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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · p. Seite 45

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 45 (sequence 13)
Language
German
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Nr, 3 Dr^ BKochs Wochenschrift. Seitk 45 SereO. Am 6. cr. verschied hier nach kurzem Leiden der allseits beliebte und geachtete kassier des Serether Kredit- und Sparvereines, Herr Moses L a k n e r. im Alter von 55 Jahren. Derselbe gehörte durch längere Zeit dem hiesigen Gemeinde- und Kultusrat als Mitglied an. Das am 7. cr. stattgefundene Leichenbegängnis gab beredten Ausdruck, welcher Sympathien sich der Verblichene bei der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession erfreute, eine unabsehbare Menschenmenge folgte demselben und waren sämtliche Geschäfte, wo der Leichenzug passierte, zum Zeichen der Trauer gesperrt. Päderbörn. (B i> cho sb e such.) Der neuerwählte Weihbischof der hiesigen Diözese, Herr Heinrich Hähling von Langenauer, machte diejer Tage dem hiesigen jüdischen Prediger, Herrn Louis Weilen, seinen Antrittsbesuch. Während der Unterhaltung sprach sich der Bischof über Judentum und Juden hochschätzend und erfreulich aus. Breslau. (Die Gabe des Oberpräjidenten.) Der frühere Oberpräsident von Schlesien, Graf Zevlitz-Trützschler, hat anläßlich seiner goldenen Hochzeit dem hiesigen „Israelitischen Erziehungsheim^' am Rhedigerplatze 500 Mt. überwiesen. Professor Bergsohn Vizepräsident der Akademie für politische Wissenschaft. Die Pariser Akademie des Sciences morales und politigues hat den Professor am College de France. Bergsohn, einstimmig zu ihrem Vizepräsidenten gewählt. Bar-onet Maurice Levy. König Georg von England hat, wie das englische Amtsblatt meldet, dem Mitgliede des englischen Unterhauses, Sir Maurice Levy, die Baronie verliehen. Baronei Maurice Levy vertritt seit 1900 seine Geburtsstadt Leicester im Unterhause, woselbst er wiederholt für jüdische Interessen das Wort ergriffen hat. Baronet Levy ist Kaufmann. Direktor der Fabriksaktiengesellschaft Hart und Levy in Leicester bei London. Der neue Katalog der hebräischen Manuskripte des BEish-Museums. Dieser Tage erschien der neue Katalog der hebräischen Manuskripte des British^Museums, ein überaus wertvolles Werk, das. den Hebraisten Margoliouth zum Autor hat. Der Katalog behandelt nahezu 200 Manuskripte, und die ausführliche Beschreibung derselben ist ein Beweis für die liefe Gelehrsamkeit und die große Liebe, mit welcher der Verfasser diese Arbeit bewerkstelligt hat. Besonderes Interesse erwecken vier Manuskripte über Philologie und ebensoviele über Medizin'. Dieser Katalog ist ein neues Zeugnis über . diegroßen hebräischen Schätze, die das British-Museum hzrgt. _' zfeuMeton. Zwei Erinnerungen! Von Anna Mandel - Jriedmarm Wien« I. Hilde! Es war vor einigen Jahren in einem selten heißen und wundersam strahlenden Sommer.. Wir konnten erst spät aufs Land gehen, da ich. sehr lange krank gelegen und man die Reise nicht recht wagen wollte. Endlich aber schien es doch so weit, und obgleich es die Nacht vorher gestürmt, gewittert und geregnet hatte, fuhren wir. des. Morgens nach der .Hinterbrühl, unserem diesmaligen Sommeraufenthalte. Herrlich schon war es da! Das kleine Gartenhaus, der große, von dichtem Wald umgebene, gepflegte und für sich abgeschlossene Park, der stille Ort, auf den hohe, mächtige Berge ernst herabsahen, wurden mir lieb und ich glaubte daran, daß ich endlich dort gesunden würde. Vorläufig aber lag ich noch jeden Tag in einem tieflehnigen Strecksauteuil, von Kissen und Decken um-' geben, ließ die müden Hände im Schoße ruhen und horchte auf die Stille ringsum. Im grauen Korbwagen lag nicht weit von mir mein Töchterchen und im hohen Grase saß in ihrer bunten Volkstracht die blonde Amme und nähte eifrig. Ab und zu kam mein Mann, um nach uns zu sehen, oder meine gute Großmutter, die mich damals in ihrer trauten, sorglichen Art umhegte und pflegte. So gingen die Tage dahin, ich träumte und ließ die Sonne auf mich herabscheinen, die Sonne, die altes Kranke gesund und alles Schwache stark machen soll. Einmal, an einem Vormittage, als mein Kleines gerade vor Hunger zu krähen anfing und ich ganz aufgeregt die Amme rufen wollte, die gerade in diesem Augenblick in's Haus gegangen war, sah ich in einer Spalte des Zaunes, der den Park von der Rebenüilla trennte, ein süßes, rosiges Kindergesicht auftauchen und neugierig zu uns herüberblickem Und ein feines Stimmchen rief: „Soll ich zu dir kommen?" „Gewiß," sagte ich, „komm nur her, liebes Kind, aber nicht durch den Zaun. Du kannst dir wehtun?' „Nein, nein." Die Kleine schüttelte eifrig den Kopf, lief behend an dem Zaune entlang, um eine größere Spalte zu finden, durch die sie durchschlüpfen konnte. Und richtig, da weiter oben war ein Stück der Latte ausgebrochen und das schmächtige, zierliche Persönchen wand sich schlangengleich hindurch, um dann mit einem Jubelschrei aus mich zuzueilen. „Soll ich hingehen und die Resi rufen, gnädige Frau," fragte sie keck un& lief, bevor ich noch antworten konnte, den schmalen Weg hinunter. Neugierig sah sie dann zu, wie das Kindchen gefüttert wurde, wie es prall und rosig in dem Sonnenglanze lag, die blauen Augen weit geöffnet, das Fingerchen im Mund, — und ein scheu verlegener, dabei fast mütterlich zarter Ausdruck trat auf ihr Gesicht. „Das ist lieb!" sagte sie: „darf ich immer mit ihr spielen kommen?" „Natürlich, so oft du willst. Aber jetzt komme erst einmal zu mir und sage mir, wie du heißt." Sie sprang zutraulich näher und gab mir die Hand. „Hilde heiße ich, und nächstes Jahr komme ich schon in die Schule. Meine Mama ist sehr schön und ich Hab' sie sehr lieb. Aber weißt du. heute ist sie fort, und unsere alte Marie hat viel zu tun. Da ist's mir fad geworden und ich Hab' hier durchgeguckt, wie schon an den meisten Tagen. Du, ihr habt auch, einen Hansl! Darf ich ihm immer Bogelfutter bringen?" Das kleine Plappermäulchen gefiel mir. Ich gab ihr einen Kuß und sagte: „Hanserl wird .sich sehr-freuen, wenn er so gute Sachen von dir bekommt, aber erst mußt du deine Mama fragen, ob sie dir erlaubt, herüberzukommen." „Hilde, Hilde." klang es da vom nahen Hofe her, „wo bist du?" Die Kleine lachte und duckte sich, legte den Finger auf den Mund und machte pst. Dann, als sich die Rufe weiterhin verloren, war sie mit einem Satze wieder bei dem Zaune, drehte sich um, warf nur einen Handkuß zu und kroch dann blitzgeschwind durch das Loch hinüber. „Morgen komme ich wieder!" rief sie noch, und verschwand endlich hinter den Bäumen.

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