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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-24 · 4 (24.1.1913) · p. Seite 66

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
Seite 66 (sequence 14)
Language
German
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Seite 66 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 4 Prager Gesellschaft versammelten sich hier im festlich geschmückten Elternhaus der fungen Braut. Mau sah den Universitätsprofessor Dr. Epstein, den Direktor des Deutschen Volkstheater, Heinrich Teweles, den Großindustriellen Dr. Lasch u. a. m. Der Prediger der Tempelgemeinde, Herr Dr. Schroarz. der den Trauungsakt vornahm, richtete an da- Brautpaar herzliche Worte religiöser Erinnerung. Glückwünsche ans allen Schichten trafen ein in großer Menge und zeugen von der hohen Wertschätzung der geachteten Familien. Ronsperg. Anläßlich der Generalversammlung des Kronprinz Rudolf Wohltätigkeitsvereines an welcher zahlreiche Mitglieder aus Ronsperg und von auswärts teilnahmen, wurde auch unser Vereinsvorstand Herr Abraham Langschur, welcher seit mehr als 46 Jahren dieses Amt bekleidet, durch die Ueberreichung eines schönen finnigen Ehrengeschenkes und einer seitens des Herrn Rabbiners gehaltenen, darauf bezugnehmenden Rede gestiert. Professor WMam Wolf. Rasch tritt der Tod den Menschen an. William Wolf, der als Mensch wie als Künstler hochgeschätzte Direktor des Berliner Synagogen-Chors in der Lindenstraße, ist eines plötzlichen Todes gestorben. Mit ihm ist einer der seltenen Menschen dahingegangen, die, treu ihren Idealen lebend, über der Zeit zu stehen scheinen. Schön wie sein Leben, war sein Tod. Nachdem er im Lettehaus einen Vortrag gehalten, dessen Schlußwort „Gloria" war, stürzte er bewußtlos zusammen. — Groß ist die Zahl derjenigen, die in dem Dahingegangenen ihren Lehrer, Freund und Berater betrauern. Wolf war bis an sein Lebensende — er erreichte das hohe Alter von 76 Jahren - literarisch und musikalisch tätig. Seine Werke über Musik-Aesthetik brachten ihm den Professortitel. Die Vorträge, die er in der Humboldt-Akademie über Musik hielt, fanden stets ein dankbares Publikum. Die Leichenfeier war eine erhebende: der Chor, den er Jahrzehnte lang geleitet, sang dem allgemein verehrten Manne das Erablied. An seiner Bahre trauern, außer seiner gramgebeuqten Witwe, viele, die,, wenn schon nicht verwandt, sich dem wahrhaft edlen Menschen im Streben nach allem Wahren, Edlen und Guten verwandt fühlten. Breslau. Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch, stellvertretender Rabbiner und stellvertretender Religionsschul-Dirigent in der hiesigen Gemeinde, ist — 66 Jahre alt — plötzlich verschieden. Der Heimgegangene wurde an Sohrau als Sohn des Rabbiners David Deutsch, eines hervorragenden Talmudisten, geboren. Seine Ausbildung genoß er bei seinem Vater und im hiesigen Rabbinerseminar. Von 1875—1897 war er Rabbiner in Sohrau, von da bis 1900 Stiftsrabbiner in Lisfa und 1900 wurde er nach hier berufen. Er 'war eine sympathische Persönlichkeit und erfreute sich mit Recht großer Beliebtheit. Feuilleton. Zwei Grinrrerrmgen! Von Anna Mandel - Friedmann Wien. H. Das Festspiel. Wer lange in der Großstadt lebt, wird leicht müde, wird blasiert, anspruchsvoll in Neigungen, Genüssen, ja selbst in Gefühlen. Man sieht und hört so vieles, man vergleicht, man kritisiert und ahmt gern und oft zuletzt fremde Sitte, fremde Art nach. So ist es in der Kleidung, im Zuschnitt des Hauses, so ist es aber^auch im gesellschaftlichen Leben, das von einem Lurus im Innern und Aeußern durchtränkt ist, der von vornherein fast jede echte und reine Freude ausschließt. Und vielleicht nirgends ist dies so sehr der Fall, wie bei uns Juden und unseren Zusammenkünften an Fest- und Freudentagen. Wohl gibt es auch hier Vereine genug, die der Erinnerung an Gedenktage und festliche Ereignisse Stunden der Geselligkeit, der Lust und des Vergnügens widmen, durch Vorträge von Künstlern gewürzt, durch gute Musik ausgezeichnet, aber die rechte, gehobene Stimmung wird auch da nicht ausgei löst, weil es ja zumeist nicht jüdische, herzergreifende und langvertraute Töne sind, die angeschlagen werden. Am meisten aber kommen unsere Kinder dabei zu kurz, denen jedes Fest nur durch selbst errungene Freude zum Feste wird und im Gedächtnis bleibt, — die den tiefen Gehalt und den ewigen Wert der Lehre Israels noch nicht verstehen können und umso inehr auf die kurzen Momente erinnerungsfroher Festlichkeit angewiesen sind. Dadurch — durch eigenes Erleben und Mitleben an echt jüdischen Feiern wird in ihren Herzen Freude am Judentume erweckt und in ihnen Begeisterung und Stolz auf die Religion ihrer Väter großgezogen. Denn selbst die eindringlichsten Worte, die schönsten Erzähl lungen können die Erinnerung an s e l b st Erlebtes, eigen Empfundenes nicht ersetzen. „Ja, die Erinnerung! Wie oft überkommt sie mich, wenn die Flocken fallen und Winterstürme wehen, die Erinnerung an die Kindheit in der kleinen Stadt, an die Geselligkeit im engen Kreise. Welche magnetisch? Kraft barg da das Wort: Chanuka! Wie freuten wir uns auf die acht lichterhellten, frohen Abende, die mit Gesang und Spiel, mit Geschenken und kleinen Freuden im Hause gefeiert wurden und durch die der Zauber unschuldsvollen Glückes, reinster Harmonie wehte. Und wenn dann erst an einem dieser Abende ein Wohltätigkeitsfest stattfand, wenn Theater gespielt und getanzt wurde, wie köstlich waren dann die Stunden, die solche seltene Genüsse boten! So steht mir denn heute besonders ein Festspiel vor Augen, bei dem die gesamte jüdische Schuljugend des Städtchens mitwirkte und das groß und klein schon Wochen vorher in Aufregung versetzte. Wir führten die Makkabäer auf, ein gewaltiges Stück, eine unsere Kräfte fast übersteigende Leistung.. Aber wir machten uns mit fröhlichem Mute an die Arbeit. Und obgleich unser Regisseur und Leiter, der verehrte Rabbi und Lehrer der Schule, sich oft den Kopf vor Verzweiflung hielt und stöhnte: „Kinder, es geht nicht.. Wir bringen es nicht zustande!", wir ließen nicht ab, zu bitten und zu betteln, zu flehen und zu schmeicheln, bis der Vielgepla'gte wieder das Buch zur Hand nahm und halb lachend das Stichwort gab. Und neben Schularbeiten, Schlittschuhlaufen, neben Handarbeit und. Turnen wurden Kostüme genäht, Sandalen geschnitten, der Kopfputz hergerichtet, es wurde gelernt, gesungen, geprobt, daß wir fast ein zwiefaches Leben in uns fühlten und mit keinem Könige der Welt getauscht hätten. O diese Proben, diese freien Zusammenkünfte, an denen arme und reiche Kinder, ältere und jüngere, ernste und fröhliche in fast gleicher Weise begeistert, angeregt und empfänglich waren für das Schöne und Erhabene, das dieses Stück verherrlichen sollte. Und wurde auch oft um diese und jene Stelle gestritten, gab es auch manchmal Zank und' Unvernunft, wollte auch dieses oder jenes Kind manchmal dem Leiter gegenüber Recht behalten, vieles besser wissen, gab es sogar auch Tränen und Herzweh dabei, — wenn wir auf der Bühne standen und die hehren Gestalten jener wundervollen, in der Geschichte einzig dastehenden Zeit wiederzugeben trachteten, da waren wir alle eins, da wurde jed^r nur als Glied einer Kette angesehen. Wie glühend haßten wir doch den bösen Heidenkönig, der solche Not und Trauer über unser Volk ge-

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