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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Dr. Bloch» Wochenschrift. Sette 89 •Jit. 5 in die Tat umgesetzt. Die Zweifel, als ob der Jude nicht für die Landwirtschaft taugte, haben die amerikanischen Juden nicht durch langatmige theoretische Abhandlungen, sondern durch die Tat widerlegt, so daß heute Tausende von jüdischen Familien Besitzer prosperierender Farmen sind, welche von den jüdischen Farmern und ihren Familienmitgliedern selbst bearbeitet werden. Dasselbe gilt von der Tauglichkeit der Juden zu schweren Hand- und Fabriksarbeiten. Die Juden, die nach Amerika ausgewandert sind, haben dort die Verleumdungen, die gegen sie in der alten Heimat erhoben wurden und sie zur Landflucht veranlaßten, durch ihre großen Erfolge auf allen Gebieten zuschanden gernacht. Und das alles aus eigener Kraft, aus sich heraus, ohne jede philanthropische Unterstützung. Nur mit ihrer Hände Arbeit und nur deshalb, weil Amerika ein Land ist, in dem die ehrliche Arbeit auch dann ihren Lohn findet, wenn sie von Juden geleistet wird. Heute gelten die großartigen sozialen und Wohlfahrtseinrichtungen der amerikanischen Juden als Muster für die europäischen Juden, allerdings als ein Muster, das hierzulande kaum erreicht werden wird. Die Träger aller jüdischen WissensDafft, die unendliche Summe von Intelligenz und Schass fenskraft, die Europa durch ihre vertriebenen Juden an Amerika bisher abzugeben hatte, haben in diesem Lande neue wissenschaftliche Zentren, neue Kulturstätten geschaffen und Industrien ins Leben gerufen, zu deren Studium die großen Geister des alten Europa über das große Wasser pilgern. Männer wie Jakob H. Schiff auf dem Gebiete des Finanzwesens, Oscar Strauß in der Politik,' Louis Marschall und Richter Sulzberger in der Jurisprudenz, Miß Sadie American auf dem Gebiete der Mädchen- und Frauenfürsorge, Professor Schächter, Gotthard Deutsch, Dr. Wise, Dr. Hirsch auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft, Samuel Gomperz in der Sozialpolitik, Nathan Straus auf dem Gebiete der Säuglingsfürsorge und großzügiger Philanthropie, und eine große, unendliche Zähl vieler anderer sind auch für uns Europäer leuchtende Beispiele dafür, was Amerika seinen Juden zu danken hat. Dies alles erfährt der Leser des flott und anregend geschriebenen Buches von Peter Wiernik. Ein Buch, das nicht nur für den Wissenschaftler, sondern, wie dev Autor mit Recht sagen darf, für jedermann geschrieben ist, der sich für die Geschichte der Juden im allgemeinen interessiert. Und gerade in Europa darf dieses Buch auf besonderes Interesse rechnen, gibt es doch fast keine jüdische Familie in Europa, deren Geschichte sich nicht zum Teile in Amerika abgespielt hat oder noch abspielt. Und wir haben bloß den Wunsch, daß die optimistische Auffassung des Verfassers, die er in bezug auf die heutigen Zustände und die künftigen Aussichten der Juden in Amerika hat, auch durch die kommenden Ereignisse gerechtfertigt erscheinen möge. Denn in Europa wird es leider noch lange nicht so weit sein, daß wir aus Amerika als Zufluchtsstätte für unsere hier ver> folgten Brüder verzichten könnten. Und wenn man das Buch Wierniks zu Ende gelesen hat - und wer könnte es beiseite legen, ohne es zu Ende gelesen zu haben —, so drängt sich einem der Wunsch auf die Lippen, daß unsere Glaubensbrüder in Amerika auch in Zukunft treue Wacht halten, mögen, damit die Tore dieses Freiheitslandes nicht geschlossen werden, denn niemand kann wissen, wann russische, rumänische oder die Willkür eines anderen Staates wieder eine Flucht verfolgter Juden in das gelobte Land veranlassen könnte. Zum Schlüsse möchten wir noch den Wunsch äußern, daß dieses wertvolle- Büch bald durch eine Uebersetzung auch den deutschen Lesern zugänglich gemacht werde. Literatur. Kine Wanderung durch das jüdische Altertum. Von Oberrabbiner Dr. X. Netter. (Separatabdruck aus der „Freien Jüdischen Lehrerstimme'', I. Jahrgang) Metz 1912. Im Selbstverläge des Verfassers. 20 Seiten. Preis 1 Mark. Eine geistreiche, ausgezeichnete Schrift, die. wir jedem Leser bestens empfehlen können. Der Verfasser bezweckt. „Stolz und Verehrung für das weitentlegene jüdische Altertum von neuem einzuflößen" (S. 3), ist das Hauptziel der in gedrängter Kürze vorgeführten „Volkstragödie, die auch den Fernstehenden mächtig ergreifen muß" (S. 2). Die Erwartung des Lesers, welche durch diese beredten Worte hervorgerufen worden ist. wird nicht im geringsten getäuscht. Mit feuriger Begeisterung werden die Geschicke Israels geschildert, zu welcher sich die mit klaren Beweisen unterstützte Widerlegung der Angriffe an die heilige Thora harmonisch gesellen. Ein neues Jugendbuch. Der rührige Jugendschriftenausschuß der Vereinigung israelitischer ßeligionslehrer und -Lehrerinnen in Frankfurt a. M. hat soeben im Verlage von J. Kauffma n n, Frankfurt a. M., ein neues Jugendbuch „Für unsere Jugend. Neue Folge" (Preis elegant gebunden 3 Mk.) herausgegeben, das ebenso reichhaltigen, sorgfältig ausgewählten und nur gediegenen Lesestoff enthält, wie der erste, vor einem Jahre erschienene Band. Es wäre nur zu wünschen, daß es alle jüdischen Kinder in die Hand bekommen und lesen. Wie vieles würden sie daraus lernen! Wie schön und anmutig würde ihnen das Judentum Vorkommen! Wie glücklich würden sie sich als Juden fühlen! Und ist es möglich, daß es alle unsere Schulkinder, namentlich diejenigen, welche deutsche Schulen besuchen und im Alter von 12—16 Jahren stehen, lesen? Sicherlich, wenn wir jüdische Jugendbibliotheken überall haben werden und wenn auch jüdische Eltern angeregt werden, ihren Kindern Büchern jüdischen Inhaltes zu kaufen. Die Rabbiner und Religionslehrer würden sich wahrlich ein großes Verdienst schaffen, wenn sie überall an die Kultusgemeinden herantreten und einen jährlichen Beitrag von 10—20 K für jüdische Jugendbibliotheken fordern würden. Viel besser als durch den Religionsunterricht kann die Jugend durch passende Jugendlektüre für das Judentum gewonnen werden. Stellet mit den vorzüglichen Unterhaltungsbüchern, welche die fleißigen Frankfurter Kollegen herausgegeben haben, eine Probe an, und es wird ein jeder die Ueberzeugung gewinnen, daß ein gutes Jugendbuch auch die heutige jüdische Jugend für das Judentum zu begeistern vermag! R a u d n i t z. Rabbiner Dr. Richard F e d e r. Paul von Hohenau: Blätter im Winde, Novellen - Sammlung Gurt Wiegand, Leipzig 1913. Briefe einer Wienerin. Wien, Wallishausersche Hofbuchhandlung 1913. — Wenn ein Mann der Wissenschaft — wir erinnern an die berühmten Mediziner Volkmann und Hofmann, den Juristen E. Jetteimann — in das Gebiet der schönen Literatur sich begibt, pflegen seine Dichtungen doppeltes Interesse zu erregen. So ist von dem Novellen - band unseres Wiener Chemikers (Dozent Dr. Paul Cohn, Sohn unseres Kultusvorstandes Salo Cohn), den ich an dieser Stelle besprochen habe, in kurzem eine zweite und dritte Auflage notwendig gewesen, deren dritte um eine tiefempfundene Geschichte: Stilles Sehnen, vermehrt erscheint. In den nächsten Tagen folgt, in der Heimat erschienen, als 2. Werk die „Briefe einer Wienerin“^ eine Novelle in Briefen, die dem künftigen Historiker das Leben der vornehmen Wiener Gesellschaft nicht minder getreu und anmutig schildern und Wiens vornehme Stätten der Geselligkeit ebenso anschaulich darstellen werden, wie die Briefe der Madame de Sevigne die Ludwig XIV. Vor den wirklichen Briefen der Marquise haben aber die fingierten der Wienerin den Vorzug, daß sie nebst „der Lust, zu fabulieren“ des „Lebens ernste Führung nicht vermissen lassen“, und ein spannender Herzensroman sich vom Hintergrund des Wiener Lokalkolorits abhebt. Und so wird die „Wienerin“ den Ruf ihrer Stadt vermutlich in ferne Zeiten und Völker tragen und das hübsche, mit einer reizenden Vignette geschmückte Buch bald auf keinem Schreib- oder Putztisch der Wienerin fehlen. Wien. C. Benedikt. Zur Mitternachtssonne. Reiseskizzen von Hermann und Therese König. Juni—Juli 1912. Rudolf Leszynsky: Die Sadduzäer. Berlin 1912. Verlag Mayer u. Müller, Berlin NW. 7, Prinz Louis- Ferdinandstraße 2.

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