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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-24 · 4 (24.1.1913) · p. Seite 63

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
Seite 63 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 63 und von den anwesenden alten Mitgliedern durch Eratulation ausgezeichnet wird. Nachdem sich während der Mitgliederaufnahme noch viele Kandidaten'meldeten, beschloß der Vorstand der Bester Chervra-Kadischa, die Aufnahme neuer Mitglied der bis zum 26. Januar zu verlängern. In der abgelaufenen Woche haben größere Lummen als Aufnahmsgebühr erlegt: Julius Engel 1000, Friedrich Kriegler und Dr. Emil Stein je 500, Jonas Steiner und Sigmund Rosenfeld je 450. Aladar Frankl, Straßburger. Gustav Schnitzer, Bela Mohr je 400, Adolf Unterberg, Julius Braun je 300 Kronen. Dieses edle und schöne Beispiel wird gewiß auch in der kommenden Woche Nachahmung finden. König Ferdinand. Belgrad, 12. Januar. Die Herren Dr. Paul N a - than (Berlin), Elkan Adler (London) und Dr. Bernhard Kahn (Berlin) als Vertreter der Humanitären jüdischen Organisationen sind auf der Reise nach den Notstandsgebieten des Orients in Belgrad eingetrosfen. Soweit die Delegation bisher feststellen konnte, behandeln die serbische Regierung und die Militärbehörden die Juden in den eroberten Gebieten human. Durch Vermittlung des Herrn Rabbiners Alkalay in Belgrad ist es erreicht, daß die türkischen Gefangenen jüdischen Glaubens wahrscheinlich sreigelassen und in die Heimat zurückbefördert werden. Die Delegation begibt sich von Belgrad nach Sofia. Die Adresse der rumänischen Juden an den König. Die rumänischen Juden haben im Wege einer Deputation dem König von Rumänien eine Adresse überreicht, die folgenden Wortlaut hat: „Eure Majestät! In diesem entscheidenden Momente, in welchem sich das Land befindet, erachtet es die eingeborene jüdische Bevölkerung als ihre Pflicht, ihre unabänderliche Solidarität mit dem rumänischen Volke und ihre tiefe Anhänglichkeit zu dem Lande von neuem auszudrücken. Die eingeborenen Juden werden unter den ersten sein, die dem Hufe zu den Waffen folgen und sieb aus vollem Herzen ihren Kameraden anschließen werden, um mit ihnen Schulter an Schulter unter ihrer nationalen Fahne zu kämpfen. Sie sind im Innersten davon überzeugt, daß die Gerechtigkeit nicht länger auf sich warten lassen kann. Sie sind sich der Wandlungen bewußt, welche die öffentliche Meinung unter dem Drucke der Umstände durehgemaeht hat. Wir haben keinen Zweifel darüber, daß die tiefgehende Bewegung, welche jetzt durch das Land geht, ein neues Gewissen zeitigen wird und eine öffentliche Meinung, welche den Forderungen der Gerechtigkeit mehr Rechnung tragen wird, als bisher. Wir haben lange genug gewartet. Die Zeit ist gekommen, da unserer Sache mehr Sympathien und größeres Interesse entgegengebracht werden sollte. Wir sind Rumänen, und wir wünschen auch vom Gesetze als solche anerkannt zu werden. Wenn die Stunde der Opfer schlagen wird, so werden wir es beweisen, wie wir cs in der Vergangenheit, bewiesen haben, und Tag um Tag von neuem beweisen, daß niemand das Recht hat, sich für einen besseren Rumänen zu halten, als wir es sind. Aber ein neu erwachtes Gewissen und ein leidenschaftsloseres Begreifen der wahren Interessen des Landes werden es nicht länger zugeben, daß wir, wenn es gilt, Opfer zu bringen, als Rumänen, mul wenn es gilt, Rechte zu erhalten, als Fremde betrachtet werden sollen. Sire! In der angefalteten Petition, welche wir den legislativen Körperschaften übersandt haben, haben wir unsere Forderungen ausführlich auseinandergesetzt. Wir bitten Eure Majestät, derselben geneigte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wir bitten Majestät, daß uns endlich Gerechtigkeit werde. Die jüdische Bevölkerung ist überzeugt, daß sie in ihrer Forderung um ihre Rechte sich in vollem Maße der fürsorglichen Hilfe Eurer Majestät erfreuen wird. Sie weiß es,, daß vom Throne bloß Worte der Ermunterung und Akte der Gerechtigkeit ausgehen können. Die jüdische eingeborene Bevölkerung wird es niemals vergessen, daß dank der Intervention Eurer Majestät ihr die Zusicherung wurde, daß sie bei der Ausübung der neuen Gesetze über den nationalen Handel und Industrie eine gleiche Behandlung mit den Rumänen erfahren werde. Sie holle, daß jetzt in derselben Form und von demselben Platze das Wortkommen wird, das den Abschluß der Vergangenheit und den Anbruch eines neuen Lebens bedeuten wird.“ Der König empfing den Delegierten Dr. Mar Gaster sehr leutselig und ließ sich eingehend über verschiedene Fragen informieren. Er erkundigte sich nach dem Befinden des Bruders Dr. Gasters, der bekanntlich der Chacham der Londoner spanischen Gemeinde ist. und sandte ihm besondere Grüße. Wir erhalten folgende Zuschrift: Bukarest, den 14. Jänner 1913. Sehr geehrter Herr Doktor! In Nr. 50 (13. Dezember 1912>, Seite 849, I. Spalte, war in Ihrer geschätzten Wochenschrift ein Artikel unter der Ueberschrift: „Judenfreundliche Stimmung in Rumänien" abgedruckt. Ich war gerade damals, als die genannte Nummer zur Ausgabe gelangte, in Wien und ich wurde von befreundeter Seite auf den betreffenden Artikel aufmerksam gemacht. Ernste Familiensorgen verhinderten mich, demselben nähere Aufmerksamkeit zu schenken und als ich dann später nach Bukarest zurückkehrte und mich einigermaßen beruhigt hatte, hielt ich es nicht mehr für zeitgemäß, auf die Sache nochmals zurückzukommen und Sie um eine Berichtigung der in der erwähnten Korrespondenz enthaltenen, durchwegs falschen Angaben und Behauptungen zu bitten. Jetzt, in den allerletzten Tagen, lese ich in der in Frankfurt a. M. erscheinenden Wochenschrift „Der Israelit" (Nr. 1 vom 3. Jänner 1913) einen dem Inhalte nach verwandten Artikel mit der Ueberschrift: „Der Balkankrieg und die rumänische Judenpolitik", der wohl auch Ihren Korrespondenten zum Autor hat. Ohne auf die seltsamen Phantastereien Ihres Korrespondenten näher einzugehen, will ich mich mit einem Passus beschäftigen, der mich persönlich betrifft und der in Ihrer wie in der Frankfurter Wochenschrift fast ganz gleich lautet und zwar: „Aus wiederholten Anlässen hat, wie ich auf Grund authentischer Informationen berichten kann, die rumänische Regierung den Bukarester Oberrabbiner Dr. Beck, der jetzt in Regierungskreisen großes Ansehen genießt, veranlaßt, gegen die Regierung im Auslande verbreitete ungünstige Nachrichten zu dementieren und zu bestätigen, daß die Regierung sich bemühe, den Wünschen der Juden nach Tunlichkeit gerecht zu werden." Ich fordere Ihren Korrespondenten auf, mir nachzuweisen, w o und wann ich eine den rumänischen Glaubensgenoffen nachteilige Maßnahme der rumänischen Regierung verteidigt, w o und wann ich erklärt habe, daß. die rumänische Regierung bemüht oder willens sei, die gerechten Forderungen der rumänischen Juden zu befriedigen. Ich erkläre ferner auf das allerbündigste, daß ich niemals von der rumänischen Regierung den Auftrag übernommen habe, die gegen die rumänischen Juden gefaßten restriktiven Gesetze im In- und Auslande zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen. Ich gehe noch weiter und behaupte, daß eine solche oder ähnliche Zumutung seitens der rumänischen Regierung niemals an mich gestellt wurde, weil man von vorneherein weiß, daß ich dafür nicht zu haben bin. Als Beweis dafür, wie sehr mir Ihre Korrespondez Unrecht tut, führe ich die Tatsache an, daß ich in allen Predigten, die ich an den rumänischen Nationalfesten in unserem Tempel halte, denen in der Regel ein Adjudant S. M. König Carol's I. beiwohnt und von denen manche im Drucke erschienen find, es nie unterlaffe, mehr oder weniger deutliche Anspielungen auf die rechtlose Lage der Juden im Lande zu machen, obschon mir von befreundeter (jüdischer) Leite wiederholt angedeutet wurde» ich müßte mich solcher politischen Illusionen auf der Kanzel enthalten, weil sie einmal denn doch übel vermerkt werden könnten. Diese Freunde mögen ja recht haben; aber ich kann es mir doch nicht versagen, bei jeder sich mir darbietenden Gelegenheit eine Lanze für meine Glaubensbrüder einzulegen.

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