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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-24 · 4 (24.1.1913) · p. Seite 61

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
Seite 61 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 6t k) für Steiermark, Kärnten und Krain: Graz, Z) für Tirol und Vorarlberg: Innsbruck,- h) für das Küstenland: Triest. Ueberdies sollen an gewissen Einbruchsstationen an der Grenze, so in Bodenbach-Tetschen, Hohenems, Oderberg, Salzburg, eventuell auch Ung.-Brod, Grenzbureaus errichtet ^erden. Die Rayonnierung der einzelnen Kultusgemeinden zu den Kreisarmenkassen Must derart erfolgen, dah sowohl die territoriale Lage, als auch nach Möglichkeit die nanonale Zugehörigkeit berücksichtigt und aus den Beiträgen der zugewiesenen Kultusgemeinden eine genügende finanzielle Leistungsfähigkeit der betreffenden Kreisarmenkassen erzielt wird. Die Kreisarmenkassen müssen so verteilt sein, dast sie den Hauptrouten des Wänderarmenstromes entsprechen. Referent verlas einen vorläufigen Entwurf der Rayonnierung und betonte, dast dieser Entwurf nur zur allgemeinen Orientierung dienen soll, aber noch lange kein definitives Elaborat bedeute, da ja die endgiltige Abgrenzung der Kreiskassenrayons nur im Einvernehmen mit den beteiligten Gemeinden erfolgen könne. Ueber dieses Referat entspann sich eine längere eingehende Diskussion, an welcher sich auch die Herren: Sondek. Dr. Thein, Schramek, Rind, Weist, Dr. Kwminka und Leicht beteiligten. In dieser Diskussion wurde auch flüchtig die nationale Frage gestreift und die Notwendigkeit betont, in der Einrichtung der Verwaltung der „Zentralstelle" und in der Abgrenzung der Kreiskassen den nationalen Bedürfnissen nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Nach Schluß der Debatte wurde folgender Antrag des Herrn Dr. O r n st e i n einstimmig angenommen: Die Abgrenzung der Kreisarmenkassen wird dem neugewühlten Vorstande der „Zentralstelle" zugewiesen, welcher die Bestimmung der einzelnen Sprengel aus dem goeignet erscheinenden Wege zu veranlassen und dann das Elaborat der „Zentralstelle" zur Genehmigung vorzulegen hat. Einer Anregung des Herrn P o l l a k, Leitmeritz, dast die Vertreter der als Standorte der Krekskassen in Aussicht genommenen Gemeinden mit Herrn Sekretär- Fleischer in Prag zu einer Beratung zusammentreten, um daselbst über die Einteilung der Kreiskassen-Rayons schlüssig zu werden, wurde zugestimmt. Die von verschiedenen Kultusgemeinden und Einzelpersonen schriftlich vorliegenden Anträge und Anregungen wurden dem Vorstande zur Vorberatung und Beschlußfassung zugewiesen. Mit Morten herzlichen Dankes und aufrichtiger Befriedigung über die geleistete sachliche Arbeit, schloß sodann der Vorsitzende die konstituierende Versammlung. Eine Probe der Administration des neuen Bürgermeisters Dr. Weiskirchnrr. Mir erhalten folgende Zuschrift: ’!'/'"Sehr geehrte Redaktion! hist ein Jude, 26 Jahre alt. in Wien geboren und? sustÄdig, Schlossergehilfe. Anfangs Dezember v. I. wurde? ich^ wie viele andere, infolge der Geschäftskrifen aus meiner Arbeit, nachdem ich in einem Betriebe längere Zeitz-beschäftigt war, entlassen. In banger Sorge, einer längevew Arbeitslosigkeit im Winter entgegenzugehen, bewarb ich mich um eine Stelle als Schlosser bei den städtischeN-' Gaswerken und mit mir noch einige Kollegen anderer Konfession. Bevor jedoch mein Offert zur Erledigung gelangte, gllang es mir, in einer Fabrik unterzukommen und eine auskömmliche Entlohnung dort zu erhalten. Am 6. Januar d. I. wurde ich, nachdem ich nicht mehr darauf rechnete, zu meiner Ueberraschung eingeladen, mich bei der Direktion der Gaswerke vorzustellen. Am 7. mußte ich mich ärztlich untersuchen lassen und wurde für tauglich befunden. Daraufhin wurde ich. sowie mein Kollege, zum Eintritt aufgefordert und angewiesen, das Arbeitsbuch zu bringen. Frohen Mutes holte ich mein Arbeitsbuch und nahm die Entlassung aus der bisherigen Beschäftigung, und überreichte das Buch — zugleich tat dies auch mein Kollege — bei der Direktion der Gaswerke. Während nun mein Kollege, ein Christ, sofort den Dienst antreten konnte, wurde mir bedeutet, am nächsten Tage zu kommen. Als ich dann Mittwoch, den 8. Januar, wieder kam, schüttelte man sehr bedenklich das Haupt und erklärte mir endlich, „es läge hier ein besonderer Fall vor und man werde mich schon verständigen, wann ich mit meinem Arbeitsbuche kommen solle!!" Jetzt war ich ohne Arbeit und wartete — wartete eine Woche, und könnte vielleicht so lange wie der Ritter von Toggenburg warten, wenn ich nicht auf einer Korrespondenzkarte mit Rückantwort (Doppelkarte) urgiert hätte. Ich opferte die 10 Heller noch, um Gewißheit zu erlangen, in der Meinung, man werde so anständig sein, die bezahlte Antwort, ihrer Bestimmung gemäß, zu verwenden. Ich erlebte wieder eine Enttäuschung — bis heute erhielt ich noch keine Antwort. Es kann kein Zweifel sein, der Grund meiner Nichtaufnahme ist meine Konfession, aber man will es nicht gerade heraussagen, und darin liegt das weitere Unrecht. Denn, würde es offen erklärt werden. daß die Ausnahme eines Juden absolut ausge^ schlossen ist, hätte ich mich nicht darum beworben; keinesfalls wäre ich aber aus der Arbeit in der Fabrik der Firma Werner u. Pfleiderer getreten. Durch ein solches Vorgehen der Direktion bin ich pekuniär geschädigt und in eine sehr prekäre Lage gebracht worden: ich bin aber trotzdem machtlos, dagegen etwas zu tun. Und doch sind unter den Gaskonsumenten nicht wenige Juden. Hochachtungsvoll ergebenst Heinrich Herzler. Schlvssergehilfe Wien, XVI., Grüllemeiergasse 7. Dr. Ludwig Bendirner. Prag. Samstag, den 18. Januar, ist hier eine der bedeutendsten Prager Persönlichkeiten, der weit über die Grenzen Prags hinaus bekannte und geachtete Verteidiger JUDr. Ludwig Bendiener, nach längerem Leiden im Alter von 73 Jahren verschieden. Der Verblichene war aber nicht nur ein glänzender, erfolggekrönter Anwalt und einer der besten forensischen Redner Oesterreichs, er war auch sonst im öffentlichen Leben außerordentlich ersprießlich tätig und galt mit Recht als Wohltäter der Armen und Bedrängten. Was er als leitende Persönlichkeit in der israelit. Kultusgemeinde-Repräsentanz, im Nächstenliebeverein, im Verein für geregelten Gottesdienst und anderen Körperschaften und Vereinen geleistet, hat seinen Namen mit ehernen Lettern in die Gedenkblätter unserer Gemeinde verewigt. Er war viele Jahre hindurch Mitglied des Landesschulrates für Böhmen. Obmannstellvertreter des Deutsch-politischen Vereines in Prag und Vorstandsmitglied der meisten deutschen Vereine. Er war auch Kammeranwalt der Advokatenkammer für Böhmen. Durch mehr als vierzig Jahre war er Mitglied des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde und durch 25 Iahre deren Vizepräsident. Er hat sich um die Organisierung des Armenfürsorgewesens und der Humanitären Institutionen in Prag große Verdienste erworben. Das Leichenbegängnis fand am 21. d. M. vom jüdischen Rathause aus unter außerordentlich großer Be-

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