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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 78 Dr. Blvchs Wochenschrift. Rr. 5 Sie verwechseln die vergoldete Turmspitze mit den: ganzen Gebäude und seinen unsichtbaren Fundamenten/' Redner fährt dann fort: „Ich halte es für das größte Unglück, ein landloses Volk zu sein, und unsere ganze Arbeit geht jetzt darauf hin, ein in der Welt herumstreifendes, von Ort zu Ort wanderndes Volk seßhaft zu machen und jene Bedingungen zu erfüllen, die man heute von einer Nation ooraussetzt, nämlich: territoriale Beschränktheit. Wir wollen Land haben, wollen seßhaft werden; auf den Reichtum verzichten wir. Wir wollen, wie gesagt, eine Nation werden im vollen Sinne des Wortes. In diesem Sinne sind wir eine werdende Nation. Darüber kann gar kein Zweifel bestehen. Nun, Herr Kollega Bonches, dieser werbenden Nation können Cie nicht das Jüdische als Nationalsprache empfehlen, denn das Jüdische ist ein deutscher Dialekt; was fangen die Juden in Palästina mit einem deutschen Dialekt an? Dort spricht man eine ganz andere Sprache, die Sprache der werdenden Nation und der alten Nation." Redner erzählt nun das Grimmsche Märchen vom jungen Wolf, der einen Menschen kennen lernen wollte. „Wir sprechen von der jüdischen Nation, die werden soll; wir waren einmal eine, wir werden sicherlich einmal eine werden. Aber geben wir uns keiner Täuschung hin. Heute sind wir keine. Nun, dann die Frage, wie das für die Gesamtheit werden soll? Das ist eine innere Angelegenheit, das können nur wir richten; richten wir sie nicht im Laufe der Jahre, sind wir nicht wert, daß wir existieren. Hier aber ist -'die Sache eine außerordentlich einfache, eine lokale Frage, und wir werden dafür sorgen müssen, die Zentralregierung zu überzeugen, daß kein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen wird, sondern daß wir für einen bestehenden Zustand einfach die öffentliche Anerkennung ansprechen, nämlich, daß für die Bukowina die Scheidung vorgenommen werde in die deutsche und jüdische Nationalität. Deswegen bitte ich Sie, unterstützen Sie diesen Antrag!" (Allgemeiner, lebhafter Beifall.) Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung vom Sonntag den 36 Jauner 1913 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. An Spenden sind eingelaufen: Ein Legat der Frau Adelherd Manasse, zur Errichtung einer Adelheid Manasse - Kinderbekleidungs-Widmung", durch Herrn Dr. Walter Plenk.... . . K 2600.- Durch die Administration der „Neuen Freien Presse" für die Kranken des Israel. Siechenyauses . . . . „ 150.— Von Frau Julie Thenen für das Siechenhaus der Kultusgemeinde ...„ 50.— Von Frau Rosa Gutmann Freifrau von Gelse et Belisce anläßlich des Ablebens ihrer Mutter der Frau Lina Klein: für die Armenanstalt.K 200.— für die Chewra-Kadischa..„ 200.— für .Ferienheim".. . „ 100.— für den Frauenverein.„ 100.— für den Handwerkerverein.„ 100.— für die Talmud-Thora.„ 100.— für das Taubstummen-Jnstitut. . . . „ 100.— für den Waisenhilfsverein........ 100.— für den Wöchnerinnen-Verband . . . . „ 100.— für das Armenhaus, III., Steingasse 18 . „ 100.— „ 1200.— Aus der Verlassenschaft des Herrn Moritz Löbl zur Verteilung an 10 arme Judenfamilien . -,.„ 929.— Von Kultusvorsteher Dr. Jakob Engel für die Versorgungsanstalt -. „ 200.— Aus der Anselm und Amalie Wechsler-Armenstiftung zur Verteilung an arme Personen.„ 127.13 Bon einem Anonymus für d'e Brigittenauer Schulküche, durch Herrn Amtsleiter Freistadt.„ 50.— Bon Frau Rachel Marmarosch anläßlich des Sterbetages des sel. Herrn Jakob Marmarosch.„ 40.— Von Frau Virginie Obersteiner durch Herrn Dr. Alfred Berger, Baden, für die Brigittenauer Schulküche. . „ 10.— Von Herrn Josef Kaulich für arme russische Juden . . . „ 4.— Bon Fräulein Julie Friedmann die gesamte Bibliothek chres sel. Vaters des Herrn Rabbiner Aron Friedmann für die Bibliothek der Kultusgemeinde als Aron Friedmann-Stiftung. Von Frau Jella Haas geb. Strakosch, zufolge letztwilliger Verfügung ihres sel. Mannes Dr. Gustav Haas, zur Verteilung an Arme.' . . . . . . „ 300.— Von Herrn Julius Thenen für Notleidende. ..„ 50.— Weiters befinden sich im Einlauf: Dankschreiben der „Israel. Allianz" für die zugunsten der notleidenden Juden in den Balkanländern gewidmete Spende von 5000 Kronen. Dankschreiben des Herrn Gustav H. Pick für die Glückwünsche, des Kultusvorstandes. Dankschreiben des .Vorstandsmitgliedes k. k. Kommerzialrat Leopold Simon für die Kondolenz des Kultusvorstandes anläßlich des Ablebens seines Bruders, des Herrn Hermann Simon. Mitteilung Sr. Exzellenz des Herrn Bürgermeisters Dr. Richard Weiskirchner von seinem erfolgten Amtsantritte. Ein Dankschreiben des Herrn k. k. Schulrates des Prof. Dr. Moriz Tschiaßny für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich der Ernennung zum k. k. Schulrat. Dankschreiben der Frau Therese Saborsky für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Hinscheidens ihres Galten, des Herrn kais. Rat Albert Saborsky. Anläßlich des 92. Geburtstages Sr. Ehrwurden Herrn Rabbiners Dr. Adolf Schmiedl hat der Kultusvorstand an denselben ein Glückwunschschreiben ge-» richtet und hat der Präsident Herrn Rabb. Dr. Schmiedl aus dem gleichen Anlasse persönlich beglückwünscht. Nach Uebergang zur Tagesordnung referiert Sekretariatsabteilungsleiter Dr. Leopold Stern über die Ausnahme einer Bestimmung in das Kultusgemeinde- Statut, betreffend die Versorgungsgenüsse der Kultusgemeindeangestellten, wodurch die Befreiung sämtlicher Eemeindeangestellter von der gesetzlichen Versicherungspflicht gemäß dem Pensionsversicherungsgesetze bewirkt werden soll. Der Kultusvorstand hat zwar schon in der öffentlichen Plenarsitzung vom 6. Februar 1912 die Aufnahme einer diesfälligen Bestimmung in dys Kultusgemeindestatüt beschlossen: es hat sich jedoch auf Grund der mit dem Ministerium für Kultus und Unterricht und dem Ministerium des Innern gepflogenen Verhandlungen die Notwendigkeit ergeben, die Formulierung des Plenarbeschlusses vom 6. Februar 1912 zu ändern. Gemäß dem Referentenantrage des Herrn Dr. Leopold Stern wird nach Aufhebung des Plenarbeschlusses vom 6. Februar 1912 beschlossen, das Kultusgemeindestatut durch Aufnahme einer Bestimmung zu ergänzen, welche lautet wie folgt: „Sämtliche Angestellte der Kullusgemeinde, mit Ausnahme der in die Kategorie der provisorischen Diener gehörenden Bediensteten, haben gegenüber der Kultusgemeinde von dem Zeitpunkte ihrer, wenn auch provisorischen, Anstellung angefangen — unbeschadet bereits erworbener oder etwa in Hinkunft zuzugestehender weitergehender Rechte — Anspruch auf Invaliden- und Alterspensionen, sowie auf Pensionen zugunsten ihrer Hinterbliebenen im Umfange der Bestimmuügen des Gesetzes vom 16. Dezember 1906, R.- G.-Bl. Nr. 1 er 1907, eventuell etwaiger anderer an Stelle dieses Gesetzes tretender gesetzlicher Bestimmungen." An der Diskussion, welche dieser Beschlußfassung vorausging, beteiligten sich insbesondere die Herren Kultusvorsteher Dr. Jakob Engel, Dr. Heinrich Schreiber und kais. Rat Weil, welche sichl nach den vom Präsidium, sowie vom Referenten gegebenen Aufllärungen mit dem vorgelegten Anträge einverstanden erklärten. Herr Dr. Jakob Engel gab dem Wunsche Ausdruck, es möge auch zwecks Befreiung der Angestellten der Bethausvereine von der gesetzlichen Versicherungspflicht eine gleiche Aktion eingeleilet werden. Kultusvorsteher kais. Rat Jonas Weil lenkt die Aufmerksamkeit des Präsidiums auf die Tatsache, daß der Saal des Architekten-Pereines für die Abhaltung der vom Kultusvorstand veranstalteten jüdischen Vor-

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