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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 79 träge sich immer mehr als unzulänglich erweist. Bei den Vorträgen von Dr. Oppenheim und Dr. G ru nwald haben mehrere 100 Personen keinen Einlaß gesunden. Das Institut der Vorträge, welches der Vorstand dank der Initiative des Kollegen Dr. Marimilian Steiner geschaffen, hat sich außerordentlich bewährt, und es ist auch dafür zu sorgen, daß diese Vorträge in Lokalen abgehalten werden, in welchen alle Besucher Platz finden. Das Auskunftsmittel, den Besuch auf die Besitzer von Einlaßkarten zu beschränken, erachte er als unangebracht. Es sollte jedermann freier Eintritt gewährt werden. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn bemerkt, daß es schwer fällt, während der Faschingszeit einen der gro-- ßen Säle zu gewinnen; für das nächste Jahr wird nach dieser Richtung rechtzeitig bessere Vorsorge getroffen werden. Herr Amtsleiter Rudolf Kraus referiert über „Periodische Unterstützungen". Für das Jahr .1913 ist diese Post mit 80.000 Kr. (um 10.000 Kst. mehr als 1912) budgetiert worden. Aus dieser Post erhalten Arme auf Grund der Erhebungen Monats- oder Quarta'sgaben in verschiedenen Einzelbeträgen. Es sind zumeist alte, jedenfalls minder- oder vollständig erwerbsunfähige Personen, die eine solche Gabe beziehen. Das Vertreter-Kollegium beantragt pro 1913 die Weiterbelassung von 65.032. - Kr. für 358 Parteien: von diesen sollen 91 Parteien einen gegenüber dem Vorjahr erhöhten Betrag erhalten, 136 Parteien wurden periodische Unterstützungen neu bewilligt. Bei zwei Parteien wird wegen geänderter Vermögensverhältnisse die bisherige Monatsgabe reduziert, einer Partei die Monatsgabe entzogen. Zusammen sind, falls alle 691 Parteien dis Beträge im ganzen Jahre beziehen würden, 80.464 Kronen erforderlich: doch kommt es bei diesen zumeist hochbetagten und kranken Leuten natürlicherweise vor, daß sie durch Einberufung in eine Versorgungsanstalt oder durch andere Vorkommnisse die bewilligte Gabe nicht ganzjährig beziehen können. Die hieraus entstehenden Ersparnisse gegenüber dem Budget werden durch Neubewilligungen im Laufe des Jahres nicht bloß aufgebraucht, sondern erfahrungsgemäß wesentlich überschritten. Vorsteher S. Steiner beantragt die Annahme der Vorlage, bemerkt jedoch dazu, daß die Einzelbetrage, die in manchen Fällen zu gering sind, etwa dadurch erhöht werden könnten, daß einlangende Spenden dafür Verwendung finden sollten. Herr Vizepräsident Dr. Gustav K o h n erwidert dem Vorredner, daß solche Spenden zumeist mit dem Wunsche des Gebers verbunden find, die Spenden gleich zu verteilen, was in der Weise geschieht, daß das Wohllätigkeitsamt und die Armenanstalt geeignete Arme in Vorschlag bringen. Bei der Abstimmung wird der Antrag des Vertreter-Kollegiums einstimmig angenommen. Herr Amtsleiter Kraus referiert ferner über die Post „Gnadengaben", aus welcher Personen beteilt werden, die zur Kultusgemeinde in einem Dienstverhältnisse standen, jedoch keinen oder einen nur geringen Anspruch auf Pension haben. Budgetiert sind pro 1913 36.000 Kronen, beantragt werden für 69 Parteien 35.002 Kronen. Da ein Vorstandsmitglied wegen einer Post eine Anfrage stellen will, erklärt Herr Präsident Dr. Ster n, daß dies in der öffentlichen Plenarsitzung nicht möglich sei. Kultusvorsteher Salo Cohn macht darauf aufmerksam, daß solche Beratungsmaterie in öffentlicher Sitzung nicht behandelt werden könne. Die Vorstandsmitglieder. welche über eine Ausgabepost abstimmen, müssen in her Lage sein, vorher genaue Auskunft zu erhalten, welcher Natur diese Ausgaben find und wofür sie verwendet werden. Da dies naturgemäß in öffentlicher Sitzung nicht geschehen kann, so sollten solche Materien nur in vertraulichen Beratungen zur Beschlußfassung gelangen. Der gestellte Antrag des Vertreter-Kollegiums wird sohin in der vertraulichen Sitzung mit großer Majorität angenommen. Israelitisches Kinderspital. Der Präsident Dr. Adolf Stern verliest eine dem Vorstande der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde zugekommene Verständigung des Oberhofmeisteramtes, daß Se. Majestät der Kaiser in Stattgebung des Majestätsgesuches des Vorstandes mit Entschließung vom 24. Januar 1913 die entgeltliche Ileberlassung der im Augarten gelegenen sogenannten „Was'erwiese" im beiläufigen Ausmaße von 17.000 Quadratmeter an die Israeli-- tische Kultusgemeinde zum Zwecke der Erbauung eines' Linderspitals genehmigt hat. Das Obersthofmeisteramt erklärt sich bereit, den gegenständlichen Platz, sonach im Ausmaße von 16.932 Quadratmeter um den Preis von 1,200.000 Kr. der Kultusgemeinde käuflich zu überlassen, und teilt weiter mit, daß die Gemeinde Wien gegen die in Aussicht genommene Errichtung eines Kinderspitals auf dem in Rede stehenden Grunde im Prinzip keine Bedenken erhebt, womit auch die vom Vorstände für die Erwerbung des Grundes gestellte Voraussetzung erfüllt erscheint, daß die Errichtung des Spitals auf diesem Grunde chne vorausgehende Parzellierung desselben und ohne Abtretung von Teilflächen zu Straßenzwecken genehmigt werde. Die Versammlung nimmt diese kaiserliche Entschließung mit lebhafter Freude zur Kenntnis und faßt den Beschluß, den geziemenden Dank der israelitischen Kultusgemeinde an die Stufen des allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Trauerkundgebung. In der außerordentlichen Plenarsitzung vom 29. d. Mts. gab der Präsident Dr. Alfred Stern in bewegten Worten der tiefen Trauer und dem Schmerle ausdruck. welche die jüdische Gemeinde Wien anläßlich des Hinscheidens des Erzherzogs Rainer beseelen. Der Präsident gedachte hiebei der Audienz, die vor mehr als einem Dezennium das Präsidium der Kultusqemeinde bei dem nunmehr Dahingeschiedenen erbeten hatte, um den Gefühlen der Freude anläßlich der Feier der Goldenen Hochzeit Ausdruck zu geben. Die Erinnerung an die unvergeßlichen Worte, mit welchen der nunmehr entschlafene Erzherzog diese Ansprache beantwortete, vertieft den Schmerz, den wir alle in dieser Stunde empfinden. in der wir das. Scheiden dieses edlen Fürsten aus ganzem Herzen beklagen. Sofort nach dem Hinscheiden hat der Präsident namens des Vorstandes an die Witwe des Dahingeschiedenen. Erzherzogin Maria Karolina. ein Belleidstelegramm gerichtet. Ebenso hat das Präsidium durch ein an den Kaiser gerichtetes Telegramm seine Teilnahme an die Stufen des Thrones gelangen lassen. Die zahlreich besuchte Versammlung, welche die Ansprache des Präsidenten stehend angehört hatte, beschloß die Einverleibung der Kundgebung in das Protokoll, worauf die Sitzung zum Zeichen der Trauer geschlossen wurde. Generalversammlung des Tempel-Vereines für den 9. Bezirk, Müllnergasse 21. Samstag, den 25. d. M., fand die Generalversammlung des isr. Tempel-Vereines Müllnergasse unter dem Vorsitze des Vereinspräsidenten Herrn Gottlieb Beitelheim statt, die einen würdigen Verlauf nahm.

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