oft erfahren als Steuerreferent.“ ,;,Der Kampf gegen das Judentum ist eigentlich nur ein irregeleiteter Kampf gegen das mobile Kapital. Allein diese Frage werden Sie nicht lösen,, wenn Sie hie und da einen Juden erschlagen. (Heiterkeit.) Da geben Sie sich einer großen Täuschung hin.“ „Sie werden mich stets im Kampfe mit der Korruption finden, mag sie von welcher Seite immer ausgehen, allein den Haß gegen die Juden zu predigen, können Sie von mir nicht verlangen und werden Sie von mir nicht verlangen und dürfen Sie nicht. Xocli einmal, ich perhorres ziere jeden Rassenkampf, jetzt und in aller Zukunft.“ In der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 30. Jänner 1893 sprach Abgeordneter K r onawetter über die neuen Schulgebete und das stenographische Protokoll bemerkt folgenden Zwischenfall: Abgeordneter Dr. Kronawetter:; „Man spricht davon, datz die nächste Errungenschaft des Klerikalismus die sein werde, datz die Kinder gezwungen werden, in der Schule das Vaterunser und das Ave Maria zu beten. Das Vaterunser ist ein hebräisches Gebet aus der Zeit der babylonischen Gefangenschaft her. (Gelächter rechts.) Es ist nicht mein Lebensberuf gewesen, sprachwissenschaftliche und kulturhistorische Studien zu betreiben. Ich habe das irgendwo gelesen, ich weitz nicht mehr genau wo. (Abgeordneter Treuinfels: Schöne Bildung!) Mein Gott, Me werden auch über Juristerei Manches gelten haben und vielleicht über manche juristische Dinge in ähnlicher Weise sprechen, wie ich hier über, diese Sache gesprochen habe. (Abgeordneter Treuinfels: Aber das dürften Sie . doch- , wissen, Hei r Doktor!) Ich bin kein Theologe von Fach. (Lebhafte Heiterkeit.) Und was ich gelesen habe, kann ja auch wahr sein." „Das zweite. Gebet, welches die Kinder werden sprechen müssen, ist das „Ave Maria". . „Ich frage alle Herren, die hier sind, bezüglich , des Ave Maria: was soll sich ein Kind in der Volksschule unter der Frucht des Leibes einer Jungfrau denken? (Unruhe rechts.) „Vizepräsident Dr. Kathrein (unterbrechend): Herr Abgeordneter, ich kann Sie so nicht weiter sprechen lassen. Ich bitte, von diesem Thema abzugehen. Ich kann das, was uns Katholiken das Heiligste ist, in dieser. Weise nicht besprechen lassen. (Lebhafter Beifall rechts.) Abgeordneter Dr. Kronawetter: „Ich konstatiere, datz ich kein Wort gebraucht und nichts gesagt habe, wodurch das, was einem Katholiken das Heiligste ist, im mindesten angegriffen oder herabgewürdigt würde. Ich verachte es, eine andere Meinung, speziell was immer für eine religiöse Meinung, herabzusetzen oder zu bespötteln. Nie ist etwas Aehnliches aus meinem Munde gekommen." „Allein in rein sachlicher Weise mutz man doch über alle Dinge sprechen dürfen. Wenn man da, wo man auf andere Anschauung stützt, schweigen mutz, und ein Parlament eine, in sachlicher Weise geführte Diskussion nicht mehr verträgt, weil sie den Klerikalen unangenehm ist, wenn die Redefreiheit so beschränkt wird, so ist damit der beste Beweis für den Sieg des Klerikalismus über das österreichische Parlament geliefert." „Wir gehen einer sehr traurigen Zeit in Oesterreich entgegen, die Fortschritte der Reaktion auf einem Gebiete, wo man es nie hätte erwarten sollen, sind rapid." Soweit das stenographische Protokoll. Dr. Bloch war im Hause zufällig nicht anwesend und erschien unmittelbar, nachdem diese Szene^sich 'abgespielt hatte. Der Berichterstatter Hofrat Beer erzählte ihm den Vorfall und bemerkte, seines Wissens eristiere über die Quellen des „Vaterunser" eine ganze Literatur, welche die Behauptung Kronawetters bestätigt. Indessen, die klerikalen Abgeordneten zeigten sich sehr stark entrüstet über die Zumutung, datz das christliche „Vaterunser" jüdischen Ursprunges sein soll, und Meldeten sich zum Wort, um Protest einzulegen gegen eine solche „Volksvergiftung". Daraufhin erbot sich Abgeordneter Dr. B l o ch, den klerikalen Vertretern für den jüdischen Ursprung des „Vaterunser" nicht etwa in den hebräischen Urterten, die sie nicht kontrollieren können, sondern aus den wissenschaftlichen Kommentaren zu den Evangelien den Nachweis .zu erbringen. Er Tiefe aus seiner eigenen Bibliothek nachstehende Werke holen: F. Nork's ..Rabbinische Quellen und Parallelen zu neutestamentlichen Schriftstellen" (Leipzig 1839). Evangelium Matthäus, S. 42- 45; Dr. Aug. Wünsch e's „Neue Beiträge zur Erläuterung der Evangelien aus Talmud und Midrasch" (Güttingen 1878), S. 83—90; Charles Taylor M. A. „Sayings of tlie Jewisli ' fathers.“ Excurs: Y. The Lord’s Prayer. 8. 138—145 (Cambridge 1877). Diese Werke enthalten sämtliche hebräische Urterte und Parallelstellen des „Vaterunser" mit genauer Angabe der Quellen, und sie verfehlten ihre Wirkung nicht auf die klerikalen Heitzspörne. Rieht "nur , der' Charakter des „ Vaterunser“ ist jüdisch-, sagt GM r ö,.r e r, der bekanntlich kein Jude war, sondern auch die einzelnen Sätze', die in .verschiedenen jüdischen Gebeten wiederkehren. Dein Kenner des Hebräischen ist es nicht schwer, die Sätze der „.Vaterunser“ durch zahlreiche -entsprechende Stellen des jüdischen Schrifttums zu belegen. ■ V- I user .Vater im Himmel“; — Abinu sche-bnschamujim (Sotali 9. 15; Aun-gl. in der Eülog'ie vor Sch’ma: Unser Vi$ter, barmherziger Vater). . . ... ". .. „..„/n