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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-24 · 4 (24.1.1913) · p. Seite 64

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
Seite 64 (sequence 12)
Language
German
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Seite 64 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 4 Ob diese meine Gepflogenheit nicht noch üble Folgen für mich haben wird, weiß ich nicht. Ich erinnere mich bloß, daß ein ehemaliger Oberbürgermeister von Bukarest (Cariagdi) unser Gotteshaus ostentativ verließ, als ich meine auf solch jüdisch-politischen Ton gestimmte Predigt begann; dafür hatte ich später die Genugtuung, daß ein Nachfolger desselben (Pache Protopopescu), als er unseren Tempel nach Schluß des Gottesdienstes, während dessen ich in meiner gewohnten Weise gepredigt habe, verließ, zu mehreren ihm bekannten Glaubensgenossen sagte: „Ihr braucht keinen beredteren Sachwalt, als Dr. Beck auf der Kanzel!" Es scheint, daß Ihr Korrespondent die bittere Pille, die er mir zum Verschlucken reicht, versüßen will, wenn er von mir sagt, ich hätte bei der jetzigen Regierung großes Ansehen. Ich habe für solche zweideutige captatio benevolentiae kein Verständnis und am allerwenigsten bin ich dafür dankbar. Ich erfreute mich weder bei einer früheren Regierung großen Ansehens, noch bei der jetzigen. Von den gegenwärtig im Amte befindlichen Ministern habe ich bloß mit Herrn C. D i s e s c u, dem Kultus- und Unterrichtsminister, eine flüchtige Begegnung gehabt, ohne zu ihm in nähere Beziehungen zu treten. Wenn ich im Laufe einer fast 40jährigen Amtstätigkeit nicht selten für einzelne Glaubensbrüder oder für jüdische Anstalten bei den verschiedensten Behörden mit Erfolg interveniert habe, so habe ich das nicht meinen Ansehen, sondern der Gerechtigkeit der Sache, für die ich mich intercflierte, zu verdanken. Ich verwende mich für meine Glaubensbrüder nur in dem Falle, wenn fie als Juden eine Unbill erlitten haben und wenn ich von der Gerechtigkeit ihrer Sache völlig überzeugt bin. In jedem anderen Falle hüte ich mich, einen Minister oder einen sonstigen Staatsbeamten zu belästigen. Die Legende, ich sei so eine Art russischen K ro nrabbiners, mag dadurch entstanden fein, daß ich mich nicht scheu.-, die Partei der Regierung zu nehmen, wenn man ihr bezüglich der Juden unbegründete Vorwürfe macht. Dafür stade ich den Mut und gewinne das Recht, wirklich judenfeindliche Gesetze und ihre Ausführungsbestimmungen brandmarken zu können. Mein innigster Wunsch wie derjenige unserer Freunde ist und muß sein, daß die tiefe und schrrffe Kluft, welche heute unsere rumänischen Glaubensbrüder von den Rumänen in politischer und sozialer Beziehung trennt, recht bald überbcückt werde. Wir haben seit drei Jahren eine über das ganze Land verbreitete Gesellschaft, Uninnea evreilor pämänteni, welche zielbewußt in dieser Richtung wirkt und die sich trotz ihres verhältnismäßig kurzen Bestandes schon mancher recht erfreulichen Erfolge rühmen kann. Es ist zu hoffen, daß sie das gesteckte Ziel in absehbarer Z-it erreichen wird. In der ficheren Erwartung, daß Sie die Freundlichkeit haben werden, die vorstehenden Zeilen in einer der nächsten Nummern Ihrer geschätzten Wochenschrift zu veröffentlichen, grüßt Sie bestens Ihr ganz ergebener D r. M. Beck, Rabbiner. Vermischtes. Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 30. Jänner 1913, ^8 Uhr abends, findet im Festkaale des Ingenieur- und ArchitektenvereineS, I., Eschenbachgoffe 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Wilhelm Müuz aus G l e i w i tz statt. Thema: „Ein Gang durch die jüdische Geschichte." — Eintritt frei ohne Karten. Wien. (Bethausverein „Adaß Jeschurun".) Die ordentliche Generalversammlung des Beihausvereines „Adaß Jeschurun" findet Sonntag den 26. Jänner d. I., präzise 4 Uhr nachmittags, im Vereinslokale, IX., Pfluggaffe 5 statt. Wien. Samstag, den 25. Jänner 1913, abends xj2l Uhr, findet im Zeremoniensaale des Tempel, IX., Müllnergasse 21, die ordentliche General-Versammlung für das 46. Vereinsjahr des israelitischen Bethausvereines „Chewra-Beth-Halfilah" statt. Wien. (Generalversammlungen.) In den Räumen des israelitischen Humanitätsvereines „Eintracht B'nai B'rith", IX., Univerfitätsstraße 4, findet Donnerstag den 6. Februar d. I. um halb 6 Uhr die Generalversammlung der „Jüdischen Toynbeehalle" und um halb 7 Uhr die des „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder" statt. Wien. Die 39. ordentliche Generalversammlung des israel. Tempelvereines für die Bezirke Wieden und Margareten in Wien findet Sonntag den 26. Jänner 1913, 10 Uhr vormittags im Sitzungssaale des Tempelgebäudes, V. Bez., Siebenbrunnengasse 1 a statt. Wien X. Der „Jüdische Schulverein im X. Bezirk" veranstaltet Dienstag den 27. Jänner 1913, 8 Uhr abends, im Schullokal, X., Hasengasse 7, seine 13. Generalversammlung. Jüdische Toynbeehalle. XX., Othmargasse 46. Samstag den 25. Jänner: Konzert. — Sonntag den 26. Jänner Neues und Altes aus dem Lande der Väter (Lichtbilder, Zyklus III.) Jakob Bronner. - Montag den 27. Jänner: Deutscher Literatur- ZyNus (Foitietzunß). — Dienstag den 28. Jänner: Zyklus aus der jüdischen Geschichte. Professor Dr. K. Kupfer. — Mittwoch den 29. Jänner: Bilder ans dem Rechtsleben. Dr. M Reiß. — Donnerstag den 30 Jänner: Thema Vorbehalten. Dr. Rudolf Brichta. — Freitag den 31. Jänner: Brbelvoitrag. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Herrn Dr. I. Samuely. Wien, I., Fckcherstiege 6, gelangen lassen. „Äinberjaufe". Wer würde es glauben, der es nicht miterlebt, wieviel Freude und Glückseligkeit eine Linderjause hervorzubringen vermag. Man muß allerdings die Sache auch anzupacken verstehen, und wahrlich, der Obmannstellvertrster der Toynbeehalle, Herr Karl Freund, unterstützt von seiner nimmermüden Gattin Marie und einer kleinen Schar begeisterter Helfer, treffen die Kunst ganz ausgezeichnet. Da las man in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift", daß eine ungenanntseinwollende Dame, Frau N. N., anläßlich des ersten Geburtstagsfestes ihres Lindes Herrn Freund eine größere Geldspende mit dem Wunsche übergeben hat, armen Lindern eine Freude zu bereiten, und daß Herr Freund dementsprechend für Sonntag, den 19. d. M., 330 arme Brigittenauer Schulkinder zu einer Festjause in die Toynbeehalle geladen habe. Gerne benützte der Schreiber dieser Zeilen den Anlaß, die „Linderjause" mitzuerleben. Der Eindruck bleibt unvergeßlich. Die fröhlichen Gesichter beim Eintritt in die behagliche Halle, der Wetteifer der Kleinen in Gesängen, Deklamationen und Reigen ihre Kunst zu zeigen, der Jubel, den ein ganz trefflich von Lindern aufgeführtes Theaterstück auslöste, die Freude, als jedes Lind die schmackhafte Jause und noch ein Päckchen mit Süßigkeiten erhielt, all dies mußte jedem tief ans Herz fassen. Und dann kam der wichtigste Programmpunkt: Die große Musterung, bei welcher festgestellt wurde, welche Linder guter Schuhe, warmer Wäsche oder Kleidung bedürftig sind, und welche der Kleinen infolge ihres Aussehens oder eines körperlichen Defektes wegen an einen Arzt gewiesen werden sollen. Jedes bekam ein Zettelchen, mit dem es an einem der nächsten Tage sich in der Toynbeehalle einzusinden hat, damit ihm geholfen werde, denn die Spende der. edlen Dame reichte nicht nur für die Jause, sondern auch für die Anschaffung mancherlei nützlicher Kleidungsstücke, und dre Aerzte der Vereinsleitutlg helfen auf ihrem Gebiete recht gerne. Wenn einer der Gäste, kais. Rat Dr. Ascher, an diesem Nachmittage die Toynbeehalle mit einem Tempel und das Ehepaar Freund mit den Hohenpriestern darinnen verglichen hat, so hat er das Richtige getroffen. Gott segne dieses edle Werk, dem Weisheit die richtigen Wege zeigt, das Stärke ausführt und das in seiner Schönheit kaum von anderen Institutionen erreicht wird. Fides. „Beth Haam" (Jüdisches Bolksheim). Wien, XVII., Hormayrgafse 7a. Samstag den 25. Jänner 1913, x/a8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Grün über „Soziale Ursachen des Verbrechens." — Anmeldungen von Vorträgen oder Miiwirkungen bei Konzerten wolle man gef. an den P äsidenten Herrn Dottor M. Förster, XVI., Thaliastraße 22, gelangen lassen.

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