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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 88 Dr. Blochs Wochenschrift. Vor allem aber mutz die jüdische Frau Glauben und Zuversicht erwecken zur Ausführung dieser sozialen Notwendigkeit. In Frankfurt haben die Frauen ferner noch manche Vereinigung geschaffen, die dem inneren Zusammenschlutz und der Erziehung der jüdischen Bevölkerung förderlich ist. Es dient die „Jüdische Frauenvereinigung" ihrer Tendenz nach der „gemeinsamen Pflege , der den jüdischen Frauen aus dem sozialen und geistigen Leben der Gegenwart erwachsenden besonderen Ausgaben im Sinne des gesetzestreuen Judentums". Die „Jüdische Haushaltungsschule" und die „Jüdische Schulküche" dienen dem Unterricht und der Vor-- bildung jüdischer Volksschülerinnen und junger Mädchen für Küche und Hauswirtschaft. So werden die geistigen und praktischen Interessen Hand in Hand im Sinne der sozialen Hilsstätigkeit gepflegt und gefördert.. Die „Ortsgruppe Frankfurt a. M. des jüdischen „Frauenbundes" übt ihrerseits in erster Linie eine propagandistische Tätigkeit im Sinne der Aufgaben des „Jüdischen Frauenbundes". Ihre Lokalarbeit besteht in der Aufrechterhaltung der Bahnhofsmission und einer Zufluchtsstätte für weibliche Durchreisende. Noch eine Schöpfung, die Frauensinn und Frauenarbeit ihr Entstehen verdankt, soll erwähnt werden: das „Heim des jüdischen Frauenbundes". An der Peripherie der Stadt Frankfurt, am Waldesrande, erhebt sich das Haus, das dem Schutze und der Erziehung gefährdeter weiblicher Jugendlicher dient. Stiefkinder des Schicksals finden hier Ausnahme, die im Leben zugrunde gehen mutzten, wenn keine führende Hand sich ihnen entgegenstreckte. Wir sehen aus den vorstehenden Ausführungen, datz all diese gemeinnützigen Einrichtungen nicht nur ihren speziellen Zwecken dienen, sondern datz sie ein Band sind, welches die Frauen in einigender Arbeit verbim det und sie an der Höherentwicklung der Gemeinschaft teilnehmen lätzt. Und besonders die jüdischen Frauen müssen heute im weitesten sozialen Sinne das uralte Gebot der Nächstenliebe erfüllen, und keine ihrer Schwestern, die in Helle und Sonnigkeit lebet, dürste sich abschliehen von der Erfüllung ihrer sozialen Pflichten. Trotzdem die jüdisch-soziale Frauenarbeit in Frankfurt a. M. schon manche Erfolge zu verzeichnen hat, so soll dies nur ein Ansporn zu weiterer grötzerer Betätigung sein. Der Boden dafür läge in einem lebhafteren innigeren Zusammenarbeiten der Organisationen, die heute von Frauen geführt, und jenen, die seit jeher nur von Män-- nern geleitet sind. Es werden dann immer mehr jüdische Männer und Frauen dem lauten Rufe der Zeit und ihres Volkes voll Verständnis folgen, und es wird durch vereinte Männer- und Frauenarbeit die jüdische soziale Hilsstätigkeit in Frankfurt a. M. ein Ruhmes!- blatt in der Geschichte ihrer Gemeinde bilden. Die Geschichte der Juden in Amerika. Von Jakob Kraus;. Es ist kein leichtes Unternehmen, heute schon dre Geschichte der Juden in Amerika zu schreiben. Ist doch die Geschichte Amerikas überhaupt nicht viel älter als 400 Jahre, und andererseits lebt noch alles, was in der Geschichte dieses Wunderlandes grotz und imposant ist, so frisch in unserer Erinnerung, hat sich gewissermatzen vor unseren oder unserer Ellern Augen abgespielt, datz es einer starken Objektivität bedarf, um in der Beschreibung dieser Vorgänge das richtige Matz des Geschichtsschreibers einhalten zu können. Der Autor der ersten. G^chichte der Juden in Amerika, Peter W i e r n i k, ein bekannter jüdischer Schriftsteller, war sich dieser Schwierig- Nr. 6 keilen wohl bewutzt, denn er nennt selbst seine Geschichte") bloß eine erste übersichtliche Zusammenstellung des Materials für eine grotze, ausführliche Geschichte der Juden in Amerika. Und diese seine Aufgabe ist ihm auch glänzend gelungen. Gewissermatzen kinematographisch ziehen an uns die Momentaufnahmen aus der kurzen, aber wechselvollen Geschichte der Juden in Amerika vorüber. Amerika hat seinen Aufschwung, sein meteorartiges Aufleuchten und sein rapides Emporschnellen zu nie geahnter kultureller und wirtschaftlicher Höhe hauptsächlich der reaktionären Politik der europäischen Staaten zu verdanken. Jedes - Kapitel der amerikanischen Geschichte hat ein reaktionäres Dokument zur Einleitung, das in irgend einer europäischen Staatskanzlei verfatzt wurde. Und wer harte denn noch so viel unter diesen ominösen Staatsdotumenten zu leiden, als die Juden der einzelnen europäischen Länder. Bald war es Deutschland, bald wieder Rutzland, ein andermal wieder Rumänien, und wieder ein andermal Galizien, das ihre Juden aus politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Gründen aus dem Lande trieb, um sie der Neuen Welt in die Arme zu jagen, die sie mit Freuden aufnahm. So bilden die einzelnen Enlwicklungsstadien Amerikas und die einzelnen Kapitel der Geschichte der Juden in Amerika gleichzeitig Phasen und Kapitel der Leidensgeschichte der Juden in Europa. Es ist interessant, datz die Reise der spanischen Enti decker, an welcher, wie bekannt, auch mehrere Juden teilnahmen, am Tage nach der grotzen Vertreibung der Juden aus Spanien angetreten wurde, und Wiernik weist nach, daß Amerika am Hoschanah Rabbah entdeckt wurde. Seit diesem Tage haben die Juden ihre Reise nach Amerika stets am Tage nach ihrer Vertreibung aus Europa angetreten und die Laikdung jenseits des grotzen Wassers war für sie Hoschanah Rabbah., Jedes Blatt der Geschichte Amerikas. und seiner einzelnen Staaten ist gleichzeitig ein Ruhmesblatt der Geschichte der Juden dieses Landes. Sie haben als Pioniere in den einzelnen Staaten Bewunderungswürdiges geleistet. Sie haben an den Unabhängigkeitskriegen Amerikas mit Gut und Blut teilgenommen. Sie haben ihre ganze in der alten Heimat mit Gewalt niedergedrückte Energie, ihren ganzen unverbrauchten Geist und ihre aufgespeicherte Arbeitsfreudigkeil in den Dienst ihrer neuen Heimat gestellt, und so nicht nur zum Aufschwünge und Aufblühen des neuen Heimatlandes beigetragen, sondern auch gleichzeitig selbst an den Segnungen dieser Arbeit teilgenommen. Diese Wechselwirkung von Dankbarkeit des Landes für ihre Neuangekommenen Arbeitskräfte und der befreiten Einwanderer für das Land der Freiheit war es. die Amerika grotz und die Juden von Amerika mächtig, reich und einflutzreich gemacht hat. Die Juden haben während der ganzen Zeit, die sie in gemeinsamer Arbeit mit der übrigen Bevölkerung der Vereinigten Staaten verbracht haben, ihre Pflicht dein Lande gegenüber sowohl, als auch gegenüber den Brüdern, aus deren Mitte sie gekommen waren, niemals vergessen. Sie haben nicht nur m Amerika selbst Kultur verbreitet, Wohlstand schaffen geholfen, sondern waren auch diejenigen, die sich allmählich von der europäischen Richtung emanzipierten und eine eigene moderne, gesunde Richtung suchten und fanden, die heute auch für Europa matzgebend ist. Vor noch nicht 100 Jahren gab es in den Vereinigten Staaten kaum drei Tausend Juden und heute sind es nahe-, zu soviele Millionen, die in achtunggebietenden Stellungen als Arbeiter, Kaufleute und Politiker sich befinden. Alle die Pläne, die im Lause der Jahrhunderte von den europäischen Juden üusgeheckt und ersonnen wurden, haben die amerikanischen Juden in Amerika *) History of the Jeus in America from (he period of the Discovery of.the New-World totte present tinrejby Peter W i e rn i k, Newyork, The Press Publishing Company 1912.

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