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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-24 · 4 (24.1.1913) · p. Seite 62

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
Seite 62 (sequence 10)
Language
German
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Seite 62 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 4 teiligung statt. Unter den Trpuergästen befanden sich: Statthalter Fürst Thun, Weihbischof Dr. Frind, Oberlandesgerichtspräsident Freiherr v. Wessely, Statthalterei-Vizepräsident Ritter v. Herget, der Vizepräsident der Finanzlandesdirektion Ritter v. Terfch, Polizeipräsident Krikowa, Vorstand des Präsidialbureaus der Statthalterei Freiherr v. Braun, die Spitzen der übrigen staatlichen Behörden, Vertreter der Landesbehörden, Bürgermeister Dr. Gros mit mehreren Stadträten und der Präsident der Advokatenkammer mit nahezu sämtlichen deutschen und böhmischen Advokaten Prags. ' Die Kultusgemeinde-Repräsentanz veranstaltet zur Ehrung des Toten am Donnerstag, den 23. d. M., um 6 Uhr abends, im großen Saale des isr. Rathauses eine Gedächtnisfeier. Antisemitische Ausschreitungen m Galizien. Auf der Landstraße zwischen Iaroslau und Oleschize verkehren in der Regel sehr viele jüdische Fuhrwerker, die sich davon ernähren, daß sie auf schweren Lastwagen Waren von Iaroslau nach den verschiedenen Städten transportieren. Seit einiger Zeit werden die'e jüdischen Fuhrwerker auf der Landstraße von, wie es scheint, aufgehetzten, organisierten Bauernbanden überfallen und mißhandelt. Mitunter werden auch die Waren, die sie führen, beschädigt. Wie dem „Lemberger Tagblatt" berichtet wird, waren dieser Tage mehrere Offiziere und Soldaten, welche auf dieser Strecke mit der Errichtung von Schutzgräben beschäftigt waren, Augenzeugen solcher Ueberfälle. ohne daß sie die Bauern an den Ausschreitungen gehindert hätten, trotzdem die bedrohten jüdischen Fuhrwerker den Schutz der Offiziere anriesen. Cs ist dies ein recht trauriges Zeichen dafür, welche Dimensionen die antisemitische Agitation in Gülizen bereits angenommen hat. Verein Nikolsburger Israelitisches Versorgrmgsharrs. Aus Nikolsburg wird folgender Aufruf versendet: Einem immer dringender werdenden unabweisbaren Bedürfnisse Rechnung tragend, hat sich hier ein Komitee, bestehend aus Vertretern der israelitischen Kultusgemeinde, der politischen Israelitengemeinde. des Wohltätigkeitsvereines „Ehewra Kadischa" und der beiden hierortigen Frauenvereine gebildet, welches sich die Gründung eines israelitischen Ajyles für arbeitsunfähige, altersschwache Personen zur Aufgabe gestellt hat. Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Nikoisburger israelitische Kultusgemeinde eine der größten Gemeinden Mährens, sie zahlte eine stattliche Anzahl wohlhabender Bürger zu ihren Mitgliedern und war imstande, als bekannt wohltätige Gemeinde a len an sie gestellten Ansprüchen in reichem Maste gerecht zu werden. Seither haben sich die Verhältnisse leider sehr ungünstig gestaltet. Diele wohlhabende Gemeindemitglieder haben, dem Zuge der Zeit folgend, zum größten Teile die Heimat verlassen und sind der Hauptstadt des Reiches zugewandert. Geblieben ist ein Mittelstand, der es als seine heilige Pfl'cht erachtet, den bisherigen Glanz und guten Ruf der Gemeinde, selbst unter Aufwendung der größten Opfer, hochzuhalten, der stets bestrebt ist, unsere altehrwürdige Gemeinde und unseren historischen Friedhof in traditioneller Weise zu erhalten, um im pietätvollen Gedenken an unsere selig dort ruhenden frommen und wohltätigen Ahnen diese altehrwürdige, heilige Stätte der Nachwelt als bleibende Erinnerung würdig überliefern zu können. Geblieben ist auch die Armut, welche selbst auf Unterstützungen angewiesen ist und die Erwerbsunfähigen, welche aus öffentl'chen Mitteln vollständig erhalten werden müssen, so baß die Zahl der Armen und Erwerbsunfähigen die Zahl der Wohlhabenden weit übersteigt. Dazu kommt die große Menge durchreisender armer Glaubensgenossen, die, woher immer sie kommen und wohin immer sic ziehen mögen, den Weg über Nikolsburg zu finden wissen. Bei dem großen Wohltätigkeitssinne, der, wie wir ohne unbescheiden zu sein, sagen können, unsere Gemeinde besonders auszeichnet, haben wir bisher allen Anforderungen gerecht werden können und allen Notleidenden durch das Zusammenwirken der verschiedenen Vereine und der Privat-Wohltätigkeit wenigstens das tägliche Brot gesichert. Was wir aber nicht vermögen, das ist: Den Leidenden und A tersschwachen. deren wir eine große Anzahl in unserer Mitte haben, die nötige Pflege und Obsorge zu verschaffen. Deshalb haben bei der Auflösung des ehemals bestandenen Israelitischen Versorgungsvereines die letzten Mitglieder dieses Vereines aus dem verbliebenen Vermögen von ca. Kr. 50.000 eine Stiftung errichtet, mit der Bestimmung, daß die Zinsen dieses Kapitales einem zu gründenden Versorgungshause für arme kranke oder erwerbsunfähige Personen zusließen sollen. Da aber diese Summe zum Betriebe einer solchen Anstalt nicht ausreichend wäre und die Verwirklichung dieses Planes erst bei genügendem Kapitale gesichert und ausführbar erscheint — jedoch selbst die größte Opferwilligkeit unserer Eemeindemitglieder nicht imstande ist, es nur annähernd herbeizuschaffen — so wenden wir uns in erster Linie auch an die Munifizenz unserer ehemaligen Gemeindemitglieder und an die Munifizenz jener unserer Glaubensgenossen, deren Vorfahren einst eine Zierde unserer Gemeinde waren, mit der inständigen Bitte: Helfet uns die Äermsten der Armen versorgen! Wir appellieren an das goldene jüdische Herz und hoffen, keine Fehlbitte zu tun! Je nach den Beiträgen werden wir unterscheiden: a) Beitragende Mitglieder, welche sich zu einem jährlichen Beitrage in unbeschränkter Höhe verpflichten; b) Förderer, Gründer und Stifter, je nach der Höhe des einmaligen Betrages; c) Spenden werden in jedem Betrage dankend entgegengenommen und öffentlich quittiert. In der Anlage gestatten wir uns, ein Eremplar der Statuten, sowie einen Postsparkassenerlagschein zur gefälligen Verwendung beizuschließen. '; - ' . j •_[ j @ Hochachtungsvoll Für das Gründungs-Komitee: Franz Deutsch, Bürgermeister der Israelitengemeinde. Dr- Moritz Lewin. Rabbiner der Israelitengemeinde. Abeles Gustav, Obmann der Ebewra Kadi^-i. Bock Moritz, Mitglied des Kultusausschusses. Fehl Mar Mi ghed des Kultusausfchiches und des Gemeindeau-- schusses. Grassel Ignaz. Mitglied des Kultilsausschusies. Hahn Johann, Vorstandsmitglied der Ehewra Kadischa. Kahn Gustav, Obmann des Vereines Hiiaritas. Krakauer Samuel, Handelskammerrat. Pater Josef. Mitglied des Kultusausschusses und des Gemeindeausschusses. Dr. Pisk Albert, Gemeindearzt. Pisk Gustav, Vorsteherstellvertreter der Kultusgemeinde, Gemeinderat. Svitzcr Jakob, Kultusbeirat. Spitzer Sirgmund, Mitglied des Gemeindeausschusses. Teltscher Bernhard. Bürgermeisterstellvertreter. Teltscher Eugen, Mitchef der Firma Teltscher u. Elattauer. Toch Heinrich, Kultusbeirat und Mitglied des Gemeindeausschusses. Für das Wiener Komitee: Abeles Ludwig, Holzqroßhandluna. Wien-Mistelbach: Baß Leovold, k. k. Kommerzialrat, Direktor der Firma Eottlieb Tausiig u. Söhne, Wien. Bauer Fritz, Mitchef der Firma Lurie u. Bauer, Wien. Dr. FeuÄtwang David, Rabbiner, Religionsinspektor, Wien. Karpeles Jakob, Chef der Firma Löffler u. Co., Wien. Kaiser Albert. Chef der Firma Wilhelm Beers Nachf., Wien. Dr. Knövkmacher Wilhelm, Hör- und Eerichtsadvokat, Wien. Dr. Koritschoner Alfred, k. k. Polizeiarzt. Wien. Dr. Pisk Ludwig, Hof- und Eerichtsadvokat, Wien. Plafchkes Hermann. Genosienschaftsvorsteher. Wien. Pollit-er Alfred. Mitchef der Firma Pollitzer u. Wertheim. Wien. Pollitzer Ludwig, Milchef der Firma Pollitzer u. Wertheim, Wien. Pollitzer Huao, Mitchef der Firma Pollitzer u. Wertheim, Wien. Österreicher Anton. Ledergroßhandlung Wien. Osrr Gustav. Mitchef der Firma Rumpler u. Oser, Wien. Dr. Spielmann Isidor, .Hof- und Eerichtsadvokat, Wien. Trebitsch Gustav, Prokurist der Firma Hermann Pollaks Söhne, Wien. Trebitsch Jakob, Großkausmann, Wien. Die Mitgiiederaufnahme der Pester Ehewra-Kaducha. Vom 5. bis 19. Januar begann die Ausnahme neuer Mitglieder der Pester Chewra-Kadischa. In Vertretung des erkrankten Präsidenten Hofrat Julius Winterberg eröffnete der Vizepräsident Bankier Julius Adler in einer herzlich und von echt jüdischem Geiste durchwehten Ansprache den neuen! Zyklus zur Einverleibung neuer Mitglieder. Bis 17. Januar, d. i. bis Freitag, haben sich 1450 Mitglieder gemeldet, welche rund 100.000 Kroyen als Ausnahmsgebühr erlegten.; - Im großen Prunksaale der Pester Chewm-Mhischa ziehen die Kandidaten in Begleitung derReferenten vor das Präsidium, wo der Vizepräsident Julius Udler an jeden Einzelnen eine kurze Ansprache hält, die mit den Worten schließt: „Ich empfange Dich als meinen Bruder" und dies mit Handschlag bekräftigt. Dann folgt die Begrüßung des neuen Mitgliedes, welches durch den ganzen Saal bis zur Türe geleitet

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